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Christian W. Mucha's Newsletter vom 12.6.2026

12.06.2026 11:45
Redaktion
© KI-Bild / MGM
Der Newsletter von Christian W. Mucha

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Christian W. Mucha’s Newsletter vom 12.6.2026

Geisterstunde-Kunde

Habemus capem.

Seit heute Früh, 1:26 Uhr, ist Clemens Pig offiziell der neu gewählte ORF-Generaldirektor.

Nach 15 Stunden Marathon-Sitzung, über die diverse Medien gar via Live-Ticker berichteten, ist also die wichtigste Medien-Entscheidung des Jahres getroffen.

Doch wiewohl kein Medium hierzulande an dieser wichtigen Wahl vorbeikam, hat kein einziger Journalist einen der wohl alles entscheidenden Faktoren bei dieser Wahl auch nur mit einem Nebensatz bedacht:

Laut Live-Ticker des Kurier hat nämlich um 1:13 Uhr der 35-köpfige Stiftungsrat mit der tatsächlichen Abstimmung begonnen. Und um 1:26 Uhr war die anonyme Stimmabgabe (mit Stimmzetteln, auf denen die Namen der Stiftungsräte standen?!) vorbei. Sprich: Nach kürzester Zeit. Im ersten (!) Wahldurchgang.

Warum ist dieser Punkt so wichtig?

Die Antwort darauf kennen ORF-Insider, weil es in der Vergangenheit bereits mehrmals zu Stichwahlen kam. Hätte also Pig nicht im ersten Durchgang die erforderliche Mehrheit erhalten und wäre es zu einer Stichwahl der bestplatzierten Kandidaten gekommen, dann wäre der Teufel los gewesen:

Denn zwischen zwei Stichwahlen gilt es für jeden der noch im Rennen verbliebenen Kandidaten jene, die nicht für ihn gestimmt haben, zu überzeugen, ihm schlussendlich dann doch noch ihre Stimme zu geben.

So etwas ist hierzulande mit Zugeständnissen verbunden. Mit Zugeständnissen freilich auch an jene, die politisch hinter den noch unentschlossenen Stiftungsräten stehen. Mit personellen Zusicherungen, die es vorher noch nicht gegeben hat. Mit Zuckerln, frei nach dem Motto: Mit Speck fängt man Mäuse.

Das mag nun laut EU-Recht nicht zulässig sein, ist aber gepflegte politische Praxis in Österreich. Ob einem das jetzt gefällt oder nicht. Und genau so ist das bei Wahlen in der Vergangenheit, wo es Spitz auf Kopf stand, immer gelaufen…

Und da Pig im ersten Durchgang mit 21 Stimmen gewählt wurde und damit eine klare Mehrheit erhielt (18 Stimmen wären notwendig gewesen), kam es zu keinerlei zusätzlichen Wünschen, Begehrlichkeiten oder Zugeständnissen.

Pig kann sohin – ohne Kompromisse – sein von ihm präsentiertes Programm durchziehen. Ohne es verwässern zu müssen.

Am 18.12.2025 brachte ExtraDienst eine Liste der potenziellen Kandidaten für die ORF-Wahl heraus. Garniert mit Quoten, die uns der Wettanbieter Admiral aufgrund der uns bewerteten Chancen von zehn namentlich genannten Kandidaten errechnet hatte.

Wer damals auf Clemens Pig 1.000 Euro gewettet hätte, der könnte sich seit heute, 1:26 Uhr, über 6.000 Euro freuen. Sprich, hätte 5.000 Euro Gewinn eingestreift.

Der vor ihm platzierte Alexander Hofer (der war damals der Erstgereihte) hätte für 1.000 Euro nur 2.500 Euro, Roland Weißmann 2.800 Euro und Philipp König 3.000 Euro gebracht.

Pig rangierte damals nur an vierter Stelle unseres Rankings.

Weißmann – der übrigens Stein und Bein schwört, dass er die Zusicherung des Kanzlers hatte, er werde das wieder werden, was er als eines der Hauptargumente für seine Gagen-Forderungen gegenüber dem ORF anführt – war damals definitiv nicht der Bestplatzierte.

Das war Alexander Hofer. Von dem es damals hieß, dass er Hanni Mikl-Leitner, die niederösterreichische Landeshauptfrau, an seiner Seite wisse. Doch der hat zwischenzeitlich das Handtuch geworfen.

Ich hatte seinerzeit Pig in der Liste deshalb angeführt, weil er einer der höchst dekorierten heimischen Medienmanagern ist. Schon mehrmals hat er unsere Ranking-List „Kommunikator“ gewonnen. Ausgezeichnet von einer Jury hochqualifizierter Experten, die seine Leistung für die APA seit Jahren hoch schätzen und anerkennen.

Als ich Pig im Frühjahr – knapp nach dem fatalen Sturz ins Bodenlose von Roland Weißmann – in seinem Büro traf, standen ganz andere Themen als die ORF-Generaldirektorenwahl auf unserer Agenda. Ich erzählte ihm, dass Weißmann mir (exklusiv) als einzigem unzählige Informationen gegeben hatte. Und dass ich sehr stolz darauf war, dass ich der einzige hierzulande war, der über authentische, originäre Informationen direkt vom zurückgetretenen ORF-Generals verfüge. Der damals mit keinem Journalisten (außer mit mir) gesprochen hatte. Nur über seinen Anwalt kommunizierte. Wortgetreu (aber nicht in Interviewform) hatte ich seine Äußerungen in meinem Newsletter veröffentlicht.

Plötzlich lehnte sich Pig zurück und meinte: „Was würdest Du dazu sagen, wenn ich bei der Generaldirektorenwahl antrete?“

Da blieb mir der Mund offen. Denn damit hatte ich eigentlich so gar nicht gerechnet.

„Willst Du Dir das wirklich antun?“, frug ich ihn. „Du weißt doch, wie das hierzulande läuft. Du bist doch alles andere als ein Politruk.“

Pig konterte: „Ich weiß, dass ich das kann. Und das Land braucht einen starken ORF.“

Danach sprachen wir lange über mögliche Chancen, über Risiken, darüber, dass das „a schware Partie“ werden würde. Und über Jürgen Habermas und dessen kluge Analyse über die Wichtigkeit des Österreichischen Rundfunks für unser Land und die Demokratie. Schlussendlich merkte ich an, dass Pig eine dicke Haut brauchen werde.

Zu diesem Zeitpunkt schätzte ich die Chancen für Hofer auf eher mittel ein. Wrabetz hatte mit der Inbrunst der Überzeugung garantiert, dass er nicht antreten werde. Warner Brothers Chef Gerhard Zeiler hatte sich detto aus dem Spiel genommen. Und Markus Breitenecker hielt ich immer für chancenlos.

Bei Breitenecker hätte man übrigens gestern für 1.000 Euro 50.000 Euro ausbezahlt bekommen. Bei Lisa Totzauer für 1.000 Euro 500.000 Euro. Laut unserer Wettquoten-Ansage.

Ich werde hier Inhalte von persönlichen Gesprächen mit Pig nicht wiedergeben. Nur eines: Ich habe ihm geraten, sich möglichst lange bedeckt zu halten. „Wer hierzulande herausposaunt, dass er etwas wird, der wird es garantiert nicht“, prophezeite ich. Und erinnerte an das fatale Beispiel des seinerzeitigen Neckermann-Geschäftsführers Jochen Kemmler, der unbedingt Verkehrsbüro-General werden wollte. Und das allen Journalisten steckte. Ab dem Moment war klar, dass er keine Chance darauf hat.

Derartige Beispiele gäbe es viele hierzulande (siehe Alex Wrabetz und angekündigte Minister-Ämter). Die eigenen Chancen schmelzen dahin, wenn man auch nur subkutan vor der Zeit andeutet, sich für einen Job von derartiger Dimension bewerben zu wollen.

Pig hat sich an meinen Rat gehalten. Selbst bei unserem 50-Jahr-Jubiläum am 27.04.2026 weigerte er sich auf der Bühne vehement, trotz mehrmaligem Nachfragen meinerseits, seine Kandidatur bekanntzugeben.

Was danach geschah, war freilich fatal. Nach einem missglückten Sager des Tiroler Landeshauptmanns und nach einem Verbalausrutscher von Nico Marchetti, dem ÖVP-Generalsekretär, wurde aus dem unabhängigen Pig plötzlich eine Polit-Marionette.

Ich verfolge Pigs Karriere seit über einem Jahrzehnt. Die Ungeschicklichkeit von ÖVP-Zampanos hat Pig da völlig zu Unrecht massiv geschadet. Ohne Details zu verraten: Man führt nicht ein Unternehmen wie die APA ein Jahrzehnt lang, wenn man sich politisch vereinnahmen lässt. Das könnte ich mit diversen (teils drastischen) Beispielen belegen.

Gewarnt hatte ich den nunmehr frisch gebackenen neuen ORF-GD auch davor, dass das ein Match gegen die mächtige Krone werde, wenn er antrete. Denn Philipp König hatte ich auf meiner persönlichen Quotenliste ganz oben: Zum einen, weil der Mann neben Pig meiner Meinung nach das beste Programm in petto hatte. Ein hervorragend qualifizierter ORF-Generaldirektor gewesen wäre.

Schon im November des vorigen Jahres hatte ich in einem Gespräch mit Roland Weißmann, als der durchblicken ließ, sich wieder als ORF-Generaldirektor bewerben zu wollen, gemeint, dass es da einen Satz gäbe, der womöglich der alles entscheidende Satz bei der ORF-GD-Wahl 2026 werden könnte.

Er lautet: „Wollen wir Christoph Dichand neben der Kronen Zeitung auch den ORF überlassen?“

Wer solch einen Satz schreibt (und das habe ich mehrmals getan), der macht das nicht ungestraft. In meinem Fall fiel die Strafe einigermaßen glimpflich aus: Nach über 40 Jahren der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit der Kronen Zeitung strich man mir mein (sowieso schon recht kümmerliches) Werbebudget 2026 für unsere Pages. Und die Krone berichtete – im Gegensatz zu den meisten anderen heimischen Medien – über mein 50-Jahr-Jubiläum mit keinem Wort.

Nun, das habe ich auch überstanden…

Dass es beim entsprechenden Hearing und bei der Befragung der Kandidaten bassenamäßig zuging („Putz di!“, meinte Westenthaler an die Adresse eines Stiftungsrates und als „Putzfrau“ bezeichnete der FPÖ-Stiftungsrat die noch amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher), war nicht anders zu erwarten.

Erstaunlich, dass dann die deklarierte FPÖ-Kandidatin von den zwei Stiftungsrat-Stimmen der FPÖ letztendlich offenkundig nur eine erhalten hat.

Thurnher selbst wusste ganz genau, warum sie sich nicht bewirbt. Und Pig wird gut daran tun, Thurnher bis zu seinem Amtsantritt zwar zu beraten, aber sich nicht proaktiv während Thurnhers Rest-Amtszeit einzubringen. Damit erspart er sich nämlich diverse Zores (siehe Armin Wolf Compliance-Untersuchung) und kann auf Zeit spielen.

Und mit der Zeit glätten sich alle hohen Wellen. Auch die im ORF.

In meinem nächsten Newsletter geht es dann um die vier Direktorenposten. Und um die Landesdirektoren. Worauf Pig dort achten muss. Welche Fallstricke gespannt sind. Und wie er – trotz der täglichen medialen Attacken der Kronen Zeitung – mit dem Kleinformat künftig einen Ausgleich finden könnte.

Denn nur gemeinsam mit den heimischen Medienhäusern wird es funktionieren, den ORF zu sanieren.

Dafür wünsche ich – in unser aller Interesse (siehe Habermas) – Pig alles Gute. Und gratuliere ihm.

Ich bin

mit herzlichen Grüßen

Ihr

Christian W. Mucha

PS: Ich persönlich hätte mir ja etwas anderes gewünscht: eine Abschaffung der Haushaltsabgabe. Eine ORF-Finanzierung aus dem Budget. Ein Schlankfunk-Begehren. Und damit einen deutlich verkleinerten, auf seine wesentlichen Aufgaben reduzierten ORF. Und eine Kooperation auf Landesebene mit allen regionalen Medien. Neben einem Verkauf der überdimensionierten Landesstudios.

Mit Pig bleibt es wohl bei der Haushaltsabgabe. Der Radio-Direktor wird eingespart. Den Mitarbeitern hat er Sicherheit versprochen. Und das Sender-Angebot/Portfolio des ORF wird wohl in entscheidenden Punkten nicht schmäler werden. Mal sehen, ob er das bei einem um 93 Millionen geschrumpften Budget durchsteht…

Der Obige


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 4.6.2026

Neue ORF-Zores

In der OBS ( ORF-Beitrags Service GmbH) geht es rund.

Kein Tag vergeht, ohne dass neue Probleme im gebeutelten Österreichischen Rundfunk aufpoppen.

Und während die 13 vom Stiftungsvorstand für „würdig“ befundenen GD-Kandidaten fleißig antichambrieren, verhandeln und packeln, um ihre Chancen zu verbessern, haben längst massive Positionskämpfe um Posten in den ungezählten Tochter- und Schwestergesellschaften des ORF begonnen.

Auch bei der OBS bringen sich diverse Kandidaten in Stellung. Eine/r, die/der dort unbedingt das Ruder übernehmen will, hat sich dieser Tage bei mir gemeldet. Und mir einige Dinge erzählt, die nur Insidern bekannt sind.

Angeblich werken bei der OBS rund 350 Mitarbeiter. Wenn man die mit üblichen Branchengehältern bewertet, dann kommt man auf Personalkosten von rund 20 Millionen Euro im Jahr. Eine gewaltige Summe dafür, um die von der Haushaltsabgabe erzielten Einnahmen von rund 682 Millionen Euro (netto!) zu realisieren.

Doch selbst 350 Ameisen wären nicht in der Lage, den gewaltigen Berg an Problemen aufzuarbeiten.

Wie mein Informant mir mitteilte, gibt es fast 200.000 (in Worten: zweihunderttausend) Kundenreaktionen, die von der OBS bis dato nicht hinreichend beantwortet, aufgelöst oder geklärt wurden.

Die Zahl hängt natürlich mit dem Frust der Österreicher zusammen, dass sich der ORF derzeit so erbärmlich präsentiert. Die Menschen wollen die Haushaltsabgabe nicht bezahlen. Kennen sich nicht aus, was nun wirklich fällig ist. Protestieren. Verweigern die Zahlung. Graben sich ein.

Da gibt es Anfragen wie:

„Wieso muss ich in meiner Firma auch bezahlen, wenn ich bereits privat bezahlt habe?“

„Bei der Vorschreibung stimmt meine Adresse nicht.“

„Ich falle in die Gruppe jener, die von der Zahlung exkulpiert sind – wieso senden Sie mir dennoch eine Rechnung?“

Geht man jetzt davon aus, dass diese 200.000 Kunden im Regelfall noch nicht bezahlt haben und die Probleme noch nicht aufgearbeitet sind, dann läuft die OBS im Moment einem zweistelligen Millionenbetrag an Ausständen nach.

Und das schmerzt ebenso, wie der in Aussicht gestellte Verlust des Vorsteuerabzugs, der den ORF dem Vernehmen nach rund 70 Millionen Euro kosten wird.

Oder die von der Regierung geplante Kürzung der ORF-Mittel um rund 80 Millionen Euro. Gegen die ORF-Chefin Ingrid Thurnher nun vorgehen möchte und eine entsprechende Klage prüft.

Übergriffe, Mobbing, bezahlte Sendungen, sexuelle Entgleisungen, interner Streit und Koks-Affären sind also nicht das einzige Problem, mit dem sich der ORF herumschlagen muss – auch beim Geld-Einnehmen gibt es hier ein gewaltiges Manko.

Es schaut aus, als wäre das eine Never-Ending-Story von immer neuen Problemen.

Nicht gut für den Österreichischen Rundfunk. Nicht gut für uns. Und nicht gut für den neuen General, wer auch immer das sein mag,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 28.5.2026

Breitseite gegen Breitenecker

Wer Breitenecker und seine Vasallen beim ORF ans Ruder bringt, der sollte wissen, worauf er sich einlässt. 

Heute ist der sogenannte „B-Day“. Der letzte Bewerbungstag, wo jene, die sich Chancen ausrechnen, die Flagge zeigen möchten, oder die sich – weil völlig chancenlos – einfach wichtig machen möchten, ihre Bewerbung für den Generaldirektor des ORF abgeben müssen.

Im Vorfeld dazu wurde antichambriert, vorverhandelt, gepackelt, gemauschelt und genetzwerkt, was das Zeug hielt.

Beispiellos ist die Kampagne der Kronen Zeitung für „ihren“ Kandidaten Philipp König. Wer Berichte mit Attacken gegen Königs Mitbewerber um das Amt des ORF-GD reitet und im gleichen Artikel nicht einmal anführt, dass es da noch einen Bewerber von Kronehit Radio gibt, den man favorisiert, der muss ziemlich wütend darüber sein, dass die Dinge nicht in die vermeintlich „richtige“ Richtung laufen.

Dieser Tage also wurde bekannt, dass Markus Breitenecker seine Bewerbung abgegeben hat. Breitenecker ist eine schillernde Figur der TV-Szene. Ein Wendehals, Opportunist, klar der rötlich-grünen NEOS-Seite zuzuordnen, und setzte in seiner Tätigkeit bei ProSiebenPULS4Sat.1 immer wieder erstaunliche Handlungen.

Um das gleich vorab klarzustellen: Ich darf mich ehrenvoll als einen der Erzfeinde Breiteneckers bezeichnen.

Grund und Auslöser dafür war eine Titelgeschichte über die „zwei Gesichter des Markus Breitenecker“, in der wir ihn in Narziss-Pose auf der Titelseite von ExtraDienst ablichteten.

Dass der mächtige TV-Manager damit keine Freude hatte, verstehe ich.

In den letzten Jahren schien der Aufstieg des „eiligen Markus“ unaufhaltsam. Und er setzte seine Duftmarken.

So hat Breitenecker schon während seiner Tätigkeit für seine Gruppe immer wieder durchblicken lassen, dass er höchst interessiert daran sei, im ORF die Fäden zu ziehen. Nicht gerade ein Zeichen von Loyalität zu dem eigenen Dienstgeber, wenn man durchblicken lässt, dass man bei der Konkurrenz gerne unterkommen würde.

In welche Richtung die Orientierung der von ihm geführten Sender ging, ist offenkundig. In der Umsetzung seiner Strategie vertraute Breitenecker einerseits auf Michael Stix, seinen Verkaufsleiter, der mit der Gewandtheit eines bagdadanischen Teppichhändlers unglaubliche Deals an Land zog.

Highlight: Das 4GameChangers-Spektakel, um das herum internationale Medien-Kapazunder Auftritte lieferten. Und in der Folge viel Geld in die Kassen der Privatsendergruppe floss.

Danach kam Breiteneckers größter Coup: Die Erfindung von Joyn.

Mit dieser Streaming-Plattform versuchte er, die ganze TV-Branche in „sein Ding“ zu integrieren. Doch die Umsetzung lief nicht ganz so, wie sich das Breitenecker vorgestellt hatte:

So berichtete ExtraDienst am 03.12.2024, dass der damalige ARD-Chef Professor Kai Gniffke und ZDF-Intendant Norbert Himmler alles andere als eine Freude mit Joyn gehabt hätten. Mit solch einem Schritt sahen sie demnach das Spannungsfeld zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten belastet.

Trotz intensivster Versuche, RTL an Bord zu bringen, weigerten auch die sich rundweg. Und blieben bei ihrem eigenen Streaming-Dienst.

ServusTV und den ORF brachte er clever an Bord. Was heute von der neuen Generation von Managern bei ServusTV nicht gerade positiv gesehen wird. Die davon, dass der Streaming-Dienst Joyn mit den von ihnen teuer eingekauften Übertragungsrechten dreist Werbung macht, nicht gerade begeistert waren. Unter der Hand kursiert also, dass ServusTV sich früher oder später von Joyn verabschieden will.

Auch der ORF schien nicht glücklich über die Kooperation. In den letzten Tagen der Menschlichkeit tönte Roland Weißmann, dass man überlege, Joyn den Rücken zu kehren.

Dazu kamen noch folgende Brösel, wie ExtraDienst 2024 berichtete: Einerseits Gewinnrückgänge bei der ProSiebenSat.1-Gruppe im dritten Quartal um 5,6 Prozent. Und andererseits eine Millionenklage für das Unternehmen in Höhe von 3,9 Mio. Euro wegen Verstößen beim Gutscheingeschäft der Tochtergesellschaften mydays und Jochen Schweizer.

Doch das war nicht Breiteneckers größtes Problem. Wegen geplanter Umstrukturierungen und Machtübernahmen in seiner Sendergruppe mit den Italienern (mittlerweile war er Boss von ProSiebenSat.1 Deutschland geworden und samt Familie nach München übersiedelt) sägten ihn die ab.

Im Vorfeld dieser Entscheidungen führte ich ein vertrauliches Gespräch mit Corinna Milborn, seiner Infodirektorin. Die schwor Stein und Bein, dass sie alles, was ich ihr – auch dank meiner internationalen Connections – erzählen würde und was die Zukunft ihrer Gruppe (und vor allem deren Mitarbeiter) beträfe, streng vertraulich behandeln würde. Und niemandem weitererzählen würde. Von wegen.

Wenige Monate nach Breiteneckers Ausscheiden, als ich ihn zu meinem 50-Jahr-Jubiläumsfest persönlich einlud (da ich zu meinen Feinden nur intelligente und herausragende Menschen zähle, hätte ich mich über sein Kommen sehr gefreut) schrieb mir Breitenecker wortwörtlich:

„Überraschung! Nachdem was mir Corinna Milborn über ihre feindlichen Informationen über mich an Dritte erzählt hat, umso größere Ehre…“ (gemeint war, von mir eingeladen zu werden).

Nun, da irrt Breitenecker. Ich habe keine feindlichen Informationen über ihn weitergegeben. Sondern wurde von internationalen Entscheidern der Gruppe, deren Namen ich nicht nennen kann und werde, zu Fragen von Struktur und Personalia befragt. Die ich wahrheitsgemäß beantwortet habe.

Milborn jedenfalls werde ich keine vertraulichen Informationen mehr geben. Wiewohl ich die Frau – trotzdem wir politisch diametral entgegengesetzte Ansichten haben – als durchaus professionell und engagiert schätze. Und auch Respekt davor habe, wie sie ihr persönlich schwieriges Schicksal meistert.

Wenn also Breitenecker, Stix und Milborn, wie dieser Tage in den Medien zu lesen ist, beim ORF ans Ruder kommen, dann Gnade Gott. Die ÖVP und die FPÖ-Stiftungsräte müssten von der Tarantel gestochen sein, wenn sie derartiges zuließen.

Auch die Chancen von König dürften nicht gewaltig sein. Aber wer weiß schon, was da in ungeheimer (oder sollte man besser sagen, unheimlicher) Abstimmung läuft, wenn’s ans Eingemachte geht.

Clemens Pig jedenfalls hat seine Sache durchaus gut gemacht. Sein Statement – ohne sich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen – abgegeben. Und seine Bewerbung wird wohl erst in allerletzter Sekunde eintreffen. So macht man das in Österreich.

Wer zu früh bekannt gibt, dass er was wird, der wird es hierzulande garantiert nicht.

Ich erinnere mich noch lebhaft daran, als ein gewisser Jochen Kemmler, der mittlerweile verstorbene Neckermann-Direktor, herumposaunte, dass er Verkehrsbürodirektor werden wird. Er wurde es nicht. Deshalb.

Die nächsten Wochen werden also durchaus spannend. Und wiewohl ich mich da in Frankreich aufhalte, werde ich Sie natürlich in meinem Newsletter gerne über alle Entwicklungen auf dem Laufenden halten,

verspricht

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 21.5.2026

Schäbige Tricks

Heute verrate ich Ihnen, mit welchen einfachen Maßnahmen manipulierende Moderatoren Gesprächspartner, die Ihnen zuwider sind, (noch bevor die den ersten Satz gesagt haben) demontieren können.

Der ORF, so munkelt man, wäre – auch aufgrund seiner redaktionellen Besetzung – ein Rot-Grün-Funk. Politiker und Zeitgenossen, die diesen Lagern nicht zuzuordnen sind, stellen sich – das lässt sich an ungezählten Beispielen festmachen – deswegen nur äußerst widerwillig Interviews, Gesprächen und Konfrontationen mit jenen sogenannten „TV-Stars“, denen eine gewisse Parteilichkeit nachgesagt wird.

Nun lässt sich der Überhang der rot-grünen Fraktion im ORF relativ einfach erklären, wenn man die Ergebnisse der Zentralbetriebsratswahlen dazu herzieht. So hat beim letzten Mal die überwiegende Mehrheit Rot oder Grün gewählt. Nur etwa ein Drittel stimmte eher konservativ.

Nun wäre dies grundsätzlich kein Problem. Denn wenn man einmal von den rechten Meinungsmedien absieht, haben die meisten Redaktionen hierzulande ähnliche Strukturen, wenn es um die Besetzung ihrer redaktionellen Mitarbeiter geht.

Wenn ich mir die Struktur meines eigenen Verlages in den letzten Jahrzehnten anschaue, hatten wir – erfreulicherweise – immer einen Überhang von Frauen im Journalismus. Vor allem, was Frauen in Führungspositionen, sprich als Chefredakteurinnen, betraf.

Meine persönliche Erfahrung damit war hervorragend: Frauen (nein, das ist kein Vorurteil, sondern erlebte Praxis) sind belastbarer (auch wenn man das nicht glauben würde), verlässlicher und haben – zumindest aus meiner Erfahrung – eine höhere Identifizierung mit ihrem Berufsethos als ihre männlichen Kollegen.

Freilich hatten auch wir in diesen Zeiten stets einen starken Überhang der politischen Orientierung meiner Mitarbeiter in Richtung der linken Reichshälfte.

Was in der natürlichen Struktur derer, die den Beruf des Journalismus ergreifen, liegt. Und für mich niemals das geringste Problem darstellte.

Ich habe freilich auch in Bewerbungsgesprächen nie abgefragt, in welche politische Richtung unsere Redaktions-Mitarbeiter tendieren. Zum einen steht mir das nicht zu. Und zum anderen ist es die Entscheidung von jeder/jedem und in deren höchstpersönlichen Bereich angesiedelt, wem sie ihre Wählerstimme geben.

Und zum dritten hat mich das deshalb nicht tangiert, weil ich eines ab der ersten Sekunde klargemacht habe: Wir sind ein Fachzeitschriftenunternehmen. Unsere Berichterstattung soll denen, über die wir berichten, in den Branchen, die wir beschreiben, dienen. Unsere Berichterstattung soll daher völlig unabhängig von parteipolitischen Zurufen erfolgen. Und sachlich sein. Das Wichtigste war für mich immer, dass wir Meinung und Information trennen.

Gerne habe ich Meinung überall dort zugelassen (auch, wenn sie meiner politischen Ansicht diametral widersprach), wenn jemand unter seinem Namen mit seinem Gesicht für etwas eingetreten ist.

Es ergab sich oft, dass ein Journalist eine Geschichte abliefert, die in den kleinen Nebensätzen und den Attributen tendenziös ist. Dann gibst du dem, der die Geschichte abgeliefert hat, die Story wieder zurück und sagst ihm: „Nehmen Sie jetzt diese ganzen tendenziösen Nebensätze, Attribute und Untergriffe aus Ihrer Geschichte heraus. Machen Sie einen Kommentar mit Ihrem Gesicht in einen Kasten, wo Sie schreiben, warum Sie denjenigen, den Sie gerade ,abgewertet‘ haben, für unfähig, unqualifiziert, fehl am Platz halten. Begründen Sie das sachlich.“

Drei Tage später kommt dann der Journalist schwitzend zu mir zurück und sagt: „Das klappt nicht, Herr Mucha.“ Und ich frage ihn, wieso. Und er antwortet mir: „Weil die Suppe dafür zu dünn ist.“

„Aber die Suppe war dick genug, Herr Kollege, um mit den Attributen der Geschichte eine Tendenz zu geben?“

Wir lernen daraus, dass guter Journalismus Meinung und Information trennt. Und dass ein Journalist auf die beiden Buchstaben „B“ und „E“ ganz besonders achten muss: Denn wir sind Berichter und keine Richter.

Dass dagegen – nein, nicht nur im ORF, sondern in vielen Medien – laufend verstoßen wird, ist definitiv beweisbar. Damit, was in einem Interview, einer Story, einer Reportage, einem Bericht mit bösartigen Attributen daherkommt. Mit kleinen Nebensätzen. Mit einer tendenziös manipulativen Formulierung und kleinen, gehässigen Untergriffen im Beitrag.

Doch das funktioniert im Fernsehen schon, bevor (!) das Subjekt, das man abwatschen will, noch den ersten Satz gesagt hat.

Nur die wenigsten verstehen das. Nur ganz besonders gewiefte Kommunikationsberater weisen ihre Schützlinge darauf hin.

Ich werde mich hüten, einzelnen Personen eine derartige Vorgangsweise mit Namensnennung anzuhängen. Aber wenn Sie sich Skandal-Interviews einmal ganz genau nach diesen Aspekten ansehen, dann wird Ihnen diesbezüglich vielleicht ein Licht aufgehen:

Zum Beispiel ein Licht dahingehend, dass der Beleuchter im Studio einen warmen, angenehmen Scheinwerfer auf den Moderator lenkt. Und ein unangenehmes, grelles, scharfes, konturiertes Licht auf dessen Interviewpartner. Das macht schon einmal kein gutes Bild und lässt den, der vorgeführt werden soll, schon vor Beginn des Gesprächs in einem schlechten Licht – im wahrsten Sinn des Wortes – dastehen.

Das Gleiche funktioniert natürlich auch mit dem Ton: Das Mikrofon des Moderators ist auf eine warme, angenehme, weiche Stimmfrequenz eingestellt. Das Mikrofon des Gesprächspartners, den man vorführen will, hat härtere Töne. Die tiefen und die weichen Frequenzen werden für den herausgefiltert. Sohin ist das, was er sagt, nicht mehr so wichtig. Denn das, wie er es sagt, kommt schrill, hochtönig, aufgeregt und unangenehm daher.

Wichtig ist auch die Sitzposition. Ist der Moderator höher platziert und gerade noch so hoch, dass er im Bild ist, und senkt man den Sessel des Gesprächspartners ab, dann spricht der Starreporter von oben herab. Wir alle kennen das: Dominanz entsteht durch Position.

Gewiefte Verkäufer stehen daher, wenn sie Telefonverhandlungen führen, auf. Und sprechen im Stehen. Ihr Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung sitzt. Damit dominiert man dieses Gespräch automatisch. Weil man von oben nach unten spricht. Und verbessert die Chancen bei einer Akquisition.

Sie meinen, das spielt’s nicht? Dann schauen Sie sich einmal die sogenannten Skandal-Interviews genauer an.

Und jetzt habe ich noch mit keinem Satz über die verbalen Möglichkeiten gesprochen, einem Interview eine „Tendenz“ zu geben. Auch dafür gibt es ungezählte Beispiele, wie man den Gesprächspartner zum Schwitzen bringt.

Angenehme, sympathische Fragen am Anfang und dann der abrupte Wechsel zu einem Thema, mit dem der Gesprächspartner nie gerechnet hat. Das auch in allfälligen Vorbesprechungen niemals angesprochen wurde.

Der Überraschungseffekt. Jetzt ist die Situation für den Interviewten neu. Unerwartet. Er muss darauf reagieren. Zum Reagieren gehört Überlegen. Überlegen heißt zögern. Jedes zögerliche Verhalten löst beim Zuseher den Eindruck aus, dass hier jemand sich gerade eine Lüge überlegt. Hundert Minuspunkte.

Das Ganze garniert mit dem Trick, ein und dieselbe Frage mehrfach mit verschiedenen Versionen zu wiederholen, wird zwar als penetrant ausgelegt, hat aber auch einen anderen Effekt: Der Journalist wird zwar als hart wahrgenommen, aber als hervorragender Experte, der nicht locker lässt und der sich nicht mit ausweichenden Antworten zufrieden gibt.

Ganz besonders schlimm wird die Sache dann, wenn die geäußerten Vorwürfe nicht halten, erfunden sind, aus dem Hut gezaubert wurden. Auch dafür gibt es unzählige Beispiele. Von TV-Reporterinnen, denen gefakte Informationen vor einer Konfrontation zugespielt werden. Zum Beispiel in der alles entscheidenden Konfrontation vor einer Bundespräsidentenwahl. Namen wie Bruno Kreisky, Josef Taus, Alexander Van der Bellen oder Norbert Hofer fallen einem da ein.

Das Nicht-zu-Recht-Kommen mit der Interviewführung, breiige Antworten, Ausflüchte oder das Nicht-in-der-Lage-Sein, sich gegen einen gefakten Vorwurf zu wehren, hat schon allzu oft hierzulande Wahlen entschieden. Stellt sich dann einige Wochen später heraus, dass die Sache ganz anders war als im Interview unterstellt, dann wird’s haarig.

Ich erzähle Ihnen diese Geschichten deshalb, weil ich selber ziemlich viel TV gemacht habe und versucht habe, mir das hernach ausgestrahlte Endprodukt ganz genau anzuschauen. Es zu analysieren. Die eigenen Fehler zu erkennen. Aber auch zu verstehen, wie man selber geleimt wurde. Daraus entstand ein reicher Erfahrungsschatz.

Heute weiß ich, worauf man achten muss. Und dass du ein Match manchmal schon verloren hast, bevor du nur den ersten Satz gesagt hast. Dass deine Argumente gar nicht so wichtig waren wie die Rahmenbedingungen, unter denen du in eine Konfrontation gegangen bist.

Die Neubesetzung des ORF-Generaldirektors, die dringend anstehenden Reformen und der katastrophale Zustand, in dem sich der Österreichische Rundfunk nach den Skandalen der letzten Monate befindet, bergen auch eine Chance: dass sich dort die Dinge zum Besseren wenden.

Manche (dazu zählen auch die beiden chancenreichsten Kandidaten Clemens Pig und Philipp König) sind sich in einem Punkt einig: Dass jetzt eine hervorragende Möglichkeit besteht, mit Missständen, die am Küniglberg offenkundig Standard sind, vielleicht doch endlich aufzuräumen.

Die Pfründe wegzukriegen. Die Inzucht (von 50 Seitenblicken-Auftritten werden 17 ORF-Stars gebracht, wie ich jüngst aufgedeckt hatte) zu bereinigen. Die Macht in den sozialen Netzwerken der sogenannten „ORF-Stars“ zu begrenzen, zu beschränken, künftig einzudämmen oder überhaupt zu verbieten.

Und dafür zu sorgen, dass im Österreichischen Rundfunk – fair, anständig und journalistisch sauber – endlich Meinung und Information getrennt werden. Ungesehen davon, wer da wen interviewt.

Es ist zwar eine Herkulesaufgabe. Aber ein durchaus lohnendes Projekt. Das man dem neuen Generaldirektor – ganz gleich, wer das künftig macht – nur dringend ans Herz legen kann,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 14.5.2026

Eine Idee mit Charme

Hat Clemens Pig die Schneid, bei den ORF-Landesstudios zu sparen?

Liebe Leser,

mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern. Kronen Zeitung, Heute und Oe24 sind sich weitgehend einig darüber, dass allem Anschein nach Clemens Pig als künftiger Generaldirektor des ORF durch ist.

Was genau der Einschätzung entspricht, die ich seit Wochen vorhergesagt habe.

Fix ist die Sache jedoch nicht. Denn erst in den nächsten vierzehn Tagen wissen wir, wer sich überhaupt als ORF-Generaldirektor bewirbt. Und am 11. Juni wird sich das alles entscheiden.

Fakt ist, dass Philipp König wohl nur mehr eine Außenseiter-Chance hat.

Nun zu den beiden – wohl letzten, wenn die Politik nicht noch einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubert – verbliebenen Favoriten.

Bei Clemens Pig weiß man: Er ist ein Pragmatiker. Perfekt vernetzt. Kennt das Geschäft. Und kann auf eine hervorragende Karriere zurückblicken. Was er – höchst erfolgreich – geschafft hat, ist, der APA ein neues Gesicht, eine neue Struktur und zukunftsträchtige, wirtschaftlich erfolgreiche Rahmenbedingungen zu verpassen.

Pigs Leistungen sind unter anderem:

Die Transformation der APA von einer reinen Nachrichtenagentur zu einem Technologie- und Infrastrukturunternehmen für Medien.
Der Ausbau digitaler Bereiche wie Medienanalyse, Datenjournalismus, Automatisierung und KI-gestützte Redaktionssysteme sowie Positionierung als Vorreiter für verantwortungsvolle KI im Journalismus („APA Trusted AI“).
Eine internationale Expansion. Insbesondere im Schweizer Markt über Keystone-SDA.
Die Entwicklung zum zentralen Infrastrukturpartner für Medien, Unternehmen und öffentliche Institutionen.

Philipp König kann das Folgende für sich verbuchen:

Den Aufbau und die Weiterentwicklung journalistischer Projekte im ORF-Umfeld mit Fokus auf digitale Formate und moderne Nachrichtenproduktion.
Seine Erfahrung an der Schnittstelle von Medien, Kommunikation und Politik, insbesondere in strategischer Beratung und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Mitgestaltung der Weiterentwicklung von Kronehit zur digitalen Radiomarke.
Die Modernisierung des Senders hin zu einer plattformübergreifenden Audio- und Entertainmentmarke mit starkem Fokus auf Social Media, Streaming und digitale Inhalte.

Er ist politisch gut vernetzt. Manche sagen: auf der falschen Seite. Weil er als „Kurz-Mann“ gilt. Nicht unbedingt förderlich mag es auch sein, dass er aus dem Haus der Kronen Zeitung kommt. Weil sich daraus natürlich die Frage ergibt: Wollen wir Christoph Dichand nach der Kronen Zeitung auch den ORF überlassen?

Noch ist weder der eine oder der andere bereit, sich über seine Bewerbung als ORF-Generaldirektor zu äußern. Aber gut informierte Mäuschen haben mir zugeflüstert, dass es einen ziemlich entscheidenden Unterschied in der Strategie der beiden gibt:

Dazu müssen wir zurückblenden. Und uns an die Bewerbung von Gerhard Zeiler erinnern. Der wurde seinerzeit von der Politik mit Schrauben an den Daumen befragt, ob er denn die Personalwünsche und vor allem die inhaltlichen und redaktionellen Wünsche der Politiker erfüllen werde?

Zeiler hat das – ja, es ist kein Zufall, wenn jemand Warner Bros.-Vorstand wird – durchaus elegant abgewendet. Seine Strategie war einfach und zielführend. Er meinte: „Jetzt lassen Sie mich erst einmal ORF-Generalintendant werden. Danach sehen wir weiter, wie sich das künftig ergibt.“

Schlussendlich hat er sich an die wenigsten Dinge, die vorgegeben wurden, gehalten. Und das war gut so. Erfolgreich.

Was übrigens für etliche ORF-Generaldirektoren galt: Alexander Wrabetz hat sich oft mit Diplomatie aus der Affäre gezogen.

Monika Lindner hat sich – ohne Diplomatie – mit vielen angelegt.

Und Roland Weißmann ist nach seiner Bestellung plötzlich draufgekommen, dass er „seinem“ ORF mehr verpflichtet ist, als seinem politischen Lehensherren. Was ihm übrigens – bei all den Schmutzkübeln, die sich gerade über ihn ergießen – hoch anzurechnen ist. Ebenso, dass er die Haushaltsabgabe mit Verve und Geschick durchgeboxt hat.

Warum übrigens Zeiler nicht ORF-Generaldirektor werden will, ist auch klar:

Dem Vernehmen nach soll der Mann demnächst rund hundert Millionen Euro kassieren.

Glaubt wirklich irgendjemand da draußen, dass jemand, der eine sozialdemokratische Punzierung hat und dann deutlich mehr als hundert Millionen auf der hohen Kante hat, unbeschadet durch eine ORF-Generaldirektoren-Funktionsperiode kommt?

Zu mir meinte Zeiler am Telefon wortwörtlich: „Ich halte meine Verträge. Habe sie immer eingehalten. Und ich habe einen bestehenden Vertrag. Und jetzt muss ich das Gespräch leider beenden. Weil jetzt ruft mein Chef an. Der ist ein Frühaufsteher. Und der braucht mich…“ So tickt der Zeiler.

Pig macht es auf die traditionelle Art. Das heißt, im politischen Vorfeld sich alles anschauen, alles abchecken. Die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen und – sich nur dann bewerben, wenn er von vornherein weiß, dass er eine gute Chance, die politisch „gedealt und abgekartet“ ist, hat.

Und genau dieser Punkt dürfte jetzt dazu geführt haben, dass die Politik eine Entscheidung getroffen hat. Wie kolportiert wird. Und die soll zu Pigs Gunsten ausgefallen sein.

Bei König – der sich dazu freilich mit keinem Wort äußern wollte – geht das Gerücht um, dass er die eine oder andere Begehrlichkeit nicht umsetzen wollte. Und dies angeblich auch klar aussprach. Gar nicht so gut für seine Bewerbungs-Chancen.

Klare programmatische und strategische Vorstellungen haben beide. Ich kenne sie, darf aber weder in der einen noch in der anderen Richtung darüber schreiben. Kommt Zeit, kommt Bericht.

Dieser Tage jammern nun die ehemaligen ORF-Journalisten, ebenso wie aktuelle ORF’ler. Alle wollen, dass sich etwas ändert.

Konkrete Vorschläge der ORF-Journalisten wären etwa ein Verfassungsgesetz für die (finanzielle) Absicherung des ORF, die Stärkung der politischen Unabhängigkeit sowie die Sicherung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als mediale Infrastruktur der Republik.

Bezüglich der Pfründe der Top-Bezahlten habe ich nur den kryptischen Nebensatz „die zum Teil unverständlich hohen Gehälter für manche Spitzenverdiener, während junge Kolleginnen und Kollegen mit wenig Geld auskommen müssen“ gelesen. Und dass „versteckte“ Zusatzeinkommen künftig nicht mehr zum Tragen kommen sollen. So umgeht man Diskussionen um die fetten Gehälter und Nebeneinkünfte der Top-Verdiener…

Apropos Sparen: Wie wär’s mit diesem Vorschlag, der mir eingefallen ist? Interessanterweise habe ich dazu nirgendwo anders etwas gelesen.

Wenn man recherchiert, wem die neun Landesstudios ORF gehören, dann kommt man drauf, dass hundert Prozent – wenn man einmal vom Landesstudio Wien absieht, das mittlerweile einen Mitbesitzer hat – dem Österreichischen Rundfunk gehören.

Es gibt neun Landesstudios. In jedem Bundesland eines. Dies sind Betriebsimmobilien des ORF. Teilweise in Eigenbesitz. Teilweise auf Grundstücken mit Sondernutzung. Freilich werden sie nicht separat am Markt als „normales Immobilienportfolio“ geführt.

Was sind nun diese Immobilien wert? Nun, wer da nachfasst, der kommt drauf, dass kleine Studios, wie zum Beispiel Vorarlberg und Kärnten, mit rund zehn bis vierzig Millionen Euro zu bewerten sind. Mittlere Studios (zum Beispiel Salzburg, Tirol oder Oberösterreich) mit rund achtzig Millionen. Und große Standorte, wie zum Beispiel die Steiermark, zwischen achtzig und 200 Millionen.

Dies ergibt einen Immobilienwert von in etwa 400 bis 900 Millionen. Je nach Bewertung.

Wobei man natürlich einrechnen muss, dass einerseits die Lage hervorragend ist, die Grundstücke gut sind, der Sanierungsstand berücksichtigt werden muss und – Achtung – auch die verbaute Technik berücksichtigt wird. Die einen wesentlichen Immobilienwert ausmacht.

Diese Werte sind Schätzungen. Keine Bilanzpositionen. Der ORF bewertet die Immobilien eher buchhalterisch, sprich nach Restbuchwerten und nicht nach Marktpreis. Darüber nachgedacht, ob man dies politisch und rechtlich könnte, hat bislang noch keiner.

Und das mag mit den Landeshauptleuten zu tun haben. Die natürlich gerne ihr regionales Streichel-Programm erhalten wollen. Und das ist lächerlich: Weil es geht da bei den Berichten um maximal rund eine Stunde, wenn man einmal von den sonstigen Nachrichten absieht. Bei TV sogar nur um eine halbe Stunde.

Was wäre also davon zu halten, wenn der Österreichische Rundfunk alle seine Landesstudios abstößt? Das Geld fließt darauf den Österreichern – uns allen, die wir Eigentümer des Österreichischen Rundfunks sind – zu.

Danach sucht sich der ORF Plätzchen, zum Beispiel in der Steiermark bei der Kleinen Zeitung, in Tirol bei der Tiroler Tageszeitung, in Vorarlberg bei den Vorarlberger Nachrichten.

Dort bekommt man ein eigenes Stockwerk, zahlt dafür und teilt sich die entsprechenden Kosten der Regionalberichterstattung mit den privaten österreichischen Medien (nein, in der Steiermark teilt man sich’s mit der heiligen katholischen Kirche, aber das ist eine andere Geschichte).

Da hätten jene Unternehmen, die den ORF als gigantischen Gegner aushalten müssen, von dessen Gratisleistungen, die sie täglich mit qualitativer journalistischer Arbeit bedienen, wenigstens auch etwas…

Es würde Geld in die Kasse spülen.

Die laufenden Kosten für den ORF wären deutlich geringer.

Denn jetzt kommt der Hammer: Die Kosten des Österreichischen Rundfunks, sprich die Gesamtausgaben für alle Landesstudios, liegen bei rund 160 Millionen Euro (!!!) jährlich. Und dabei handelt es sich nur um die Betriebskosten.

Wäre das ein konkreter Vorschlag? Würde das Ihre Vorstellung von einem Schlankfunkbegehren erfüllen?

Was sagen Sie dazu, liebe Newsletter-Leser?

Der Haken an der Sache: Wenn Clemens Pig – wie kolportiert – ORF-Generaldirektor wird, dann wird er an diesem Rad eher nicht drehen. Denn Clemens Pig wird wohl von der Politik den Auftrag erhalten haben, sich als System-Erhalter zu bewähren. Und System-Erhalter räumen keine politischen Pfründe weg.

Was schade wäre, weil dieser Ansatz durchaus einen gewissen Charme hat. Aber vielleicht überrascht uns ja der Noch-APA-Vorstand mit unerwarteten Entscheidungen. Genau damit war er nämlich bei der Austria Presse Agentur so erfolgreich,

weiß

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 7.5.2026

ORF – Shitstorm und Irreführung

Liebe Newsletter-Abonnenten,

bevor ich mich dem Thema „ORF – Shitstorm und Irreführung“ zuwende, ein paar Worte in eigener Sache.

Ekaterina und ich bedanken uns bei allen, die uns zu unserem 50-Jahr-Jubiläum die Ehre erwiesen haben. Und bitten um Vergebung, dass wir – aufgrund des limitierten Sitzplatzangebots – so viele von Ihnen, die wir mit größter Freude begrüßt hätten, leider nicht zu unserem Fest laden konnten. Was uns ganz besonders leid getan hat.

Für jene, die nicht dabei waren, hier der Link zu unserer Jubiläumsfest-Broschüre.

Dazu haben wir ein Heft produziert, das 50 Jahre Mucha Verlag, die Ergebnisse der Ranking-List „Kommunikator“ und die Ergebnisse des Rankings der besten Marketingchefs Österreichs beinhaltet. Sie finden die Ausgabe unter diesem Link.

Und last but not least haben wir ungezählte Anfragen bekommen, wo man denn die Laudatio von Heinz Sichrovsky über mein Wirken nachlesen könnte.

Ich weiß nicht genau, ob er mich jetzt umarmt hat oder beinahe erdrückt. In jedem Fall muss man nach so vielen Jahren der kontroversiellen Tätigkeit als Agent provocateur und Enfant terrible die Kraft haben, dass ein Sichrovsky über dich herzieht…

Dass das allen den meisten Spaß an diesem denkwürdigen Tag bereitet hat, kann ich durchaus nachvollziehen. Den Link zu seiner – ungeschönten und ungekürzten – Rede finden Sie hier.

***

Doch jetzt zu unseren akuten Newsletter-Themen.

Mittlerweile ist – in Sachen ORF – eines klar: Das ist der spektakulärste Medienskandal, den Österreich in der Zweiten Republik jemals erlebt hat. Und kaum eine Affäre ist mit so viel Mutmaßungen, Fehlinformationen, Lügen und manipulativer Berichterstattung gekennzeichnet wie die Intim-Causa-Prima des Landes.

Im Match jeder gegen jeden und alle gegen den ORF sind viele Dinge aufgebrochen, die es immer schon gab. Die „traditionell“ System waren. Und plötzlich kommt man drauf, dass das alles stinkt. Irgendwie fällt einem da ein Vergleich zur Causa Wöginger ein: Namhafte Politiker schlafen dieser Tage einigermaßen schlecht. Denn fast alle haben das gemacht, wofür Wöginger (nicht rechtskräftig, es gilt die Unschuldsvermutung) in erster Instanz verurteilt wurde. Das Intervenieren, Packeln und das Syndrom „Vitamin B“ sind hierzulande traditionell gepflegte Praxis. Und jetzt weiß jeder, dass solch ein Verhalten strafrechtliche Folgen nach sich zieht.

In der Causa ORF haben sich die Mitarbeiter mit ihrer Page nichtmituns.eu einen wahrhaftigen Bärendienst angetan. Jeder weiß, dass jeder Insider in einem Unternehmen, wenn er dort tätig ist, weiß, was dort abgeht. Und plötzlich so zu tun, als wären ihnen die Missstände im eigenen Unternehmen völlig fremd („Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben uns fassungslos gemacht.“)

und die auch noch in eine öffentlich wirksame Kommunikationsstrategie zu gießen, spricht von mangelndem Weitblick der handelnden Personen.

Auch das Argument, „wir sind viele“, steht auf tönernen Füßen. Deshalb, weil „viele“ bei etwas mitmachen, muss das noch lange nicht anständig, sauber und moralisch in Ordnung sein.

Ein kurzer oberflächlicher Blick in die Geschichtsbücher beweist dies nachhaltig.

Die Nicht-Mit-Uns-Kampagne hat einen veritablen Shitstorm ausgelöst. Alleine in der Kronen Zeitung, die darüber berichtete, haben rund 1.000 Leser ihre Meinung dazu kundgetan. Die Mehrzahl hat die larmoyanten ORF-Mitarbeiter ordentlich in die Mangel genommen.

Eine voraussehbare Reaktion. Natürlich unfair – keine Frage – gegenüber jenen, die ihren Job gerne machen. Die ihn gut machen. Und die tagtäglich bei ihrer Arbeit darunter leiden, dass ihr Unternehmen, wegen einer Serie von peinlichen Entgleisungen, seine jahrzehntelange Reputation weitgehend eingebüßt hat. So schnell kann es gehen.

Die Sache ruhig und überlegt auszusitzen, zu warten, dass die Dinge wieder ins Lot geraten, wäre strategisch wohl der klügere Rat gewesen. Gedenk des lateinischen Satzes, den mir mein Vater mit auf den Weg gab. Er lautete: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben. Manchmal ist „den Mund aufreißen“ der falsche Weg. Dann werden einem nämlich Brocken in den Hals geworfen, die drastische Würgreflexe auslösen.

***

Würgreflexe bekomme ich auch, wenn ich sehe, wie vorsätzlich – entweder in Unkenntnis der Sachlage oder einfach nur, um jemanden anzupinkeln – die Fakten in der ORF-Causa verdreht werden. Lassen Sie mich das an einem kleinen Beispiel erläutern: Ich bin weder Anwalt, Verteidiger oder Lobbyist von Alex Wrabetz. Den Pensionsvertrag für Pius Strobl halte ich für dreist.

Aber medial zu verbreiten, dass Wrabetz strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten hätte, ist deshalb falsch, weil dabei ein kleines, aber entscheidendes Detail außer Acht gelassen wird: Als Wrabetz seine Agenden als ORF-Generaldirektor an Roland Weißmann übergab, hat er ihm auch alle Unterlagen übergeben, die Entscheidungen, seine Amtsperiode betreffend, beinhalteten. Darunter auch die Pensionsregelung für Strobl.

Und Weißmann hat Wrabetz daraufhin eine Entlastung als Generaldirektor des ORF erteilt. Dies ist ein im Geschäftsleben durchaus wichtiger und üblicher Vorgang. Er bedeutet nichts anderes, als dass der neue Generaldirektor alle Unterlagen erhalten hat und die Entscheidungen seines Vorgängers nun in seine eigene Kompetenz übernimmt.

Mit der Entlastung der Tätigkeit seines Vorgängers ist der – das wird einem jeder Anwalt so erklären – auf der sicheren Seite. Es sei denn, versteckte, vertuschte oder nicht an den Nachfolger weitergegebene Vereinbarungen (sohin grobe Irreführung und Täuschung, was man auch als Betrug bezeichnen kann) wären zurückgehalten worden.

Es ist nur ein kleines Detail. Aber es ist bezeichnend dafür, wie wesentliche Informationen – in den ungezählten Berichten, Beiträgen und Kommentaren der Medien hierzulande – einfach so unter den Tisch gekehrt oder vertuscht werden.

Alle neuen Entwicklungen über die bevorstehende Generaldirektorenwahl, News über den Stand der rechtlichen Auseinandersetzungen und ein Update über die Chancen der Bewerber finden Sie laufend auf unserer Page www.mucha.at oder in meinem Newsletter.

Ergänzend darf ich noch hinzufügen, dass einer der Kandidaten sich selbst aus dem Rennen genommen hat: Alexander Hofer, niederösterreichischer Landesdirektor des ORF, wird nicht als Generaldirektor kandidieren, wie er auf einer Betriebsversammlung bekannt gab. Dafür spitzt er auf den Job des Programmchefs.

Stiftungsrat Thomas Prantner ist endlich auch weg. Nadja Bernhard, so hört man, soll gute Chancen haben, steirische Landesdirektorin zu werden…

Mehr darüber demnächst

verspricht

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Sonder-Newsletter vom 30.4.2026

Liebe Newsletter-AbonnentInnen,

Ich wende mich heute mit einem Danke und mit einer Bitte an Sie.

Danke sage ich dafür, wenn Sie eine(r) von den Tausenden sind, die in den letzten Wochen meinen Newsletter abonniert haben – wohl angesichts der Tatsache, dass Ihnen offenkundig gefällt, dass Sie auf unseren Pages und in meinem Newsletter ungeschminkt die Wahrheit erfahren.

Sauber recherchiert. Authentisch und ehrlich geschrieben. Hintergründe, die sonst – aus welchem Grund auch immer – vertuscht, verschwiegen, geschönt oder manipulativ falsch dargestellt werden.

Diesem Vertrauensvorschuss, den Sie mir alle geben, fühle ich mich verpflichtet.

Und ja – das Hauptthema der letzten Wochen, der ORF, bewegt uns alle sehr. Weil er ja unser aller Eigentum ist. Weil er ja von uns allen finanziert wird.

Ich habe mit einer Reihe von Freunden darüber nachgedacht, wie ein Österreichischer Rundfunk beschaffen sein sollte, der seinem Auftrag wahrhaftig gerecht wird. Was dort passieren müsste (von außen – siehe Umklammerung der Politik / von innen – siehe Pfründe, Intrigen, Machtspiele und Unappetitlichkeiten), damit wir alle wieder zufrieden damit sind, was wir für unsere Zwangsabgabe bekommen.

Wobei man meiner Meinung nach die Haushaltsabgabe durchaus abschaffen sollte.

Ich habe nun gemeinsam mit einer Reihe von namhaften Unternehmen, Entrepreneuren und Verlegern nach einem gemeinsamen Vielfachen gesucht. Und wir sind – gemeinsam – auf den Titel „Schlankfunkbegehren“ gekommen.

Für einem ORF befreit vom Ballast. Für eine umgehende Abschaffung der Haushaltsabgabe und Finanzierung aus dem Budget. Den Speckgürtel abgelegt. Die Mitarbeiter anständig, aber nicht pfründemäßig überbordend entlohnt. Rahmenbedingungen, die dort ein sauberes Arbeiten ermöglichen. Frei von Zurufen und Interventionen der Politik.

Die ORF-Mitarbeiter haben jüngst eine larmoyanten Jammer-Page gestartet – auf nichtmituns.net sudern auch ORF-Großverdiener. Sie wollten sich nicht für Skandale und Missstände rechtfertigen müssen, mit „denen sie nichts zu tun“ haben.

Ich frage mich: Jeder, der dort arbeitet, weiß doch genau, zu welchem Unternehmen er gegangen ist. Was haben denn die Damen und Herren der vierten Macht im Lande, die ORF-Journalisten, bisher unternommen, um die beklagten Umstände im ORF und in der Politik abzustellen?

Außer bei den Personalvertretungswahlen mehrheitlich Rot-Grün zu wählen?

Wogegen nichts einzuwenden wäre. Wenn Meinung und Information am Küniglberg strikt getrennt würden.

Auf unserer Page nichtmitunsallen.at, die wir fast gleichzeitig mit der ORF-Mitarbeiter-Jammer-Seite gestartet haben, möchten wir Argumente von Ihnen, geschätzte LeserInnen, sammeln. Von kritischen Zeitgenossen, die das, was derzeit – mit täglich neu aufpoppenden Skandalen – beim ORF abgeht, nicht mehr weiter so erdulden möchten.

Für unser angedachtes Schlankfunk-Begehren bedarf es Ihrer Vorschläge. Ihrer Ideen. Bitte besuchen Sie uns auf dieser Page und posten Sie dort Ihre Ansichten und Einsichten.

Erstmalig in unserer Verlagsgeschichte habe ich es ermöglicht, dass dort auch anonym gepostet werden kann. Wenn der Eintrag mit dem richtigen Namen und einer aktiven E-Mail-Adresse versehen ist (aus Rechtsgründen – wird vertraulich behandelt). Dies deshalb, um jene zu schützen, die beim ORF tätig sind oder die es sich mit dem ORF nicht verscherzen wollen. Und Repressalien – welcher Art auch immer – befürchten.

Bei uns sind Ihre Statements sicher und sorgfältig verwahrt.

Zuletzt noch einige Anregungen, was wir uns bislang überlegt haben:

  1. Ende der Schreckensherrschaft der Politik mit ihrer penetranten Einflussnahme auf den ORF mit Regierungseingriffen, wo Jobs vom Stiftungsvorstand über den Generaldirektor, den kaufmännischen Direktor, den Programmdirektor und den Hörfunkdirektor von der Politik ausgepackelt werden.
  2. Schluss mit einem überbordenden Stiftungsrat, der politisch besetzt ist.
  3. Reduktion des 35-köpfigen Stiftungsrates auf ein kleines, überschaubares, überpolitisches Aufsichtsratsgremium.
  4. Schluss mit politischen Bestellungen – saubere Ausschreibungen für Jobs im ORF.
  5. Schluss mit dem Gagenskandal – Ende der fetten Pfründe einer Führungsriege von Abkassierern.
  6. Klare Regelungen zur Abstellung von Belästigungen und Mobbing im ORF.
  7. Laufende Kontrollen, um die ganzjährigen Schneeberichte abzustellen.
  8. Schluss mit dem Missbrauch einzelner ORF-Machthaber, die die ihnen vom ORF verliehene Macht in den sozialen Medien privat hemmungslos nutzen.
  9. Schluss mit dem Nebeneinkünfte-Ringelspiel, mit dem sich sogenannte ORF-Stars eine goldene Nase verdienen. Bei dem Mitarbeiter der Wirtschaftsabteilung des ORF bei Veranstaltungen führender Wirtschaftsunternehmen des Landes ordentlich abcashen.
  10. Schluss mit der „Inzucht“ der sogenannten ORF-Stars, die sich gegenseitig auf allen Haus-Sendern beweihräuchern.
  11. Schluss mit externen Beratungshonoraren, wenn das im ORF intern geregelt werden kann.
  12. Reduktion des Mitarbeiterstandes auf ein vernünftiges Maß.
  13. Reduktion der Sender und des TV-Angebots auf das, was den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt.
  14. Schluss mit der Ausstrahlung von sinnlosen Uraltserien, Mottenprogrammen und Eigenproduktionen, die keiner braucht.
  15. Schluss mit den unsäglichen Landesstudios. Verkauf der Immobilien.
  16. Stattdessen Kooperation mit den Bundesländerzeitungen, die die regionalen Aufgaben des ORF übernehmen, und ORF-Mitarbeiter in ihre Häuser – gegen Honorierung – übernehmen könnten.

Ihnen fallen sicher noch andere wesentliche Punkte ein.

Machen Sie bitte proaktiv mit. Der ORF gehört uns allen.

Vielen Dank dafür.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Christian W. Mucha

P.S.: Sie können mich auch jederzeit per Mail an erreichen.


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 30.4.2026

Liebe Leser,

anlässlich unserer 50-Jahr-Jubiläumsfeier am 27.4.2026 im Naturhistorischen Museum, darf ich Sie alle in meinem heutigen Newsletter anhand unserer APA-Aussendung an unserem Fest teilhaben lassen.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha

Im prunkvollen Ambiente des Naturhistorischen Museum Wien wurde am 27. April das 50-Jahr-Jubiläum des Mucha-Verlags gefeiert. Über 200 hochkarätige Gäste folgten der Einladung des Verlegerpaares Ekaterina und Christian W. Mucha. Die Veranstaltung stand unter der Patronanz von philoro Edelmetalle, Juwelier Von Köck und URBANEK Real Estate.

Die Gäste erlebten eine ebenso emotionale wie kurzweilige Nacht. Geprägt von sentimentalen Rückblicken, persönlichen Anekdoten und pointierten Ausblicken. Der 71-jährige Verleger führte selbst durch den Abend und nahm sich dabei – ganz in seiner bekannten Art – kein Blatt vor den Mund.

In einer launigen Laudatio zog der Doyen der Kulturjournalisten, Heinz Sichrovsky, – pointiert und dennoch durchaus liebevoll – über den Jubilar her.

In seiner Keynote richtete Mucha danach einen eindringlichen Appell an die heimische Werbewirtschaft. Anwesend waren unter anderem die Budgetverantwortlichen Walter Fink (Sky), Jörg Pizzera (Spar) sowie Claudia Bazanella (Hofer), die neben XXXLutz Marketer Thomas Saliger zu den besten im Ranking der Top 340 Marketingleiter von 23 profunden Juroren gekürt wurden.

Mucha monierte die starke Verlagerung von Werbebudgets zu internationalen Digitalkonzernen wie Meta Platforms und Alphabet Inc., die im Vergleich zu heimischen Medienunternehmen deutlich geringere Steuerleistungen erbringen.

Jetzt gelte es, patriotisch umzudenken. Die Austro-Medien und Werbehäuser zu stärken.

Zahlreiche Spitzenvertreter der österreichischen Medienbranche erwiesen dem Jubilar die Ehre. Unter ihnen Andreas Rast und Rainer Nowak (Die Presse), Richard Grasl (Kurier), Wolfgang und Niki Fellner (oe24), Horst Pirker und Kathrin Gulnerits (VGN Verlagsgruppe News), Hans Mahr, Marlene Auer (Freizeit Kurier), Franz J. Sauer (Der Wiener), Gerhard Riedler (RegionalMedien Wien), Alex Nausner (Radio oe24), sowie Paul Leitenmüller (Leadersnet) und viele weitere.

Besonderen Applaus ernteten Michael Kapfer und Dieter Pivrnec von GGK MullenLowe, die als „Agentur des Jahres“ ausgezeichnet wurden.
APA-Vorstand Dr. Clemens Pig heimste die wertvollste Auszeichnung des Jahres ein: Er wurde von 15 Juroren der Medienplattform ExtraDienst zum Kommunikator 2025 gekürt.

Auch zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft waren vertreten, darunter Kommerzialrat Peter Berger (Druckerei Berger), Andreas und Alfred Riedl (Jacques Lemans), Werner Fasslabend, Werberlegende Gerhard Puttner, Kathi Stumpf, Albert Fortell, Christina Lugner, sowie Heribert Kasper uvm.

Musikalischer Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Andy Lee Lang, der den Jubilar mit einer Interpretation von „New York, New York“ – im Original von Frank Sinatra – zum Duett auf die Bühne bat.

Hausherr Markus Roboch präsentierte das Museum mit seinen über 30 Millionen Sammlungsobjekten in 40 großen Ausstellungssälen und empfahl es als außergewöhnliche Eventlocation.

Kulinarisch zeichnete Philipp Pracser von der Litus Group verantwortlich, dessen Restaurant “Otto am Donaukanal” das Catering des Abends stellte.

Ein künstlerisches Highlight setzte Alex Kiessling mit einem großformatigen Porträt des Jubilars. Die Gäste konnten eine Entwurfsfassung individuell kolorieren und mit persönlichen Glückwünschen versehen.

Den krönenden Abschluss bildete eine eindrucksvolle Laserinszenierung von Live Lasersystems – vom Dach des Kunsthistorischen Museum Wien aus in Szene gesetzt. Begleitet von klassischer Musik erklang ein leuchtendes Finale mit einem über 80 Meter breiten Schriftzug: „Christian W. Mucha sagt Danke.“

Hier die Top 10 des Kommunikator-Rankings:
Clemens Pig (APA)
Ingrid Thurnher (ORF)
Richard Grasl (Kurier)
Niki Fellner (oe24 media group GmbH)
Horst Pirker (VGN Verlagsgruppe News)
Christoph Dichand (Kronen Zeitung)
Hubert Patterer (Kleine Zeitung)
Maximilian Dasch jun. (Salzburger Nachrichten)
Michael Kapfer (GGK Mullenlowe)
Gerald Grünberger (VÖZ)
Rainer Nowak (Die Presse)

Die Top 10 des Marketingleiter-Rankings heißen:
Walter Fink (Sky)
Jörg Pizzera (Spar)
Thomas Saliger (XXXLutz)
Claudia Bazanella (Hofer)
Philipp Bodzenta (Coca Cola)
Monika Riedel (Verbund)
Sylvia Harasser (Spar)
Tillmann Fuchs (Flughafen Wien)
Martin Biedermann (ORF)
Wolfgang Gatschnegg (Wien Holding)


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 23.4.2026

Staats-Stunk-Anstalt ORF

Entblößungen, Drohungen, Wortbrüche, Verschwendung und Seilschaften – im ORF bleibt kein Stein auf dem anderen. Schade um die „guten“ Mitarbeiter.

 An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Neu-Hinzugekommenen herzlichst dafür bedanken, dass Sie meine angstfreien Beiträge – jüngst vor allem zum Thema ORF und den Causen Weißmann, Strobl und Böhm – so goutiert haben, dass Sie meinen Newsletter abonniert haben. Dies ist mir Lob und Ansporn, Sie weiterhin mit spannenden und exklusiven Beiträgen zu versorgen. Bitte zögern Sie nicht, wenn Sie Hintergrundwissen haben, Kommentare oder Anmerkungen transportieren möchten, mich auf meiner direkten E-Mail unter zu kontaktieren.

Im Zuge meiner Recherchen in Sachen ORF ist die Fülle an Material, die mir von Whistleblowern, Verantwortlichen vom Küniglberg, Insidern und last but not least den Betroffenen zugeflossen ist, schier unübersichtlich geworden.

Die wesentlichen – abzuarbeitenden – Fragen und Recherchepunkte lege ich in roten Mappen an. Ich habe die gezählt: 16 derartige Plastik-Sheets wären da durchzuackern.

Die wichtigsten dazu werde ich in aller Kürze heute ansprechen. Zu einigen weiteren fordere ich die p.t. Kollegen auf, sich mit Themen, die ich hier anreiße, vielleicht auch einmal genauer auseinanderzusetzen. Ich verspreche: Wer dort, wo ich hinzeige, zu kratzen beginnt, der wird fündig. Garantiert.

Schon Mitte der Vorwoche verfügte ich über Inhalte der Chats von Roland Weißmann mit der betroffenen Frau.

Darüber hinausgehend hätte ich jederzeit beschreiben können, wie das (schlimme und extrem grindige) Foto aussieht.

Ich darf an dieser Stelle daran erinnern, dass ich – wie Weißmann selbst im Krone-Interview festhält – mit dem Generaldirektor zwar per Du war. Aber niemals befreundet. Nun, per Du sind mit ihm viele. Selbst in der Portierloge des ORF soll der mächtige GD per Du begrüßt werden. Und auch der besagten, von ihm jahrelang belästigten, Mitarbeiterin, mit der es jetzt zur Sache geht, hat er sehr schnell das Du-Wort angeboten. Nachdem Pius Strobl ihn ihr als stellvertretenden kaufmännischen Direktor vorgestellt hatte, organisierte Weißmann sich aus den ORF-Files ihre Kontaktdaten. Und schrieb sie an. Schon toll… Es macht die Sache leichter, wenn man Zugriff auf interne Unterlagen hat.

Als ich von meinen Hintergrundgesprächen mit Weißmann berichtete, habe ich schon im ersten Newsletter klargemacht, dass ich das Verhalten von Weißmann für völlig indiskutabel halte.

Ich habe deutlich gemacht, dass Weißmann wegen seiner – unentschuldbaren Handlungen – rettungslos verloren ist. Und in meinem Kommentar geschrieben, dass ich null Mitleid mit dem ORF-Generaldirektor habe.

Ich habe mich letzte Woche – wiewohl ich über Hintergründe, Wissen und Inhalte detailliert Bescheid wusste – dann entschieden, das auf unseren Pages und in meinem Newsletter nicht zu bringen.

Dafür gibt es einen einzigen Grund: Ich respektiere den höchstpersönlichen Lebensbereich von Menschen.

Der sexuell Belästigten blieb wohl keine andere Wahl, als ihre Position nach Weißmanns Presseauftritten (und seinen Äußerungen bei mir) öffentlich zu machen. Denn sowohl hier, als auch dort, hat er mehrmals – wie die Unterlagen belegen – die Unwahrheit gesagt.

Ich gehe davon aus und hunderte Postings weisen darauf hin, dass die Meute der Trolle die Frau jetzt, wo sie an die Öffentlichkeit gegangen ist, vermutlich so lange hetzen wird, bis sie geoutet ist.

Schon jetzt kennt jeder Insider ihren Namen.

Und ja – auch sie hat (schwere) kommunikative Fehler begangen. Die fallen ihr jetzt auf den Kopf.

Aber die übliche Hexenjagd in solchen Fällen ist meiner Meinung nach völlig unangebracht.

Ich glaube, sie hat das Recht, das Geschehene zu verarbeiten. In Ruhe.

Mein Fazit: Der Scham wechselt die Seiten. Thurnher (laut ZiB-Interview jüngst) will alles richtig gemacht haben. Und Roland Weißmann mag darüber nachdenken, sich ein neues Zuhause (außer Landes?) zu suchen.

Kommt Weißmann aus dieser Sache noch irgendwie heraus? Ist etwas, das in dieser Dimension über seinen intimsten Lebensbereich berichtet wurde, jemals reparabel?

Die nüchterne Antwort darauf lautet: Nein. Dazu darf ich ein Erlebnis schildern, das ich bei der Ibiza-Affäre hatte. Die Causa mit Strache und Gudenus ging an einem Dienstag und Mittwoch durch alle Medien. Am Freitag erhielt ich um circa 22:00 Uhr eine Nachricht von H.C. Strache, der mich wörtlich fragte: „Lieber Herr Mucha! Sie sind ein brillanter Formulierer. Fällt Ihnen irgendeine Formulierung ein, mit der man dieses vermaledeite Video klein reden könnte?“ Ich habe ihm postwendend geantwortet. Und ihm geschrieben: „Denken Sie an die Geschichte von Michael Graff und den eigenhändig erwürgten Juden. Es tut mir leid, aber ich muss Ihnen leider sagen, dass es keine Formulierung gibt, mit der man das Ibiza-Video klein reden könnte. Dieses Video wird Zeit Ihres Lebens wie eine Tätowierung auf Ihrem Körper haften.“ Um 1:46 Uhr antwortete mir Strache: „Sie haben Recht. Morgen Rücktritt…“

Ähnlich verhält es sich mit Weißmann. Was bleibt, sind die Bilder in den Köpfen der Menschen. Die Bilder, die man sich aufgrund der höchstpersönlichen Nachrichten macht. Bilder, die man sich vom beschriebenen Foto macht. Weißmann ist sich völlig im Klaren darüber, dass er da nichts mehr zu gewinnen hat. Weder etwas in der „veröffentlichten“ noch in der „öffentlichen“ Meinung. Deshalb klagt sein Anwalt auch den Falter. Da geht es wohl um eine sechsstellige Schadensersatzsumme.

Rein rechtlich sind viele noch namenhafte Journalisten der „Presse“ und vom „Kurier“ der Meinung, dass der „Falter“ ebenso wie die „Kronen Zeitung“ die entsprechenden Berichte mit Zitaten von Chats und der Beschreibung des Fotos nicht veröffentlichen hätte dürfen. Die Frage, die sich dabei stellt, ist für die Falter-Anwältin das öffentliche Interesse. Für den Weißmann-Anwalt stellt sich die Frage nicht. Dort ist man der Meinung, wenn man schon in der Öffentlichkeit verloren hat, dann holt man sich wenigstens das Geld ab, das es aufgrund derartiger Veröffentlichung gibt.

Teuer ist so eine Klage jedenfalls nicht. Teuer sind die Schadensersatzansprüche, wenn Weißmann gegenüber dem Falter recht gegeben wird. Ich habe mit Falter-Chefredakteur Florian Klenk gesprochen, wie er die Sache sieht. Ihn auf die Risiken hingewiesen. Und ihm klar gemacht, dass das einerseits ein langwieriger Rechtsstreit sein könnte. Und daraus resultiert, dass – selbst wenn man Recht bekommt – man am Schluss die Anwaltskosten bezahlen muss. Und auch die Zeit, die man für so ein Verfahren aufwendet, ist viel Geld wert.

Doch beim Falter hat man eine Entscheidung getroffen. Klenk argumentiert wie folgt:

Nach der Veröffentlichung der Weißmann-Chats haben uns viele Zuschriften erreicht. Die meisten unterstützen unsere Entscheidung, andere protestieren dagegen, dass wir als einziges Medium in das Privatleben eines Menschen eingreifen würden. Ein Kollege der Presse wirft uns gar den Bruch des Medienrechts vor. Ein harter Vorwurf.

Aber die Frage ist berechtigt. Denn noch vor wenigen Wochen haben wir uns dagegen entschieden, Weißmanns Chats abzudrucken. Und genau deshalb möchte ich darlegen, warum wir unsere Meinung geändert haben – und warum das rechtlich gedeckt und journalistisch geboten ist.

Eins vorweg: Es geht nicht darum, das Privatleben eines Menschen voyeuristisch auszuleuchten. Es geht um einen Vorgang von öffentlichem Interesse, um das Verhalten eines Spitzenmanagers gegenüber einer Mitarbeiterin. Roland Weißmann war Generaldirektor des ORF und leitete damit einen mit öffentlichen Gebühren finanzierten Milliardenkonzern. Für solche „public figures“ gelten – auch nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte – andere Maßstäbe.

Der EGMR hat in der Entscheidung „Axel Springer gegen Deutschland“ vier zentrale Kriterien festgelegt, nach denen sich die Zulässigkeit einer Veröffentlichung beurteilt. Wendet man diese auf den Fall an, ergibt sich ein klares Bild:

Erstens: Beitrag zu einer Debatte von allgemeinem Interesse. Hier geht es um möglichen Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und die Frage, wie eine öffentlich-rechtliche Institution mit solchen Vorwürfen umgeht. Das ist kein privates Thema. Hinzu kommt, dass Weißmann selbst öffentlich widersprüchliche Aussagen getroffen hat – etwa in der „Krone“, wo er sagte, es gebe „keine kompromittierenden Fotos, die ich bereue“, und zugleich auf die Frage nach heimlichen Aufnahmen erklärte: „Das müssen Sie die Frau fragen.“ Genau dieser Satz öffnet den Raum für journalistische Überprüfung.

Zweitens: Bekanntheit der Person. Weißmann selbst betont seine exponierte Rolle – als EBU-Aufsichtsrat, als Verantwortlicher für den Song Contest, als Verhandler der Haushaltsabgabe und als Leiter eines ORF, der „acht von zehn Österreichern täglich“ erreicht. Damit definiert er sich selbst als Person des öffentlichen Lebens mit besonderer Verantwortung und Reichweite.

Drittens: Selbstöffnung des Privatlebens. Weißmann hat mehrfach Interviews gegeben, seine Sicht der Dinge öffentlich dargestellt und problematische Vorwürfe zurückgewiesen. Dabei sagte er unter anderem: „Ich kann mein Verhalten nicht als peinlich sehen, ganz im Gegenteil.“ Und: „Jeder Frau, die sich unrechtmäßig behandelt fühlt, steht es zu, dies auch kundzutun.“ Genau das ist nun geschehen. Medienrechtlich spricht man hier von Selbstöffnung – und die Rechtsprechung erlaubt in solchen Fällen auch eine Überprüfung und Gegenüberstellung durch Dokumente.

Viertens: Wahrheitsgehalt

§ 7 Mediengesetz schützt den höchstpersönlichen Lebensbereich – aber nur dann, wenn kein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. Ein solches überwiegendes Interesse liegt hier vor. Wir erörtern die Frage, ob wir Millionen an Gebührengeldern für Weißmann zahlen müssen und ob die Compliance-Abteilung im ORF funktioniert.

Unsere medienrechtliche Beratung durch Maria Windhager kommt hier zu einem klaren Schluss: Die Veröffentlichung ist zulässig, keine Verletzung des Medienrechts – und in dieser Konstellation sogar geboten, um zur Aufklärung eines strukturellen Problems beizutragen. Wenn Medien diese Aufgabe nicht wahrnehmen, dann entsteht eine Lücke – gefüllt von Behauptungen und PR, aber nicht von Fakten. Journalismus bedeutet, diese Lücke zu schließen.

Und schlussendlich, so Klenk, hatte man Weißmann selbstverständlich befragt, ob er zu den geplanten Falter-Veröffentlichungen etwas vorbringen wolle. Darauf sei retour gekommen, das sei Weißmanns Privatleben. Und der Falter müsse mit einer Klage rechnen.

Ist das ein mutiger Schritt vom Falter? Oder ein übermütiger Schritt? Bitte schreiben Sie mir, was Sie davon halten.

***

Mutig ist auch die einseitige Behauptung von Seiten des ORF, man habe die Pensionsregelung von Pius Strobl nach Vorliegen eines Rechtsgutachtens rigide abgelehnt. Wie ich mittlerweile in Erfahrung bringen konnte (wozu sich freilich keiner der Beteiligten äußern will – wohl um nicht weitere Einigungsversuche zu kannibalisieren) – gab es da sehr wohl langwierige und sich länger hinziehende Vergleichsverhandlungen zwischen Strobl und dem ORF/Weißmann.

Die 2,4 Millionen, die ja kein Cash Betrag, sondern eine Rückstellung für die Pension von Strobl sind, um die Altersvorsorge zu bedienen, sollten als einmalige Abschlagszahlung am Ende der Tätigkeit von Strobl evaluiert werden. Daraus ergab sich ein Vergleichsbetrag von – dem Vernehmern nach – rund 650.000 Euro.

Mündlich war man sich darüber einig, was Strobl nach Ende seiner Tätigkeit erhalten sollte. Doch dann kam es zu einer erstaunlichen Wende: Denn bei der vertraglichen Ausfertigung dieser Summe tauchten plötzlich eine ganze Reihe von nicht besprochenen Abzugspunkten auf, die diese Summe um fast zwei Drittel(!) reduziert hätten. Darunter eine Kürzung des Strobl-Gehalts um rund 40 Prozent, sowie der Entzug von Strobls geliebtem Firmenfahrzeug.

Der sei fuchsteufelswild darüber gewesen, dass ein bereits mündlich skizzierter, von seiner Seite aus gesehen fair bemessener Kompromiss in der Pensionsklausel solchermaßen vaporisiert wurde. Strobls neuerliche Angebote, dass das nicht akzeptabel sei und weiterverhandelt werden sollte, wurde danach von Weißmann und dem ORF strikt abwürgt. Sohin wird diese Causa nun wohl in einem Rechtsstreit münden. Und könnte weit höhere Kosten verursachen.

Weißmann selbst scheint seine Forderungen gegenüber dem ORF wohl auch als Pokerspiel zu betrachten. Und beim Pokern muss man tarnen, täuschen und bluffen. Sonst verliert man in Heads-up.

Der Ansatz, auch seine volle Gage als Generaldirektor in der nächsten Periode vom ORF zu fordern, wird von vielen Seiten als schwer überzogen oder gar „dreist“ bezeichnet. Weißmann argumentiert, dass es deutliche Signale vom Bundeskanzler in seine Richtung gegeben hätte, dass er den Job mit höchster Wahrscheinlichkeit wieder bekommt.

Zu Jahresbeginn haben wir nun mit „Admiral“ und deren Buchmachern die Wettquoten der Kandidaten erhoben. Da lag Roland Weißmann nicht in Führung. Er lag nur an zweiter Stelle. Mit einer Quote von 2,8, sprich für 100 Euro Einsatz erhielte man, wenn man auf seinen Sieg wettet, 280 Euro. An erster Stelle lag der niederösterreichische Landesdirektor Alexander Hofer. Mit einer Quote von 2,5. Philipp König (Kronehit Radio), lag bei Quote 3 und der APA-Chef Clemens Pig bei Quote 6.

Diesbezüglich erhielt ich einen mysteriösen Anruf. Wo mich jemand fragte, ob ich diese Erhebung und die dahinterliegenden Recherchen und Unterlagen bei Gericht als Zeuge offenlegen würde?

Ich werde jetzt nicht kommentieren, aus welcher Ecke die Anfrage kam. Aber jeder mag sich seinen Reim darauf machen.

Eingangs habe ich versprochen, dass ich eine Reihe von Themen in Arbeit habe, die es lohnen würde, aufzuarbeiten. Ich habe mit vielen Kollegen der federführenden Medien in der Causa ORF Gespräche geführt. Ich schlage vor, die krempeln Ihre Ärmel auf und machen sich an die Beantwortung einiger Fragen, bei denen Überraschendes herauskommen könnte. Und wenn Sie es nicht tun, dann werde halt ich mich in den nächsten Wochen darum kümmern…

Interessant wäre, zu erfahren, wie die Überstundenabrechnungen bei ORF III gelaufen sind. Interne Überprüfungen haben ergeben, dass sie „korrekt“ sind. Für die kaufmännischen Agenden war damals die jetzige kaufmännische Direktorin Eva Schindlauer zuständig.

Die Überstundenabrechnungen seien – so hört man – einigermaßen flockig „adaptiert“ worden.

So korrigiert (?!), dass sie mit den Ruhezeiten zusammenpassen. Was in den ursprünglichen Abrechnungen nicht gegeben war. Wenn solches ORF-intern überprüft wird und ein Freibrief erteilt wird, dann lautet die Argumentation üblicherweise: dem Österreichischen Rundfunk ist durch allfällige Korrekturen kein Schaden erwachsen. Na, servas.

Durchaus spannend könnte es auch sein, sich damit zu beschäftigen, wie viel Geld der ORF für Rechtsberatung seiner Mitarbeiter auslegt. Warum in so vielen – teils erbärmlichen – Causen der ORF Honorare der Anwälte samt Gerichtskosten der Betroffenen berappt.

Und gar Schweigegeldzahlungen an die Stellvertreterin des damaligen ORF-Online-Chefs Thomas Prantner bezahlt hat, die sich gegen Kündigung wehrte. Ihr soll er – wie „Der Standard“ berichtete und wie alle in der Branche schon lange wissen (aber Prantners Namen nicht nennen durften) – gesagt haben, dass er mit ihr einen „Dreier“ haben wolle. Und „geile Träume“ mit ihr gehabt habe. Prantner soll seine Mitarbeiterin mit Aussagen wie „Ohne mich bist Du nichts“ unter Druck gesetzt haben.

Zu einem angeregten Mediationsverfahren mit der Mitarbeiterin kam es seinerzeit nicht. Sie musste die Abteilung wechseln. Prantner verließ den ORF. Machte sich selbstständig. Und kehrte als dessen Stiftungsrat (!), entsandt vom steirischen Landeshauptmann Mario Kunasek, in den ORF zurück.

Aufgeflogen ist Prantner, weil bislang geheime Dokumente, Notizen und E-Mails, die er ungeschützt im ORF-System abgespeichert hatte, von Whistleblowern nach außen gespielt wurden. Prantner ist einer von vier Stiftungsräten, denen der ORF-Redaktionsausschuss vergangene Woche das Misstrauen ausgesprochen hat.

Über die „Standard“-Veröffentlichung hinausgehend, habe ich etwas Grünes anzufügen: Prantner nutzte nämlich seinerzeit auf ORF-Kosten eine Loge (?!) im Rapid Stadion. Für kommunikative Zwecke? Rapid-Präsident Wrabetz bestätigt gegenüber ExtraDienst, dass es so eine Loge gab. Dabei habe es sich wohl um ein Naturalgeschäft des ORF mit Rapid vor seiner Berufung als Rapid-Präsident gehandelt.

Erfreulich, dass man den Namen dessen, der seiner Stellvertreterin eine „Ménage à trois“ vorgeschlagen hat, nach der „Standard“-Veröffentlichung nun endlich beim Namen nennen darf.

Gut und schön. Jedes Unternehmen sollte seine Mitarbeiter schützen und ihnen auch rechtliche Begleitung finanzieren, wenn das deren Möglichkeiten übersteigt.

Wenn aber – und diese Bombe habe ich mir für zu Letzt aufgehoben – der ORF der Frau, die mit Weißmann im Clinch liegt, sowohl für rechtliche als auch für ihre psychologische Betreuung nur einen vierstelligen Betrag (!!!) pauschal angeboten hat, dann ist das schon einigermaßen erstaunlich. Von „angemessen“, wenn man all das, was jüngst ruchbar geworden ist, betrachtet, kann da wohl keine Rede sein… Oder? Was meinen Sie dazu?

Und jetzt bitte ich Sie um Vergebung dafür, dass es mir wieder einmal nicht gelungen ist, einen kürzeren Newsletter zu verfassen. Die Fülle des Materials ist einfach zu groß.

Bitte bleiben Sie mir gewogen und – siehe hier oben – schreiben Sie mir doch.

Herzlichst,

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 22.4.2026

ExtraDienst Exklusiv

Ist das der Gamechanger?

Wie ich – wieder einmal als Erster – in meinem Newsletter berichten darf, ist bei ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und den ORF-Stiftungsräten heute Abend ein höchst erstaunliches Schreiben eingetroffen. Eines mit Gewicht. Eines, das zum Gamechanger in der Causa Weißmann werden könnte.

Denn darin rügt die Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft, angesiedelt beim Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung, Mag. Sandra Konstatzky, in deutlichen Worten den ORF.

Es entbehre jeder rechtlichen Grundlage, dass die ORF-Compliance-Stelle sich die Kompetenz zur Entscheidung oder Feststellung anmaße, ob eine „sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn“ vorliegt.

Damit ist der Freibrief für Weißmann zur Makulatur geworden. Jetzt sind andere Kräfte am Werk als eine ORF-interne Compliance-Stelle.

Das wird Weißmann und seinen Anwälten gar nicht gefallen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 14.4.2026

Liebe Leser,

aus Aktualitätsgründen erscheint unser Newsletter diese Woche nicht wie gewohnt am Donnerstag, sondern bereits am Dienstag.

Achtung: Jedwede Wiedergabe, ganze oder teilweise Übernahme dieses Newsletters ist urheberrechtlich an die Zustimmung der MG MedienGruppe und/oder von Christian W. Mucha gebunden. Mail-Anfragen bitte an . Jedwede unautorisierte Wiedergabe dieser Inhalte, auch bei Übernahme von allfälligen Dritten ohne die Beifügung „Wie Christian W. Mucha in seinem Newsletter berichtet“, wird urheberrechtlich von der MG MedienGruppe bekämpft. Vielen Dank für Ihr diesbezügliches Verständnis, was Autoren- und Urheberrechte dieser Beiträge betrifft. Denn nur so sehen wir die Möglichkeit, diese exklusiven Inhalte vor dem in der Branche leider nur allzu oft grassierenden Inhaltsdiebstahl zu schützen.

 

Gefangen in der Zwickmühle

Die Beurlaubung von ORF-Enterprise-Chef Oliver Böhm kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Diese Entscheidung könnte fatale Folgen haben.

Die drei Frauen in leitenden Positionen an der ORF-Spitze, die neue Generaldirektorin Ingrid Thurnher, die kaufmännische Direktorin Eva Schindlauer und die Programmchefin Stefanie Groiss-Horowitz, hatten einfach keine andere Wahl.

Sie stecken – angesichts der ruchbar gewordenen und ExtraDienst im Detail bekannten Vorwürfe gegen Oliver Böhm – in einer entsetzlichen Zwickmühle, aus der es kein Entkommen gibt.

Da bleibt gar nichts anderes übrig, als zu handeln.

Die Vorwürfe gegen Oliver Böhm gehen diesmal – zumindest ist das der Stand unserer Informationen – einmal nicht in Richtung sexueller Übergriffe. Und das ist ja schon etwas.

Grob gesprochen umfassen sie drei Themenbereiche.

Zum einen beschäftigt sich die Compliance-Untersuchung, wie man hört, mit Abrechnungen, Spesen und Tickets.

Das kennen wir von der Spanischen Hofreitschule. Der dortige Chef wurde angepatzt, entfernt, und am Schluss platzten die Vorwürfe ohne konkrete Substanz.

Dazu kommt ein Thema, über das sich nur schwer schreiben lässt. Will man nicht eine Klage riskieren. In der Kronen Zeitung bezeichnet man den zweiten Bereich als „schwerwiegend“ und umschreibt ihn damit, dass jemand in solch einer verantwortungsvollen Position einen „klaren Kopf“ behalten muss.

Womit man den verliert, kann sich jeder ausmalen.

Und der dritte Bereich ist detto nur schwer zu konkretisieren.

Wiewohl ich über Hintergrund, Name und Details des Vorgefallenen Bescheid weiß, lässt die Rechtssituation es nicht zu, mehr als nur Andeutungen zu machen.

Konkret geht es um eine Erkrankung einer Mitarbeiterin in Böhms Wirkungsfeld. Die sich schon seit Längerem von einer Läsion erholt. Von welcher Art die ist, darf ich hier nicht ausführen.

Freilich konnte ich in Erfahrung bringen, dass es sich dabei um eine hochqualifizierte Expertin handelt, die für aktuelle, termingebundene Akquisitionen eingesetzt werden sollte…

Zu diesen drei Vorwürfen schrieb Böhm mir am Abend des 13. Aprils: „Mir wurde bis dato nicht eine einzige Information gegeben, was mir vorgeworfen wird“.

Womit ich seine PN wörtlich wiedergebe.

Weitere Details und Informationen kann ich Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, erst geben, wenn ich von den Betroffenen autorisiert bin, darüber zu berichten.

Auch von Seiten des ORF gibt es diesbezüglich – da sind wir wieder im Bereich des Höchstpersönlichen – kein Statement.

Was ist nun das Bemerkenswerte an diesem neuerlichen ORF-Skandal?

Ich meine: Das Entscheidende daran sind nicht die Vorwürfe, sondern das Timing und die Härte der Maßnahmen.

Das Muster, nach dem im ORF erneut vorgegangen wird, lässt sich leicht durchschauen. Ähnlich wie bei Roland Weißmann gibt es keinen klar definierten Rechtsverstoß, keine konkreten Vorwürfe – und trotzdem Konsequenzen.

Und – schon wieder lautet die Methode „Aus-dem-Spiel-Nehmen“.

Womit man schlussfolgern könnte: Dabei handelt es sich um kein klassisches Compliance-Verhalten, sondern um ein präventives Machtinstrument.

Dazu kommt, dass die Hebelwirkung extrem groß ist. Denn hier geht es nicht um irgendeinen Manager, sondern um den Einnahmenmotor und die Schnittstelle zum Markt, zur Werbung und zur Wirtschaft. Wer einen Böhm mit dessen Qualität entfernt, destabilisiert einen zentralen Pfeiler des Unternehmens.

Das Muster ist somit klar erkennbar: In der ersten Phase gibt es ein Machtvakuum. Dann einen Rücktritt (Weißmann) bzw. Beurlaubung (Böhm). Die Interimslösung ist nur schwach abgesichert, der Stiftungsrat nervös, die Politik gerät in Bewegung – und das System steht ohne stabile Spitze da.

Der Fall Böhm ist damit ein Lehrbuchbeispiel, wie Litigation-Management nicht funktionieren sollte.

Wir lernen daraus, dass der Fall Weißmann kein Einzelfall war. Wer sehen kann, der erkennt, dass es sich hier um einen Mechanismus handelt.

Auch der jüngste Fall erfüllt drei Funktionen:

Erstens: Ein Signal nach innen. Das, so traurig es klingt, konsequenterweise interpretiert werden kann mit: „Niemand ist sicher.“

Zweitens: Die Vorbereitung weiterer Personalentscheidungen – potenzielle Player werden geschwächt.

Drittens, die Rechtfertigung für einen Neustart: „Wir müssen alles neu aufstellen.“

Sohin wird hier aktiv aufgeräumt.

Man könnte diese Struktur auch anders erläutern: Auf anonymisierte Vorwürfe greift die Compliance als Vehikel zurück, womit eine gezielte Schwächung von Personen einhergeht. Das ist kein Chaos, sondern ein Muster. Auch wenn es nach chaotisch aussieht.

Trägt das die Handschrift des neuen Beraters des ORF?

In der Branche kursiert offen, dass die Generaldirektorin den obersten Chef im kommunikativen Bereich Martin Biedermann zwar in seinen Ämtern belassen hat, die Strategie wohl aber vom externen Berater Alfred Autischer gesteuert wird.

Die Konsequenz dessen, was da mit Böhm passiert, könnte fatale Folgen für den Österreichischen Rundfunk und die 224 Millionen, die Böhm verantwortet, haben. Denn sein Abgang kommt zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt. Demnächst stehen zwei immens werbewirksame Events vor der Tür – der Eurovision Song Contest und die Fußball-Weltmeisterschaft.

Dabei casht der ORF fett ab. Die Verunsicherung, die bei Kunden, Agenturen und Media-Agenturen jetzt aufbrechen mag, könnte erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Lassen Sie mich zuletzt noch einige Worte zu Oliver Böhm, den ich persönlich seit vielen Jahren kenne und schätze, sagen:

Ich halte ihn für einen hervorragenden Experten. Für fleißig. Für hochqualifiziert. Er führt eine Vielzahl von Jahresvereinbarungen, bei denen es um immens viel Geld für den ORF geht. Er kennt alle geheimen Übereinkünfte mit den Top-Kunden.

Die (geheimen) Konditionen (bekommt die Spar dieselben Rabatte wie Billa? Erhält A1 mehr Werbefläche für’s selbe Geld wie Drei?) sind im heikelsten Bereich angesiedelt , den man sich als Unternehmer nur vorstellen kann.

Und – Böhm – aber darauf möchte ich nicht näher eingehen – meistert ein persönlich äußerst schwieriges Schicksal.

Daran – neben dieser privaten Herkulesaufgabe seine beruflichen Tätigkeit zu bewältigen – würde ich persönlich wohl komplett scheitern. Dafür habe ich ihn immer sehr bewundert.

Bedauerlicherweise verfüge ich bereits jetzt über weitere Informationen, dass das wohl noch nicht das Ende der Skandalflut ist, die den ORF tsunamimäßig überschwemmt. Und – es mehren sich Stimmen der Kritik an der Führungsspitze.

Kopfnüsse Autor und NewsFlix Verfasser Christian Nusser bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Auch Ingrid Thurnher hofft auf bessere Zeiten…

„Die Leute sollen uns wieder bitte mögen“, sagt sie. Der ORF solle nicht nur konsumiert werden, sondern im besten Fall „wieder von Herzen“ gemocht werden.

Ich weiß nicht, ob das jemals so war, aber im Moment fühlen sich die Gebührenzahler durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eher unterhalten als von Liebe umhegt. Der ORF produziert derzeit so viel Inhalt über sich selbst, dass es sich fast auszahlen würde, einen fünften TV-Sender zu eröffnen, der ausschließlich ORF-Zeug abspielt. Eine Art Hauskanal, aber für alle.

Den Hauskanal für alle könnte man „ORF. Wie wirr“ nennen, statt einer „Runde der Chefredakteurinnen“ gäbe eine „Runde der Rechtsanwälte“. In „G’scheit im Bild“ würde man arbeitsrechtliche Gutachten vorlesen, ein Live-Ticker sollte über den aktuellen Kündigungsstatus des Generaldirektors informieren.

Die Stiftungsräte könnte man ein paar Wochen lang am Küniglberg einsperren und die Sitzungen wie bei „Big Brother“ im Internet streamen. Als Auflockerung könnte man Gäste einladen, frühere Generaldirektoren etwa. Oder Christian W. Mucha.

Auch Reportagen würden sich anbieten. Etwa den Tresor vorstellen, in dem transparente Untersuchungsberichte in aller Transparenz weggesperrt werden, die alten wie die aktuellen. Zu erzählen hätte man über den ORF genug.“

Und genau darum geht es: Die versprochene Transparenz ist in Wahrheit Intransparenz par excellence. Und das hilft dem ORF nicht.

Es zieht ihn immer tiefer in den Sumpf, in dem er ohnehin schon steckt, befürchtet

Ihr

Christian W. Mucha

 

Kommentar: Die gefährliche Lücke

Wenn der Hüter der lukrativsten ORF-Geschäftsgeheimnisse im Streit geht, dann wird es heikel.

Nach der Entfernung von Aigelsreiter (ORF Sport), dem Abgang von Weißmann, der Erkrankung von Pius Strobl, der in Krumpendorf sein Burnout auskuriert, wurde am 13. April bekannt, dass nun auch Oliver Böhm beurlaubt ist.

Als würden die anderen Fälle nicht schon reichen, könnte Böhms Beurlaubung und das, was über die Compliance-Stelle in der Folge möglicherweise zu seinem Abgang führt, fatale Folgen für die ORF-Werbung haben.

Denn der ORF-Enterprise-Geschäftsführer ist der Mastermind für die wichtigsten Deals in der Werbebranche.

Führt ungezählte Jahresverhandlungen mit den Werbe- und Media-Agenturen.

Und wenn da einschlägiges Wissen virulent wird, hinterfragt wird, aufgerollt wird, dann Gnade Gott nicht nur dem Österreichischen Rundfunk, sondern auch all jenen Agenturen, die in der Folge mit ihren Abrechnungsmodellen in gröbste Erklärungsnot kommen könnten.

Um zu erläutern, was da in der Branche läuft, darf ich „Praktiken“ der Agentur-Abrechnungen – wertungsfrei – darlegen und jenen, die diesbezüglich nicht firm sind, ein wenig auf die Sprünge helfen.

Seriöse Agenturen – und ich hoffe, das ist doch die Mehrzahl der Werbeunternehmen in der Branche – verrechnen heutzutage kaum mehr Prozentsätze.

Das für mich sauberste Modell lautet: hundertprozentige Transparenz gegenüber dem Kunden. Das heißt, alle Anzeigen, Hörfunk, TV, Online und sonstigen Rechnungen werden dem Kunden offengelegt. Samt den Skonti. Und an die Agenturkunden weitergegeben.

Die Abrechnung der „transparenten“ Agentur lauft demzufolge wie bei einem Anwalt, einem Notar oder einem Taxifahrer: Es läuft ein Taxameter mit einem Stundensatz. Und daraus ergibt sich das Honorar der Agentur.

Doch nicht alle Agenturen ticken so. Es soll gar – ohne Namen zu nennen – Agenturen geben (z.B. vor wenigen Jahren in einem Bereich des großen Feldes, das als „Agrar“ umschrieben werden kann), die null Prozent Media-Agentur-Vergütung angeboten haben. Also offizielles Arbeiten zum Nulltarif (?!)

Eine Praxis, die sich bis heute – vor allem bei großvolumigen Pitches – weiterhin durchziehen soll.

Was zu vehementen Protesten bis zu Wutausbrüchen und ungezählten Anrufen der Mitbewerber bei besagter Agentur führte, die fragten, wie das denn gehen soll?

Null Prozent Media-Agentur-Vergütung? Wie rechnet sich das noch?

Die Erklärung dafür ist simpel: Am Ende des Jahres gibt es die sogenannten Rabattstaffeln. Bei Erreichung eines gewissen Umsatzes. Das wird mit den Werbepartnern, Medienhäusern, Digital- und Außenwerbern und wie die Anbieter alle heißen – am Jahresanfang akkordiert. Dann gibt es quasi eine Prämie, einen Zuschlag. Wenn das Target erfüllt ist, gibt es dafür entweder Rabatte (die in Naturalien und mehr Werbezeit oder mehr Werbefläche abgedient werden können). Oder Cash.

Dazu kommen – wenn man unterjährig schnell zahlt – die Skontoerlöse. Die können – je nach Kunde – zwei, drei, in manchen Fällen sogar bis zu fünf Prozent betragen.

Jede Agentur, die Werbeleistung dem Kunden prompt nach Auftrag verrechnet, erhält das Werbeentgelt vom Kunden oft schnell. Zahlt sie jetzt flott an das Medienhaus weiter, dann kann sie die Skontoerlöse für sich verbuchen. Da kommt bei fünf Prozent schon ein fettes Sümmchen zusammen.

Die Verlockung, das einzustreifen, führt zu einer zweiten Honigfalle: Wer es sich einfach machen will, der bucht möglichst viel vom teuersten Werbestoff, den es in Österreich gibt. Das sind – reichweitenbedingt – die ORF-TV-Spots. Oder die Hörfunk-Spots im Ö3 Wecker. Der Aufwand dafür ist nicht groß. Man produziere einen guten TV-Spot, setze den möglichst oft ein und kassiere damit eine Lawine.

Doch die Sache birgt eine Gefahr. Wenn nämlich die fettesten Aufträge nur in die teuersten Werbeformen gestopft werden, dann kommen die anderen zu kurz. Womit kleinere Verlage, regionale Anbieter, Special-Interest-Medien, um nur drei Beispiele zu nennen, alles andere als eine Freude haben. Denn für die bleibt bei jenen Agenturen, die es sich leicht machen, nicht mehr viel übrig.

Natürlich hat jede Media-Agentur heutzutage digitale Berechnungssysteme für ihre Mediaplanung. Da wird zielgruppendefiniert ausgewertet, punktgenau geworben. Was natürlich den am leichtesten kontrollierbaren und von der Response her überprüfbaren internationalen Digitalkonzernen wie Meta (Facebook, Instagram) und Alpha (Google, YouTube) ganz besonders in die Karten spielt.

So fließen bereits 2,7 der fünf hierzulande gesamt aufgewendeten Werbe-Milliarden an internationale Digital-Unternehmen, die hierzulande nur fünf Prozent Steuern zahlen. Während die heimischen Kommunikationsunternehmen bis zu 45 Prozent Steuern berappen müssen.

Das österreichische Paradoxon ist, dass Agenturen, anstatt sich um taugliche Honorarmodelle zu kümmern, sich den ohnehin bereits viel zu kleinen heimischen Honorarmarkt damit selbst ruinieren.

Dagegen spricht, dass im digitalen Bereich das Thema „Kickback“ – wie hinter vorgehaltener Hand kursieren – in Einzelfällen noch viel schlimmer ausgeprägt sein soll.

So soll eine namhafte internationale Werbe-und Media-Agentur vorgeschlagen haben, wenn nicht über den ORF, sondern direkt bei diesem Werber zu den „offiziellen“ Konditionen eingekauft wird, dann würden sie nichts für ihre kreative Leistung verrechnen.

Der ORF hat sich im Werbereigen – und dafür ist Oliver Böhm einer der besten Experten, der viele Jahresvereinbarungen geführt hat und die Kunden in- und auswendig kennt – bis dato erstaunlich gut halten können.

Betrachtet man nun das System der zum Jahresende ausgefolgten Rabatte in Kombination mit den erlösten Skonti, dann kann eine Agentur, die so etwas dem Kunden nicht ganz, sondern nur teilweise weitergibt (oder es dem Kunden im Extremfall gar nicht weitergibt), einen viel fetteren Gewinn machen, als würde sie mit der vorgenannten Taxameter-Abrechnung Transparenz gegenüber dem Kunden beweisen.

Und jetzt kommt das Teuflische an der Sache: Bricht nun dieses System, das einzelne schwarze Schafe für sich ausnutzen, deshalb zusammen, weil die theoretische Möglichkeit besteht, dass jemand, der darüber haarklein, im Detail Bescheid weiß, sein Wissen nicht mehr vertraulich für sich behält, dann könnten derartige Deals aufbrechen.

Werden die entsprechenden geheimen Übereinkünfte öffentlich, dann könnte das einen gewaltigen Skandal auslösen.

Weshalb seit Montag dieser Woche, dem 13. April um 14:11 Uhr (erste Veröffentlichung – Böhm wird freigestellt), bei gewissen Proponenten der Branche Panik ausgebrochen ist. Wohlgemerkt: Zittern müssen nur jene, deren Abrechnungsmodalitäten nicht sauber sind.

Ich will und werde niemandem etwas unterstellen. Ich habe die teils erbärmlichen Jahresabrechnungsmodelle gewisser Media-Agenturen und Kreativschmieden schon öfter angeprangert. Mein Verlagshaus steht deshalb bei so mancher Media-Agentur auf der roten Liste. Und nein, ich werde an dieser Stelle keine Namen nennen.

Aber was, wenn nun nach dem Abgang einer Schlüsselfigur der Branche ruchbar werden sollte, was da hinter den Kulissen abgeht. Wenn auch der letzte Kunde durchschaut, wie man mit den Skonti, die nicht an ihn weitergeleitet wurden, oder einbehaltenen Jahres- und Naturalrabatten in der Branche fette Geschäfte macht.

Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen: Wer hat welches Verrechnungsmodell? Wer gibt seinen Kunden wie viel wahrhaftig von dem, was er als zwischengeschaltete Agentur kassiert hat, weiter? Wie viel Geld kann man lukrieren, wenn ein großer Kunde mit riesigen Aufträgen involviert ist, der prompt nach Abrechnung das Werbeentgelt bezahlt?

Sohin könnten die jüngsten ORF-Kalamitäten weite Kreise ziehen. Und diese Kreise – das steht zu erwarten – werden sich auch auf die Werbe- und Agenturbranche auswirken. Dann fällt nicht nur der Groschen beim ORF, sondern auch in so mancher Agentur.

Nachdem viele von den Agencies Töchter amerikanischer Konzerne sind – sprich internationalen Börsenunternehmen mit peniblen Controlling-Mechanismen –, könnte das sich auch zu einer internationalen Affäre auswachsen.

Dazu kommt noch der Druck der Dach-Unternehmen auf ihre Töchter, möglichst viel von deren Gewinnen den Zentralen zukommen zu lassen. Dieser Druck ist in den letzten Jahren gewaltig gestiegen. Auch in einem kleinen Land wie Österreich mit vergleichsweise geringen Werbeumsätzen.

Wer alle diese Überlegungen zusammenführt, der ahnt – hier kommen Eisberge auf den Österreichischen Rundfunk zu. Und auf die Werbe- und Agenturszene. Nur kleine Spitzen ragen aus dem Wasser. Doch was darunter schlummert, ist gigantisch. Und so manche – für unsinkbar gehaltene Titanic – könnte damit von ihrem Schicksal ereilt werden.

Die Schlussfolgerung daraus: Wenn die das beim ORF in der Chefetage in dieser Dichte durchschaut haben, dann kann man den Schritt, den Kopf der ORF Enterprise just jetzt zu beurlauben, nur als tollkühn bezeichnen. Der falsche Schritt zum falschen Zeitpunkt. Vor den fettesten Werbeeinnahmen des ORF, sprich dem Eurovision Song Contest. Und der Fußball-Weltmeisterschaft noch dazu.

Aber irgendwie kann ich mich eines schleichenden Gefühls nicht erwehren: Ich befürchte, dass denen dort oben nicht wirklich klar ist, was derartige Schritte auslösen könnten…

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 9.4.2026

Mein Schatz

Alles zu horten befreit von Sorgen.

Unglaublich, wie schnell die Zeit verrinnt. Am 27. April feiern wir – wie angekündigt – unser 50-Jahr-Jubiläum. Vor einem halben Jahrhundert kam unser erstes Magazin, das FM (vormals a3 Fremdenverkehr, das wir samt allen Rechten, Abo-Datei und dem Archiv mit dem Vorgängerunternehmen, der Mucha Verlag GmbH, gekauft hatten) erstmalig auf den Markt.

Trotz meines Versuchs, mich dagegen zu wehren, war jüngst der Druck unserer Freunde, Geschäftspartner und Leser zu hoch: Seit Monaten höre ich immer wieder: „Aber zum 50er machst Du dann ein eigenes Jubiläumsheft, oder?“

Also habe ich mich noch ein allerletztes Mal breitschlagen lassen. Und gemeinsam mit einigen jungen Kollegen und einer Runde von „Alteingesessenen“ ein Jubiläumsheft gestaltet. Das beim Fest aufliegen wird.

Am 8. Mai erscheint dann die komplette Ausgabe mit einem beigefügten, zwölfseitigen Bericht über unsere Veranstaltung im Naturhistorischen Museum. Mit prominenten Gästen, einer außergewöhnlichen Lasershow, diversen Überraschungen, einer Laudatio von Heinz Sichrovsky, einem Auftritt von Andy Lee Lang und – meiner Botschaft an die Werbebranche für die Zukunft. Mit der Rankingliste „Kommunikator“, der Bewertung der 350 wichtigsten heimischen Marketing- und Werbeleiter und einer großen Reportage zum wohl kontroversiellsten Thema des heurigen Jahres, dem Österreichischen Rundfunk. Wo wir uns mit der Frage „Quo vadis, ORF?“ beschäftigen werden.

Die Jubiläumsausgabe wird definitiv weder dem Schwelgen in vergangenen Zeiten gewidmet sein noch Jubel beinhalten, sondern ist mein Vermächtnis an die Werbe-, Kommunikationsbranche, wie es denn in Zukunft in der schwierigsten aller Zeiten für die Medienbranche weitergehen kann und soll.

Wer nun der Meinung sein sollte, dass mir alles zugeflogen ist, und wir leichtfüßig die lichten Höhen des Erfolges erklommen haben, der irrt: Ich beschwere mich nicht darüber – denn das ist mein selbstgewähltes Schicksal. Ohne totales Engagement, bienenemsigen Fleiß und 60-Stunden-Wochen, stets erreichbar, immer im Dienst und mit Einsatz bis an die Grenzen der Selbstaufgabe geht so etwas nicht. Geschenkt wurde mir nichts.

Dies an die Adresse der Neider und Hater, denen unser Erfolg vom ersten Tag an ein Dorn im Auge war.

Heute will ich Ihnen nun ein kleines Geheimnis verraten, was mich Angstbefreiten neben meiner dicken Haut Attacken, Anwürfe und Unterstellungen überwinden ließ. Was mir (man versucht es zu vermeiden, aber das geht deshalb nicht, denn wo gehobelt wird, fallen Späne) schon ungezählte Male in diesen fünf Jahrzehnten extrem geholfen hat, unsere Position zu vertreten, zu verteidigen und zu beweisen:

Vor einem halben Jahrhundert hat mir ein kluger Anwalt einen Ratschlag gegeben, der sich als unbezahlbar erwies. Er meinte: „Stell Dich darauf ein, dass Du immer wieder mit Lügen, Unwahrheiten, Unterstellungen und Anschuldigungen konfrontiert wirst. Also musst Du das, was Du machst, sorgfältig dokumentieren.“

Er riet mir, eine Art Tagebuch zu führen. Am besten in der Form eines Kalenders. Das lieben Gerichte, weil die Eintragungen dort handschriftlich und die Notizen datum- und uhrzeitmäßig dokumentiert sind. Also gilt dies als hervorragendes Beweismittel.

Seinem Rat folgend verfüge ich (und ich habe nichts davon entsorgt und alles aufbewahrt) über eine lückenlose, durchgängige Dokumentation all dessen, was ich in den letzten 50 Jahren an Aktivitäten gesetzt habe. Mit wem ich wann, wo und mit welchem Ergebnis Termine, Gespräche und Vereinbarungen geführt habe. Und wo ich mich wann exakt aufgehalten habe.

Bis zum heutigen Tag ist mein Agenda-Planning-Terminkalender von Quo Vadis mein tagtäglicher Begleiter. Diente als Beweismittel in einer ganzen Reihe von prekären Verfahren. War mein Helferlein in brenzligen Situationen, wo der eine oder die andere meinte, es würde sich auszahlen, zu versuchen, mich anzupatzen.

Wenn Gollum in Herr der Ringe mit seiner unverwechselbaren Stimme die zwei Wörter „Mein Schatz“ krächzt, dann ist „Quo Vadis“ mein Schatz: Mein Schutz, mein Panier, mein Schild.

Aber auch ein Leistungsverzeichnis. Für mein Engagement und meine Umtriebigkeit.

Trotz der Verlockung bin ich bei der analogen Version geblieben. Habe mich nie dazu verleiten lassen (wiewohl ich ein Hardcore-Technik-Freak bin), auf eine digitale Version zu wechseln. Und das war gut so. Hat sich bezahlt gemacht.

Wie halten Sie es mit der Vergangenheit? Haben Sie Buch geführt? Gar ein Tagebuch? Oder sind Sie der Entsorgertyp, der nach dem französischen Motto lebt: „Où sont les neiges d’antan“ (Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr)?

Ich bin gerne Elefant. Und meine dicke Haut besteht aus diesen papierenen Zeitzeugen, die ich sorgfältig aufbewahre.

Herzliche Grüße entbietet

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 2.4.2026

ORF-Bashing – es reicht.

Täglich furzt das Murmeltier in Richtung Österreichischer Rundfunk – doch fair geht’s dabei nicht zu.

Den „Asozialen Medien“ sei Dank, dass heute so viel Stoff wie nie zuvor tagtäglich fäkalienmäßig auf der Donau schwimmt. Ein Grund für aufkeimenden Trost und Freude bei den Boulevardmedien, wo man sich Reichweitenzuwächse erhofft. In der Leserschaft. Bei den Klicks. Bei der Aufmerksamkeit des Ochlos.

Wenn man täglich nicht nur eine Sau, sondern gleich mehrere durch‘s Dorf treiben kann, dann hat man damit einen fabelhaften Amphitheater-Effekt.

Schon die alten römischen Kaiser wussten, dass man Brot und Spiele bringen muss, um das Volk bei Laune zu halten. Je brutaler die Gladiatorenkämpfe, desto sicherer fühlte man sich in seiner Macht.

Allein die Grundfesten des Kolosseums, das Vespasian errichten ließ (und damit die dynastische Macht der Flavier begründete), kosteten nach heutigem Geld 60 Millionen Euro. Man hatte sich also etwas kosten lassen, um die Leute bei Laune zu halten.

Brutalität heutzutage kostet gar nichts. Die gibt’s – wie oben geschildert – in den asozialen Medien. Daraus lassen sich treffliche Stories basteln. Die wieder von den anonymen Postern kommentiert, vervielfältigt und geteilt werden.

Wahrheit? Wahrhaftigkeit? Faire Berichterstattung? Recherche? Check und Gegencheck? Wer braucht das heutzutage noch.

Es geht um Strömungen. Um Tendenzen. Um das, was die Menschen hören wollen. Und woran man sich trefflich beteiligen/begeilen/alterieren kann.

Der beste mediale Reibebaum dieser Tage ist – keine Frage – der ORF.

Nach der Weißmann-Affäre, immer neu aufpoppenden Missbrauchs-Vorwürfen, nach Polit-Skandalen und Stiftungsrat-Streitigkeiten ist jüngst – natürlich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – die alljährliche Liste der ORF-Spitzenverdiener herausgekommen.

Das dazu passende Bashing der Boulevardmedien durchschaut wenigstens noch der eine oder andere Leser. Zum Beispiel in der Krone, wo ein Poster schreibt: „Wenn’s nicht reicht, kommt der Neid.“

Im Reigen der ORF-Aufdeck-Stories tanzen alle heimischen Medien mit. Exemplarisch die Headlines der Kronen Zeitung der letzten Tage.

Sie lauten:

  • Luxusproblem! Das sind die ORF Gagenkaiser
  • Weitere Frauen im neuen ORF Missbrauchsfall
  • So reagiert ORF auf die Missbrauchsvorwürfe
  • ORF-Missbrauch: „Warum ich an die Öffentlichkeit gehe“
  • „Weltjournal“-Sendung: Medienbehörde rügt ORF (Palästina Reportage)

Nochmals – ich bin nicht der Advokat von Strobl. Der sich übrigens im Krankenstand befindet, um ein massives Burnout zu kurieren, und sich niemandem gegenüber rechtfertigen will. Und darf (Maulkorb).

Wie man hört, mit einer einfachen Erklärung. Ob 2,4 Millionen oder einer Million – es sei eigentlich Powidl. Denn die Menschen da draußen brächten auch für eine Million (Achtung: in 238 Monatsraten) nicht das geringste Verständnis auf. Denn es übersteigt die Norm hierzulande in einer Dimension, die für den Normalbürger „unerträglich“ ist.

Wird der ORF all das überstehen? Nun, ich befürchte, nein. Dabei wäre ein politisch unabhängiger, schlanker Staatssender, der sauber arbeitet und marktgerecht agiert, so wichtig für unser Land.

Wenn es den ORF zerreißt, wäre das schade für die Demokratie. Schade für die heimische Medienszene.

Doch es ist „gut“ für die Schlagzeilen-Generierer, die MA 48 der Medienszene, die mit Schmutzkübel-Stories, Reichweite, Häme, Spott und in der Folge Profit für ihre Krawall-Plattformen generieren.

Wobei meine Sympathie eindeutig der Müllabfuhr gilt. Denn die leisten täglich hervorragende Arbeit (habe heute unserem orangen Hausfreund gerade wieder eine Milka Schokolade überreicht).

Ich bin sicher, dass ich für diese ehrlichen Zeilen wieder einmal Prügel abbekommen werde. Aber mein vermaledeites Gerechtigkeitsgefühl drängt mich, auch den Blick auf die Kehrseite der Medaille zu werfen.

Und die ist – bei all dem Mist, der dem ORF jetzt zurecht vorgeworfen wird – auch nicht viel besser,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 26.3.2026

Hass im Netz

Kommen kriminelle Giftspritzer weiterhin straffrei davon? 

Dieser Tage – so geistert das zumindest durch die Medien – versucht die Österreichische Volkspartei um Bundeskanzler Christian Stocker, wieder Bewegung in die Murmeltier-Frage „Schluss mit anonymen Postings“ zu bringen.

Seit 1999 fordere ich eine Klarnamen-Pflicht im Netz. Trete für Verantwortung der – vor allem internationalen – Page-Betreiber ein. Und setze meinen Namen, meine Bekanntheit und meine Reichweite dafür ein, dass endlich den Trollen, den Hasspostern und den Hatern der Garaus gemacht wird. Die glauben, alle und jeden – in einer unvorstellbar gewaltigen Zahl von Postings – straffrei beschimpfen, beleidigen, anpatzen und insultieren zu können.

Unter dem Deckmantel der Anonymität. Camoufliert von Page-Betreibern (alleine Der Standard verzeichnet in seiner Community, wie sein Chefredakteur stolz prahlt, 50.000 Postings täglich. Und profitiert davon gewaltig).

Nur: Der Standard oder die Krone oder die Kleine Zeitung sind österreichische Medien. Die kann man (bedingt) zur Rechenschaft ziehen. Zur Herausgabe der Hater-Daten gerichtlich zwingen. Und dann jene, die glauben, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist, zur Verantwortung ziehen.

Ganz anders sieht es mit Facebook, Instagram, TikTok und ähnlichen Plattformen aus. Die scheren sich keinen Deut darum, wenn auf ihren Plattformen beleidigt wird. Wer Übergriffe meldet, bekommt im besten Fall die Antwort: „Wir haben Ihre Meldung zur Kenntnis genommen.“ Danach passiert (Löschung) im Regelfall freilich nichts.

Es wird Zeit, dass dem Auswuchs „anonymes Posten“ Einhalt geboten wird. Die GrünInnen stemmen sich bereits mit aller Kraft dagegen (Süleyman Zorba, Digitalisierungssprecher, meint etwa: „Eine Klarnamenpflicht ist auch in der Vergangenheit schon an Höchstgerichten gescheitert. Sie ist der falsche Weg, um Hass- und Desinformationskampagnen auszuhebeln. […] Wir sollten uns auf Lösungen konzentrieren, die umsetzbar sind und keine Schnellschüsse fordern, die massive Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit hätten ohne das Problem zu lösen.“).

Der Standard verteidigt seine Position (natürlich sind die anonymen Poster für den ein Riesengeschäft, weil sie natürlich Klicks generieren und damit Geld), detto damit, dass Anonymität Teil der Meinungsfreiheit sei.

Während ich stets gegen den Rufmord im Netz eingetreten bin.

In dem Zusammenhang ist mir auch eine Passage in den Geschäftsbedingungen des Standard aufgefallen: Die ist nämlich glatt rechtswidrig.

In Punkt 5 behauptet der Standard: „Die Standard Verlagsgesellschaft m.b. H. haftet nicht für User:innen-generierte Inhalte, die auf ihren Onlineportalen verbreitet werden. Weiters haftet die Standard Verlagsgesellschaft m. b . H. nicht für Schäden, die wegen dieser Inhalte verursacht worden sind, außer für den Fall, dass solche Schäden auf vorsätzliches Verhalten der gesetzlichen Vertreter:innen oder der leitenden Angestellten der Standard Verlagsgesellschaft m. b. H. zurückzuführen sind.“

Das ist natürlich glatter Unsinn. Wenn der Standard inkriminierende, rufschädigende und strafrechtlich relevante Postings nicht unverzüglich löscht, dann haftet er selbstverständlich für das, was auf seinen Pages verbreitet wird.

Ich bin alles andere als zart besaitet. Sachliche Kritik hat bei mir immer offene Ohren gefunden. Untergriffe, Unterstellungen, Beschimpfungen, Beleidigungen habe ich freilich – so gut das bei der gegenwärtigen Gesetzeslage geht – stets mit allen Rechtsmitteln bekämpft.

Um ein mutiges Beispiel zu sein für all jene, die sich täglich ohnmächtig niedermachen lassen müssen. Hater argumentieren nicht sachlich. Die agieren mit groben Beleidigungen, Beschimpfungen und blankem Hass.

Jenen, die glauben, solchermaßen straffrei täglich in der beliebtesten heimischen Tracht auftreten zu können (der Niedertracht), sollte endlich der Garaus gemacht werden.

Doch irgendwie habe ich so das schlechte Gefühl – auch diesmal wird es nicht klappen.

Sohin bleibt das Netz weiterhin ein quasi rechtsfreier Raum. Eine durchaus unbefriedigende Konsequenz. Worüber sich freilich die medialen Geschäftemacher und die Social-Media-Plattformen-Betreiber und -Profiteure ins Fäustchen lachen werden.

Wie sehen Sie das? Bitte schreiben Sie mir dazu an .

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha 


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 19.3.2026

Fairplay in der Werbelandschaft

 Jedes Jahr geben Österreichs Unternehmen insgesamt etwa fünf Milliarden Euro für Werbung aus. Und jedes Jahr wandert ein erheblicher Teil davon direkt an internationale Konzerne wie Meta (Facebook und Instagram) oder Google (YouTube) mit Sitz im weit entfernten Kalifornien. Mittlerweile sind wir da bei etwa 2,7 Milliarden Euro angelangt, die an diese Giganten im Ausland abwandern.

Während heimische Unternehmen und Medien ihre Steuern und Abgaben leisten, zahlen die Mega-Plattformen in Österreich nur eine minimale Digitalsteuer von fünf Prozent auf Online-Werbedienstleistungen. Kurz gesagt: Unsere Medien, die recherchieren, prüfen und Verantwortung übernehmen, müssen zusehen, wie ein großer Teil des heimischen Werbegelds abfließt. Einfach so.

Digitale Werbung ist verlockend. Sie lässt sich genau steuern, personalisieren und messen. Warum Unternehmen darauf setzen, ist also keine Frage. Die Nachteile sind allerdings ebenso offensichtlich wie die Vorteile.

Die Algorithmen der Plattformen kümmern sich nicht darum, in welchem Umfeld Werbung erscheint. Sexualisierte Inhalte, politisch brisante Botschaften, Fake-News ­– das alles kann neben Werbeanzeigen ausgespielt werden.

Erst im Jänner wurden gerade wegen solcher Inhalte Untersuchungen gegen die Plattform X eingeleitet. Die im Jahr 2022 von Elon Musk übernommene Plattform hat ihren Sitz natürlich auch in Kalifornien. Dorthin verschwinden die Austro-Werbegelder, nur um dann womöglich in unmittelbarer Nähe von – gelinde ausgedrückt – zweifelhaften Beiträgen aufzupoppen.

Dass Meta nun zusätzlich die Werbekosten für diverse europäische Standorte erhöhen will, macht die Situation nicht einfacher. So holt sich Mark Zuckerberg die fünf Prozent Digitalsteuer mit seinen „Location Fees“ ab Juli einfach zurück. Welche Bedeutung dies für den österreichischen Werbemarkt hat, lesen Sie hier.

Die Budgets der Unternehmen werden belastet, die Profite der Plattformen steigen – und Alternativen, die ähnliche Reichweiten bieten, gibt es kaum.

Dabei wäre eine Lösung einfach: Eine zusätzliche Steuer auf digitale Werbung, die direkt heimischen Medien zugutekommt, könnte viel bewegen. Wir könnten damit unseren österreichischen Medienstandort stärken, ohne dass die Werbewirtschaft darunter leidet.

Aber da ist ein gewisser Donald Trump, der im Sommer 2025 öffentlich drohte, dass Länder, die digitale Steuern auf US-Plattformen einheben, mit zusätzlichen Zöllen belegt werden.

Vor diesem Hintergrund bleibt unser Medienminister Andreas Babler bislang auffallend passiv. Offenbar, weil ihm das Risiko möglicher Strafzölle schlicht viel zu gefährlich ist.

Am Ende bleibt die Frage, wie verantwortungsvoll Unternehmen ihr Werbegeld einsetzen. Wer in digitale Plattformen investiert, entscheidet damit direkt über die Zukunft der heimischen Medienlandschaft.

Fairplay sieht anders aus – und es ist höchste Zeit, dass wir uns dessen bewusst werden.

Eigentlich serviert uns Meta mit den neuen Gebühren das Argument für ein Umdenken selbst auf dem Silbertablett. Denn warum nun noch zusätzliche Abgaben für Werbung leisten, wenn heimische Medien Rückgänge verzeichnen und Meta im Gegensatz dazu einen operativen Jahresgewinn von rund 72 Milliarden Euro (!) lukriert?

Müssen wir den digitalen Giganten noch mehr von unserem Werbegeld in deren gierigen Rachen werfen? Ist Reichweite wirklich alles?

Zählen Partnerschaft, Tradition, lokales Engagement und die heimischen Medien wahrhaftig nichts? Ist Treue nur ein leeres Wort, das gegen Algorithmen keine Chance hat?

Und schlussendlich sollte man auch folgendes nicht vergessen: Meta & Co. machen weltweit Schlagzeilen und werden gerade von öffentlichen Gerichtsprozessen gebeutelt, wo es unter anderem um das Thema „Sucht“ (insbesondere bei Jugendlichen, auf welche nicht die geringste Rücksicht genommen wird) geht.

All dies sollten Sie bei Ihrer Werbeentscheidung berücksichtigen,

wünscht sich nicht nur

Ihre

Sabrina Waller

Chefredakteurin

damit es auch künftig noch eine Austro-Medienszene und eine funktionierende heimische Werbeszene gibt.


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 12.3.2026

Beweislastumkehr

 Na, das war eine Bombe: Roland Weißmann zurückgetreten. Wegen des Vorwurfs des unangemessenen Umgangs mit einer Mitarbeiterin. Womit man gemeinhin das Thema Sexualität meint. Möglicherweise tun sich da noch weitere Fälle auf.

In so einem Fall brennt nicht das Dach. Da brennt das ganze Haus. Und niemand weiß besser als ich, dass solche Vorwürfe – ganz gleich, ob sie wahr oder falsch sind – absolut teuflisch sind. Und äußerst schwer zu bekämpfen.

Patzt einen jemand mit derartigen Vorwürfen an, dann hat man als Beschuldigter üblicherweise kaum Chancen, aus der Nummer wieder herauszukommen. Selbst wenn man unschuldig ist. Und bekanntlich gilt für jeden die Unschuldsvermutung. Auch für Weißmann, der diese Vorwürfe bestreitet.

Mir ist vor Jahren Ähnliches widerfahren.

Aus der Sache unbescholten herauszukommen, war eine der schwierigsten Übungen meines Lebens. Die Causa hat mich über ein halbes Jahr beschäftigt, ein Vermögen gekostet und ging – Gott sei Dank – für mich positiv aus.

Damit Sie, geschätzte Leser, sich ein Bild machen können, was bei solch einer Beschuldigung abgeht, will ich Ihnen gern meine Geschichte in groben Zügen erzählen.

Vorab muss eines klargestellt sein: Übergriffe gegenüber Mitarbeitern, sexuelle Belästigungen oder unbotmäßiges Verhalten, insbesondere mit sexueller Konnotation, sind auf das Schärfste zu verurteilen.

Der Weltfrauentag am 8. März hat ungezählte Benachteiligungen von Frauen hierzulande aufgezeigt. Und das im – angeblich im Zeichen der Gleichberechtigung und von MeToo stehenden – 21. Jahrhundert.

Frauen werden misshandelt, missbraucht (im letzten Jahr gab es in Österreich gar unvorstellbare 16 Morde).

Frauen verdienen um 11,5 Prozent weniger als Männer. Nach wie vor.

Frauen in Führungspositionen sind selten. Nur 31,4 Prozent der Vorstände sind weiblich.

Freilich muss man bei Vorwürfen der sexuellen Belästigung auch wissen, dass da – vereinfacht erklärt – die sogenannte Beweislastumkehr gilt. Und das macht die Sache für einen Beschuldigten schwer. Denn es gibt einen gewissen, geringen prozentuellen Anteil von Beschuldigungen, die nicht stimmen. Die erfunden sind. Wo jemand angepatzt, verleumdet, erpresst wird.

In einer höchst aufsehenerregenden Fernsehdiskussion habe ich mir vor etlichen Jahren erlaubt, darauf hinzuweisen, dass es auch erfundene, gehässige Anschuldigungen gibt. Und wütende Attacken meiner MitdiskutantInnen geerntet. Nebst einem fetten Shitstorm.

Aber ich stehe dazu: Es darf nicht sein, dass die Gerechtigkeit ausgehebelt wird, wenn jemand wahrhaftig unschuldig ist und völlig chancenlos ist, das zu beweisen. Denn die Beweisumkehr bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass nicht die Beschuldigerin nachweisen muss, dass an ihr ein Übergriff begangen wurde, sondern der Beschuldigte nachweisen muss, dass seinerseits dieser Übergriff nicht erfolgt hat.

Wie schwer das ist, kann sich jeder vorstellen, der die heimische Justiz, unser Recht und die Gesetzeslage kennt.

Nun also zu meinem Fall: Es begab sich, dass sich eine Haushälterin bei uns bewarb. Mit der – wie sich nachträglich herausstellte – geplanten, vorsätzlichen Absicht, mich anzupatzen, zu beschuldigen, zu erpressen und danach abzuzocken. Ein teuflischer Plan.

Die Frau machte einen guten Eindruck, bewarb sich in Wien und wurde von uns in unser französisches Domizil eingeflogen. Dort arbeitete sie einige Tage. Um uns mitzuteilen, dass ihr das nicht gefalle und dass sie ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung einstellen werde.

Also verließ sie unser Haus zu Fuß (worüber ich sehr erstaunt war, weil es von unserem abgelegenen Haus ein ziemlicher Fußmarsch zur nächsten Busstation war). Also fuhr ich ihr nach, weil sie mir leidtat, um sie mit dem Auto zur nächsten Busstation zu bringen.

Zu meinem größten Erstaunen war die Frau zu meinem Nachbarn gegangen. Lag dort schreiend und weinend am Boden und behauptete, ich hätte sie schwer verletzt und sexuell belästigt. Also rief man die Gendarmerie. Die Gendarmen kamen und stellten fest, dass das eine Auseinandersetzung zwischen zwei Nicht-Franzosen sei und sie dafür nicht zuständig seien. Man solle die Sache

privatrechtlich ausfechten.

In Wien zurückgekehrt zeigte mich die Frau bei der Polizei an. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Ich hatte – Gott sei Dank – mein gesamtes Haus videoüberwacht.

Nur wenige Stunden nach dem angeblichen Vorfall gab es eine Videoaufzeichnung, auf der man deutlich erkennen konnte, wie die Erpresserin unsere Terrasse reinigte. Sie kniete nur 20 Zentimeter von mir auf den Boden. Ich reichte ihr den Hochdruckreiniger und erklärte ihr, wie das alles funktioniert. Die Frau drehte sich nach hinten, hantierte am Hochdruckgerät und machte sich an die Arbeit.

Es war keine einfache Übung, die Staatsanwaltschaft davon zu überzeugen, meine Videos anzuerkennen. Mit einer Detektei recherchierten wir, dass die Verletzung, die sie auf dem Oberschenkel hatte, und die ich ihr angeblich mit meinem Knie zugefügt hätte (kaum vorstellbar, wenn man weiß, dass sie größer war als ich), von einem Arbeitsunfall bei ihrem vorletzten Dienstgeber stammte. Den hatte sie ebenso abgezockt wie den letzten. Mit ein und derselben Verletzung, die sie auch gegen mich geltend machen wollte.

Den entscheidenden Punkt freilich erfuhr ich dann bei der Staatsanwaltschaft Wien im Straflandesgericht. Ein blutjunger Staatsanwalt, der mir am Telefon nicht erklären wollte, wie er entschieden hatte, zitierte mich in sein Büro.

Das Gespräch werde ich nie in meinem Leben vergessen. Der Staatsanwalt meinte trocken: „Wir haben Ihr Video als Beweismittel anerkannt. Es wird kein Verfahren in dieser Causa geben. Die Anklage ist hiermit aufgehoben. Sie sind von allen Vorwürfen entlastet.“

Ich war baff. „Warum?“, fragte ich ihn. „Nun“, meinte er, „auf dem Video ist deutlich erkennbar, dass eine Frau, die Sie wenige Stunden davor (das sieht man auf der Zeitschiene) nicht nur körperlich schwer attackiert, sondern auch belästigt haben sollen, Ihnen in unmittelbarer Nähe ihrer Schlag- oder Tritt-Reichweite den Rücken zukehrt. Kein Opfer dieser Welt dreht seinem Peiniger nach solch einem Vorfall den Rücken zu. Damit ist das Verfahren abgeschlossen.“

Ich gebe es ehrlich zu: Ich brach in Tränen aus und war immens erleichtert. „Können wir gegen die Frau vorgehen?“, fragte ich meine Anwälte. „Völlig sinnlos“, meinten die. „Sie besitzt nichts. Ein derartiges Verfahren geht ins Leere und kostet nur Zeit, Geld und Nerven.“ Sie ist damit weggekommen.

Und jetzt wissen Sie, geschätzte Leser, warum ich sehr sorgfältig bin, immens vorausschauend und vorsichtig. Genau darauf achtend, dass es möglichst bei jeder Konfrontation Zeugen, Beweismittel und Absicherung meinerseits gibt. Denn der Teufel schläft nicht.

Wie die Causa mit Weißmann weitergeht, weiß keiner. In der Branche wundert man sich, warum just im Frühjahr 2026, wenige Monate vor der ORF-Generaldirektorenwahl, etwas aufpoppt, was offensichtlich aus dem Jahr 2022 stammt.

Wäre das mit Ranküne verbunden, dann wäre der Zeitpunkt wohl optimal gewählt. Und das schreibe ich ohne Zynismus.

Nach genauerer Kenntnis der Sachlache, wissend, wer die Betroffene war und was sie tut, und auch das Cui bono der ganzen Angelegenheit mittlerweile ziemlich genau durchschaut habend, gehe ich eher nicht davon aus, dass Weißmann hier strafrechtliche Handlungen gesetzt hat.

Was freilich für seine Tätigkeit deshalb relevant ist, weil kein Unternehmen – und auch der ORF nicht – es sich leisten kann, sexuelle Übergriffe von Vorgesetzten gegenüber Mitarbeitern zu tolerieren. Bei solchem Verhalten gehen jene, die ausgerutscht sind, üblicherweise ziemlich schnell nach Hause.

Beten Sie zu Gott, dass Ihnen derartiges niemals widerfährt.

Wenn aber die Vorwürfe stimmen, dann sei dem Täter schärfste Bestrafung gewünscht. Was auch nicht immer in Österreich erfolgt.

Insider wissen (denn das ist gerichtsbekannt), dass just ein Mitglied eines Aufsichtsgremiums des ORF, nachdem er einer Mitarbeiterin einen „Dreier“ angeboten hat, dort ungeniert an der Kontrolle des wichtigsten heimischen Medienunternehmens mitwirkt. Ohne, dass irgendeiner auf die Idee kommen würde, dessen Rücktritt zu fordern.

Sowas wäre wohl nirgends auf der Welt möglich. Aber bei uns in Bagdad…

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha

PS: Die interimistische Lösung, Ingrid Thurnher zu bestellen, halte ich für einen exzellenten Schachzug.

Es steht freilich zu erwarten, dass Thurnher ein Brigitte-Bierlein-Schicksal erleidet: Gekommen, um bei der nächsten Wahl wieder zu gehen. Durch einen Mann ersetzt zu werden.

Scherzhalber kursiert in diversen Redaktionen das Gerücht, dass so mancher Kandidat, der sich jetzt aus der Deckung wagt, überlegen soll, sein Geschlecht umzuwandeln. Denn Frau Breitenecker hätte deutlich bessere Chancen als Herr Breitenecker, ahnt

der Obige


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 5.3.2026

Wenn Kununu nervt.

Als jemand, der Zeit seines Lebens ein kritischer Geist war und unzählige Plattformen für Kundenfrust im Dienste des Konsumerismus erfunden hat, kenne ich mich mit dieser Materie einigermaßen gut aus.

Manche bezeichnen Vergleichsplattformen oder Beschwerdeplattformen als Segen für die Konsumenten. Andere sehen das als Fluch. Als Zumutung. Als Frechheit. Wo nur allzu oft anonyme Poster mit gezielten Aktionen den Ruf eines Anbieters nachhaltig untergraben können.

Das Problem ist: An jene, die für die Veröffentlichung zuständig sind, kommt man im Regelfall nicht heran. Das gilt für die sozialen Netze gleichermaßen wie für Kununu, Glassdoor und meinChef.

Versuchen Sie einmal auf X ein ehrenrühriges Posting zu löschen. Damit werden Sie sich schwer tun. Auch auf Facebook brauchen Sie die Mitwirkung des Hosts, um Lügen, Beschimpfungen oder Attacken, die ungerechtfertigt sind (da ist es ziemlich Powidl, ob Sie den Nachweis für Fake-Inhalte erbringen können), „wegzuräumen“.

Das ist übrigens der Unterschied zu Pages, die ich seinerzeit immer betrieben habe und die sich jetzt in anderen Händen befinden: Wir waren immer erreichbar. Immer greifbar. Haben unsere Seiten laufend betreut. Und unfaire, unrichtige oder ehrenrührige Postings innerhalb von 48 Stunden entfernt.

Wer das beim Standard versucht, der muss (und das habe ich getan) in Extremfällen sogar die Gerichte bemühen. Die dann dem Betreiber der Page Auftrag erteilen, die entsprechenden Login-Daten des anonymen Posters offenzulegen. Danach kann man (wenn der existiert und erreichbar ist) rechtlich gegen den Hass-Poster vorgehen.

Beim Standard „zierte“ man sich anfangs einigermaßen, bevor man üblen Troll-Content (der natürlich durch Klicks und Reichweite gutes Geld bringt) entfernte. Nur bei mir sind die mittlerweile ziemlich schnell. Weil sie wissen, dass ich nicht lange herumfackle und ein Rechtsstreit danach viel teurer wird.

In Sachen Kununu begab sich also nun etwas ganz Erstaunliches.

Was war passiert:

Auf dem Account des Mucha Verlags bei Kununu ploppte – zu unserer großen Überraschung – plötzlich eine Bewertung auf. Mit dem Kommentar: „Wohl der schlimmste Ort, wo ich je war.“.

Die Geschichte ist deshalb erstaunlich, weil die Mucha Verlag GmbH alle ihre Agenden vor rund sieben Jahren an die MG MedienGruppe GmbH übergeben hat. Und selber nichts mehr tut. Bis darauf, dass sie genau zwei Angestellte beschäftigt. Nämlich Ekaterina und mich. Sonst arbeitet dort keiner mehr. Die sind alle in der MG MedienGruppe.

Sohin (wenn man davon ausgeht, dass sich meine Frau oder ich nicht über unser eigenes Unternehmen beschweren), handelt es sich dabei um nichts anderes als eine Hass-Bewertung. Eine bösartige Fake-Aktion, die nichts anderes bezweckt, als uns gehässig ans Bein zu pinkeln.

Noch dazu hat dieser Text kein wie immer geartetes Substrat. Da gibt es keine konkrete Kritik. Keinerlei Beschreibung von Fehlverhalten. Das Ganze ist einzig das Machwerk eines dieser frustrierten Trolle, die versuchen, damit fertig zu werden, dass sie in ihrer Ehe seit Jahren keinen Sex mehr haben.

Wir kennen das ja.

Versuchen Sie einmal, so etwas löschen zu lassen. Im vorliegenden Fall war’s uns zwar wurscht (denn die Mucha Verlag GmbH wird demnächst liquidiert, womit uns Kununu-Bewertung herzlichst wurscht sind), aber aus sportlichem Ehrgeiz haben wir dies versucht.

Zu unserer größten Überraschung haben wir – nach einigen Anläufen – die Nachricht erhalten, dass sich ein gewisser Michael Weber bei uns melden würde. Der ist der Leiter des Bereichs „Quality and Support“. Und ein wortgewandter, mit der Materie bestens vertrauter, eloquenter Mann, der das 30-köpfige Team (zumindest behauptet er, dass so viele Leute Fake-Bewertungen löschen) leitet.

Und (Sie lesen richtig, das ist wirklich passiert) die Bewertung wurde offline genommen. Wenn Sie also ein Kununu-Problem haben, dann können Sie sich an die E-Mail-Adresse   wenden.

Das Gespräch, das ich mit Weber führen durfte, war höchst informativ und lehrreich. Und es zeigt die immensen Schwachstellen von solchen Plattformen auf. Es zeigt, wie Ihr Unternehmen (und dazu sind nur einige gehässige Zeitgenossen notwendig) blitzschnell diskreditiert, besudelt und in der Bewertung brutal nach unten gedrückt werden kann.

Und die Urheber dieser Aktion könnten überall zu suchen sein:

Mit ein paar Fake-E-Mail-Adressen können zwei faule, ehemaligen Mitarbeiter, die Sie wegen Unfähigkeit sinnvollerweise vor die Tür gesetzt haben, Ihnen empfindlich schaden.

Das vermag aber auch Ihre Exfrau (im schlimmsten Fall mit Ihrer Ex-Geliebten) oder Ihr Cousin, der Sie deshalb hasst, weil es Ihnen besser geht als ihm, zu bewerkstelligen.

Und es soll Pages geben, die gar ein eigenes Team einsetzen, um Gift-Kommentare bei Unternehmen zu platzieren, damit die eigene Page peppiger, erfrischender und interessanter zum Lesen wird. Womit ich natürlich nicht Kununu meine. Aber mir fällt da eine ganz bestimmte Plattform, die überwiegend von der Reichweite der Trolle, denen sie anonyme Postings ermöglicht, lebt, ein.

Das Gespräch über die Kununus dieser Welt finden Sie hier.

Es zeigt die Schwachstellen, die Haken und die Unschärfen einer Mediengattung, die grundsätzlich als positiv anzusehen ist. Im Sinne von Transparenz, von Konsumerismus, aber auch, wenn die Unternehmen bei Schlechtbehandlung der Mitarbeiter, bei Mobbing und bei einem miesen Betriebsklima für die eigenen Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen werden. Öffentlich. Für jeden, der sich dort bewirbt, ersichtlich.

Nur sind die Kollateralschäden auch nicht ohne

meint Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 26.2.2026

Disqualifiziert.

Warum Bogdan Roščić jüngst das Recht verloren hat, sich als mein Feind zu bezeichnen. 

Oder: „Die beste Rache ist, nicht so zu werden wie der, der Dir Unrecht getan hat“ (Marc Aurel).

Freunde – das wissen erfolgreiche Menschen – gewinnt man, wenn die Jugend verflossen ist, eher zufällig. Als Feind freilich muss man sich qualifizieren.

Oscar Wilde hielt das so: „Ich suche mir meine Freunde nach ihrem guten Aussehen aus. Meine Bekannten nach ihrem guten Charakter. Und meine Feinde nach ihrem Verstand. Ein Mann kann nicht vorsichtig genug sein in der Wahl seiner Feinde.“

Nun wissen jene, die mich kennen, dass – und das mag das eine oder andere Mal durchaus eine überschießende Handlung gewesen sein – es in meinem (womöglich sizilianischen) Wesen liegt, kaum einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen.

Und Feindschaften habe ich in meinem Leben stets gepflegt.

In Abwandlung des Wilde’schen Mottos habe ich zu meinen Feinden nur außergewöhnliche, intelligente und herausragende Menschen erkoren. Denn ich glaube, dass man, wenn man von außen bewertet wird, an der Wahl seiner Feinde – die man ja im Regelfall meist selbst wählt – gemessen wird.

Unter meinen Feinden wäre also niemand, der ein Tor, ein Idiot oder ein Prolet wäre. Darauf habe ich zeitlebens sorgfältig geachtet.

„Sie haben Feinde? Gut. Das heißt, dass Sie irgendwann einmal für etwas eingestanden sind.“ (Winston Churchill)

Nun ist es ja so, dass ich meine, dass ein guter Newsletter möglichst wenig ich-bezogen sein sollte. Doch das, was ich da in den letzten Tagen von einem gewissen Bogdan Roščić, seines Zeichens Direktor der Wiener Staatsoper und bekannterweise einem der drei weltbesten Opernhäuser, über mich ergehen lassen musste, schlägt dem Fass den Boden aus.

Vergeben Sie mir deshalb, liebe Newsletter-Abonnenten, dass ich das zum Anlass meines dieswöchigen Editorials mache.

Dass es sich dabei um peinliche Entgleisungen handelt, ist keine Unterstellung oder Erfindung von mir, sondern lässt sich in den sozialen Medien in ungezählten Postings nachlesen.

Zum Beispiel am Dienstag, den 24.2., im Kurier. Wo etwa Guentta treibt: „Der Operndirektor hat in der Zitatenkiste gekramt. Und sich dabei ordentlich vergriffen. Aber Stil lässt sich nicht kaufen.“

Eva Christine: „Darf der Chef des größten österreichischen Kulturunternehmens einen Kritiker mit einem Schwein vergleichen?“

Igitt: „Wohl eine verbale Entgleisung, da ein Schwein ins Spiel zu bringen.“

alte Donau: „Das mit der Sau ist halt nicht gewohntes Niveau.“

Karl Bauer: „Unser Opern-Direktor kann Kritik einfach nicht ertragen. Auch eine Charaktereigenschaft.“

Arezzo: „Die Inszenierungen seiner Amtszeit sind katastrophal.“

Antiquität: „Dieser von Drozda noch installierte Direktor ist immun gegen jede Kritik. (…) Am Opernball ist sowieso Hopfen und Malz verloren, seit er zu einer Freakshow selbstverliebter Möchtegern-Promis im Blitzgewitter der Fotografen verkommen ist.“

Genickologe: „Trotz alledem… Frau Mucha ist eine wunderbare Erscheinung! Herr Mucha darf sich glücklich schätzen, so eine fabelhafte und intelligente Frau an seiner Seite zu wissen!“

Und, und, und…

Was war geschehen: In diversen Medien (so etwa Krone, Kurier und Österreich) hatte ich mir erlaubt, in sachlicher Form Kritik am Opernball 2026 zu üben. Ohne Untergriffe. Konturiert und garniert mit ganz konkreten Verbesserungsvorschlägen.

Ich hätte mir dieses Recht wohl auch als Journalist herausgenommen. Freilich bin ich seit eineinhalb Jahrzehnten zahlender Gast des Opernballs. Und habe einen fetten, sechsstelligen Betrag für Logen am Wiener Opernball eingezahlt.

Ich bin Kunde der Staatsoper. Schätze den Opernball und das weltberühmte Opernhaus am Ring sehr. Und meine, dass es da viel Luft nach oben für Verbesserungen gibt.

Und es war nicht das erste Mal, dass ich die Staatsoper kritisiert habe. Als seinerzeit die Opernball-Lady abgeschafft und durch ein unsägliches Komitee ersetzt wurde, haben wir gar das Marktforschungsinstitut Triconsult gebeten, eine repräsentative Umfrage zu machen. Fazit: Die Mehrzahl der Befragten unserer Zeitschrift Elite sehnten eine neue Opernball-Lady förmlich herbei und lehnten das Komitee ab. Gefruchtet hat es nichts. Aber das elfte Gebot heißt: „Wer nicht versucht, die Dinge zu optimieren, der wird niemals zu einer Verbesserung beitragen.“

Meine – weder untergriffige noch beleidigende, sondern einzig sachlich formulierte – Kritik hat eine Reaktion hervorgerufen, die dann überraschend kam:

Roščić beflegelte mich im ORF-Hauptabend-Programm beim Opernball deutlich erkennbar als jemanden, der von Kultur keine Ahnung hätte. Eh nie in die Oper gehen würde. Und den „Untergang des Abendlandes“ deshalb heraufbeschwören würde, weil ich meinte, dass ich (bei aller Wertschätzung von West Side Story und dem wunderbaren Leonard Bernstein) die Staatsoper als den Ort der Oper und des Balletts verstanden habe. Und nicht von Musical.

Die Pointe daran: Die Kritik kam gar nicht von mir, sondern aus dem Inneren der Staatsoper und aus deren Umfeld. Jene, die das monierten, baten mich (einfach, weil sie Angst vor dem Staatsopern-Direktor und möglichen Repressalien hatten), deren (!) Kritik öffentlich zu machen. Wissend, dass ich weder Tod noch Teufel fürchte. Und Roščić schon gar nicht.

Danach habe ich noch eins draufgelegt, und ein Statement von Thomas Zeidler-Künz veröffentlicht. Denn dem kann Herr Roščić wohl nicht vorwerfen, dass er weder in die Oper geht, noch eine Ahnung von Oper hat (was übrigens auf mich selber auch nicht zutrifft – Roščić kennt mich diesbezüglich gar nicht und weiß nicht, wo ich meine Karten für die Staatsoper beziehe). Denn der ist einer der bedeutendsten Kulturkritiker einer der größten Tageszeitungen Österreichs. Versteht der auch nichts von Oper? Geht der auch nie hin?

Als all dies aufgearbeitet war, kam es zum großen Crash. So schreiben Österreich und der Kurier unisono:

oe24 am 24.2.2026
oe24 am 24.2.2026

Roščić setzte, wie Ex-profil-Herausgeber Christian Rainer hämisch anmerkte, das erste Instagram-Posting seines Lebens ab. Mit dem Text: „Ich habe vor langer Zeit gelernt, dass man sich nicht mit einem Schwein herumschlägt. Man wird dreckig und das Schwein genießt es obendrein.“

Er kommentierte Rainers Bemerkung mit dem Satz: „Irgendwas am Opernball muss mich getriggert haben.“

Womit für Medien und seine Follower klar war, dass damit wohl nur einer gemeint sein könnte. Wiewohl mein Name nie genannt wurde.

Ich bin selten sprachlos. In diesem Fall blieb mir förmlich die Spucke weg. Wie kann der Direktor eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt jemanden, der ihn mit sachlicher Kritik konfrontiert, mit einem degoutanten Schweins-Posting zu beleidigen versuchen?

Ich habe darauf kurz & knapp geantwortet. Mit dem Satz: „Niveau ist keine Hautcreme.“

„Störe Deinen Feind niemals, wenn er gerade einen Fehler macht.“ (Napoleon Bonaparte)

Aber vielleicht ist das ja der Unterschied zwischen mir als Selbstständigem, der seine Unternehmen stets als Dienstleistungsunternehmen verstanden hat, und dem Staatsdiener Roščić, der subventioniert wird und nicht sein eigenes Geld verwalten muss.

Würde ein Kunde mich mit Kritik an unserer Leistung konfrontieren, dann würde ich das höflich, sachlich und partnerschaftlich beantworten. Und nicht den Kritiker tierisch beschimpfen.

Ob ich deshalb beleidigt bin? Natürlich nicht. Oder, um es mit Christian Friedrich Hebbel zu sagen: „Nur die Wahrheit beleidigt.“

Roščić hat sich freilich damit als möglicher Feind von mir disqualifiziert. Ich bewahre mir gerne meine eleganten Feinde. Zu Herrn Roščić werde ich mich künftig nicht mehr äußern.

Ich erinnere mich an einen vergleichbaren Fall, in dem ich mit jemandem eine Auseinandersetzung, die leider öffentlich wurde, hatte. Derjenige wurde wenige Tage danach interviewt und gefragt, ob er sich mit mir wieder versöhnen wollte. Der Ehemann einer Jüdin (vielleicht versteht man dann das Gewicht seiner Äußerung besser) meinte in einem Fernseh-Interview wortwörtlich: „Selbstverständlich würde ich mich mit Mucha versöhnen. Ich würde mich ja auch mit Adolf Hitler versöhnen.“

In solchen Fällen muss man nichts mehr kommentieren. Das Gesagte des Betroffenen spricht für sich selbst. Und das gilt auch für Bogdan Roščić. Womit die Sache für mich erledigt wäre.

„Ein kluger Feind ist besser als ein dummer Freund.“ (Balthasar Gracián y Morales)

Ob der Staatsopern-Direktor daraus etwas lernt? Nun, wem die Klugheit fehlt, sich so in den Niederungen der sozialen Netzwerken zu äußern, der lernt wohl auch nichts dazu. Juchhu. Da braucht man dann nur am Fluss zu sitzen und darauf warten, was dem als Nächstes einfällt…

Mit herzlichen Grüßen

bin ich

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 19.2.2026

Offener Brief an Bogdan Roščić

Mein kritisches Resümee über das größte gesellschaftliche Ereignis des Jahres – den 68. Opernball. Und einige klare Worte an die Adresse von Bogdan Roščić, den Staatsopern-Direktor.

In einem bin ich mir zu hundert Prozent sicher: Wir hatten den größten Spaß am Opernball.

Ohne Stress. Ohne Call-Stars. Ohne hunderttausende Euronen für irgendwelche abgehalfterten Hollywood-Hysterikerinnen auszugeben, die dann statt zu unserem Dîner zu kommen, das man für unzählige Promis vorbereitet hatte, einen Jetlag vortäuschen und beim Plachutta ihr Schnitzel essen (Sharon Stone).

Ohne Dschungelcamp-Stars. Die mediengerecht über die eigene Schleppe und die Treppe stürzen (Evelyn Burdecki). Ohne Nacktstars (Micaela Schäfer). Ohne verwöhnte Töchter (Geissens). Und ohne Königshaus-Nichten. Die waren übrigens fesch und elegant. Und Weiss und Lameraner haben alles richtig gemacht. Aus ihrer Sicht. Achtzehn Personen in zwei Resopal-Bühnenlogen, die die Anmutung einer Bauhütte haben, hätten wir unseren Gästen freilich nicht zugemutet. Aber das ist eine Frage der Grundeinstellung.

Unsere Logen-Partner (Mag. Richard Weiland/philoro und Dr. Christoph Urbanek/Law and Finance) durften dafür rund 50 Medienberichte auch ohne Stargäste verbuchen. Dazu haben über 200.000 FB-Freunde alleine meine Facebook-Beiträge angeschaut und Ekaterina konnte auf ihren sozialen Netzen über eine Million (!) Zugriffe verzeichnen. Belegbar. Unglaublich, aber wahr. Und unser wichtigster Stargast war eine Ratte.

Der größte Aufreger von allen am Opernball war freilich meine öffentlich geäußerte Kritik an der Staatsoper. Am Red Carpet. An der Eröffnung. Und an der Musical-Darbietung. Die dem Opern-Chef offenkundig so aufstieß, dass er es sich nicht verkneifen konnte (ohne Namensnennung, aber freilich klar erkennbar, wer da gemeint war), eine massive Attacke gegen mich in der ORF-Hauptabendsendung loszulassen.

Darin meinte er, dass es da Leute gäbe, die angesichts der Tatsache, dass Musical aufgeführt werde, den „Untergang des Abendlandes“ heraufbeschwören würden. Und dass er solche Menschen, die von der Oper, in der er sich blendend auskenne, nichts verstehen und eh nie in die Oper gehen, meiden würde.

Mir wurde hinterbracht, dass er auf die andere Straßenseite wechseln würde, wenn er meiner ansichtig wäre. Ich habe das natürlich mit Humor ripostiert. Und gemeint, dass ich auf meiner Straßenseite gerne weitergehe. Wenn er eh auf die andere Straßenseite wechselt.

Zeit also, Herrn Roščić einen offenen Brief zu schreiben.

Warum er so ausgezuckt ist? Nun dafür gibt es einen wunderbaren Satz von Christian Friedrich Hebbel: „Nur die Wahrheit beleidigt.“

Sehr geehrter Herr Dr. Bogdan Roščić,

ich war über Ihr Verhalten und über Ihre Reaktionen auf sachlich vorgebrachte Kritik sehr verwundert. Ich verstehe nicht, warum Sie sich vor Ihren Kritikern im Labyrinth der Oper verstecken wollen, wenn Sie derer ansichtig werden.

Würde mich ein zahlender Kunde (und ich habe in den letzten Jahren Hundertausende in Logen in der Staatsoper investiert) mit Kritik an meiner Firma konfrontieren, dann würde ich das prüfen. Darüber nachdenken. Verbesserungen überlegen. Und meinem Kunden respektvoll antworten.

Ihre larmoyante und übergriffige Reaktion auf jene Punkte, die ich öffentlich angekreidet habe, war völlig unangemessen. Unprofessionell. Und alles andere als kundenfreundlich.

Aber vielleicht ist das der Unterschied zwischen Ihnen als Manager eines Subventionsbetriebes, der bis auf den Opernball Verluste macht, und mir als Privatunternehmer, der Gewinne deshalb macht, weil wir nie vergessen haben, dass wir ein Dienstleistungsunternehmen sind.

Auch Ihre Reaktion in einem Fernseh-Interview, wo Sie sich verwundert darüber zeigten, wie man sich auf dem Opernball amüsieren kann, und dass das überhaupt nicht Ihre Form der Unterhaltung ist, spricht Bände:

Irgendwie ist das so, als ob ich schreiben würde, dass ich nicht verstehe, warum die Leute meinen Newsletter lesen. Weil das eh nur unnötige, überflüssige Zeitverschwendung wäre.

Um das überspitzt zu formulieren: Glauben Sie wirklich, dass sich irgendjemand von Ihren Gästen für Ihre persönliche Befindlichkeit interessiert?

Sie haben gesagt, dass ich von Oper keine Ahnung hätte. Und nie in die Oper gehe. Woher wollen Sie das wissen? Sie wissen nicht, über wen ich meine Opernkarten beziehe. Haben keine Ahnung davon, dass ich aus einer klassikaffinen Familie stamme und die meisten Opern – viele auch in der italienischen Fassung – aus dem Effeff kenne.

Und – natürlich nicht als Experte, aber als höchstinteressierter Aficionado – einen starken Anteil meines musikalischen Herzens der Oper und dem Ballett verschrieben habe. Ebenso wie der klassischen Musik, Jazz und bildender Kunst. Für einen ehemaligen Musiker kein Wunder.

Sie freilich haben Handlungsbedarf. Denn ich bin nicht der einzige Schwan, der ohne Sie über die Bühne fährt.

Dazu kommt noch ein ganz wesentlicher Punkt: Die von mir geäußerte Kritik, dass die Staatsoper der Hort der Oper und des Balletts wäre und nicht von Musical, und dass Sie der Direktor der Staatsoper und nicht des Ronacher oder des Theater an der Wien sind, stammt gar nicht von mir.

Sie kommt, Herr Roščić, aus Ihrem eigenen Haus. Von Menschen, die der Staatsoper verbunden sind. Die in Vereinen, die der Staatsoper nahestehen, seit Jahrzehnten engagiert sind. Und die mich nach Bekanntgabe des Programms kontaktiert haben. Und gebeten haben, deren Kritik öffentlich zu machen.

Und wissen Sie, warum? Weil diese Menschen Angst vor Ihnen haben. Angst davor, im eigenen Namen Kritik zu üben. Angst vor Repressalien. Angst vor Streichungen mühevoll ausverhandelter Kompromisse und Kooperationen mit Ihrem Haus. Angst vor Ihrer allumfassenden Macht, mit der Sie die Oper rigide führen.

In deren Namen habe ich meine konturierte Kritik geäußert. Weil ich – im Gegensatz zu denen – weder Tod noch Teufel fürchte. Und Sie schon gar nicht.

Doch nun zu dem, woran es bei Ihnen krankt. Und darüber sollten Sie nachdenken. Vorausgesetzt, Sie nehmen Ihren Job ernst und haben noch so etwas wie Selbstreflexion in Ihrem Leib. Und den Wunsch, Dinge, die nicht passen, zu verbessern.

Deshalb in aller Kürze die wichtigsten Punkte, die beim Opernball 2026 überhaupt nicht gepasst haben. Und alle haben das mitbekommen:

Red Carpet: Die Situation beim Red Carpet ist – nun im wiederholten Jahr – nur mit dem Wort „chaotisch“ zu bezeichnen. Dort wird gestoßen und gerempelt. Es gibt keine, wie immer geartete, vernünftige Organisation. Die Karten werden direkt vor dem Red Carpet kontrolliert (was natürlich zum Stau führt).

Jeder drängt dort, steigt den Damen auf die Kleider. Es ist ein Tohuwabohu. Eiskalt. Sturm. Und Gäste und Medienvertreter sind verzweifelt.

Vielleicht leisten Sie sich ja einmal ein Ticket zu den Golden Globes? Oder zu den Oscars?

Vielleicht kann man ja in den nächsten Jahren im Vorfeld des Opernballs sich der Mühe unterziehen, jenen, die von den Medien interviewt werden, Pässe auszustellen. Eine Zutritts-Organisation vorzubereiten. Das funktioniert bei jedem Skirennen. Bei jedem Formel 1-Event. Und in die Boxengasse darf halt nur, wer dafür das richtige Badge erhält. Eine einfache Maßnahme. Kundenfreundlich.

Nie darüber nachgedacht? Okay, das ist mit Mühe verbunden. Aber bei Kosten von 60.000 Euro für einen Abend für Ihre Ehrengäste wohl durchaus angemessen. Meinen Sie nicht?

Programmauswahl: Ihre neue Ballett-Chefin Alessandra Ferri ist großartig. Ich durfte sie persönlich kennenlernen. Die Musical-Idee war wohl ihre. Ekaterina meint, dass die Kostüme wie Shrimps ausgesehen hätten. Dem kann ich nur beipflichten.

Und was die Auswahl des Musicals West Side Story betrifft – reflektieren Sie doch einmal den folgenden Text:

„Die Staatsoper für populäre Kultur und auch e-Musik zu öffnen ist begrüßenswert und hat ja z.B. beim Jazzfest jahrelang hervorragend funktioniert. Unvergessen sind Konzerte von Weltstars wie Liza Minelli, Ray Charles oder R.E.M., die selbst in der ruhmreichen Geschichte der Staatsoper für Ausrufezeichen sorgten. Beim Opernball ist die leichte Muse, selbst wenn sie von einem Giganten wie Leonard Bernstein stammt, jedoch ein falscher Ansatz. Da sollte die Tradition gepflegt und nicht jedem Trend nachgehechelt werden. Sonst endet die Eröffnung des Opernball womöglich noch in den Untiefen des Villacher Faschings.“

Das stammt nun freilich nicht von mir. Sondern von einem gewissen Thomas Zeidler-Künz. Und wenn Ihnen der Name nichts sagt: Der ist der Kulturchef einer der größten Tageszeitungen Österreichs. Geht der auch nie in die Oper? Hat der auch keine Ahnung?

Dass die Story in der Tageszeitung Österreich über meine Kritik an Ihnen laut Wolfgang Fellner der meistgelesene Beitrag zum Opernball war, mag Ihnen vielleicht auch zu denken geben.

Es gibt, sehr geehrter Herr Roščić, kleine Indizien, die einem zeigen, ob man richtig oder falsch liegt. Diese Zeichen an der Wand sollte man tunlichst zur Kenntnis nehmen. Und danach handeln. Der Shitstorm, den Sie für die Eröffnung bekommen haben, war, wie eine Tageszeitung geschrieben hat, „auch nicht ohne“.

Und dann war da noch ein Leserbrief in der Kronen Zeitung. Darin heißt es: Bei aller Wertschätzung für Leonard Bernstein, er war schließlich einer der bedeutendsten Dirigenten und hat auch als Komponist einen Namen, doch war es notwendig, den Opernball mit „West Side Story“ zu eröffnen? Das hervorragend interpretierte Duett aus der „Traviata“ hat dann zwar einigermaßen entschädigt, war aber insgesamt zu wenig. Nur weil die neue Ballett-Chefin diese Form der Eröffnung vorgeschlagen hat, muss das Direktorat nicht gleich einwilligen und mit einer jahrzehntelangen Tradition brechen. Oper und Musical sind zwei grundverschiedene Metiers, die man nicht vermischen sollte, und bei der Fußball-WM wird auch nicht Handball gespielt.“ (Mag. Martin Behrens)

Sie wissen, wie wichtig die Leserbrief-Seiten für das Kleinformat sind. Dort wird – subkutan, aber immens aufmerksamkeitsstark – die Volksmeinung transportiert. Und das Volk, das sind doch Ihre Kunden. Oder interessiert Sie nur die Elite? Und die Meinung der Mehrheit ist Ihnen wurscht? Das wäre für einen bekennenden Sozialdemokraten doch eher überraschend…

Ich habe nicht nur kritisiert, sondern auch konkrete Vorschläge gemacht. Wie von diversen Seiten der Verlugnerisierung des Opernballs und dem Absinken auf Dschungelcamp-Niveau entgegengesteuert werden könnte.

Hier nochmals meine wesentlichen Ansätze:

Zum einen wäre die Bundesregierung aufgerufen, wesentliche Proponenten, die international ein hervorragendes Standing haben, zum Opernball einzuladen. Die für Frieden und Demokratie stehen. Und so ein Zeichen zu setzen.

Die Staatsoper wäre eingeladen (ja, es gibt eine Künstlerloge, aber die dort Eingeladenen sind in der Berichterstattung untergegangen), zwei großartige Künstlerlogen aufzulegen, wo internationale Stars aus Oper, Ballett, Gesang, Kunst und Kultur eingeladen werden.

Der Österreichische Rundfunk könnte eine Loge für Weltstars aus dem Sportgeschehen kreieren und darauf verzichten, die hochgepushten, sogenannten „ORF-Stars“, sprich Moderatoren, in Ego-Manier in Szene zu setzen. Und stattdessen wahrhaftige Größen featuren.

Die heimischen Aristokraten (ja, ich weiß, der Adel ist abgeschafft, aber wir verfügen über eine hochkarätige Szene von Familien mit historischem Background) sollten dabei unterstützt werden, Vertreter des internationalen Hochadels – und damit meine ich nicht irgendwelche Nichten – zum Opernball einzuladen.

Und die Medien sind aufgerufen, in ihrer Berichterstattung sorgfältig zwischen Qualität und Trash zu unterscheiden. Keiner braucht fette Berichterstattung über Nacktmodelle, Dschungelstars und Glööcklers. Oder die Töchter der Geissens. Stellen wir uns vor, keiner berichtet über die. Gääähn. Das wäre schön.

Service: Abgesehen von den geschmalzenen Preisen ist das Service in den Logen eine Katastrophe. Viel zu wenig Personal, dem man nachlaufen muss, um frische Gläser zu bekommen. Den Service für unsere Gäste – das Einschenken und das Wegräumen – haben wir größtenteils selbst übernommen.

Diesbezüglich sollten Sie mit Ihrem Lieferanten, der ja ein Vermögen dafür berappt, um dort präsent sein zu dürfen, ein ernstes Wort reden. Die Zahl des Personals gehört wenigstens verdoppelt.

Opernball-Lady: Und vielleicht denken Sie ja einmal darüber nach, wie Ihnen alle Herzen zufliegen könnten: Das Komitee ist brav, fleißig und engagiert, aber jeder weiß, dass es Galionsfiguren wie Christl Gräfin Schönfeldt, Lotte Tobisch-Labotyn, Elisabeth Gürtler-Mauthner oder Desirée Treichl-Stürgkh benötigt, um ein Fest wie dieses zum Strahlen zu bringen.

Die Opernball-Lady abzuschaffen, war wohl Ihre schlechteste Idee.

Und irgendwie habe ich so das Gefühl, dass Sie letztendlich – das zeigt Ihre trotzige Reaktion – von allen geliebt werden möchten. Und alle Herzen würden Ihnen wohl zufliegen, wenn Sie wieder die Tradition der Opernball-Lady aufleben lassen würden. Es gäbe eine ganze Reihe an großartigen Damen hierzulande, die das mit Bravur und Brillanz meistern würden. Was übrigens auch ein toller Dienst am Standing der starken Frauen hierzulande wäre.

Mein Fazit: Ich bin Ihnen nicht böse. Sie sind so, wie Sie sind. Aber manchmal sollten Menschen wie Sie ihren Elfenbeinturm verlassen und sich dem stellen, was zwar schwer verkraftbar, aber die Aufgabe von jedem Manager ist – der Kritik der eigenen Kunden, Sachargumenten und der Realität.

Wenn Sie sich nicht zu gut und zu erhaben in Ihrem Olymp der Alleinherrschaft fühlen, dann stehe ich gerne für eine sachliche Diskussion zu all diesen Themen zur Verfügung,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Sonder-Newsletter zum Opernball

In Sorge um den Opernball 

Als ich in den letzten Tagen – mit Sorgfalt und Bedacht – in den sozialen Medien geäußert habe, dass ich dem überbordenden Lugnerismus am Wiener Opernball nur wenig abgewinnen kann, ist eine wahre Flut von (mehrheitlich zustimmenden) Reaktionen dazu über mich hereingebrochen. Und wer meinte: „Der Mucha meckert schon wieder“, dem sei entgegengehalten, dass ich als zahlender Gast, der seit 15 Jahren einen Riesenbetrag an die Staatsoper leistet, mir das Recht ausbedinge, dann, wenn es angebracht ist, auch (berechtigte) Kritik anzubringen.

Viele, die der Staatsoper als treue Besucher, als jahrelange Opernball-Geher und als Freunde und Förderer nahestehen, haben mich ermutigt, meine Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft des Opernballs akzentuiert zu kommunizieren. Und haben hinter vorgehaltener Hand gemeint, dass sie völlig meiner Meinung sind, aber sich die Finger nicht öffentlich verbrennen wollen.

Ich habe über das Thema lange nachgedacht und in mehreren TV- und Medien-Interviews meine diesbezüglichen kritischen Überlegungen in den letzten Tagen öffentlich gemacht.

Meine Argumente wurden vielfach übernommen. Zustimmung kam von vielen Freunden und Besuchern der Staatsoper, Verlegern, Journalisten und Society-Reportern, die meine Befürchtungen teils wortgetreu übernommen haben. Noch schöner wäre es, wenn der eine oder andere diesbezüglich auch auf die Idee gekommen wäre, den Namen des Urhebers dieser Kritik – sprich meinen Namen – zu nennen und sich nicht meine Argumente ohne Zitat anzueignen. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Der Opernball ist das wichtigste traditionelle Ereignis Österreichs. Mit weitem Abstand.

Er ist die höchste Einnahmequelle der Wiener Staatsoper im Jahr.

Er ist ein immens belebender Faktor für ungezählte Lieferanten und die Gastronomie.

Er ist eine große Austro-Tradition und damit ein ganz wesentlicher Faktor für den heimischen Tourismus und das Standing der Stadt Wien als Weltzentrum der Kunst, Kultur und der Musik.

Wer über solch ein Kleinod verfügt, der hat die Verantwortung, es auch zu pflegen. Der muss es schützen.

Doch leider ist dieses Kleinod in die Hände diverser Publicity-geiler Unternehmer gefallen, die das Vakuum nach dem Abgang von Richard Lugner nutzen wollen, um sich und ihre Unternehmungen in Szene zu setzen.

In Ermangelung von eigener Bekanntheit, Prominenz und Charisma grassiert nun bedauerlicherweise ein Call-Star-Modell, wo von internationalen Filmstars (Guschlbauers Sharon Stone und Lugners Fran Drescher) bis zu Dschungelstar-Prominenz alle möglichen und unmöglichen Figuren zum Opernball geladen werden.

Die Einlader sonnen sich in der Bekanntheit ihrer Bezahlt-Gäste, stopfen ihre Logen (in extremis bevölkern zwei Bühnenlogen da gezählte 18 Personen) mit einer Vielzahl sogenannter Promis voll und denaturieren Österreichs größten Gesellschaftsabend zur „Wer wird Austria’s Next Lugner?“-Reality-Show auf niedrigem Niveau. Im Wettbewerb um die Lugner-Nachfolge.

Doch wer war der Nachfolger von Hans Moser? Wer war der Nachfolger von Peter Alexander? Die Antwort ist einfach: Keiner. Denn für Originale gibt es keine Nachfolger. Und Richard Lugner war wahrhaftig ein Original.

Ach, wo sind die Zeiten geblieben, als noch Weltstars und gekrönte Häupter den Opernball besuchten? Als von Curd Jürgens bis zu Franz Josef Strauß, von Caroline von Monaco bis zur belgischen Königin wahrhaftige Größen unserer Welt den Opernball adelten.

Doch heute bleiben sowohl der Bundespräsident als auch der Bundeskanzler dem Ball fern. Eine traurige Entwicklung.

Und der Vizekanzler lädt in seine (Gratis-)Loge aus kosmetischen Gründen und zur Selbstrechtfertigung Max Minichmayr, einen jungen Mann mit Down-Syndrom, ein. Eine durchaus ansprechende Geste, die freilich Andreas Babler auch nichts helfen wird: Denn man sieht die Absicht und ist verstimmt.

Nun ist es klar, dass kaum ein Staatspräsident, kaum ein Weltpolitiker sich in Zeiten wie diesen, wo Kriege toben, Menschen hungern und Europa am Rande des Abgrunds steht, auf einer Veranstaltung präsentieren möchte, wo ein Glas Champagner 40 Euro und eine Rangloge samt Nebengeräuschen annähernd 60.000 Euro kostet. Denn diese Beträge sind obszön und politisch inkorrekt. Und da draußen sind nur allzu viele Menschen, die keinerlei Verständnis für Großmannssucht unserer Staatsdiener zum Nulltarif in Zeiten wie diesen haben.

Ich glaube, es wäre an der Zeit, diesem Negativ-Trend, der den Opernball sukzessive entwertet, Marketing-Maßnahmen entgegenzusetzen, um diese bedauerliche Entwicklung zu stoppen. Dagegen gäbe es eine ganze Reihe von probaten Mitteln:

Zum einen wäre die Bundesregierung aufgerufen, wesentliche Proponenten, die international ein hervorragendes Standing haben, zum Opernball einzuladen. Die für Frieden und Demokratie stehen. Und so ein Zeichen zu setzen.

Die Staatsoper wäre eingeladen (ja, es gibt eine Künstlerloge, aber die dort Eingeladenen sind in der Berichterstattung untergegangen), zwei großartige Künstlerlogen aufzulegen, wo internationale Stars aus Oper, Ballett, Gesang, Kunst und Kultur eingeladen werden.

Heuer gibt es ja wieder eine Künstlerloge der Staatsoper. Doch ich habe keinen einzigen bekannten Namen gefunden, der dort im Vorfeld kolportiert wurde. Angeblich soll Anna Netrebko kommen. Aber das ist bis dato unbestätigt.

Wenn Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić nach Sympathie heischt, dann könnte er die Tradition der Opernball-Lady wiederbeleben. Seien wir uns ehrlich, die Sache mit dem Komitee hat überhaupt nicht funktioniert. Opernball-Ladies wie Christl Gräfin Schönfeldt, Lotte Tobisch-Labotyn, Elisabeth Gürtler-Mauthner oder Desirée Treichl-Stürgkh waren starke Zeichen. Mit starken Frauen. Eine wundervolle Tradition. Und es gäbe so viele tolle Damen, die dafür höchst qualifiziert wären.

Lieber Herr Roščić, wenn Sie diesen Schritt nächstes Jahr wagen, dann fliegen Ihnen alle Herzen garantiert zu. Denken Sie doch bitte einmal darüber nach…

Der Österreichische Rundfunk könnte eine Loge für Weltstars aus dem Sportgeschehen kreieren und darauf verzichten, die hochgepushten, sogenannten „ORF-Stars“ in Ego-Manier in Szene zu setzen. Und stattdessen wahrhaftige Größen featuren.

Die heimischen Aristokraten (ja, ich weiß, der Adel ist abgeschafft, aber wir verfügen über eine hochkarätige Szene von Familien mit historischem Background) sollten dabei unterstützt werden, Vertreter des internationalen Hochadels – und damit meine ich nicht irgendwelche Nichten – zum Opernball einzuladen.

Und last but not least sind die Medien aufgerufen, in ihrer Berichterstattung sorgfältig zwischen Qualität und Trash zu unterscheiden.

Die sogenannte heimische Society ist eine bunte Mischung von Stars, Sternen und Möchtegern-Adabeis. Dass sich die alle am Opernball tummeln und natürlich gefeatured werden wollen, ist völlig in Ordnung. Dagegen ist nicht das Geringste einzuwenden. Aber seien wir uns ehrlich: Keiner braucht fette Berichterstattung über Nacktmodelle, Dschungelstars und Glööcklers. Oder die Töchter der Geissens.

Stattdessen könnte man sich auf jene konzentrieren, die der stilgerechten Berichterstattung über den Opernball wahrhaftig wert sind. Stellen Sie sich vor, die Geiss-Töchter sind am Opernball, und keine berichtet über die… Gääähn. Das wäre schön.

Es wird Zeit zum Umdenken. Bevor – dank der grassierenden Lugneritis – der Opernball endgültig zum flachen Trash-Event abdriftet

mahnt

Ihr

Christian W. Mucha,

der sich mit seinen Logen-Partnern Mag. Rudolf Brenner (philoro) und Dr. Christoph Urbanek (Urbanek Law und Finance) und unseren Begleitungen auf einen ungetrübten Opernball-Abend freut. Ohne Stress.

Und das ganz ohne Bezahlt-Stargäste. Nur in unserer Freundesrunde. Mein persönlicher Stargast trägt eine Traumrobe, den schönsten Schmuck am Ball, ist Akademikerin, beliebt bei alt und jung und hat sogar mein Frackhemd gebügelt… Und hört auf den Namen Ekaterina.


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 12.2.2026

Loss di net erwischen

Was Melania Trump und Meghan Markle gemeinsam haben: Jeder greift einmal daneben. Blöd nur, wenn das alle mitkriegen. 

Von meinem Großvater habe ich etwas geerbet, was – neben den guten Genen – höchst wertzuschätzen ist: Neben der Fähigkeit, im richtigen Moment den sogenannten „gesunden Menschenverstand“ einzuschalten, einen Ratschlag, der mich schon oft gerettet hat.

Hans-Joachim Kulenkampff, der legendäre Talk-Master, war immens beliebt. Seine TV-Sendung „Einer wird gewinnen“ (EWG) war der Straßen-Feger. Wenn EWG lief, saßen damals alle vor dem TV-Gerät.

Kulenkampffs Erfolgsgeheimnis war einfach. Er war das, was man als „weisen Mann“ bezeichnet, formulierte brillant und vor allem: Er hatte keine Angst davor, zu improvisieren. Seine Sendungen überzog er regelmäßig.

Ich erinnere mich noch an die Einblendung: „Die nächsten Sendungen verzögern sich um ca. 20 Minuten“. Damals ging das noch. Da wurde nicht – wie bei der Romy-Gala – der Ton abgeschaltet, wenn man seine Redezeit überzogen hatte.

Eines Tages lief eine Sendung, wo eine Kandidatin von sechs Fragen in dieser Rateshow fünf richtig beantwortete. Zum Trost gab es kleine Goldmünzen. Kulenkampff tröstete die ausgeschiedene Kandidatin, überreichte ihr die Münzen und – jeder überriss, dass er an dieser Stelle improvisierte – sagte den Satz: „Sie haben von sechs Fragen fünf richtig beantwortet. Und sind dennoch ausgeschieden. Wer von uns kann schon behaupten, dass er von sechs Fragen, die das Leben an ihn stellt, fünf richtig beantwortet?“

Das löste etwas aus in mir. Nach der Sendung dachte ich lange darüber nach.

Wenn man jede Entscheidung nimmt, die man im Leben trifft, und sie objektiv bewerten würde: Soll man den fetten Rindsbraten essen, die eigene Frau zurechtweisen, den unsympathischen Kompagnon deshalb, weil er Geld hat, in die Firma holen oder soll man sein Gold-Depot verkaufen oder behalten?

Ich bin heute – im fortgeschrittenen Alter – zu dem Schluss gekommen, dass jemand, der von zehn Fragen zwei richtig beantwortet (und zwar objektiv richtig), glücklich, reich und berühmt werden wird.

Doch mein Großvater hat mir erklärt, dass es dann, wenn man Fehlentscheidungen trifft oder Dinge nicht richtig hinkriegt, eine ganz, ganz wichtige Falle gibt, in die man besser nicht tappen sollte.

Opa meinte: „Wenn Du einen Flop hinlegst, dann lass Dich um Gottes Willen nicht dabei erwischen. Sorge dafür, dass keiner das mitkriegt.“

Eigentlich ein sehr einfacher Rat. Sollte man meinen. Und jeder PR-Berater sollte dieses Wissen „drauf“ haben. Doch wer sich anschaut, was da weltweit abgeht, der kann nur den Kopf schütteln:

Meghan Markle schließt einen Riesenvertrag mit Netflix ab. Und keiner sagt ihr, dass das Ergebnis kontrollierbar sein wird. Und sie damit gewaltige Risiken eingeht. Und ihre Lifestyle-Serie „With Love, Meghan“, die im März 2025 auf Netflix startete, wird zum Flop und wurde wegen enttäuschender Quoten Anfang 2026 abgesetzt. Eine riesige Faustwatsche, die ihr Image nachhaltig beschädigt hat.

Ein sehr prominenter Freund von mir hat – aus reiner Eitelkeit – eine Autobiografie geschrieben. Der Typ ist charismatisch, klug und berühmt. Nur schreiben kann er nicht. Sein Band floppte. Und die Medien waren voll der Häme, dass er von seinem Œuvre genau 116 Bücher verkauft hatte. Im Buchgeschäft spricht man in solchen Fällen davon, dass die Käufer des Buches alle mit dem Autor persönlich bekannt sind. Eine furchtbare Schmach.

Oder nehmen Sie Melania Trump. Hat die niemand davor gewarnt, mit einem unfähigen Regisseur, der noch dazu dieser Tage mit Epstein durch die Gazetten ging (schlimmer kann’s für niemanden kommen), einen narzisstischen Kinofilm zu produzieren?

Wenn so etwas nicht klappt, dann kann man einpacken. Denn jeder sieht, wie erbärmlich der Kinosaal besetzt ist, und wenn dann grad einmal sieben Zuseher bereit sind, eine Karte zu kaufen, dann wird’s echt peinlich.

Eine US-Komödiantin zeigte in einer Talk-Show den „Melania-Blick“. Sie meinte: „Halten Sie den Kopf leicht schief, richten Sie den Blick in die Ferne, so als würden Sie auf das Kennzeichen eines weit entfernten Autos schauen, das Sie aber nicht entziffern können, und Sie haben ihn: den interessanten Melania-Blick.“ Peinlich.

Was lernen wir daraus? Nun, jedem steht das Recht zu, Fehler zu machen, Fehlentscheidungen zu treffen oder Flops zu produzieren. Das gehört zum Leben. Nur erwischen sollte man sich dabei nicht lassen. Und – die eigene Eitelkeit ist ein Luder. Ihr zu verfallen, gepaart mit dem Fehler, sich selbst zu überschätzen, kann einem teuer zu stehen kommen,

warnt Sie

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 5.2.2026

Der Operettenball 2026

Allerlei Skurrilitäten um das größte Society-Ereignis des Jahres.

Nach meinem – gefühlt – 15. Opernballbesuch darf ich von mir wohl mit Fug und Recht behaupten, diesbezüglich ein „Experte“ zu sein.

Denn immerhin habe ich mir über ein Dutzend Mal den Luxus geleistet, eine Loge zu buchen.

Einmal war es nur eine Bühnenloge. Schwerer Fehler. Man brauchte einen Schuhlöffel, um hineinzukommen. Drinnen herrschte Platzangst. Und die Resopal-Platten verbreiteten den Charme einer etwas gepflegteren Bauhütte. Dafür erspart man sich Geld, was der sparsame Herr Glööckler und zwei umtriebige Modewuzzis (die haben doppelte Bühnenlogen) heuer ebenso wie Bäcker Kurt Mann beweisen.

Wer weiß, mit wie viel sich heuer die Kosten einer echten Opernball-Loge samt Nebengeräuschen zu Buche schlagen, der wird blass. Um eine der begehrten Ranglogen erwerben zu können, ist der Status als Donator des Offiziellen Freundeskreises der Wiener Staatsoper zwingend erforderlich. Er ist die Voraussetzung, dass man überhaupt zu einer gescheiten Loge kommt. Zusammen mit dem Logenpreis von über 25k, läppern sich da ganz schnell rund 60.000 Euro zusammen.

Ein obszöner Betrag. Und eigentlich durch nichts zu rechtfertigen.

Das Ganze funktioniert nur dann, wenn man es wirtschaftlich betrachtet, den Opernball als Netzwerkplattform versteht, intelligente Wege findet, das steuerlich abzuschreiben, Partner und Sponsoren findet.

Und sich die Kosten mit Freunden teilt. Auch dann wundert man sich, wer aller bereit ist, so viel Geld an einem einzigen Abend auszugeben.

Wir haben uns das heuer recht fein aufgeteilt: Rudi Brenner von Philoro steuert ebenso seinen Teil bei wie Rechtsanwalt Dr. Christoph Urbanek, ein Immobilienentwickler.

Das Le Méridien und sein umtriebiger Direktor Hanspeter Soller spendieren ein wunderbares Diner.
Ekaterinas Kleid kommt von Alexis González, der sich wiederum an tollen Artikeln im Kurier und in Österreich erfreuen durfte. Und der Schmuck kommt Von Köck.

Auch da gab es tolle Berichte über Ekaterina in diversen Gazetten.

Sohin sind alle rundweg zufrieden. Und ich muss nicht in den Schuldturm.

Was freilich bewegt Menschen beim Concours der Eitelkeit, zusätzlich zu diesen – schon exorbitant genügend hohen Kosten – noch einen Stargast einzuladen?

Otto Schenk, der leider verwichene, wunderbare Schauspieler und Regisseur, hätte das wohl so formuliert:
Jetzt, wo der Luuugner tot ist, stehen sie alle mit Schauuuum vor dem Mund. Und roooollen mit den Aaaaaugen. Und hecheln: “Ich werd der Lugner-Nachfolger.” Und ein Schauuuumrooollen-Heeersteller holt für 100.000 Euro die Sharon Stone nach Wien. Und wird mit der über Nacht weltberühmt in Österreich.

Ich frage mich ja, wie viele Schaumrollen der Herr Guschlbauer verkaufen muss, um die kolportierten 100k wieder hereinzuspielen. Wir haben es uns ausgerechnet. Bei einer marktüblichen Spanne müssten das ungefähr 170.000 Schaumrollen sein.

Beim Lugner war das anders. Da zahlten seine Pächter mit. Übrigens genau bis zu jenem Zeitpunkt, wo einige Revolution spielten, weil sie die Hollywald-Größen des Herrn Lugner zur Befriedigung von dessen Eitelkeit nicht mehr aus dem Lugner-City-Budget berappen wollten. Lugner hat diesen Aufstand ganz schnell niedergeschlagen.

Angeblich zahlen die Pächter der Lugner City noch heute fleißig mit.

Ist ein Stargast auf dem Opernball eine gute Investition?

Was bringt das den Modewuzzis, wenn sie das, was ich schon vor Jahren gemeint habe, wiederkäuen und meinen: Wir würden niemals für einen Stargast bezahlen.

Was natürlich nicht ganz so stimmt, denn die Topmodels, die sie da in ihre Logen schleppen, haben selbstverständlich tolle Shootings mit ihren Medien gemacht. Auch nicht gerade gratis. Darauf kann man Gift nehmen.

Also ist da schon irgendwas – mit einer gewissen Umwegrentabilität – geflossen.

Aber um auf dem Opernball zu brillieren und als Nachfolger von Lugner gehandelt zu werden, muss man noch etwas haben: Authentizität. Und die Unverwechselbarkeit von Richard Lugner.

Man darf also nicht nur irgendetwas daherplappern. Man muss Hans-Moser’sche Qualitäten haben. Oder Aufreger liefern.

Wer von all denen, die sich da wichtig machen, hat das drauf?

Nun, mir fällt da keiner ein.

Apropos einfallen. Operndirektor Bogdan Roščić hat jüngst wieder das getan, was er am liebsten macht: sich selber reden hören. Aber er spricht gut. Und hat auch etwas zu sagen. Und hat uns eröffnet, dass es diesmal auf dem Opernball neben einem Stück aus La traviata und den üblichen Hymnen auch zwei Songs aus der West Side Story geben wird.

Die Medien haben die Geschichte vornehm geschluckt. Viele Opernball-Stammgäste nicht.

Denn eigentlich gäbe es nur eine einzige Operette, die man in der Staatsoper hören will. Und das ist “Die Fledermaus” von Johann Strauss. Am besten in der legendären Inszenierung des oben erwähnten Otto Schenk. Möglichst zu Silvester.

Ansonsten ist die Staatsoper der Hort der Oper und des Balletts. Und vielleicht hat Herr Roščić ja vergessen, in welchem Haus er da tätig ist. Denn Österreichs größtes Society-Ereignis des Jahres heißt ja nicht Volksopernball, sondern Opernball.

Was fällt dem Roščić dann im nächsten Jahr ein? Müssen wir uns dann auf die Original Oberkrainer einstellen? Oder auf DJ Ötzi? So verkitscht ein Traditionsereignis immer mehr und ich würde mich nicht wundern, wenn der Schaumrollen-King statt der Lugner’schen Stretch-Limousine mit einer Schaumrollen-Kutsche daher kommt, aus der Sharon Stone vorsichtig herausrutscht. Und alle werden hinstarren, aber die basischen Instinkte werden nicht erfüllt werden, weil die Opernballkleider bekanntlich bis zum Boden reichen.

Aber das sind nur kleine Anmerkungen zu etwas, was hierzulande für viel Aufregung sorgt. Die Vorbereitung, die Kleider, die Mühe, die sich alle dafür machen. Und das nur für eine einzige Nacht.
Früher hieß es: tu felix Austria nube, heute eher: Gute Nacht, Österreich.

Also werde ich den letzten Opernball (mit eigener Loge) tunlichst genießen und mich daran erfreuen, dass wir keine Stargäste, sondern Freunde in unserer Loge haben. Beides probiert. Kein Vergleich.

Vor vielen Jahren hatten wir zum Beispiel eine wesentliche Aktionärin von Pepsi-Cola bei uns zu Gast. Eine Freundin. Bezahlt haben wir nichts dafür, dass Diane Shulman unser Gast war.

Und auch einen der bekanntesten amerikanischen Anwälte (Roger Richman), der von Marilyn Monroe bis zu Steve McQueen bis zu Audrey Hepburn und Liz Taylor unzählige Hollywood-Stars unter Vertrag hatte, hatte wir bei uns in der Loge. Dem haben wir nicht einmal die Flüge und das Hotel bezahlt. Er freute sich über die Einladung und wohnte bei uns.

Heute ist das alles anders: Da heißt es “Tue Gutes, brenne wie ein Luster und rede darüber”.

Und vielleicht verkauft die Sharon Stone ja 170.000 Schaumrollen

hofft für den Big Spender

Ihr

Christina W. Mucha

PS: Apropos, was mich auch stört: Warum gibt’s keine Opernball-Lady mehr? Da könnte der Roščić das Rad zurückdrehen. Und dafür würden ihn dann alle lieben.

Der Obige


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 29.1.2026

Liebe Leser
Steuer? I do net

Harte Strafen für Digital-Trickser und Gastro-Kriminelle!
Sie schädigen den Ruf unserer Branche.

Nach dem jüngsten Auffliegen des Registrierkassen-Betrugs, bei dem laut Finanzministerium gegen 20 Gastronomen aus Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und dem Burgenland ermittelt wird, wird jetzt heftig in der Branche spekuliert.

Wer könnten denn die „durchaus bekannten“ Namen sein, die da demnächst auffliegen werden?

Die Gesetzeslage für Medienberichte diesbezüglich ist ziemlich eindeutig: Wer sich nicht die Finger verbrennen will, der nennt keine Namen in dieser Phase. Obwohl uns diverse – darunter einige durchaus bekannte – zugeflüstert wurden.

Eines kann ich verraten: Bei den Delinquenten handelt es sich um Typen, die sich für ihren rigiden Umgang mit Lieferanten gleichwohl wie mit Mitarbeitern bereits einen gewissen „Ruf“ erworben haben.

Für jene, die am eigenen Leib verspürt haben, wie die ticken, wird das Outen von denen dann schlussendlich wohl keine Überraschung sein.

Mir hat mein Vater drei Ratschläge gegeben. Fürs Leben. Er meinte: „Heirate nur eine Österreicherin. Kauf Dir nie einen Rolls-Royce. Und vor allem: zahl Deine Steuern immer pünktlich.“

An einen von diesen drei Punkten habe ich mich gehalten. An die beiden anderen Gott sei Dank nicht, sonst wäre mir Ekaterina, das Glück meines Lebens, niemals beschert gewesen. Und ja, ich bin auch teure Autos gefahren – und es hat mir nicht wirklich geschadet.

Die Steuer freilich habe ich immer pünktlich und regelmäßig bezahlt. Mit einer kleinen Einschränkung: Auf Steuerprüfungen (und derer gab es unzählig in fast fünf Jahrzehnten unseres Bestehens) muss man gut vorbereitet sein.

Und wir hatten weit mehr als unsere Mitbewerber. Was mit der Missgunst, dem Neid auf unseren Erfolg und vor allem damit zu tun hat, dass unsere Widersacher immer wieder versucht haben, uns diesbezüglich anzupatzen.

Freilich völlig ohne irgendeinen Erfolg. Denn ich habe es stets so eingerichtet, dass der Prüfer, wenn er sucht, auch irgendetwas findet. Einen Haifisch kann man nur loswerden, wenn man ihm ein Stück Fleisch anbietet. Dann dreht er meistens ab.

Deswegen empfiehlt es sich, Kleinigkeiten, die natürlich finanzstrafrechtlich irrelevant sein müssen, in den eigenen Büchern auffällig zu platzieren. Kommt dann der Prüfer drauf, dann freut er sich. Du zahlst den Betrag nach (das ist eine vergleichsweise geringe Summe) und hast das von Anfang an einkalkuliert. Und alles ist gut. Zumindest hat mir das unser legendärer Steuerberater Johann Pokorny, der viel zu früh gestorben ist, mit seiner unglaublichen Branchenerfahrung beigebracht.

Abgaben vorsätzlich zu hinterziehen gehört freilich zum Dümmsten, was man anstellen kann. Ganz besonders in der Gastronomie. Denn da gibt’s eine Reihe von Imponderabilien, die sind absolut tödlich. Und die garantieren, dass jeder früher oder später erwischt wird:

Zum Ersten muss man damit rechnen, wenn eine Software-Firma einem ein Package anbietet, mit dem sich vermeintlich der Zugang zum Finanzministerium von der Registrierkasse blockieren lässt, dass das die Mitbewerber des Anbieters mitkriegen. Der wird angezeigt, geht in Untersuchungshaft und um seine Haut zu retten, übergibt er der Finanzbehörde seine Kundenliste.

Zum Zweiten: Wenn viel darüber spekuliert wird, dass da auch Betriebe mit mehreren Restaurants involviert sind: Das ist besonders blöd. Denn da gibt es Mitwisser. Der Restaurantchef, der Oberkellner. Und Mitwisser – das weiß jeder gewiefte Verbrecher (ich übrigens auch) – sind das Allerblödeste, was man bei kriminellen Handlungen braucht.

Und zum Dritten sind Finanzstrafverfahren deshalb ganz besonders deppert, weil die Jahre zurückverfolgt werden. Die verjähren nicht, wie viele andere Vergehen, relativ bald, sondern da wird eine weite Strecke zurück untersucht. Im vorliegenden Fall reichen die Untersuchungen fünf bis zehn Jahre zurück, je nachdem, wie hoch der strafbestimmende Wertbetrag der einzelnen Gastronomen ist. Bei einem Wert von unter 500.000 Euro werden „nur“ die letzten fünf bis sieben Jahre untersucht, ab 500.000 Euro geht es dann schon bis zu zehn Jahre zurück.

Und zum Vierten sind die Strafen empfindlich hoch. Nicht nur, dass man den gesamten Betrag, den man an Abgabe hinterzogen hat, zurückzahlen muss, dazu kommt noch eine fette Geldstrafe, und – und jetzt wird’s echt schlimm – bei hohen Beträgen eine Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren. Dazu der Entzug der Gewerbeberechtigung.

Es kann also sein, dass wir uns vom einen oder anderen prominenten Gastronomen demnächst verabschieden müssen. Dass dem die Strafe das Genick bricht. Und ohne Gewerbeberechtigung tut man sich auch nicht gerade leicht.

Ich verspreche eines: Um den einen oder anderen, der hier unter der Hand gehandelt wird, ist es definitiv nicht schade.

Abschließend noch eine kleine Anmerkung zum Kreis der Betroffenen: Ich glaube, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, ausschließen zu können, dass es sich dabei um international verankerte Betriebe handelt. Die haben ein glasklares Rechnungswesen, haben andere Steuertricks, auf die sie zurückgreifen können, außer „Linke“, und zählen daher nicht zum Kreis der Verdächtigen.

Und wenn – wie im Fall der Brau Union – man sich illegale Preisabsprachen leistet, dann wird’s schlussendlich international unbequem. Und ganz besonders teuer.

Wir halten Sie in der Causa jedenfalls auf dem Laufenden

und ich bin

mit herzlichen Grüßen

Ihr

Christina W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 15.1.2026

Liebe Leser

ich hoffe, Sie sind gut ins neue Jahr gestartet.

Wir haben über die Feiertage eine wunderbare Skiwoche in Obertauern genossen. Und dort hat sich etwas ergeben, was mich ganz besonders gefreut hat: Wieder einmal habe ich den Beweis erhalten, dass auch Lob, das man über die sozialen Medien transportiert, gewaltige Reaktionen auslösen kann. Und digital durch die Decke geht.

In Obertauern waren wir zu Gast im Hotel Rigele Royal. Einem Vier-Sterne-Superior-Betrieb, der von seinem Eigentümer mit viel Verve, Engagement und Courage geführt wird. Der Mann hat eine Eigenschaft, die man in der Gastronomie und Hotellerie leider nur allzu oft vermisst: Er ist großzügig.

Nun befinden wir uns ja in Planung für eine neue digitale Plattform, die wir demnächst launchen werden:

Unsere Online-Seite www.michnervt.at (Achtung – noch nicht online) soll als Zeitventil für die kleinen Ärgernisse des Alltags einerseits dienen. Andererseits wollen wir dort aber auch Platz und Raum für digitales Lob schaffen.

Eine Umfrage unter Prominenten hat ergeben, dass sie alle sofort darauf anspringen.

Zum einen darauf, sich die kleinen Ärgernisse des Alltags von der Seele zu reden – und ja, diese auch öffentlich zu machen. Zum anderen aber dort, wo Lob angebracht ist, dies auch öffentlich zu sagen.

Durch die Vorarbeiten an www.michnervt.at bin ich natürlich einigermaßen sensibilisiert auf die „Schätze des Alltags“. Einem solchen bin ich im Hotel Rigele Royal begegnet:

Wer hat noch nicht Ärger darüber verspürt, wenn man beim Frühstück vor den angebotenen Fruchtsäften steht und daneben sind mikroskopisch kleine Gläser.

Einer dieser Gastro-Tricks, um die Gäste daran zu hindern, zu viel von teurem Fruchtsaft zu konsumieren. Wer geht schon dreimal mit einem Achtel-Liter-Glas vom Buffet zum Frühstückstisch. Andere wiederum argumentieren, das sei eine kluge Maßnahme, weil der Gastronom damit vermeidet, dass nicht getrunkene Säfte entsorgt werden müssen.

Ich gebe ehrlich zu: Ich gehöre zur ersten Gruppe.

Umso erfreulicher war, dass direkt neben dem reichhaltigen Fruchtsaftangebot im Rigele Royal große Viertellitergläser standen.

Und das habe ich auf den sozialen Medien mit einem Video dokumentiert.

Wie sehr die Menschen derartige Kleinigkeiten des Alltags bewegen, hat mich dann aber freilich doch überrascht.

Allein auf TikTok haben bis dato gezählte 131.000 Besucher dieses Video angeschaut. Eine vierstellige Zahl von Likes und ungezählte Kommentare dazu beweisen, wie wichtig Mikro-Erlebnisse für die Gäste und ihre Urlaubslaune sind.

Wenn Sie zum Gelingen von www.michnervt.at mit einem Bericht beitragen wollen, dann bitte ich Sie, mir das an zu senden.

Eine Mikroanekdote, was Ihnen besonders Freude bereitet, Sie überrascht hat oder wovon Sie positiv angetan waren – oder ein kurzes, wahrhaftiges Statement, worüber Sie jüngst genervt waren. Und wie man das abstellen könnte.

Dass im Verlauf des heurigen Jahres für Sie das Positive gegenüber dem Unbill überwiegt, hofft

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 9.12.2025

Liebe Leser

Bei Weltereignissen entstehen Dynamiken, die eine innere Entwicklung auslösen. Und manchmal haben sie auch eine Außenwirkung. Im vorliegenden Fall eine fatale.

Bei all jenen, die Sorgfalt auf ihre Fahnen geschrieben haben und die die historische Verantwortung Österreichs in den Fragen Nationalsozialismus und vor allem Holocaust richtig einschätzen und deuten, ging in den letzten Wochen das Zittern um. Wie fatal wäre es wohl gewesen, wenn Israel beim Eurovision Song Contest nicht hätte teilnehmen können. Just in Wien.

Umso erleichtert waren die historisch verantwortungsvollen Kräfte hierzulande, dass – mit äußerst knappem Entscheid – der israelische Sender Kan (nicht der Staat bekommt die Erlaubnis zur Teilnahme, sondern der jeweils nationale Fernsehsender) nun doch einen Vertreter von Israel am 16. Mai 2026 nach Wien entsenden kann.

Nicht vergessen sollten wir auch, dass Israels Vertreterin im Vorjahr, Yuval Raphael – mitten im Krieg –, Zweite des Bewerbs wurde. Dank Jury- und Publikumsvoting (!!!).

ORF-GD Roland Weißmann war dazu – nach einer lästigen Erkrankung und trotz einer Bindehautentzündung (Damit zu fliegen ist nie eine gute Idee) – nach Israel gepilgert, hatte dort den israelischen Staatspräsidenten Yitzhak Herzog getroffen und sich bei einem Treffen mit Kan-Vorstand Golan Yochpaz vehement für eine Teilnahme eingesetzt.

Postwendend auf den für uns so erleichternden Entscheid – denn welches Signal wäre da wohl von Österreich aus in die Welt geschickt worden, wenn Israel gesperrt wäre – folgte dann der Schock.

Die Sender der Staaten der Niederlande, Spanien, Slowenien und Irland sagten den ESC in Wien ab.

Wer weiß, welchen “Zielgruppen” die nationalen Sender der oben genannten Länder „verpflichtet“ sind (ohne dies näher auszuführen), der beginnt zu ahnen, warum es dazu kam.

Ich für meinen Teil habe kein Problem damit, wenn Menschen für Palästina eintreten, die unmenschlichen Rahmenbedingungen für die Menschen dort aufzeigen und die Hilferufe der Zivilbevölkerung im Gazastreifen, die unendlich leidet, in die Welt hinaustragen. Und für Hilfe und für eine Zukunft dieses geplagten Landes einstehen.

Weniger leicht tue ich mir, wenn Palästina-Demonstranten offen Antisemitismus verbreiten, Journalisten attackieren (wie jüngst einen OE24-Reporter) und ihre Anti-Israel-Gewaltvorstellungen just bei uns in Österreich auf die Straßen tragen.

Denn während die Justiz gegen Antisemitismus und Wiederbetätigung zu Recht mit drastischen Strafen vorgeht (jüngst wurde ein Aula-Chefredakteur zu vier Jahren Haft verurteilt, nicht rechtskräftig), lassen unsere Behörden unter dem Deckmantel von Demonstrationsfreiheit und Meinungsäußerung Wut- und Hassversammlungen zu, wie wir das schon lange nicht mehr gesehen haben.

Die politischen Entwicklungen der letzten Jahre haben Israel-Bashing und Antisemitismus massiv befeuert. Der Antisemitismus ist in einem Maß gestiegen, wie wir das seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben. Es ist eine dieser grauslichen Entwicklungen in der Weltpolitik, wie wir sie auch andernorts in vielen Bereichen mit Entsetzen erleben.

Wenn der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer eine Anerkennung des Staates Palästina lautstark fordert, dann mag das seine persönliche Meinung sein. Ich frage mich nur – so wie viele, denen die politische Situation im von der Hamas kontrollierten Leidensland bewusst ist – wen oder was man dort anerkennen möchte?

Das Wichtigste in der Politik, aber auch das Schändlichste, ist, dass wir allzu schnell vergessen, verdrängen, schubladisieren, wenn es um Kriegsverbrechen und die Vernichtung von Minderheiten geht. Im Fall von Israel und vor allem der Frage des Holocaust muss in Österreich für alle Zeiten gelten: Niemals wieder.

Bitte seien wir uns dieser historischen Verantwortung bewusst und sorgen wir dafür, dass dem Vergessen kein Raum gegeben wird und dass Juden hierzulande das Recht haben, frei und geschützt und friedlich zu leben, ohne befürchten zu müssen, selbst im Alltag zu Schaden zu kommen.

Jüngst war der Chef eines großen Unternehmens bei mir zu Gast. Er trug eine Kappe. Im Verlaufe des von ihm sehr sorgfältig geführten Gesprächs eröffnete er mir, dass er Jude sei. Und nahm seine Kappe ab, darunter trug er seine Kippa sorgfältig versteckt.

Und da verstand ich: Die Angst begleitet auch seinen Alltag.

Und das sollte in Österreich definitiv nicht (mehr) möglich sein

meint nachdenklich

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 4.12.2025

Liebe Leser

Die Mutter aller Medienschlachten.

Im kommenden Jahr steht eine wesentliche Entscheidung ins Haus. Für die ORF-Generaldirektorenwahl am 11. August 2026 bringen sich jetzt alle möglichen Kandidaten in Stellung.

Es ist eine der umfassendsten und kompliziertesten Recherchen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Ich habe sie mit Akribie, Feingefühl, guten Relationen und stets mit der Zusicherung von Vertraulichkeit absolviert. Da sind viele, viele Arbeitsstunden und unzählige Telefonate und Treffen eingeflossen.

Die Namen derer, die gehandelt werden, sind schnell aufgezählt. Natürlich der amtierende Generaldirektor Roland Weißmann. Er hat sich noch nicht geäußert, ob er sich bewerben will, und wartet wohl die Signale, die ihm von der Politik übermittelt werden, ab.

Weißmann gilt weitgehend als Alleingänger. Als einer, der für den ORF brennt. Für ihn spricht, dass er mit dem Durchpeitschen der Haushaltsabgabe die Existenz des ORF mit unglaublich viel Einsatz gesichert hat. Er hat den Bonus des Amtsinhabers. Was ihm zu schaffen machen könnte, verrate ich demnächst.

Eines ist klar: Den ORF-Generaldirektor nominiert die ÖVP. Mit der Erschwernis, dass die SPÖ ihre Position im Entscheidungsgremium deutlich verbessert hat. Und auch die Neos werden ein Wörtchen mitreden. Die FPÖ mit ihren drei Stimmen auch. Wobei einer der FPÖ-Stiftungsräte jüngst ordentlich ins Gerede gekommen ist und unter schweren Beschuss geriet. Doch das ist eine andere Geschichte.

Damit ist klar, dass jemand, der nicht – deutlich und klar erkennbar – auf einem ÖVP-Ticket reitet, keine Chancen haben wird. Was jedoch den einen oder anderen Proponenten womöglich nicht daran hindern wird, es trotzdem zu versuchen. Frei nach dem Motto: Dabei sein ist alles.

Neben Roland Weißmann ist auch ORF-Niederösterreich-Chef Alexander Hofer in Gerede. Während man aus der Branche hört, dass beide die Unterstützung der mächtigsten Frau in der ÖVP, Johanna Mikl-Leitner, für sich beanspruchen, hat sich da durchaus Spannendes recherchieren lassen. Darüber informiere ich Sie im Detail demnächst. Fakt ist: Hofer hat beste Chancen.

Ein weiterer Kandidat ist wohl Philipp König, Kronenhit-Radio-Geschäftsführer. Doch König ist mehr als nur der Radioboss von Christoph Dichand. Ein hervorragender Rechtsexperte, erfahren im ORF – und viel wichtiger für die Dichands, als man das gemeinhin annehmen könnte. Auch dazu künftig mehr.

Überraschend könnte sich womöglich auch APA-Vorstand Clemens Pig dazu durchringen, eine Bewerbung abzugeben. Doch er will dazu vorab – so wie alle anderen – kein Statement abgeben. Hält sich bedeckt. Hätte freilich durchaus gute Chancen. Warum, erläutere ich in Bälde.

Dazu kommt, dass Markus Breitenecker – der auf gutem Fuß mit den Neos steht – gerade frei wäre. Schließlich hat er seinen Job bei der ProSiebenSat.1 PULS 4-Gruppe als Vorstand in Deutschland jüngst verloren. Seine Chancen: minimal.

Wird Alexander Wrabetz noch einmal kandidieren? Nein. Der hat das mir gegenüber bereits deutlich dementiert. Das kommt für ihn nicht mehr in Frage.

Der frühere ORF-Chefredakteur Matthias Schrom könnte Ambitionen haben, die Tiefen Pannoniens zu überwinden und den Küniglberg zu erklimmen.

Lisa Totzauer ist eine weitere Option. 2021 hat sie sich gegen Wrabetz, Weißmann, Prantner und eine ganze Reihe weiterer Kandidaten gestellt. Ihre Bewerbung löste damals Respekt aus.

Auch Richard Grasl wird nicht mehr in den Ring steigen. Er hat seine berufliche Mitte beim Kurier und in der Raiffeisen-Gruppe gefunden. Und sieht dort seine Zukunft.

Wenig Chancen werden dem ausgebremsten ORF-Sportchef Hannes Aigelsreiter eingeräumt. Der hatte via Tiroler Tageszeitung angedeutet, sich bewerben zu wollen. Nachdem er das Match gegen Rainer Pariasek nunmehr schmählich verloren hat, sind seine Chancen nicht gerade berauschend.

Es wird daher ein durchaus spannendes Jahr.

ExtraDienst ist – dank hervorragender Connections zu fast allen Beteiligten – hier in einer herausragenden Berichterstattungsposition.

Demnächst werden wir etwas ganz Erstaunliches bringen: Aufgrund unserer qualitativen Recherchen und vieler Hintergrundinformationen, die wir freilich (noch) nicht publizieren können, präsentieren wir Ihnen einen Stimmungsbarometer in Form von Wettquoten. Wo wir Ihnen verraten – errechnet von einem professionellen Buchmacher – wie viel Sie erhalten, wenn Sie zum Beispiel 100 Euro auf einen Kandidaten setzen. Bei einem den Neos nahestehenden Kandidat würden Sie da glatt 1.420 Euro bekommen. Was nichts anderes bedeutet als: je höher der Auszahlungsbetrag, desto geringer sind die Chancen auf den Posten.

Mehr zum ORF-Generaldirektoren-Thema lesen Sie laufend in meinem Newsletter. Bitte weitersagen. Den zu abonnieren rentiert sich. Meine zumindest ich. Und wenn auch Sie dieser Meinung sind, dann empfehlen Sie uns bitte weiter.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha

Christian W. Mucha’s Newsletter vom 2.12.2025

Liebe Leser

Der wahre Verlust unserer Zeit ist nicht Wissen, Kompetenz oder Modernität. Es ist der Verlust von Toleranz.

Es ging wie ein Ruck durch unsere Gesellschaft. Als Thomas Gottschalk sich via BILD-Zeitung jüngst geoutet hat, dass er schwere Medikamente nimmt, Krebs hat und dass er sich deshalb auf Veranstaltungen verhaspelt und versprochen hat. Und nicht perfekt war.

Dabei hat sich eines herauskristallisiert: Wir leben in einer unglaublich kalten Welt.
In einer Welt, in der wir den Verlust von Toleranz beklagen müssen. Unsere Gesellschaft ist erbarmungslos geworden.

Schon den jungen Menschen wird eingetrichtert: „Du musst schön sein. Du musst perfekt sein.“ Dann machen sie vollkommen sinnlose kosmetische Operationen, nur um dem vorgegaukeltem Ideal der Perfektion zu entsprechen.

Noch schlimmer ist es mit unseren Alten. Von denen verlangt man ebenfalls, perfekt zu sein. Doch im Alter ist man nicht mehr perfekt. Man verspricht sich. Man macht Fehler. Man merkt sich nicht mehr alles.

Meinen Kommentar finden Sie auch hier auf TikTok.

Aber anstatt das tolerant zu akzeptieren, steinigen digitale Trolle betagte Menschen, wenn sie Fehler machen, wenn sie gebrechlich werden.

Andere Kulturen halten das ganz anders. In Japan beispielsweise gibt es den Komon. Das ist ein Senior, der keine operative Verantwortung mehr trägt, aber seine Weisheit, seine Würde und seine Gelassenheit weiterhin den großen Unternehmen zur Verfügung stellt.

Die Komone haben Autorität, sind hoch anerkannt und werden in wichtige Unternehmensentscheidungen eingebunden.

Und bei uns? Hier werden alte Menschen förmlich entsorgt. Kommen in den Müll. Und wenn sie Fehler machen, werden sie gesteinigt. Siehe Gottschalk.
Und wenn sich dann herausstellt, was die wahre Ursache seiner Aussetzer war (Medikamente nach der Krebs-OP), dann rudern alle zurück. Dann erstarrt die Meute. Gottschalk selbst hätte seine Krebserkrankung wohl nie öffentlich gemacht. Er wurde dazu förmlich genötigt. Welch unwürdiges Schauspiel.

Es ist armselig. Lernen wir doch erneut das, was wir immer gekonnt haben: Lernen wir Toleranz. Lernen wir wieder, mit unseren Alten fair, anständig und respektvoll umzugehen

meint

Ihr

Christian W. Mucha 


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 27.11.2025

Liebe Leser

Unser FM-Incoming-Preis, das traditionelle große Fest für jene, die sich um die Touristik ganz besonders verdient gemacht haben, ging im Jahr 2018 an die Vorstände des Wiener Airports, Günther Ofner und Julian Jäger.

Beim großen Fest im Palais Ferstel drehte sich alles um ein einziges Thema: um die Errichtung der dritten Piste. Ein damals für den Flughafen immens wichtiges Projekt. Zukunftsweisend. Doch was jeder, der proaktiv für Touristik eintritt, als kluge, weise, vorausblickende Maßnahme sah, war mit ungezählten Hürden versehen: Umweltauflagen, Prüfungen, die Finanzierung, Anrainerproteste.

Wer sich an so etwas heranwagt, der braucht gute Nerven. Und einen langen Atem. In unserer Titelgeschichte beleuchteten wir damals das Für und Wider und traten nachhaltig für diese wesentliche Erweiterung der Möglichkeiten des Vienna Airports ein.

Der Hintergedanke dabei: Wien muss sich als Drehkreuz gegen internationale Konkurrenz durchsetzen. Ob München, Frankfurt, Budapest oder Bratislava – jeder von denen ist massiv bemüht, von der blendenden Positionierung des Vienna Airports als Drehscheibe ein Stück des Kuchens wegzuschneiden.

Ein Kuchen, der nicht nur, was das Outgoing, sondern natürlich auch, was das Incoming betrifft, immens wichtig für unser Land ist.

Und dann kam der Knick. Der gigantische Knick. Die Pandemie. Danach brauchte es einmal seine Zeit, bis sich die heimische Touristik und auch der Airport von den drastischen Einbrüchen erholte.

Seit Kurzem ist es nun offiziell: Die dritte Piste wird bis auf Weiteres nicht realisiert. Als Gründe dafür geben Jäger und Ofner an, dass neben den auf rund zwei Milliarden Euro massiv gestiegenen prognostizierten Baukosten sich auch die Rahmenbedingungen infolge der überlangen Verfahrensdauer grundlegend geändert hätten.

Die Flughafenchefs verweisen auch auf eine schwierige Refinanzierung des Großprojekts. Ohne höhere Tarife wäre die wirtschaftliche Basis der Investition nicht darstellbar. Im Klartext: Die größten Airline-Kunden am Standort stehen dem Projekt negativ gegenüber.

Deshalb sei man zum Schluss gekommen, dass die Kapazitäten der beiden Pisten vollkommen ausreichen. Zukünftiges Wachstum wird weiterhin ermöglicht. Nun will man in die Qualität des Hubs und der Terminals investieren.

Damit ist eine gute Möglichkeit für den heimischen Tourismus geplatzt. Schade.

Meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 25.11.2025

Liebe Leser

Demnächst stehen einige – wohl nur mit dem Begriff historisch zu bezeichnende – Feierlichkeiten für den österreichischen Rundfunk ins Haus. Die Zeit im Bild hat am Montag mit einer großen Hauptabendsendung ihr 70-Jahr-Jubiläum zelebriert, und in einer Woche findet im Metropol eine Feier – moderiert von Vera Russwurm – statt.

Beim Durchgehen der Moderatoren der ZIB wird man, wenn man so wie ich 50 Jahre lang (im nächsten Jahr feiern wir unser Jubiläum) die Medienbranche begleitet hat, einigermaßen wehmütig. Viele Freunde darunter. Und irgendwie liest man in den Presseaussendungen zwischen den Zeilen, dass dem ORF wohl nicht alle Namen der ZiB-Präsentatoren besonders angenehm sind.

Wenn darunter etwa (ich habe nichts gegen die ehemalige Frau Bezirksvorsteherin) eine gewisse Ursula Stenzel zu finden ist. Aber Geschichte hat es an sich, dass man da niemanden weglassen darf. Obwohl mir hinter vorgehaltener Hand zugeflüstert wurde, dass es dazu Überlegungen gegeben haben soll. Angeblich. Unbestätigt.

Und zum Beweis dieser These kommentierte dies die Kronenzeitung in ihrem Newsletter am 24.11. ähnlich und meinte, es gäbe unter den ZiB-Moderatoren (ohne die Betreffende beim Namen zu nennen) einige, die sich politisch engagiert hätten. Mit durchaus magerem Erfolg. Und irgendwie kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Krone dieselben Moderatoren (Stenzel, Broukal) meint, an die ich auch gedacht habe.

Beim ORF hatte ich natürlich mit einer ganzen Reihe von GD’s tolle persönliche Kontakte.

Legendär das Treffen mit Gerd Bacher – zum großen Interview am Küniglberg. Meinen Leitartikel hatte ich dafür vorbereitet. Im Interview sollte mir Gerd Bacher seine Position vermitteln. Gleichzeitig hatten wir eine Titelgeschichte geplant mit dem für Bacher eher unerfreulichen Titel „Weg mit dem ORF-Monopol“. Ich dachte mir, das wäre ein diplomatischer Ansatz. Vorne Bacher. Und in der Cover-Story alles, was für das Fallen des ORF-Monopols sprach.

Leider machte mir der “Tiger” einen Strich durch die Rechnung. Das Interview hätte Montagnachmittag stattfinden sollen. Mittwoch Druck, Freitag Erscheinen. Die Sekretärin meinte, Bacher hätte dringend nach Luxemburg fliegen müssen. Das Interview wurde genau um eine Woche – auf den nächsten Montag – verschoben.
Pech gehabt. Denn da war meine Titelgeschichte „Weg mit dem ORF-Monopol“ bereits gedruckt und versandt – ohne Bacher-O-Ton.

Als ich beim ORF eintraf, begrüßte mich Gottfried Zmeck (später wurde er DF1-Boss), damals der Adlatus von Bacher. Er legte mir die Hand auf die Schulter und meinte: Er wird jetzt sehr unangenehm werden. Schlechte Optik. Das wird jetzt hart für Sie, Herr Mucha.

Leicht geduckt betrat ich das Zimmer. Wer heute Roland Weißmanns Generaldirektorenbüro betritt, sieht allüberall Akten. Bachers Zimmer war klinisch rein. Sauber. Kein einziges Stück Papier. Nur auf dem Besprechungstisch lag – aufgeschlagen – meine Titelgeschichte „Weg mit dem ORF-Monopol“.

Dann begann der klein gewachsene Bacher auf mich einzuschreien. Er schrie zweieinhalb Minuten lang. Ich fasste mir ein Herz und schrie zurück. Danach waren wir beide schweißgebadet. Zmeck und die Chefsekretärin kamen, um zu sehen, ob wir uns bereits prügelten.

Wir wiesen beide hinaus. Danach blickten wir einander an und grinsten. „Eigentlich sind Sie kein schlechter Formulierer“, lenkte Bacher ein. „Und jetzt machen wir das Interview.“ Es erschien in der nächsten Ausgabe. Beim Weggehen schaute er mich an und sagte:

„Irgendwie kommt mir Ihr Gesicht bekannt vor. Ich habe Sie schon einmal gesehen.“

Jetzt war ich am Grinsen. „Sie sind ja nicht oft zu Hause, Herr Bacher“, meinte ich. „Na ja, habe viel zu tun“, konterte er. „Na ja, dann dürfte Ihnen vielleicht nicht aufgefallen sein, dass ich einige Monate lang mit Ihrer Tochter befreundet war und diverse Male bei Ihnen im Haus ums Eck der Silbergasse zu Besuch war…”

Bacher war sprachlos. Ein seltenes Vergnügen wurde mir da zuteil.

Und bevor ich Ihnen jetzt anfange, noch weitere Geschichten zu erzählen – über Thaddäus Podgorski, mit dem ich um 14.30 Uhr einen Termin haben wollte und der am Telefon schrie: „Schauen Sie beim Fenster heraus, Herr Mucha, was sehen Sie?“ Und ich fragte: „Na ja, strahlende Sonne.“ Und er sagte: „Nein, fantastische Thermik. Ich fahre jetzt zum Segelfliegen.“ Und damit war er der einzige Generaldirektor, der um 13 Uhr den Job vergaß und einige Flugstunden der Arbeit als Generalintendant vorzog.

Deswegen mochten wir ihn alle so. Denn in der Zeit, in der er gearbeitet hat, war er einfach genial – und ein fantastischer Erfinder.

Gerhard Weis, der mir die gesamte Werbung strich, weil ich kritisch über ihn berichtete, werde ich jetzt nicht erwähnen. Gerhard Zeiler sehr wohl. Denn der erwies mir die Ehre, das allererste Interview nach seiner Bestellung zum ORF-Generaldirektor unserem ExtraDienst zu gewähren.

Es war eine schöne Zeit. Fantastisch, erste Reihe fußfrei über den ORF berichten zu dürfen. Und so sehe ich denn die Historie mit sehr viel Wehmut. Weil das auch Teil meines Lebens ist.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 20.11.2025

Liebe Leser

Song Contest – endlich Mitbestimmung. Das tut gut.
Da werden Sie mir wohl zustimmen: Nichts nervt mehr, als wenn Dinge über Ihren Kopf hinweg entschieden werden. Sei es, wenn die Regierung mit hirnrissigen Gesetzesvorschlägen daherkommt. Sei es, wenn der Ehepartner genau dann die Soap sehen will, während das alles entscheidende Fußballmatch läuft. Sei es, wenn Ihr Supermarkt Ihr Lieblingsprodukt aus seinen Regalen verbannt.

Im Großen wie im Kleinen, wir alle wollen mitbestimmen.

Emotional werden wir dort, wo es um die Musikauswahl geht. Vor allem dann, wenn es unser eigenes Wohnzimmer betrifft. Und von jenem Sender kommt, mit dem wir aufgewachsen sind: vom ORF. Der natürlich Teil unserer Familie ist.

Die Entscheidung der Verantwortlichen des ORF, nach zehn Jahren endlich das Publikum mitentscheiden zu lassen, wer beim Song Contest antritt, hat deshalb viel Freude in unserer Redaktion ausgelöst.

Wiewohl die Fachexperten in den letzten Jahren ein gutes Händchen bewiesen haben – ob mit Conchita Wurst oder JJ – und uns zweimal Siege beschert haben. Dem kleinen Österreich.

Eine direkte Wahl durch das TV-Publikum, die nun eine Stimme bei der Vorentscheidung erhalten, ist die bessere Wahl. Und natürlich populärer.

Zumindest fürs Gefühl. Darauf kann man sich verlassen.

Was jedoch die Teilnahme Israels beim Eurovision Song Contest angeht, meine ich, dass es gut ist, wenn die aufgeheizte Volksmeinung da nicht mitredet. Solche Entscheidungen sollte man Profis überlassen. Zum Glück hat der ORF so einen als General: Der aufopfernde Einsatz von Roland Weißmann für den Verbleib des unter internationaler Wut-Kritik stehenden Landes Israel ist beispielhaft.

Anfang November – da hatte er gerade eine schwere Grippe überstanden und zusätzlich eine gefährliche Bindehautentzündung ausgefasst – flog er tapfer nach Israel und traf Staatspräsident Yitzhak Herzog in Jerusalem.

Seine Mission – demnächst erfahren wir, ob sie von Erfolg gekrönt war – hat erste Früchte gebracht.

Auch wenn die Generalversammlung der European Broadcasting Union am 4. und 5. Dezember bei ihrer Sitzung hinter verschlossenen Türen zu einem anderen Entscheid kommen sollte – mit seinem Besuch und seinem Statement hat Weißmann ein Zeichen gesetzt.

Ein Musikwettbewerb ist ein Musikwettbewerb. Keine Bühne für nationalistischen Hass, Antisemitismus oder Israel-Bashing.

Zurück zum Vorentscheid über den Austro-Act beim Song Contest 2026. Mehr als 500 Bewerbungen trudelten beim ORF ein. Ende November treten die 30 stärksten zu internen Live-Castings an. Daraus werden dann die zwölf Final-Acts für die TV-Show gekürt. Und da kann das Publikum – neben der Fachjury – dann mitbestimmen, wer uns in Wien vertritt.

Schön zu wissen, dass es auch Dinge in diesem Land gibt, die sich zum Besseren wenden. In Zeiten wie diesen

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 18.11.2025

Liebe Leser

Nach dem – zwar absehbaren, aber dann doch abrupt erfolgten – Abgang von Austro-Mastermind Markus Breitenecker aus der Geschäftsführung der ProSiebenSat.1 Media SE in München hat man in Österreich offenkundig die Ärmel aufgekrempelt. Denn trotz einer Versicherungsgarantie (hier nachlesen), dass das Austro-Geschäft und die Austro-Tochter und ihre Mitarbeiter nicht um ihre Jobs und vor allem auch nicht um ihre Eigenständigkeit fürchten müssten, will man Dinge vorzeigen.

Man hat in Wien ein ganzes Bündel von neuen Sendungen in den letzten Wochen erarbeitet, die schon demnächst starten. Unbestritten ist, dass es harte Zeiten mit Sparmaßnahmen im Konzern geben wird. Und davon wird auch die – vergleichsweise kleine – Österreich-Tochter nicht verschont bleiben.

Nun liegen die Karten auf dem Tisch. Welche neuen Sendungsformate auf PULS 4, ATV, JOYN demnächst anlaufen werden, lesen Sie hier.

Darunter findet sich auch ein Public-Value-Format, das die Themen Medienkompetenz, Desinformation und digitale Selbstbestimmung behandeln soll und senderübergreifend ausgestrahlt wird. Durchaus passend auch der Titel „Breaking Media“ – ob darin wohl eine kleine Spitze enthalten ist, dass die gebeutelte und vom Auseinanderbrechen bedrohte Medienbranche viel Berichterstattungsraum für Rückgänge, Entlassungen, Einsparungen im nächsten Jahr brauchen wird …

Eines jedenfalls kann man den ProSieben-Puls-4-Sat.1-Machern und ihrem Austro-Team attestieren: Sie sind engagiert und fleißig bemüht, zu zeigen, dass sie etwas draufhaben.

Und das dürfte auch 300 Kunden und Partnern, denen morgen, Mittwoch, der Launch der neuen Formate präsentiert wird, nicht entgehen.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 13.11.2025

Liebe Leser

It’s time to run.

Was hilft es, an verschlossene Türen zu klopfen?

Bei 100 Newslettern im Jahr darf man – bitte vergeben Sie mir das – auch einmal über die eigenen Motive reflektieren.

Zu Allerheiligen gab es einen wunderbaren Artikel in der Kronen Zeitung, der mich sehr berührt hat. Dort wurden Sterbebegleiter interviewt, die Menschen in den letzten Tagen ihres Lebens gefragt haben, was sie bereuen. Und wie ein roter Faden zog es sich durch deren Aussagen: Ach, hätte ich mich nur in den letzten Jahren, die Gott mir geschenkt hat, mehr um meine Frau, meine Familie, meine Hobbys, meine Leidenschaften, das Reisen gekümmert – und nicht so viel Zeit mit der Arbeit vergeudet.

Als ich das mit meinen 71 Lenzen gelesen habe, hat es mich schon einigermaßen gebeutelt. Da liegt man dann länger wach – und fragt sich: Warum kann ich nicht um die Burg loslassen? Dabei läuft es im Moment weit besser, als ich das angenommen hatte.

Freilich nicht für die Medien- und Werbebranche. Wer sich als Branchenkenner bei den maßgeblichen Entscheidungsträgern umhört, erfährt täglich erschütternde Fakten: massive Auftragsrückgänge in allen Werbegattungen, ein überbordendes Abfließen der Spendings zu den digitalen Giganten.

Vor allem in die USA. Jüngst durfte ich darüber hier berichten. So stellt sich denn die Entscheidung, unser Print-Engagement im heurigen Frühjahr zu beenden, als goldrichtig dar.

Bei Kenny Rogers gibt es einen wunderbaren Songtext zum Thema, wie man sich als Pokerspieler richtig verhält. Er lautet: You have to know when to walk away. Know when to run.

Wer am Tisch sitzen bleibt, wenn die eigene Glückssträhne zur Neige geht, der ist selber schuld. Diese Kurve haben wir gerade noch rechtzeitig gekratzt. Mein Mitgefühl gilt all jenen, die Print weiterhin – allen Auguren zum Trotz – mit verbissener Verzweiflung betreiben.

Online-mäßig läuft es freilich (noch) gut bei uns.

Jetzt rechnet sich meine Grundeinstellung: dass ich schon zu alt bin, um mich einzubremsen, wenn es um das Schreiben der Wahrheit geht.

Das beweisen die vielen Kommentare auf meine Beiträge. Es gab wieder immens viel Reaktionen darauf, als ich geschrieben habe, dass die heimischen Werbespendings digital nach Amerika abfließen – und dass man doch österreichische Unternehmen stützen, bevorzugen und werblich auch künftig beauftragen sollte.

Michael Platzer von der Zugkraft gab mir jüngst ein Privatisimum über die heimische Digital-Out-of-Home-Landschaft.

Die Gewista, international besser bekannt als JCDecaux, steht im französischen Eigentum.
Epamedia gehört einem slowakischen Eigentümerkonsortium.
Goldbach Austria wurde 2025 vollständig von der niederländischen Azerion Group N.V. übernommen und firmiert seither als Azerion Austria GmbH.

An dieser Stelle sei bemerkt, dass sich die Zugkraft – ebenso wie eine Reihe anderer DOOH-Unternehmen – in österreichischem Eigentum befindet.

So wie übrigens auch die Screenfleet GmbH.
Das ist ein Unternehmen meiner Frau Ekaterina Mucha und von Dominik Unger. Ich persönlich bin dort nur mehr beratend tätig.

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Mein jüngstes Editorial vom vergangenen Dienstag ist ein weiteres Beispiel dafür, warum unsere Leser nach Wahrheit dürsten. Das Mailpostfach quillt förmlich über. Von Kommentaren, dass endlich einmal jemand darüber schreibt, wie der Niki Lauda in Wahrheit getickt hat.

Einer der hochdekoriertesten Manager im Luftfahrtgeschäft bringt es auf den Punkt. Er schreibt: „Da könnte ich noch einiges ergänzen zur Behandlung der Stewardessen bei der Lauda Air.“ Vom Konkurs der ersten Firma über den Verkauf der Lauda Air um zwei Milliarden Schilling an die Austrian Airlines. Der Niki hat es sich immer gerichtet.

Aber, so resümiert er, an einem “Heiligtum” hat sich seinerzeit keiner getraut zu rütteln. Und genau diese Zustimmung – die positiven Reaktionen von Ihrer Seite zeigen, dass es mir ein großes persönliches Anliegen ist, wahrhaftig zu sein.

Aus Furcht vor Budgetverlust Dinge unter den Tisch zu kehren – so wie so viele in diesem Land – kam für mich nie in Frage.

Dann macht es Spaß, täglich der Erste im Büro zu sein. Und als Letzter heimzugehen.

Schön, dass Ekaterina gleich denkt wie ich.

Bitte bleiben Sie mir gewogen.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 11.11.2025

Liebe Leser
In diesen Tagen sind gewaltige Diskussionen rund um das Erbe und den Erbrechtsstreit von Niki Laudas Witwe, Birgit Sieberer-Lauda, aufgepoppt.

Im Zuge eines dazu erschienenen Facebook-Postings haben wir eine Reihe höchst interessanter Kommentare erhalten – solche, die sich auf die damalige Geschäftsgebarung von Niki Lauda bezogen.

Die alten Römer hatten einen Spruch: De mortuis nil nisi bonum.
Will heißen: Über die Toten soll man nur Gutes sagen.

Aber irgendwo gibt es da eine Grenze.
Und irgendwo hatten alle seinerzeit Angst vor dem weltberühmten Niki Lauda – dieser Legende, die einst sogar gegenüber dem Bundeskanzler forderte, Austrian Airlines möge seiner Lauda Air die Binnenflugrechte übergeben.

Wir wissen das. Denn wir waren dabei. Und wurden vom damaligen AUA-Vorstandsdirektor DDr. Anton Heschgl eingeladen, diese Forderung mit aller Kraft zu bekämpfen.

Was meine FB-Freundin Vanessa Landmann über ihre Tätigkeit bei der Fly Niki erzählt, ist jedenfalls eine eigene Story wert.
Denn in dieser Dichte und Ehrlichkeit hat bisher noch niemand ausgepackt.

Lesen Sie hier das Interview mit ihr: Wie es mir bei Fly Niki erging.
Und machen Sie sich selbst Ihr Bild.

Niki – ruhe in Frieden.
Er war nicht nur sparsam.
Er war, was seine Mitarbeiter, deren Ausnutzung und „Behandlung“ betraf, auch durchaus „außergewöhnlich“.

Wie außergewöhnlich – entscheiden Sie bitte nach dem Lesen dieses Interviews, wünscht sich

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 6.11.2025

Liebe Leser

Ich glaube, das Geheimnis von gutem Journalismus ist, dass man Wissen über die Branche kompakt, knapp formuliert und gefüllt mit gut recherchiertem Inhalt distribuiert. Wer das bringt, der hat die Leser.

Sohin darf ich mir erlauben, über die wichtigsten Eckpfeiler zum Thema, warum es unserer Werbe- und Medienbranche so schlecht geht, zu reflektieren.

Die meisten von Ihnen – als bestinformierte Insider – werden vieles von dem, was ich jetzt schreibe, natürlich bestens wissen. Einiges freilich mag Sie überraschen. So wie auch mich – nach der entsprechenden detaillierten Recherche.

Das Hauptproblem unserer Branche liegt darin, dass die digitale Werbeindustrie mit immensem Wachstum in den letzten Jahren den Löwenanteil der Gesamtumsätze im Werbegeschäft an sich gezogen hat. 2024 betrug der Gesamtumsatz der großen Tech-Unternehmen wie Alphabet Inc. (Google), Meta Platforms und Amazon Inc. – und wie die alle heißen – den gewaltigen Betrag von 1,04 Billionen US-Dollar. Man bezeichnet eine Billion US-Dollar auch als Trillion. Damit Sie sich diese Zahl besser vorstellen können: Das ist eine Eins mit zwölf Nullen. Oder eine Million Millionen.

Das Wachstum dieses Marktes liegt bei jährlich über 20 Prozent. Der Gesamtwerbeumsatz in Österreich, basierend auf Fokus-Zahlen, sollte sich irgendwo bei 8 Milliarden Euro bewegen. Was natürlich niemals den realen Spendings der Branche entspricht, weil bei den Zählwerken etwa eine Tageszeitungsanzeige mit dem Listenpreis erhoben wird.

Und wie wir alle wissen, erhält keine Tageszeitung mehr den Listenpreis für ihre Anzeigen. Demzufolge dürften die Werbespendings in Wahrheit bei rund 5 Milliarden Euro im Jahr liegen. Jetzt zur mörderischen Zahl dabei: Bereits 2,7 Milliarden davon fließen an die digitalen Hightech-Unternehmen ab. Tendenz steigend.

Das heißt, dass die Medienagenturen den größten Anteil des Werbegeldes aus Österreich hinausschieben. Und die heimischen Unternehmen, ob Online-Plattformen und heimische Tech-Konzerne, ob TV-Sender und Streaming-Anbieter oder auch Out-of-Home-Werber, Printwerber, Radio- und Audio-Plattformen sowie diverse andere Werbekanäle, bereits weniger als die Hälfte der heimischen Werbeerlöse für sich verbuchen können.

Nun habe ich größtes Verständnis dafür, dass das Werbegeld natürlich dorthin fließt, wo die Menschen Aufmerksamkeit verbringen. Und das ist heute vor allem digital. Digitale Werbung auf den Handys, den Computern, den Laptops und den Tablets ist führend.

Auch, weil die Werbung dort gezielt messbar, personalisierbar und skalierbar ist. Jeder von uns weiß das: Wenn Sie heute einen Dünger im Internet suchen, dann haben Sie die nächsten drei Wochen Rasenmäherwerbung, Gartenscheren und Gärtnerhandschuhe, die plötzlich neben Ihren aufgerufenen Seiten aufpoppen.

Vance Packard (1914 – 1996), ein US-amerikanischer Sozialkritiker und Journalist, hatte mit seinen geheimen Verführern recht. Und der berühmte Österreicher und Pionier Ernest Dichter, der den amerikanischen Konzernen als Vater der Motivforschung beigebracht hat, wie man die manipuliert, grinst heute im Grab – wenn er sieht, wie seine Gedanken aus den 50er-Jahren heute instrumentalisiert und perfekt umgesetzt werden.

Nun fragen sich die heimischen Medienvertreter seit Wochen – eigentlich fragen sie ja nicht, sondern schimpfen wie die Rohrspatzen auf Medienminister Babler, die Bundesregierung und die Ministerien –, warum einerseits die Werbespendings der öffentlichen Hand so massiv reduziert wurden – und andererseits werden immer mehr Stimmen laut, dass man diese Tech-Giganten mit ihren 2,7 Milliarden Spendings ja eigentlich nur mit 40 Prozent besteuern müsste. Das Geld fließt dann an die heimischen Medienunternehmen zurück. Und die sind – mit einem Federstrich – für alle Zeiten saniert.

Von wegen.

Denn dazu muss man wissen, dass die digitalen Tech-Unternehmen in der EU bereits mehr Lobbyisten unterwegs haben, als es Abgeordnete im Europäischen Parlament gibt. 890 sind es mittlerweile, laut EU Perspectives. 437 Lobbyisten verfügen über Zugangsausweise. Und diese Herrschaften machen nichts anderes, als sich ununterbrochen dafür stark zu machen – unterstützt von gigantischen Budgets –, dass die EU nur ja keine Regulative, was die Stoppung der künstlichen Intelligenz betrifft, einsetzt, um deren Geschäftsmodell nicht zu gefährden.

Zu allem Überfluss erließ im Februar die Trump-Regierung eine Executive Order. Sie drohte ausländischen Regierungen mit Strafzöllen, falls diese die US-Tech-Konzerne mit Steuern oder Bußgeldern belegen.

Womit alles klar wäre: Babler und seine Mitstreiter können hundertmal den Mund weit aufreißen und Regulative fordern – wenn Trump, seine Administration und seine Finanzmacht mit der Faust auf Österreich draufhauen, weil wir die Tech-Giganten mit einer Steuer belegen, um die eigenen Medien zu sichern, dann sind wir beim lieben Augustin: Alles ist hin.

Soweit ein kurzer Exkurs zu den wahren Hintergründen des heimischen Mediendesasters. Es ist halt ein Spiel, wo es – wie überall – um nichts anderes als um die Kohle geht. Und um die Macht. Und gegen beides gemeinsam haben auch die größten österreichischen Medienhäuser nicht die geringste Chance

resümiert trocken

Ihr

Christian W. Mucha

P. S. Ein besonders übles Spiel spielen bei diesem internationalen Krieg um die Werbespendings und die Medienmacht die Mediaagenturen. Wie die international ticken und wie sie sich bei diesem üblen internationalen Spiel auf dem Rücken der verzweifelten heimischen Medienunternehmer monetär austoben, lesen Sie demnächst. Und zwar nur hier

verspricht der Obige.


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 4.11.2025

Liebe Leser

An dieser Stelle darf ich Ihnen ein großes Geheimnis verraten: Mit herausragenden, hochintelligenten, nachhaltig gebildeten Menschen Interviews zu führen, gehört zu den schwierigsten Übungen überhaupt.

Jemand, der einfach gestrickt ist, seine Statements mit Alltagsplätzen garniert und in kurzen Sätzen spricht, macht es dem Schreiberling leicht, das Gesagte zu Papier zu bringen.

Schwierig wird es dann, wenn man auf eine der drei folgenden Spezies trifft.

„Der ohne Punkt und ohne Komma unbremsbare Redner“. Typisches Beispiel: Wolfgang Fellner. Der Mann hat etwas zu sagen. Keine Frage. Weil sein Erfolg darauf basiert, dass er sein Gegenüber von seinem Standpunkt um jeden Preis überzeugen will (muss), wiederholt er die Inhalte in vier verschiedenen Formulierungen und ist dabei das, womit wir mit Conchita den Song Contest gewonnen haben: Unstoppable.

„Der Fremdwörter-Schleuderer“. Sie oder er sind wahrhaftige Experten auf ihrem Feld. Wenn sie über Trifettsäureglycerinesterhochmolekularer Fettsäuren sprechen oder die Divergenz der nonkonformistischen Relevanz ausloben, dann weißt du: Bei diesem Text wirst du deine Leser verlieren. Und wenn du die Passagen so schreiben willst, dass sie lesbar werden, dann wirst du dir mit dem Eindeutschen und Verständlichmachen unendlich schwer tun.

„Die Thomas-Mann-Kopie“. Ich gebe es ehrlich zu: Ich habe mir bei den Buddenbrooks nicht unbedingt leicht getan. Wohl formuliert Mann natürlich fantastisch. Aber Sätze, die über sechs Zeilen gehen, fordern dich als Leser gewaltig. Leider gibt es auch bei Interviews Gesprächspartner, die sechszeilige Sätze – darin inkludiert 14 Nebensätze, fünfmal eine Klammer und neun Gedankenstriche – integrieren. Sie sind der Albtraum jedes Interviewers.

Diese drei Kategorien sind schwierig genug. Die schlimmste freilich sind die Nichtssager. Gott sei Dank interviewe ich nur ganz selten Politiker. Denn die sind die wahrhaftigen Meister darin. Sie haben ihr Leben auf den wunderbaren Talleyrand-Spruch – Ich lüge nie, aber niemand kann mich zwingen, die Wahrheit zu sagen – aufgebaut, stehlen dir mindestens eine Stunde deiner Zeit, und am Schluss des Ganzen kommst du darauf: Der hat ja überhaupt nichts von Wert, Inhalt und Substanz gesagt. Siehe Bla-Bla-Babler.

Walter Zinggl, IP-Urgestein und ein brillanter Branchenexperte, hat seine eigene Wolke, auf der er lebt. Mit seinem intellektuellen Status und seinen – durchaus fabelhaften, spannenden und erkenntnisreichen – Formulierungen tue ich mir deshalb schwer, weil ich weiß, dass das für rund 75 % unserer Leser zu hoch ist. Und ehrlicherweise auch für mich.

Danke also an Keywan Rezaei aus unserer Chefredaktion, dass er Zinggls Interview dank seiner journalistischen Erfahrung in einem Wordrap umgemünzt hat und es jetzt so daherkommt, dass Sie (und ich) das auch verstehen.

Zinggl hat freilich einen Satz gesagt, den sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und solch einen Satz habe ich noch niemals vom Vorstand eines Medienunternehmens über den Vorstand eines anderen Medienunternehmens gehört. Und immerhin mache ich das schon seit 49 Jahren. Zinggl wörtlich: Man sollte bei Vereinbarungen (mit Markus Breitenecker) darauf achten, dass man sie schriftlich festhält.

Die Schlussfolgerung dieser Äußerung haben schon einige in der Branche am eigenen Leib verspürt. Und ich hüte mich, sie an dieser Stelle auszuformulieren. Weil ja eh jeder von Ihnen verstanden hat, was Zinggl damit meint. Und dazu braucht man keinen IQ von 170,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 30.10.2025

Liebe Leser

Das Match, das ORF-Sportchef Hannes Aigelsreiter und Moderatoren-Urgestein Rainer Pariasek, der sich jüngst massiv mit Entmachtung konfrontiert sah, lieferten, war – um es im Krankl-Jargon zu sagen – legendääär.

Und zu allem Überdruss hatte sich Aigelsreiter auch mit ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz angelegt, was ja vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen wäre. Mit dem jüngsten Affront freilich hat er sich wohl auch gegenüber Generaldirektor Roland Weißmann sein „Gnack“ gebrochen.

Doch jetzt hat das Zittern ein Ende. Das Zittern, dass wir unseren heißgeliebten Pariasek – mit all seinen Versprechern, Hoppalas und seinen sympathischen Attitüden – verlieren würden, ist vorbei.

Und Rainer „Wahnsinn“ wird hoffentlich doch (noch?) nicht dasselbe Schicksal wie Wettermoderatorin Christa Kummer, Robert Kratky oder Elke Rock teilen. Es wäre auch fatal gewesen, künftig auf Pariaseks Pidgin-Englisch verzichten zu müssen. Und wenn uns künftig erspart bleiben würde, während die 27. platzierteste Skirennläuferin (natürlich eine Österreicherin) gerade von ihm interviewt wird, dass im rechten Teil des Bildschirms klein und kaum sichtbar eine neue Bestzeit aufleuchtet und die Regie verzweifelt versucht, Pariasek zu unterbrechen. Und aufzuhalten. Und das wahrhaftig Wichtige ins Bild zu bringen. Aber am Rainer kommt man bekanntlich nicht vorbei. Kainer.

Lieber Rainer, wenn du das liest: Ich bin dein Fan. Ohne irgendwelche Vorbehalte. Deine kleinen Eigenheiten sind genau das, was dich so sympathisch macht. Keiner von uns will einen perfekten Sportmoderator.

Und ja, wir amüsieren uns darüber, wenn deine Kollegen aus der ORF-Sportriege Sätze wie „Die Rennläuferin NN fährt sich vorne hinein“ oder „Da sind wir jetzt bei den Damen vorne drin, die unter den Top Ten gelandet sind“ absondern. Ein Schelm, der dabei Schlechtes denken würde. Nein, ich erfinde diese Sager nicht. Ich kann sie vorspielen. Nur manchmal sollte man halt bei seiner Formulierung ein wenig Vorsicht walten lassen.

Was war also zwischen Aigelsreiter und Pariasek, zwischen Groiss-Horowitz und Weißmann vorgefallen? In einem durchaus bemerkenswerten Interview mit der Tiroler Tageszeitung gab Aigelsreiter vor wenigen Tagen zum Besten, dass er künftig auch Junge zu Wort kommen lassen wolle. Gleichzeitig kündigte er vollmundig an, darüber nachzudenken, sich um den Posten des ORF-Generaldirektors zu bewerben. Was im nächsten Sommer entschieden wird.

Aigelsreiter hatte sich wohl damit ausgerechnet, seine Karten zu verbessern. Eine krasse Fehlentscheidung. Denn – wie ORF-GD Roland Weißmann am ExtraDienst-Telefon trocken bemerkte – hat er damit seinen Vertrag „glatt gebrochen“. Denn Interviews – auch aus der Führungsriege – müssen ausnahmslos über das Büro von Kommunikations-Zampano Martin Biedermann gehen. Darum hatte sich Aigelsreiter null geschert.

Von dem tönte es dem Vernehmen nach, er habe mündlich ein Go erhalten, dieses Interview geben zu dürfen. Wird schwer zu beweisen sein.

Warum bewirbt man sich nun um den ORF-Generaldirektoren-Posten, wenn man keine Chancen hat? Nun, aus strategischen Gründen, siehe Aigelsreiter, wäre es schon eine Option. Er selbst (und das hört man aus seinem Umfeld, mit ExtraDienst hat er natürlich nicht gesprochen – Zwinker – und verweist auf Martin Biedermann) lautet das Argument, dass jeder aus der Führungsriege, der den ORF schätzt, liebt und etwas weiterbringen wolle, wenn er sich das nur zutraut, sich durchaus einer derartigen Herausforderung stellen sollte.

Nun gibt es, wie kluge Menschen wissen, bei Prüfungen immer dieselbe Gruppe von Menschen, die garantiert durchfallen. Das sind jene, die gar nicht erst antreten. Und wenn man sich als Bundespräsident bewirbt, nicht die Unterstützung der Parteien hat und dann dennoch ein achtbares Ergebnis zustandebringt, dann ist das allemal für die eigene Vita durchaus positiv. Und trägt natürlich auch zum eigenen Standing und zur Bekanntheit bei. Siehe Richard Lugner.

Mittlerweile bereiten sich alle auf die Olympiade im Februar in Italien vor. Unter der neuen interimistischen Sportleitung von Veronika Dragon-Berger und Martin Szerencsi. Beide waren bisher Stellvertreter Aigelsreiters.

Viele Locations, kleine Teams. Und ja, eines steht fest – trotz des Matches: Pariasek wird wieder zum Einsatz kommen, wie ExtraDienst erfuhr. Es sei, so tönt man dort, kein Automatismus, dass Pariasek immer die Top-Geschichten mache, und die anderen, die nachrückten, brauchten auch Luft zum Atmen.

Kleine Teams, die in Mailand und Cortina aufmarschieren, sollen Großes leisten. Pariasek – Hurra! – soll aus Cortina berichten, und Alina Zellhofer wird in Borneo zum Zug kommen. Da tröstet es dann, wenn der alte Haudegen in Kitzbühel vielleicht einmal nicht das große Wort führen darf.

Aigelsreiter wurde schon von Bord gedrängt. Dass er einen bereits mehrfach angebotenen Golden Handshake akzeptiert, steht eher nicht zu erwarten. Derartige Auseinandersetzungen enden meist vor Gericht. Und das dauert. Aigelsreiter selbst hat bereits in der Tiroler Tageszeitung angekündigt, dass er gegen seine Absetzung rechtlich vorgehen wird.

Interessant ist auch, was die Verantwortlichen im ORF-Sport über Joyn denken. Das sei, so tönt es von dort, „nicht das Gelbe vom Ei“. Und wenn der ORF die Möglichkeit bekomme, wolle man sich davon schnellstmöglich verabschieden. Durch die Eigentumsänderungen bei der ProSiebenSat.1-Puls4-Gruppe ergeben sich dafür gute Möglichkeiten.

Aus dem Vertrag herauszukommen, den man sich seinerzeit – durch politische Machtstrukturen (in der Kurz-Ära war das oberste Dogma Kooperation der Sender in Österreich untereinander) – aufs Auge drücken lassen musste.

Natürlich macht es nicht besonders viel Spaß, wenn der ORF die Rechte für ein teures Fußballspiel oder für Skiübertragungen kauft und dafür ein Vermögen berappt, wenn Joyn das Ganze einigermaßen dreist vollmundig so darstellt, als wäre es der eigene Content. Da steigen den Verantwortlichen natürlich die Grausbirnen auf.

Da sollen auch bei ServusTV, wie man hört, furzgefüllte Luftballons durch die Gegend fliegen. Auch dort sucht man nach Hebeln, aus Joyn herauszukommen. Das vorhergehende Management habe das verpfuscht. Die neuen wollen es jetzt reparieren. Vertraglich gebe es da ganz gute Möglichkeiten, sich zu verabschieden.

Spannend, was da bei den Austro-Sendern gerade abgeht.

Kommenden Dienstag folgt dann die Abrechnung von IP-Urgestein Walter Zinggl. Der war schon immer ein brillanter Formulierer und exzellenter Kenner der Szene. Er nimmt sich im Interview mit mir kein Blatt vor den Mund. Das sollten Sie keinesfalls versäumen.

Doch für heute können wir Entwarnung geben. Der Pariasek muss Gott sei Dank seine Stöckelschuhe noch nicht ausziehen – wie Christa Kummer vor ihm.

Aber auch sein Tag des letzten TV-Auftritts rückt näher. Ein menschliches – und ganz speziell österreichisches – Schicksal. Besonders beim ORF

meint

Ihr

Christian W. Mucha

 

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