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Christian W. Mucha's Newsletter vom 14.4.2026

14.04.2026 15:34
Redaktion
© KI-Bild / MGM
Der Newsletter von Christian W. Mucha

Liebe Leser

Haben Sie unseren jüngsten Newsletter erhalten? Sie finden ihn hier. Und wenn Sie ihn gelesen haben – meinen Sie nicht, dass Sie da etwas versäumen?

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Christian W. Mucha’s Newsletter vom 14.4.2026

Liebe Leser,

aus Aktualitätsgründen erscheint unser Newsletter diese Woche nicht wie gewohnt am Donnerstag, sondern bereits am Dienstag.

Achtung: Jedwede Wiedergabe, ganze oder teilweise Übernahme dieses Newsletters ist urheberrechtlich an die Zustimmung der MG MedienGruppe und/oder von Christian W. Mucha gebunden. Mail-Anfragen bitte an . Jedwede unautorisierte Wiedergabe dieser Inhalte, auch bei Übernahme von allfälligen Dritten ohne die Beifügung „Wie Christian W. Mucha in seinem Newsletter berichtet“, wird urheberrechtlich von der MG MedienGruppe bekämpft. Vielen Dank für Ihr diesbezügliches Verständnis, was Autoren- und Urheberrechte dieser Beiträge betrifft. Denn nur so sehen wir die Möglichkeit, diese exklusiven Inhalte vor dem in der Branche leider nur allzu oft grassierenden Inhaltsdiebstahl zu schützen.

 

Gefangen in der Zwickmühle

Die Beurlaubung von ORF-Enterprise-Chef Oliver Böhm kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Diese Entscheidung könnte fatale Folgen haben.

Die drei Frauen in leitenden Positionen an der ORF-Spitze, die neue Generaldirektorin Ingrid Thurnher, die kaufmännische Direktorin Eva Schindlauer und die Programmchefin Stefanie Groiss-Horowitz, hatten einfach keine andere Wahl.

Sie stecken – angesichts der ruchbar gewordenen und ExtraDienst im Detail bekannten Vorwürfe gegen Oliver Böhm – in einer entsetzlichen Zwickmühle, aus der es kein Entkommen gibt.

Da bleibt gar nichts anderes übrig, als zu handeln.

Die Vorwürfe gegen Oliver Böhm gehen diesmal – zumindest ist das der Stand unserer Informationen – einmal nicht in Richtung sexueller Übergriffe. Und das ist ja schon etwas.

Grob gesprochen umfassen sie drei Themenbereiche.

Zum einen beschäftigt sich die Compliance-Untersuchung, wie man hört, mit Abrechnungen, Spesen und Tickets.

Das kennen wir von der Spanischen Hofreitschule. Der dortige Chef wurde angepatzt, entfernt, und am Schluss platzten die Vorwürfe ohne konkrete Substanz.

Dazu kommt ein Thema, über das sich nur schwer schreiben lässt. Will man nicht eine Klage riskieren. In der Kronen Zeitung bezeichnet man den zweiten Bereich als „schwerwiegend“ und umschreibt ihn damit, dass jemand in solch einer verantwortungsvollen Position einen „klaren Kopf“ behalten muss.

Womit man den verliert, kann sich jeder ausmalen.

Und der dritte Bereich ist detto nur schwer zu konkretisieren.

Wiewohl ich über Hintergrund, Name und Details des Vorgefallenen Bescheid weiß, lässt die Rechtssituation es nicht zu, mehr als nur Andeutungen zu machen.

Konkret geht es um eine Erkrankung einer Mitarbeiterin in Böhms Wirkungsfeld. Die sich schon seit Längerem von einer Läsion erholt. Von welcher Art die ist, darf ich hier nicht ausführen.

Freilich konnte ich in Erfahrung bringen, dass es sich dabei um eine hochqualifizierte Expertin handelt, die für aktuelle, termingebundene Akquisitionen eingesetzt werden sollte…

Zu diesen drei Vorwürfen schrieb Böhm mir am Abend des 13. Aprils: „Mir wurde bis dato nicht eine einzige Information gegeben, was mir vorgeworfen wird“.

Womit ich seine PN wörtlich wiedergebe.

Weitere Details und Informationen kann ich Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, erst geben, wenn ich von den Betroffenen autorisiert bin, darüber zu berichten.

Auch von Seiten des ORF gibt es diesbezüglich – da sind wir wieder im Bereich des Höchstpersönlichen – kein Statement.

Was ist nun das Bemerkenswerte an diesem neuerlichen ORF-Skandal?

Ich meine: Das Entscheidende daran sind nicht die Vorwürfe, sondern das Timing und die Härte der Maßnahmen.

Das Muster, nach dem im ORF erneut vorgegangen wird, lässt sich leicht durchschauen. Ähnlich wie bei Roland Weißmann gibt es keinen klar definierten Rechtsverstoß, keine konkreten Vorwürfe – und trotzdem Konsequenzen.

Und – schon wieder lautet die Methode „Aus-dem-Spiel-Nehmen“.

Womit man schlussfolgern könnte: Dabei handelt es sich um kein klassisches Compliance-Verhalten, sondern um ein präventives Machtinstrument.

Dazu kommt, dass die Hebelwirkung extrem groß ist. Denn hier geht es nicht um irgendeinen Manager, sondern um den Einnahmenmotor und die Schnittstelle zum Markt, zur Werbung und zur Wirtschaft. Wer einen Böhm mit dessen Qualität entfernt, destabilisiert einen zentralen Pfeiler des Unternehmens.

Das Muster ist somit klar erkennbar: In der ersten Phase gibt es ein Machtvakuum. Dann einen Rücktritt (Weißmann) bzw. Beurlaubung (Böhm). Die Interimslösung ist nur schwach abgesichert, der Stiftungsrat nervös, die Politik gerät in Bewegung – und das System steht ohne stabile Spitze da.

Der Fall Böhm ist damit ein Lehrbuchbeispiel, wie Litigation-Management nicht funktionieren sollte.

Wir lernen daraus, dass der Fall Weißmann kein Einzelfall war. Wer sehen kann, der erkennt, dass es sich hier um einen Mechanismus handelt.

Auch der jüngste Fall erfüllt drei Funktionen:

Erstens: Ein Signal nach innen. Das, so traurig es klingt, konsequenterweise interpretiert werden kann mit: „Niemand ist sicher.“

Zweitens: Die Vorbereitung weiterer Personalentscheidungen – potenzielle Player werden geschwächt.

Drittens, die Rechtfertigung für einen Neustart: „Wir müssen alles neu aufstellen.“

Sohin wird hier aktiv aufgeräumt.

Man könnte diese Struktur auch anders erläutern: Auf anonymisierte Vorwürfe greift die Compliance als Vehikel zurück, womit eine gezielte Schwächung von Personen einhergeht. Das ist kein Chaos, sondern ein Muster. Auch wenn es nach chaotisch aussieht.

Trägt das die Handschrift des neuen Beraters des ORF?

In der Branche kursiert offen, dass die Generaldirektorin den obersten Chef im kommunikativen Bereich Martin Biedermann zwar in seinen Ämtern belassen hat, die Strategie wohl aber vom externen Berater Alfred Autischer gesteuert wird.

Die Konsequenz dessen, was da mit Böhm passiert, könnte fatale Folgen für den Österreichischen Rundfunk und die 224 Millionen, die Böhm verantwortet, haben. Denn sein Abgang kommt zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt. Demnächst stehen zwei immens werbewirksame Events vor der Tür – der Eurovision Song Contest und die Fußball-Weltmeisterschaft.

Dabei casht der ORF fett ab. Die Verunsicherung, die bei Kunden, Agenturen und Media-Agenturen jetzt aufbrechen mag, könnte erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Lassen Sie mich zuletzt noch einige Worte zu Oliver Böhm, den ich persönlich seit vielen Jahren kenne und schätze, sagen:

Ich halte ihn für einen hervorragenden Experten. Für fleißig. Für hochqualifiziert. Er führt eine Vielzahl von Jahresvereinbarungen, bei denen es um immens viel Geld für den ORF geht. Er kennt alle geheimen Übereinkünfte mit den Top-Kunden.

Die (geheimen) Konditionen (bekommt die Spar dieselben Rabatte wie Billa? Erhält A1 mehr Werbefläche für’s selbe Geld wie Drei?) sind im heikelsten Bereich angesiedelt , den man sich als Unternehmer nur vorstellen kann.

Und – Böhm – aber darauf möchte ich nicht näher eingehen – meistert ein persönlich äußerst schwieriges Schicksal.

Daran – neben dieser privaten Herkulesaufgabe seine beruflichen Tätigkeit zu bewältigen – würde ich persönlich wohl komplett scheitern. Dafür habe ich ihn immer sehr bewundert.

Bedauerlicherweise verfüge ich bereits jetzt über weitere Informationen, dass das wohl noch nicht das Ende der Skandalflut ist, die den ORF tsunamimäßig überschwemmt. Und – es mehren sich Stimmen der Kritik an der Führungsspitze.

Kopfnüsse Autor und NewsFlix Verfasser Christian Nusser bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Auch Ingrid Thurnher hofft auf bessere Zeiten…

„Die Leute sollen uns wieder bitte mögen“, sagt sie. Der ORF solle nicht nur konsumiert werden, sondern im besten Fall „wieder von Herzen“ gemocht werden.

Ich weiß nicht, ob das jemals so war, aber im Moment fühlen sich die Gebührenzahler durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eher unterhalten als von Liebe umhegt. Der ORF produziert derzeit so viel Inhalt über sich selbst, dass es sich fast auszahlen würde, einen fünften TV-Sender zu eröffnen, der ausschließlich ORF-Zeug abspielt. Eine Art Hauskanal, aber für alle.

Den Hauskanal für alle könnte man „ORF. Wie wirr“ nennen, statt einer „Runde der Chefredakteurinnen“ gäbe eine „Runde der Rechtsanwälte“. In „G’scheit im Bild“ würde man arbeitsrechtliche Gutachten vorlesen, ein Live-Ticker sollte über den aktuellen Kündigungsstatus des Generaldirektors informieren.

Die Stiftungsräte könnte man ein paar Wochen lang am Küniglberg einsperren und die Sitzungen wie bei „Big Brother“ im Internet streamen. Als Auflockerung könnte man Gäste einladen, frühere Generaldirektoren etwa. Oder Christian W. Mucha.

Auch Reportagen würden sich anbieten. Etwa den Tresor vorstellen, in dem transparente Untersuchungsberichte in aller Transparenz weggesperrt werden, die alten wie die aktuellen. Zu erzählen hätte man über den ORF genug.“

Und genau darum geht es: Die versprochene Transparenz ist in Wahrheit Intransparenz par excellence. Und das hilft dem ORF nicht.

Es zieht ihn immer tiefer in den Sumpf, in dem er ohnehin schon steckt, befürchtet

Ihr

Christian W. Mucha

 

Kommentar: Die gefährliche Lücke

Wenn der Hüter der lukrativsten ORF-Geschäftsgeheimnisse im Streit geht, dann wird es heikel.

Nach der Entfernung von Aigelsreiter (ORF Sport), dem Abgang von Weißmann, der Erkrankung von Pius Strobl, der in Krumpendorf sein Burnout auskuriert, wurde am 13. April bekannt, dass nun auch Oliver Böhm beurlaubt ist.

Als würden die anderen Fälle nicht schon reichen, könnte Böhms Beurlaubung und das, was über die Compliance-Stelle in der Folge möglicherweise zu seinem Abgang führt, fatale Folgen für die ORF-Werbung haben.

Denn der ORF-Enterprise-Geschäftsführer ist der Mastermind für die wichtigsten Deals in der Werbebranche.

Führt ungezählte Jahresverhandlungen mit den Werbe- und Media-Agenturen.

Und wenn da einschlägiges Wissen virulent wird, hinterfragt wird, aufgerollt wird, dann Gnade Gott nicht nur dem Österreichischen Rundfunk, sondern auch all jenen Agenturen, die in der Folge mit ihren Abrechnungsmodellen in gröbste Erklärungsnot kommen könnten.

Um zu erläutern, was da in der Branche läuft, darf ich „Praktiken“ der Agentur-Abrechnungen – wertungsfrei – darlegen und jenen, die diesbezüglich nicht firm sind, ein wenig auf die Sprünge helfen.

Seriöse Agenturen – und ich hoffe, das ist doch die Mehrzahl der Werbeunternehmen in der Branche – verrechnen heutzutage kaum mehr Prozentsätze.

Das für mich sauberste Modell lautet: hundertprozentige Transparenz gegenüber dem Kunden. Das heißt, alle Anzeigen, Hörfunk, TV, Online und sonstigen Rechnungen werden dem Kunden offengelegt. Samt den Skonti. Und an die Agenturkunden weitergegeben.

Die Abrechnung der „transparenten“ Agentur lauft demzufolge wie bei einem Anwalt, einem Notar oder einem Taxifahrer: Es läuft ein Taxameter mit einem Stundensatz. Und daraus ergibt sich das Honorar der Agentur.

Doch nicht alle Agenturen ticken so. Es soll gar – ohne Namen zu nennen – Agenturen geben (z.B. vor wenigen Jahren in einem Bereich des großen Feldes, das als „Agrar“ umschrieben werden kann), die null Prozent Media-Agentur-Vergütung angeboten haben. Also offizielles Arbeiten zum Nulltarif (?!)

Eine Praxis, die sich bis heute – vor allem bei großvolumigen Pitches – weiterhin durchziehen soll.

Was zu vehementen Protesten bis zu Wutausbrüchen und ungezählten Anrufen der Mitbewerber bei besagter Agentur führte, die fragten, wie das denn gehen soll?

Null Prozent Media-Agentur-Vergütung? Wie rechnet sich das noch?

Die Erklärung dafür ist simpel: Am Ende des Jahres gibt es die sogenannten Rabattstaffeln. Bei Erreichung eines gewissen Umsatzes. Das wird mit den Werbepartnern, Medienhäusern, Digital- und Außenwerbern und wie die Anbieter alle heißen – am Jahresanfang akkordiert. Dann gibt es quasi eine Prämie, einen Zuschlag. Wenn das Target erfüllt ist, gibt es dafür entweder Rabatte (die in Naturalien und mehr Werbezeit oder mehr Werbefläche abgedient werden können). Oder Cash.

Dazu kommen – wenn man unterjährig schnell zahlt – die Skontoerlöse. Die können – je nach Kunde – zwei, drei, in manchen Fällen sogar bis zu fünf Prozent betragen.

Jede Agentur, die Werbeleistung dem Kunden prompt nach Auftrag verrechnet, erhält das Werbeentgelt vom Kunden oft schnell. Zahlt sie jetzt flott an das Medienhaus weiter, dann kann sie die Skontoerlöse für sich verbuchen. Da kommt bei fünf Prozent schon ein fettes Sümmchen zusammen.

Die Verlockung, das einzustreifen, führt zu einer zweiten Honigfalle: Wer es sich einfach machen will, der bucht möglichst viel vom teuersten Werbestoff, den es in Österreich gibt. Das sind – reichweitenbedingt – die ORF-TV-Spots. Oder die Hörfunk-Spots im Ö3 Wecker. Der Aufwand dafür ist nicht groß. Man produziere einen guten TV-Spot, setze den möglichst oft ein und kassiere damit eine Lawine.

Doch die Sache birgt eine Gefahr. Wenn nämlich die fettesten Aufträge nur in die teuersten Werbeformen gestopft werden, dann kommen die anderen zu kurz. Womit kleinere Verlage, regionale Anbieter, Special-Interest-Medien, um nur drei Beispiele zu nennen, alles andere als eine Freude haben. Denn für die bleibt bei jenen Agenturen, die es sich leicht machen, nicht mehr viel übrig.

Natürlich hat jede Media-Agentur heutzutage digitale Berechnungssysteme für ihre Mediaplanung. Da wird zielgruppendefiniert ausgewertet, punktgenau geworben. Was natürlich den am leichtesten kontrollierbaren und von der Response her überprüfbaren internationalen Digitalkonzernen wie Meta (Facebook, Instagram) und Alpha (Google, YouTube) ganz besonders in die Karten spielt.

So fließen bereits 2,7 der fünf hierzulande gesamt aufgewendeten Werbe-Milliarden an internationale Digital-Unternehmen, die hierzulande nur fünf Prozent Steuern zahlen. Während die heimischen Kommunikationsunternehmen bis zu 45 Prozent Steuern berappen müssen.

Das österreichische Paradoxon ist, dass Agenturen, anstatt sich um taugliche Honorarmodelle zu kümmern, sich den ohnehin bereits viel zu kleinen heimischen Honorarmarkt damit selbst ruinieren.

Dagegen spricht, dass im digitalen Bereich das Thema „Kickback“ – wie hinter vorgehaltener Hand kursieren – in Einzelfällen noch viel schlimmer ausgeprägt sein soll.

So soll eine namhafte internationale Werbe-und Media-Agentur vorgeschlagen haben, wenn nicht über den ORF, sondern direkt bei diesem Werber zu den „offiziellen“ Konditionen eingekauft wird, dann würden sie nichts für ihre kreative Leistung verrechnen.

Der ORF hat sich im Werbereigen – und dafür ist Oliver Böhm einer der besten Experten, der viele Jahresvereinbarungen geführt hat und die Kunden in- und auswendig kennt – bis dato erstaunlich gut halten können.

Betrachtet man nun das System der zum Jahresende ausgefolgten Rabatte in Kombination mit den erlösten Skonti, dann kann eine Agentur, die so etwas dem Kunden nicht ganz, sondern nur teilweise weitergibt (oder es dem Kunden im Extremfall gar nicht weitergibt), einen viel fetteren Gewinn machen, als würde sie mit der vorgenannten Taxameter-Abrechnung Transparenz gegenüber dem Kunden beweisen.

Und jetzt kommt das Teuflische an der Sache: Bricht nun dieses System, das einzelne schwarze Schafe für sich ausnutzen, deshalb zusammen, weil die theoretische Möglichkeit besteht, dass jemand, der darüber haarklein, im Detail Bescheid weiß, sein Wissen nicht mehr vertraulich für sich behält, dann könnten derartige Deals aufbrechen.

Werden die entsprechenden geheimen Übereinkünfte öffentlich, dann könnte das einen gewaltigen Skandal auslösen.

Weshalb seit Montag dieser Woche, dem 13. April um 14:11 Uhr (erste Veröffentlichung – Böhm wird freigestellt), bei gewissen Proponenten der Branche Panik ausgebrochen ist. Wohlgemerkt: Zittern müssen nur jene, deren Abrechnungsmodalitäten nicht sauber sind.

Ich will und werde niemandem etwas unterstellen. Ich habe die teils erbärmlichen Jahresabrechnungsmodelle gewisser Media-Agenturen und Kreativschmieden schon öfter angeprangert. Mein Verlagshaus steht deshalb bei so mancher Media-Agentur auf der roten Liste. Und nein, ich werde an dieser Stelle keine Namen nennen.

Aber was, wenn nun nach dem Abgang einer Schlüsselfigur der Branche ruchbar werden sollte, was da hinter den Kulissen abgeht. Wenn auch der letzte Kunde durchschaut, wie man mit den Skonti, die nicht an ihn weitergeleitet wurden, oder einbehaltenen Jahres- und Naturalrabatten in der Branche fette Geschäfte macht.

Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen: Wer hat welches Verrechnungsmodell? Wer gibt seinen Kunden wie viel wahrhaftig von dem, was er als zwischengeschaltete Agentur kassiert hat, weiter? Wie viel Geld kann man lukrieren, wenn ein großer Kunde mit riesigen Aufträgen involviert ist, der prompt nach Abrechnung das Werbeentgelt bezahlt?

Sohin könnten die jüngsten ORF-Kalamitäten weite Kreise ziehen. Und diese Kreise – das steht zu erwarten – werden sich auch auf die Werbe- und Agenturbranche auswirken. Dann fällt nicht nur der Groschen beim ORF, sondern auch in so mancher Agentur.

Nachdem viele von den Agencies Töchter amerikanischer Konzerne sind – sprich internationalen Börsenunternehmen mit peniblen Controlling-Mechanismen –, könnte das sich auch zu einer internationalen Affäre auswachsen.

Dazu kommt noch der Druck der Dach-Unternehmen auf ihre Töchter, möglichst viel von deren Gewinnen den Zentralen zukommen zu lassen. Dieser Druck ist in den letzten Jahren gewaltig gestiegen. Auch in einem kleinen Land wie Österreich mit vergleichsweise geringen Werbeumsätzen.

Wer alle diese Überlegungen zusammenführt, der ahnt – hier kommen Eisberge auf den Österreichischen Rundfunk zu. Und auf die Werbe- und Agenturszene. Nur kleine Spitzen ragen aus dem Wasser. Doch was darunter schlummert, ist gigantisch. Und so manche – für unsinkbar gehaltene Titanic – könnte damit von ihrem Schicksal ereilt werden.

Die Schlussfolgerung daraus: Wenn die das beim ORF in der Chefetage in dieser Dichte durchschaut haben, dann kann man den Schritt, den Kopf der ORF Enterprise just jetzt zu beurlauben, nur als tollkühn bezeichnen. Der falsche Schritt zum falschen Zeitpunkt. Vor den fettesten Werbeeinnahmen des ORF, sprich dem Eurovision Song Contest. Und der Fußball-Weltmeisterschaft noch dazu.

Aber irgendwie kann ich mich eines schleichenden Gefühls nicht erwehren: Ich befürchte, dass denen dort oben nicht wirklich klar ist, was derartige Schritte auslösen könnten…

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 9.4.2026

Mein Schatz

Alles zu horten befreit von Sorgen.

Unglaublich, wie schnell die Zeit verrinnt. Am 27. April feiern wir – wie angekündigt – unser 50-Jahr-Jubiläum. Vor einem halben Jahrhundert kam unser erstes Magazin, das FM (vormals a3 Fremdenverkehr, das wir samt allen Rechten, Abo-Datei und dem Archiv mit dem Vorgängerunternehmen, der Mucha Verlag GmbH, gekauft hatten) erstmalig auf den Markt.

Trotz meines Versuchs, mich dagegen zu wehren, war jüngst der Druck unserer Freunde, Geschäftspartner und Leser zu hoch: Seit Monaten höre ich immer wieder: „Aber zum 50er machst Du dann ein eigenes Jubiläumsheft, oder?“

Also habe ich mich noch ein allerletztes Mal breitschlagen lassen. Und gemeinsam mit einigen jungen Kollegen und einer Runde von „Alteingesessenen“ ein Jubiläumsheft gestaltet. Das beim Fest aufliegen wird.

Am 8. Mai erscheint dann die komplette Ausgabe mit einem beigefügten, zwölfseitigen Bericht über unsere Veranstaltung im Naturhistorischen Museum. Mit prominenten Gästen, einer außergewöhnlichen Lasershow, diversen Überraschungen, einer Laudatio von Heinz Sichrovsky, einem Auftritt von Andy Lee Lang und – meiner Botschaft an die Werbebranche für die Zukunft. Mit der Rankingliste „Kommunikator“, der Bewertung der 350 wichtigsten heimischen Marketing- und Werbeleiter und einer großen Reportage zum wohl kontroversiellsten Thema des heurigen Jahres, dem Österreichischen Rundfunk. Wo wir uns mit der Frage „Quo vadis, ORF?“ beschäftigen werden.

Die Jubiläumsausgabe wird definitiv weder dem Schwelgen in vergangenen Zeiten gewidmet sein noch Jubel beinhalten, sondern ist mein Vermächtnis an die Werbe-, Kommunikationsbranche, wie es denn in Zukunft in der schwierigsten aller Zeiten für die Medienbranche weitergehen kann und soll.

Wer nun der Meinung sein sollte, dass mir alles zugeflogen ist, und wir leichtfüßig die lichten Höhen des Erfolges erklommen haben, der irrt: Ich beschwere mich nicht darüber – denn das ist mein selbstgewähltes Schicksal. Ohne totales Engagement, bienenemsigen Fleiß und 60-Stunden-Wochen, stets erreichbar, immer im Dienst und mit Einsatz bis an die Grenzen der Selbstaufgabe geht so etwas nicht. Geschenkt wurde mir nichts.

Dies an die Adresse der Neider und Hater, denen unser Erfolg vom ersten Tag an ein Dorn im Auge war.

Heute will ich Ihnen nun ein kleines Geheimnis verraten, was mich Angstbefreiten neben meiner dicken Haut Attacken, Anwürfe und Unterstellungen überwinden ließ. Was mir (man versucht es zu vermeiden, aber das geht deshalb nicht, denn wo gehobelt wird, fallen Späne) schon ungezählte Male in diesen fünf Jahrzehnten extrem geholfen hat, unsere Position zu vertreten, zu verteidigen und zu beweisen:

Vor einem halben Jahrhundert hat mir ein kluger Anwalt einen Ratschlag gegeben, der sich als unbezahlbar erwies. Er meinte: „Stell Dich darauf ein, dass Du immer wieder mit Lügen, Unwahrheiten, Unterstellungen und Anschuldigungen konfrontiert wirst. Also musst Du das, was Du machst, sorgfältig dokumentieren.“

Er riet mir, eine Art Tagebuch zu führen. Am besten in der Form eines Kalenders. Das lieben Gerichte, weil die Eintragungen dort handschriftlich und die Notizen datum- und uhrzeitmäßig dokumentiert sind. Also gilt dies als hervorragendes Beweismittel.

Seinem Rat folgend verfüge ich (und ich habe nichts davon entsorgt und alles aufbewahrt) über eine lückenlose, durchgängige Dokumentation all dessen, was ich in den letzten 50 Jahren an Aktivitäten gesetzt habe. Mit wem ich wann, wo und mit welchem Ergebnis Termine, Gespräche und Vereinbarungen geführt habe. Und wo ich mich wann exakt aufgehalten habe.

Bis zum heutigen Tag ist mein Agenda-Planning-Terminkalender von Quo Vadis mein tagtäglicher Begleiter. Diente als Beweismittel in einer ganzen Reihe von prekären Verfahren. War mein Helferlein in brenzligen Situationen, wo der eine oder die andere meinte, es würde sich auszahlen, zu versuchen, mich anzupatzen.

Wenn Gollum in Herr der Ringe mit seiner unverwechselbaren Stimme die zwei Wörter „Mein Schatz“ krächzt, dann ist „Quo Vadis“ mein Schatz: Mein Schutz, mein Panier, mein Schild.

Aber auch ein Leistungsverzeichnis. Für mein Engagement und meine Umtriebigkeit.

Trotz der Verlockung bin ich bei der analogen Version geblieben. Habe mich nie dazu verleiten lassen (wiewohl ich ein Hardcore-Technik-Freak bin), auf eine digitale Version zu wechseln. Und das war gut so. Hat sich bezahlt gemacht.

Wie halten Sie es mit der Vergangenheit? Haben Sie Buch geführt? Gar ein Tagebuch? Oder sind Sie der Entsorgertyp, der nach dem französischen Motto lebt: „Où sont les neiges d’antan“ (Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr)?

Ich bin gerne Elefant. Und meine dicke Haut besteht aus diesen papierenen Zeitzeugen, die ich sorgfältig aufbewahre.

Herzliche Grüße entbietet

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 2.4.2026

ORF-Bashing – es reicht.

Täglich furzt das Murmeltier in Richtung Österreichischer Rundfunk – doch fair geht’s dabei nicht zu.

Den „Asozialen Medien“ sei Dank, dass heute so viel Stoff wie nie zuvor tagtäglich fäkalienmäßig auf der Donau schwimmt. Ein Grund für aufkeimenden Trost und Freude bei den Boulevardmedien, wo man sich Reichweitenzuwächse erhofft. In der Leserschaft. Bei den Klicks. Bei der Aufmerksamkeit des Ochlos.

Wenn man täglich nicht nur eine Sau, sondern gleich mehrere durch‘s Dorf treiben kann, dann hat man damit einen fabelhaften Amphitheater-Effekt.

Schon die alten römischen Kaiser wussten, dass man Brot und Spiele bringen muss, um das Volk bei Laune zu halten. Je brutaler die Gladiatorenkämpfe, desto sicherer fühlte man sich in seiner Macht.

Allein die Grundfesten des Kolosseums, das Vespasian errichten ließ (und damit die dynastische Macht der Flavier begründete), kosteten nach heutigem Geld 60 Millionen Euro. Man hatte sich also etwas kosten lassen, um die Leute bei Laune zu halten.

Brutalität heutzutage kostet gar nichts. Die gibt’s – wie oben geschildert – in den asozialen Medien. Daraus lassen sich treffliche Stories basteln. Die wieder von den anonymen Postern kommentiert, vervielfältigt und geteilt werden.

Wahrheit? Wahrhaftigkeit? Faire Berichterstattung? Recherche? Check und Gegencheck? Wer braucht das heutzutage noch.

Es geht um Strömungen. Um Tendenzen. Um das, was die Menschen hören wollen. Und woran man sich trefflich beteiligen/begeilen/alterieren kann.

Der beste mediale Reibebaum dieser Tage ist – keine Frage – der ORF.

Nach der Weißmann-Affäre, immer neu aufpoppenden Missbrauchs-Vorwürfen, nach Polit-Skandalen und Stiftungsrat-Streitigkeiten ist jüngst – natürlich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – die alljährliche Liste der ORF-Spitzenverdiener herausgekommen.

Das dazu passende Bashing der Boulevardmedien durchschaut wenigstens noch der eine oder andere Leser. Zum Beispiel in der Krone, wo ein Poster schreibt: „Wenn’s nicht reicht, kommt der Neid.“

Im Reigen der ORF-Aufdeck-Stories tanzen alle heimischen Medien mit. Exemplarisch die Headlines der Kronen Zeitung der letzten Tage.

Sie lauten:

  • Luxusproblem! Das sind die ORF Gagenkaiser
  • Weitere Frauen im neuen ORF Missbrauchsfall
  • So reagiert ORF auf die Missbrauchsvorwürfe
  • ORF-Missbrauch: „Warum ich an die Öffentlichkeit gehe“
  • „Weltjournal“-Sendung: Medienbehörde rügt ORF (Palästina Reportage)

Nochmals – ich bin nicht der Advokat von Strobl. Der sich übrigens im Krankenstand befindet, um ein massives Burnout zu kurieren, und sich niemandem gegenüber rechtfertigen will. Und darf (Maulkorb).

Wie man hört, mit einer einfachen Erklärung. Ob 2,4 Millionen oder einer Million – es sei eigentlich Powidl. Denn die Menschen da draußen brächten auch für eine Million (Achtung: in 238 Monatsraten) nicht das geringste Verständnis auf. Denn es übersteigt die Norm hierzulande in einer Dimension, die für den Normalbürger „unerträglich“ ist.

Wird der ORF all das überstehen? Nun, ich befürchte, nein. Dabei wäre ein politisch unabhängiger, schlanker Staatssender, der sauber arbeitet und marktgerecht agiert, so wichtig für unser Land.

Wenn es den ORF zerreißt, wäre das schade für die Demokratie. Schade für die heimische Medienszene.

Doch es ist „gut“ für die Schlagzeilen-Generierer, die MA 48 der Medienszene, die mit Schmutzkübel-Stories, Reichweite, Häme, Spott und in der Folge Profit für ihre Krawall-Plattformen generieren.

Wobei meine Sympathie eindeutig der Müllabfuhr gilt. Denn die leisten täglich hervorragende Arbeit (habe heute unserem orangen Hausfreund gerade wieder eine Milka Schokolade überreicht).

Ich bin sicher, dass ich für diese ehrlichen Zeilen wieder einmal Prügel abbekommen werde. Aber mein vermaledeites Gerechtigkeitsgefühl drängt mich, auch den Blick auf die Kehrseite der Medaille zu werfen.

Und die ist – bei all dem Mist, der dem ORF jetzt zurecht vorgeworfen wird – auch nicht viel besser,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 26.3.2026

Hass im Netz

Kommen kriminelle Giftspritzer weiterhin straffrei davon? 

Dieser Tage – so geistert das zumindest durch die Medien – versucht die Österreichische Volkspartei um Bundeskanzler Christian Stocker, wieder Bewegung in die Murmeltier-Frage „Schluss mit anonymen Postings“ zu bringen.

Seit 1999 fordere ich eine Klarnamen-Pflicht im Netz. Trete für Verantwortung der – vor allem internationalen – Page-Betreiber ein. Und setze meinen Namen, meine Bekanntheit und meine Reichweite dafür ein, dass endlich den Trollen, den Hasspostern und den Hatern der Garaus gemacht wird. Die glauben, alle und jeden – in einer unvorstellbar gewaltigen Zahl von Postings – straffrei beschimpfen, beleidigen, anpatzen und insultieren zu können.

Unter dem Deckmantel der Anonymität. Camoufliert von Page-Betreibern (alleine Der Standard verzeichnet in seiner Community, wie sein Chefredakteur stolz prahlt, 50.000 Postings täglich. Und profitiert davon gewaltig).

Nur: Der Standard oder die Krone oder die Kleine Zeitung sind österreichische Medien. Die kann man (bedingt) zur Rechenschaft ziehen. Zur Herausgabe der Hater-Daten gerichtlich zwingen. Und dann jene, die glauben, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist, zur Verantwortung ziehen.

Ganz anders sieht es mit Facebook, Instagram, TikTok und ähnlichen Plattformen aus. Die scheren sich keinen Deut darum, wenn auf ihren Plattformen beleidigt wird. Wer Übergriffe meldet, bekommt im besten Fall die Antwort: „Wir haben Ihre Meldung zur Kenntnis genommen.“ Danach passiert (Löschung) im Regelfall freilich nichts.

Es wird Zeit, dass dem Auswuchs „anonymes Posten“ Einhalt geboten wird. Die GrünInnen stemmen sich bereits mit aller Kraft dagegen (Süleyman Zorba, Digitalisierungssprecher, meint etwa: „Eine Klarnamenpflicht ist auch in der Vergangenheit schon an Höchstgerichten gescheitert. Sie ist der falsche Weg, um Hass- und Desinformationskampagnen auszuhebeln. […] Wir sollten uns auf Lösungen konzentrieren, die umsetzbar sind und keine Schnellschüsse fordern, die massive Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit hätten ohne das Problem zu lösen.“).

Der Standard verteidigt seine Position (natürlich sind die anonymen Poster für den ein Riesengeschäft, weil sie natürlich Klicks generieren und damit Geld), detto damit, dass Anonymität Teil der Meinungsfreiheit sei.

Während ich stets gegen den Rufmord im Netz eingetreten bin.

In dem Zusammenhang ist mir auch eine Passage in den Geschäftsbedingungen des Standard aufgefallen: Die ist nämlich glatt rechtswidrig.

In Punkt 5 behauptet der Standard: „Die Standard Verlagsgesellschaft m.b. H. haftet nicht für User:innen-generierte Inhalte, die auf ihren Onlineportalen verbreitet werden. Weiters haftet die Standard Verlagsgesellschaft m. b . H. nicht für Schäden, die wegen dieser Inhalte verursacht worden sind, außer für den Fall, dass solche Schäden auf vorsätzliches Verhalten der gesetzlichen Vertreter:innen oder der leitenden Angestellten der Standard Verlagsgesellschaft m. b. H. zurückzuführen sind.“

Das ist natürlich glatter Unsinn. Wenn der Standard inkriminierende, rufschädigende und strafrechtlich relevante Postings nicht unverzüglich löscht, dann haftet er selbstverständlich für das, was auf seinen Pages verbreitet wird.

Ich bin alles andere als zart besaitet. Sachliche Kritik hat bei mir immer offene Ohren gefunden. Untergriffe, Unterstellungen, Beschimpfungen, Beleidigungen habe ich freilich – so gut das bei der gegenwärtigen Gesetzeslage geht – stets mit allen Rechtsmitteln bekämpft.

Um ein mutiges Beispiel zu sein für all jene, die sich täglich ohnmächtig niedermachen lassen müssen. Hater argumentieren nicht sachlich. Die agieren mit groben Beleidigungen, Beschimpfungen und blankem Hass.

Jenen, die glauben, solchermaßen straffrei täglich in der beliebtesten heimischen Tracht auftreten zu können (der Niedertracht), sollte endlich der Garaus gemacht werden.

Doch irgendwie habe ich so das schlechte Gefühl – auch diesmal wird es nicht klappen.

Sohin bleibt das Netz weiterhin ein quasi rechtsfreier Raum. Eine durchaus unbefriedigende Konsequenz. Worüber sich freilich die medialen Geschäftemacher und die Social-Media-Plattformen-Betreiber und -Profiteure ins Fäustchen lachen werden.

Wie sehen Sie das? Bitte schreiben Sie mir dazu an .

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha 


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 19.3.2026

Fairplay in der Werbelandschaft

 Jedes Jahr geben Österreichs Unternehmen insgesamt etwa fünf Milliarden Euro für Werbung aus. Und jedes Jahr wandert ein erheblicher Teil davon direkt an internationale Konzerne wie Meta (Facebook und Instagram) oder Google (YouTube) mit Sitz im weit entfernten Kalifornien. Mittlerweile sind wir da bei etwa 2,7 Milliarden Euro angelangt, die an diese Giganten im Ausland abwandern.

Während heimische Unternehmen und Medien ihre Steuern und Abgaben leisten, zahlen die Mega-Plattformen in Österreich nur eine minimale Digitalsteuer von fünf Prozent auf Online-Werbedienstleistungen. Kurz gesagt: Unsere Medien, die recherchieren, prüfen und Verantwortung übernehmen, müssen zusehen, wie ein großer Teil des heimischen Werbegelds abfließt. Einfach so.

Digitale Werbung ist verlockend. Sie lässt sich genau steuern, personalisieren und messen. Warum Unternehmen darauf setzen, ist also keine Frage. Die Nachteile sind allerdings ebenso offensichtlich wie die Vorteile.

Die Algorithmen der Plattformen kümmern sich nicht darum, in welchem Umfeld Werbung erscheint. Sexualisierte Inhalte, politisch brisante Botschaften, Fake-News ­– das alles kann neben Werbeanzeigen ausgespielt werden.

Erst im Jänner wurden gerade wegen solcher Inhalte Untersuchungen gegen die Plattform X eingeleitet. Die im Jahr 2022 von Elon Musk übernommene Plattform hat ihren Sitz natürlich auch in Kalifornien. Dorthin verschwinden die Austro-Werbegelder, nur um dann womöglich in unmittelbarer Nähe von – gelinde ausgedrückt – zweifelhaften Beiträgen aufzupoppen.

Dass Meta nun zusätzlich die Werbekosten für diverse europäische Standorte erhöhen will, macht die Situation nicht einfacher. So holt sich Mark Zuckerberg die fünf Prozent Digitalsteuer mit seinen „Location Fees“ ab Juli einfach zurück. Welche Bedeutung dies für den österreichischen Werbemarkt hat, lesen Sie hier.

Die Budgets der Unternehmen werden belastet, die Profite der Plattformen steigen – und Alternativen, die ähnliche Reichweiten bieten, gibt es kaum.

Dabei wäre eine Lösung einfach: Eine zusätzliche Steuer auf digitale Werbung, die direkt heimischen Medien zugutekommt, könnte viel bewegen. Wir könnten damit unseren österreichischen Medienstandort stärken, ohne dass die Werbewirtschaft darunter leidet.

Aber da ist ein gewisser Donald Trump, der im Sommer 2025 öffentlich drohte, dass Länder, die digitale Steuern auf US-Plattformen einheben, mit zusätzlichen Zöllen belegt werden.

Vor diesem Hintergrund bleibt unser Medienminister Andreas Babler bislang auffallend passiv. Offenbar, weil ihm das Risiko möglicher Strafzölle schlicht viel zu gefährlich ist.

Am Ende bleibt die Frage, wie verantwortungsvoll Unternehmen ihr Werbegeld einsetzen. Wer in digitale Plattformen investiert, entscheidet damit direkt über die Zukunft der heimischen Medienlandschaft.

Fairplay sieht anders aus – und es ist höchste Zeit, dass wir uns dessen bewusst werden.

Eigentlich serviert uns Meta mit den neuen Gebühren das Argument für ein Umdenken selbst auf dem Silbertablett. Denn warum nun noch zusätzliche Abgaben für Werbung leisten, wenn heimische Medien Rückgänge verzeichnen und Meta im Gegensatz dazu einen operativen Jahresgewinn von rund 72 Milliarden Euro (!) lukriert?

Müssen wir den digitalen Giganten noch mehr von unserem Werbegeld in deren gierigen Rachen werfen? Ist Reichweite wirklich alles?

Zählen Partnerschaft, Tradition, lokales Engagement und die heimischen Medien wahrhaftig nichts? Ist Treue nur ein leeres Wort, das gegen Algorithmen keine Chance hat?

Und schlussendlich sollte man auch folgendes nicht vergessen: Meta & Co. machen weltweit Schlagzeilen und werden gerade von öffentlichen Gerichtsprozessen gebeutelt, wo es unter anderem um das Thema „Sucht“ (insbesondere bei Jugendlichen, auf welche nicht die geringste Rücksicht genommen wird) geht.

All dies sollten Sie bei Ihrer Werbeentscheidung berücksichtigen,

wünscht sich nicht nur

Ihre

Sabrina Waller

Chefredakteurin

damit es auch künftig noch eine Austro-Medienszene und eine funktionierende heimische Werbeszene gibt.


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 12.3.2026

Beweislastumkehr

 Na, das war eine Bombe: Roland Weißmann zurückgetreten. Wegen des Vorwurfs des unangemessenen Umgangs mit einer Mitarbeiterin. Womit man gemeinhin das Thema Sexualität meint. Möglicherweise tun sich da noch weitere Fälle auf.

In so einem Fall brennt nicht das Dach. Da brennt das ganze Haus. Und niemand weiß besser als ich, dass solche Vorwürfe – ganz gleich, ob sie wahr oder falsch sind – absolut teuflisch sind. Und äußerst schwer zu bekämpfen.

Patzt einen jemand mit derartigen Vorwürfen an, dann hat man als Beschuldigter üblicherweise kaum Chancen, aus der Nummer wieder herauszukommen. Selbst wenn man unschuldig ist. Und bekanntlich gilt für jeden die Unschuldsvermutung. Auch für Weißmann, der diese Vorwürfe bestreitet.

Mir ist vor Jahren Ähnliches widerfahren.

Aus der Sache unbescholten herauszukommen, war eine der schwierigsten Übungen meines Lebens. Die Causa hat mich über ein halbes Jahr beschäftigt, ein Vermögen gekostet und ging – Gott sei Dank – für mich positiv aus.

Damit Sie, geschätzte Leser, sich ein Bild machen können, was bei solch einer Beschuldigung abgeht, will ich Ihnen gern meine Geschichte in groben Zügen erzählen.

Vorab muss eines klargestellt sein: Übergriffe gegenüber Mitarbeitern, sexuelle Belästigungen oder unbotmäßiges Verhalten, insbesondere mit sexueller Konnotation, sind auf das Schärfste zu verurteilen.

Der Weltfrauentag am 8. März hat ungezählte Benachteiligungen von Frauen hierzulande aufgezeigt. Und das im – angeblich im Zeichen der Gleichberechtigung und von MeToo stehenden – 21. Jahrhundert.

Frauen werden misshandelt, missbraucht (im letzten Jahr gab es in Österreich gar unvorstellbare 16 Morde).

Frauen verdienen um 11,5 Prozent weniger als Männer. Nach wie vor.

Frauen in Führungspositionen sind selten. Nur 31,4 Prozent der Vorstände sind weiblich.

Freilich muss man bei Vorwürfen der sexuellen Belästigung auch wissen, dass da – vereinfacht erklärt – die sogenannte Beweislastumkehr gilt. Und das macht die Sache für einen Beschuldigten schwer. Denn es gibt einen gewissen, geringen prozentuellen Anteil von Beschuldigungen, die nicht stimmen. Die erfunden sind. Wo jemand angepatzt, verleumdet, erpresst wird.

In einer höchst aufsehenerregenden Fernsehdiskussion habe ich mir vor etlichen Jahren erlaubt, darauf hinzuweisen, dass es auch erfundene, gehässige Anschuldigungen gibt. Und wütende Attacken meiner MitdiskutantInnen geerntet. Nebst einem fetten Shitstorm.

Aber ich stehe dazu: Es darf nicht sein, dass die Gerechtigkeit ausgehebelt wird, wenn jemand wahrhaftig unschuldig ist und völlig chancenlos ist, das zu beweisen. Denn die Beweisumkehr bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass nicht die Beschuldigerin nachweisen muss, dass an ihr ein Übergriff begangen wurde, sondern der Beschuldigte nachweisen muss, dass seinerseits dieser Übergriff nicht erfolgt hat.

Wie schwer das ist, kann sich jeder vorstellen, der die heimische Justiz, unser Recht und die Gesetzeslage kennt.

Nun also zu meinem Fall: Es begab sich, dass sich eine Haushälterin bei uns bewarb. Mit der – wie sich nachträglich herausstellte – geplanten, vorsätzlichen Absicht, mich anzupatzen, zu beschuldigen, zu erpressen und danach abzuzocken. Ein teuflischer Plan.

Die Frau machte einen guten Eindruck, bewarb sich in Wien und wurde von uns in unser französisches Domizil eingeflogen. Dort arbeitete sie einige Tage. Um uns mitzuteilen, dass ihr das nicht gefalle und dass sie ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung einstellen werde.

Also verließ sie unser Haus zu Fuß (worüber ich sehr erstaunt war, weil es von unserem abgelegenen Haus ein ziemlicher Fußmarsch zur nächsten Busstation war). Also fuhr ich ihr nach, weil sie mir leidtat, um sie mit dem Auto zur nächsten Busstation zu bringen.

Zu meinem größten Erstaunen war die Frau zu meinem Nachbarn gegangen. Lag dort schreiend und weinend am Boden und behauptete, ich hätte sie schwer verletzt und sexuell belästigt. Also rief man die Gendarmerie. Die Gendarmen kamen und stellten fest, dass das eine Auseinandersetzung zwischen zwei Nicht-Franzosen sei und sie dafür nicht zuständig seien. Man solle die Sache

privatrechtlich ausfechten.

In Wien zurückgekehrt zeigte mich die Frau bei der Polizei an. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Ich hatte – Gott sei Dank – mein gesamtes Haus videoüberwacht.

Nur wenige Stunden nach dem angeblichen Vorfall gab es eine Videoaufzeichnung, auf der man deutlich erkennen konnte, wie die Erpresserin unsere Terrasse reinigte. Sie kniete nur 20 Zentimeter von mir auf den Boden. Ich reichte ihr den Hochdruckreiniger und erklärte ihr, wie das alles funktioniert. Die Frau drehte sich nach hinten, hantierte am Hochdruckgerät und machte sich an die Arbeit.

Es war keine einfache Übung, die Staatsanwaltschaft davon zu überzeugen, meine Videos anzuerkennen. Mit einer Detektei recherchierten wir, dass die Verletzung, die sie auf dem Oberschenkel hatte, und die ich ihr angeblich mit meinem Knie zugefügt hätte (kaum vorstellbar, wenn man weiß, dass sie größer war als ich), von einem Arbeitsunfall bei ihrem vorletzten Dienstgeber stammte. Den hatte sie ebenso abgezockt wie den letzten. Mit ein und derselben Verletzung, die sie auch gegen mich geltend machen wollte.

Den entscheidenden Punkt freilich erfuhr ich dann bei der Staatsanwaltschaft Wien im Straflandesgericht. Ein blutjunger Staatsanwalt, der mir am Telefon nicht erklären wollte, wie er entschieden hatte, zitierte mich in sein Büro.

Das Gespräch werde ich nie in meinem Leben vergessen. Der Staatsanwalt meinte trocken: „Wir haben Ihr Video als Beweismittel anerkannt. Es wird kein Verfahren in dieser Causa geben. Die Anklage ist hiermit aufgehoben. Sie sind von allen Vorwürfen entlastet.“

Ich war baff. „Warum?“, fragte ich ihn. „Nun“, meinte er, „auf dem Video ist deutlich erkennbar, dass eine Frau, die Sie wenige Stunden davor (das sieht man auf der Zeitschiene) nicht nur körperlich schwer attackiert, sondern auch belästigt haben sollen, Ihnen in unmittelbarer Nähe ihrer Schlag- oder Tritt-Reichweite den Rücken zukehrt. Kein Opfer dieser Welt dreht seinem Peiniger nach solch einem Vorfall den Rücken zu. Damit ist das Verfahren abgeschlossen.“

Ich gebe es ehrlich zu: Ich brach in Tränen aus und war immens erleichtert. „Können wir gegen die Frau vorgehen?“, fragte ich meine Anwälte. „Völlig sinnlos“, meinten die. „Sie besitzt nichts. Ein derartiges Verfahren geht ins Leere und kostet nur Zeit, Geld und Nerven.“ Sie ist damit weggekommen.

Und jetzt wissen Sie, geschätzte Leser, warum ich sehr sorgfältig bin, immens vorausschauend und vorsichtig. Genau darauf achtend, dass es möglichst bei jeder Konfrontation Zeugen, Beweismittel und Absicherung meinerseits gibt. Denn der Teufel schläft nicht.

Wie die Causa mit Weißmann weitergeht, weiß keiner. In der Branche wundert man sich, warum just im Frühjahr 2026, wenige Monate vor der ORF-Generaldirektorenwahl, etwas aufpoppt, was offensichtlich aus dem Jahr 2022 stammt.

Wäre das mit Ranküne verbunden, dann wäre der Zeitpunkt wohl optimal gewählt. Und das schreibe ich ohne Zynismus.

Nach genauerer Kenntnis der Sachlache, wissend, wer die Betroffene war und was sie tut, und auch das Cui bono der ganzen Angelegenheit mittlerweile ziemlich genau durchschaut habend, gehe ich eher nicht davon aus, dass Weißmann hier strafrechtliche Handlungen gesetzt hat.

Was freilich für seine Tätigkeit deshalb relevant ist, weil kein Unternehmen – und auch der ORF nicht – es sich leisten kann, sexuelle Übergriffe von Vorgesetzten gegenüber Mitarbeitern zu tolerieren. Bei solchem Verhalten gehen jene, die ausgerutscht sind, üblicherweise ziemlich schnell nach Hause.

Beten Sie zu Gott, dass Ihnen derartiges niemals widerfährt.

Wenn aber die Vorwürfe stimmen, dann sei dem Täter schärfste Bestrafung gewünscht. Was auch nicht immer in Österreich erfolgt.

Insider wissen (denn das ist gerichtsbekannt), dass just ein Mitglied eines Aufsichtsgremiums des ORF, nachdem er einer Mitarbeiterin einen „Dreier“ angeboten hat, dort ungeniert an der Kontrolle des wichtigsten heimischen Medienunternehmens mitwirkt. Ohne, dass irgendeiner auf die Idee kommen würde, dessen Rücktritt zu fordern.

Sowas wäre wohl nirgends auf der Welt möglich. Aber bei uns in Bagdad…

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha

PS: Die interimistische Lösung, Ingrid Thurnher zu bestellen, halte ich für einen exzellenten Schachzug.

Es steht freilich zu erwarten, dass Thurnher ein Brigitte-Bierlein-Schicksal erleidet: Gekommen, um bei der nächsten Wahl wieder zu gehen. Durch einen Mann ersetzt zu werden.

Scherzhalber kursiert in diversen Redaktionen das Gerücht, dass so mancher Kandidat, der sich jetzt aus der Deckung wagt, überlegen soll, sein Geschlecht umzuwandeln. Denn Frau Breitenecker hätte deutlich bessere Chancen als Herr Breitenecker, ahnt

der Obige


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 5.3.2026

Wenn Kununu nervt.

Als jemand, der Zeit seines Lebens ein kritischer Geist war und unzählige Plattformen für Kundenfrust im Dienste des Konsumerismus erfunden hat, kenne ich mich mit dieser Materie einigermaßen gut aus.

Manche bezeichnen Vergleichsplattformen oder Beschwerdeplattformen als Segen für die Konsumenten. Andere sehen das als Fluch. Als Zumutung. Als Frechheit. Wo nur allzu oft anonyme Poster mit gezielten Aktionen den Ruf eines Anbieters nachhaltig untergraben können.

Das Problem ist: An jene, die für die Veröffentlichung zuständig sind, kommt man im Regelfall nicht heran. Das gilt für die sozialen Netze gleichermaßen wie für Kununu, Glassdoor und meinChef.

Versuchen Sie einmal auf X ein ehrenrühriges Posting zu löschen. Damit werden Sie sich schwer tun. Auch auf Facebook brauchen Sie die Mitwirkung des Hosts, um Lügen, Beschimpfungen oder Attacken, die ungerechtfertigt sind (da ist es ziemlich Powidl, ob Sie den Nachweis für Fake-Inhalte erbringen können), „wegzuräumen“.

Das ist übrigens der Unterschied zu Pages, die ich seinerzeit immer betrieben habe und die sich jetzt in anderen Händen befinden: Wir waren immer erreichbar. Immer greifbar. Haben unsere Seiten laufend betreut. Und unfaire, unrichtige oder ehrenrührige Postings innerhalb von 48 Stunden entfernt.

Wer das beim Standard versucht, der muss (und das habe ich getan) in Extremfällen sogar die Gerichte bemühen. Die dann dem Betreiber der Page Auftrag erteilen, die entsprechenden Login-Daten des anonymen Posters offenzulegen. Danach kann man (wenn der existiert und erreichbar ist) rechtlich gegen den Hass-Poster vorgehen.

Beim Standard „zierte“ man sich anfangs einigermaßen, bevor man üblen Troll-Content (der natürlich durch Klicks und Reichweite gutes Geld bringt) entfernte. Nur bei mir sind die mittlerweile ziemlich schnell. Weil sie wissen, dass ich nicht lange herumfackle und ein Rechtsstreit danach viel teurer wird.

In Sachen Kununu begab sich also nun etwas ganz Erstaunliches.

Was war passiert:

Auf dem Account des Mucha Verlags bei Kununu ploppte – zu unserer großen Überraschung – plötzlich eine Bewertung auf. Mit dem Kommentar: „Wohl der schlimmste Ort, wo ich je war.“.

Die Geschichte ist deshalb erstaunlich, weil die Mucha Verlag GmbH alle ihre Agenden vor rund sieben Jahren an die MG MedienGruppe GmbH übergeben hat. Und selber nichts mehr tut. Bis darauf, dass sie genau zwei Angestellte beschäftigt. Nämlich Ekaterina und mich. Sonst arbeitet dort keiner mehr. Die sind alle in der MG MedienGruppe.

Sohin (wenn man davon ausgeht, dass sich meine Frau oder ich nicht über unser eigenes Unternehmen beschweren), handelt es sich dabei um nichts anderes als eine Hass-Bewertung. Eine bösartige Fake-Aktion, die nichts anderes bezweckt, als uns gehässig ans Bein zu pinkeln.

Noch dazu hat dieser Text kein wie immer geartetes Substrat. Da gibt es keine konkrete Kritik. Keinerlei Beschreibung von Fehlverhalten. Das Ganze ist einzig das Machwerk eines dieser frustrierten Trolle, die versuchen, damit fertig zu werden, dass sie in ihrer Ehe seit Jahren keinen Sex mehr haben.

Wir kennen das ja.

Versuchen Sie einmal, so etwas löschen zu lassen. Im vorliegenden Fall war’s uns zwar wurscht (denn die Mucha Verlag GmbH wird demnächst liquidiert, womit uns Kununu-Bewertung herzlichst wurscht sind), aber aus sportlichem Ehrgeiz haben wir dies versucht.

Zu unserer größten Überraschung haben wir – nach einigen Anläufen – die Nachricht erhalten, dass sich ein gewisser Michael Weber bei uns melden würde. Der ist der Leiter des Bereichs „Quality and Support“. Und ein wortgewandter, mit der Materie bestens vertrauter, eloquenter Mann, der das 30-köpfige Team (zumindest behauptet er, dass so viele Leute Fake-Bewertungen löschen) leitet.

Und (Sie lesen richtig, das ist wirklich passiert) die Bewertung wurde offline genommen. Wenn Sie also ein Kununu-Problem haben, dann können Sie sich an die E-Mail-Adresse   wenden.

Das Gespräch, das ich mit Weber führen durfte, war höchst informativ und lehrreich. Und es zeigt die immensen Schwachstellen von solchen Plattformen auf. Es zeigt, wie Ihr Unternehmen (und dazu sind nur einige gehässige Zeitgenossen notwendig) blitzschnell diskreditiert, besudelt und in der Bewertung brutal nach unten gedrückt werden kann.

Und die Urheber dieser Aktion könnten überall zu suchen sein:

Mit ein paar Fake-E-Mail-Adressen können zwei faule, ehemaligen Mitarbeiter, die Sie wegen Unfähigkeit sinnvollerweise vor die Tür gesetzt haben, Ihnen empfindlich schaden.

Das vermag aber auch Ihre Exfrau (im schlimmsten Fall mit Ihrer Ex-Geliebten) oder Ihr Cousin, der Sie deshalb hasst, weil es Ihnen besser geht als ihm, zu bewerkstelligen.

Und es soll Pages geben, die gar ein eigenes Team einsetzen, um Gift-Kommentare bei Unternehmen zu platzieren, damit die eigene Page peppiger, erfrischender und interessanter zum Lesen wird. Womit ich natürlich nicht Kununu meine. Aber mir fällt da eine ganz bestimmte Plattform, die überwiegend von der Reichweite der Trolle, denen sie anonyme Postings ermöglicht, lebt, ein.

Das Gespräch über die Kununus dieser Welt finden Sie hier.

Es zeigt die Schwachstellen, die Haken und die Unschärfen einer Mediengattung, die grundsätzlich als positiv anzusehen ist. Im Sinne von Transparenz, von Konsumerismus, aber auch, wenn die Unternehmen bei Schlechtbehandlung der Mitarbeiter, bei Mobbing und bei einem miesen Betriebsklima für die eigenen Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen werden. Öffentlich. Für jeden, der sich dort bewirbt, ersichtlich.

Nur sind die Kollateralschäden auch nicht ohne

meint Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 26.2.2026

Disqualifiziert.

Warum Bogdan Roščić jüngst das Recht verloren hat, sich als mein Feind zu bezeichnen. 

Oder: „Die beste Rache ist, nicht so zu werden wie der, der Dir Unrecht getan hat“ (Marc Aurel).

Freunde – das wissen erfolgreiche Menschen – gewinnt man, wenn die Jugend verflossen ist, eher zufällig. Als Feind freilich muss man sich qualifizieren.

Oscar Wilde hielt das so: „Ich suche mir meine Freunde nach ihrem guten Aussehen aus. Meine Bekannten nach ihrem guten Charakter. Und meine Feinde nach ihrem Verstand. Ein Mann kann nicht vorsichtig genug sein in der Wahl seiner Feinde.“

Nun wissen jene, die mich kennen, dass – und das mag das eine oder andere Mal durchaus eine überschießende Handlung gewesen sein – es in meinem (womöglich sizilianischen) Wesen liegt, kaum einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen.

Und Feindschaften habe ich in meinem Leben stets gepflegt.

In Abwandlung des Wilde’schen Mottos habe ich zu meinen Feinden nur außergewöhnliche, intelligente und herausragende Menschen erkoren. Denn ich glaube, dass man, wenn man von außen bewertet wird, an der Wahl seiner Feinde – die man ja im Regelfall meist selbst wählt – gemessen wird.

Unter meinen Feinden wäre also niemand, der ein Tor, ein Idiot oder ein Prolet wäre. Darauf habe ich zeitlebens sorgfältig geachtet.

„Sie haben Feinde? Gut. Das heißt, dass Sie irgendwann einmal für etwas eingestanden sind.“ (Winston Churchill)

Nun ist es ja so, dass ich meine, dass ein guter Newsletter möglichst wenig ich-bezogen sein sollte. Doch das, was ich da in den letzten Tagen von einem gewissen Bogdan Roščić, seines Zeichens Direktor der Wiener Staatsoper und bekannterweise einem der drei weltbesten Opernhäuser, über mich ergehen lassen musste, schlägt dem Fass den Boden aus.

Vergeben Sie mir deshalb, liebe Newsletter-Abonnenten, dass ich das zum Anlass meines dieswöchigen Editorials mache.

Dass es sich dabei um peinliche Entgleisungen handelt, ist keine Unterstellung oder Erfindung von mir, sondern lässt sich in den sozialen Medien in ungezählten Postings nachlesen.

Zum Beispiel am Dienstag, den 24.2., im Kurier. Wo etwa Guentta treibt: „Der Operndirektor hat in der Zitatenkiste gekramt. Und sich dabei ordentlich vergriffen. Aber Stil lässt sich nicht kaufen.“

Eva Christine: „Darf der Chef des größten österreichischen Kulturunternehmens einen Kritiker mit einem Schwein vergleichen?“

Igitt: „Wohl eine verbale Entgleisung, da ein Schwein ins Spiel zu bringen.“

alte Donau: „Das mit der Sau ist halt nicht gewohntes Niveau.“

Karl Bauer: „Unser Opern-Direktor kann Kritik einfach nicht ertragen. Auch eine Charaktereigenschaft.“

Arezzo: „Die Inszenierungen seiner Amtszeit sind katastrophal.“

Antiquität: „Dieser von Drozda noch installierte Direktor ist immun gegen jede Kritik. (…) Am Opernball ist sowieso Hopfen und Malz verloren, seit er zu einer Freakshow selbstverliebter Möchtegern-Promis im Blitzgewitter der Fotografen verkommen ist.“

Genickologe: „Trotz alledem… Frau Mucha ist eine wunderbare Erscheinung! Herr Mucha darf sich glücklich schätzen, so eine fabelhafte und intelligente Frau an seiner Seite zu wissen!“

Und, und, und…

Was war geschehen: In diversen Medien (so etwa Krone, Kurier und Österreich) hatte ich mir erlaubt, in sachlicher Form Kritik am Opernball 2026 zu üben. Ohne Untergriffe. Konturiert und garniert mit ganz konkreten Verbesserungsvorschlägen.

Ich hätte mir dieses Recht wohl auch als Journalist herausgenommen. Freilich bin ich seit eineinhalb Jahrzehnten zahlender Gast des Opernballs. Und habe einen fetten, sechsstelligen Betrag für Logen am Wiener Opernball eingezahlt.

Ich bin Kunde der Staatsoper. Schätze den Opernball und das weltberühmte Opernhaus am Ring sehr. Und meine, dass es da viel Luft nach oben für Verbesserungen gibt.

Und es war nicht das erste Mal, dass ich die Staatsoper kritisiert habe. Als seinerzeit die Opernball-Lady abgeschafft und durch ein unsägliches Komitee ersetzt wurde, haben wir gar das Marktforschungsinstitut Triconsult gebeten, eine repräsentative Umfrage zu machen. Fazit: Die Mehrzahl der Befragten unserer Zeitschrift Elite sehnten eine neue Opernball-Lady förmlich herbei und lehnten das Komitee ab. Gefruchtet hat es nichts. Aber das elfte Gebot heißt: „Wer nicht versucht, die Dinge zu optimieren, der wird niemals zu einer Verbesserung beitragen.“

Meine – weder untergriffige noch beleidigende, sondern einzig sachlich formulierte – Kritik hat eine Reaktion hervorgerufen, die dann überraschend kam:

Roščić beflegelte mich im ORF-Hauptabend-Programm beim Opernball deutlich erkennbar als jemanden, der von Kultur keine Ahnung hätte. Eh nie in die Oper gehen würde. Und den „Untergang des Abendlandes“ deshalb heraufbeschwören würde, weil ich meinte, dass ich (bei aller Wertschätzung von West Side Story und dem wunderbaren Leonard Bernstein) die Staatsoper als den Ort der Oper und des Balletts verstanden habe. Und nicht von Musical.

Die Pointe daran: Die Kritik kam gar nicht von mir, sondern aus dem Inneren der Staatsoper und aus deren Umfeld. Jene, die das monierten, baten mich (einfach, weil sie Angst vor dem Staatsopern-Direktor und möglichen Repressalien hatten), deren (!) Kritik öffentlich zu machen. Wissend, dass ich weder Tod noch Teufel fürchte. Und Roščić schon gar nicht.

Danach habe ich noch eins draufgelegt, und ein Statement von Thomas Zeidler-Künz veröffentlicht. Denn dem kann Herr Roščić wohl nicht vorwerfen, dass er weder in die Oper geht, noch eine Ahnung von Oper hat (was übrigens auf mich selber auch nicht zutrifft – Roščić kennt mich diesbezüglich gar nicht und weiß nicht, wo ich meine Karten für die Staatsoper beziehe). Denn der ist einer der bedeutendsten Kulturkritiker einer der größten Tageszeitungen Österreichs. Versteht der auch nichts von Oper? Geht der auch nie hin?

Als all dies aufgearbeitet war, kam es zum großen Crash. So schreiben Österreich und der Kurier unisono:

oe24 am 24.2.2026
oe24 am 24.2.2026

Roščić setzte, wie Ex-profil-Herausgeber Christian Rainer hämisch anmerkte, das erste Instagram-Posting seines Lebens ab. Mit dem Text: „Ich habe vor langer Zeit gelernt, dass man sich nicht mit einem Schwein herumschlägt. Man wird dreckig und das Schwein genießt es obendrein.“

Er kommentierte Rainers Bemerkung mit dem Satz: „Irgendwas am Opernball muss mich getriggert haben.“

Womit für Medien und seine Follower klar war, dass damit wohl nur einer gemeint sein könnte. Wiewohl mein Name nie genannt wurde.

Ich bin selten sprachlos. In diesem Fall blieb mir förmlich die Spucke weg. Wie kann der Direktor eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt jemanden, der ihn mit sachlicher Kritik konfrontiert, mit einem degoutanten Schweins-Posting zu beleidigen versuchen?

Ich habe darauf kurz & knapp geantwortet. Mit dem Satz: „Niveau ist keine Hautcreme.“

„Störe Deinen Feind niemals, wenn er gerade einen Fehler macht.“ (Napoleon Bonaparte)

Aber vielleicht ist das ja der Unterschied zwischen mir als Selbstständigem, der seine Unternehmen stets als Dienstleistungsunternehmen verstanden hat, und dem Staatsdiener Roščić, der subventioniert wird und nicht sein eigenes Geld verwalten muss.

Würde ein Kunde mich mit Kritik an unserer Leistung konfrontieren, dann würde ich das höflich, sachlich und partnerschaftlich beantworten. Und nicht den Kritiker tierisch beschimpfen.

Ob ich deshalb beleidigt bin? Natürlich nicht. Oder, um es mit Christian Friedrich Hebbel zu sagen: „Nur die Wahrheit beleidigt.“

Roščić hat sich freilich damit als möglicher Feind von mir disqualifiziert. Ich bewahre mir gerne meine eleganten Feinde. Zu Herrn Roščić werde ich mich künftig nicht mehr äußern.

Ich erinnere mich an einen vergleichbaren Fall, in dem ich mit jemandem eine Auseinandersetzung, die leider öffentlich wurde, hatte. Derjenige wurde wenige Tage danach interviewt und gefragt, ob er sich mit mir wieder versöhnen wollte. Der Ehemann einer Jüdin (vielleicht versteht man dann das Gewicht seiner Äußerung besser) meinte in einem Fernseh-Interview wortwörtlich: „Selbstverständlich würde ich mich mit Mucha versöhnen. Ich würde mich ja auch mit Adolf Hitler versöhnen.“

In solchen Fällen muss man nichts mehr kommentieren. Das Gesagte des Betroffenen spricht für sich selbst. Und das gilt auch für Bogdan Roščić. Womit die Sache für mich erledigt wäre.

„Ein kluger Feind ist besser als ein dummer Freund.“ (Balthasar Gracián y Morales)

Ob der Staatsopern-Direktor daraus etwas lernt? Nun, wem die Klugheit fehlt, sich so in den Niederungen der sozialen Netzwerken zu äußern, der lernt wohl auch nichts dazu. Juchhu. Da braucht man dann nur am Fluss zu sitzen und darauf warten, was dem als Nächstes einfällt…

Mit herzlichen Grüßen

bin ich

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 19.2.2026

Offener Brief an Bogdan Roščić

Mein kritisches Resümee über das größte gesellschaftliche Ereignis des Jahres – den 68. Opernball. Und einige klare Worte an die Adresse von Bogdan Roščić, den Staatsopern-Direktor.

In einem bin ich mir zu hundert Prozent sicher: Wir hatten den größten Spaß am Opernball.

Ohne Stress. Ohne Call-Stars. Ohne hunderttausende Euronen für irgendwelche abgehalfterten Hollywood-Hysterikerinnen auszugeben, die dann statt zu unserem Dîner zu kommen, das man für unzählige Promis vorbereitet hatte, einen Jetlag vortäuschen und beim Plachutta ihr Schnitzel essen (Sharon Stone).

Ohne Dschungelcamp-Stars. Die mediengerecht über die eigene Schleppe und die Treppe stürzen (Evelyn Burdecki). Ohne Nacktstars (Micaela Schäfer). Ohne verwöhnte Töchter (Geissens). Und ohne Königshaus-Nichten. Die waren übrigens fesch und elegant. Und Weiss und Lameraner haben alles richtig gemacht. Aus ihrer Sicht. Achtzehn Personen in zwei Resopal-Bühnenlogen, die die Anmutung einer Bauhütte haben, hätten wir unseren Gästen freilich nicht zugemutet. Aber das ist eine Frage der Grundeinstellung.

Unsere Logen-Partner (Mag. Richard Weiland/philoro und Dr. Christoph Urbanek/Law and Finance) durften dafür rund 50 Medienberichte auch ohne Stargäste verbuchen. Dazu haben über 200.000 FB-Freunde alleine meine Facebook-Beiträge angeschaut und Ekaterina konnte auf ihren sozialen Netzen über eine Million (!) Zugriffe verzeichnen. Belegbar. Unglaublich, aber wahr. Und unser wichtigster Stargast war eine Ratte.

Der größte Aufreger von allen am Opernball war freilich meine öffentlich geäußerte Kritik an der Staatsoper. Am Red Carpet. An der Eröffnung. Und an der Musical-Darbietung. Die dem Opern-Chef offenkundig so aufstieß, dass er es sich nicht verkneifen konnte (ohne Namensnennung, aber freilich klar erkennbar, wer da gemeint war), eine massive Attacke gegen mich in der ORF-Hauptabendsendung loszulassen.

Darin meinte er, dass es da Leute gäbe, die angesichts der Tatsache, dass Musical aufgeführt werde, den „Untergang des Abendlandes“ heraufbeschwören würden. Und dass er solche Menschen, die von der Oper, in der er sich blendend auskenne, nichts verstehen und eh nie in die Oper gehen, meiden würde.

Mir wurde hinterbracht, dass er auf die andere Straßenseite wechseln würde, wenn er meiner ansichtig wäre. Ich habe das natürlich mit Humor ripostiert. Und gemeint, dass ich auf meiner Straßenseite gerne weitergehe. Wenn er eh auf die andere Straßenseite wechselt.

Zeit also, Herrn Roščić einen offenen Brief zu schreiben.

Warum er so ausgezuckt ist? Nun dafür gibt es einen wunderbaren Satz von Christian Friedrich Hebbel: „Nur die Wahrheit beleidigt.“

Sehr geehrter Herr Dr. Bogdan Roščić,

ich war über Ihr Verhalten und über Ihre Reaktionen auf sachlich vorgebrachte Kritik sehr verwundert. Ich verstehe nicht, warum Sie sich vor Ihren Kritikern im Labyrinth der Oper verstecken wollen, wenn Sie derer ansichtig werden.

Würde mich ein zahlender Kunde (und ich habe in den letzten Jahren Hundertausende in Logen in der Staatsoper investiert) mit Kritik an meiner Firma konfrontieren, dann würde ich das prüfen. Darüber nachdenken. Verbesserungen überlegen. Und meinem Kunden respektvoll antworten.

Ihre larmoyante und übergriffige Reaktion auf jene Punkte, die ich öffentlich angekreidet habe, war völlig unangemessen. Unprofessionell. Und alles andere als kundenfreundlich.

Aber vielleicht ist das der Unterschied zwischen Ihnen als Manager eines Subventionsbetriebes, der bis auf den Opernball Verluste macht, und mir als Privatunternehmer, der Gewinne deshalb macht, weil wir nie vergessen haben, dass wir ein Dienstleistungsunternehmen sind.

Auch Ihre Reaktion in einem Fernseh-Interview, wo Sie sich verwundert darüber zeigten, wie man sich auf dem Opernball amüsieren kann, und dass das überhaupt nicht Ihre Form der Unterhaltung ist, spricht Bände:

Irgendwie ist das so, als ob ich schreiben würde, dass ich nicht verstehe, warum die Leute meinen Newsletter lesen. Weil das eh nur unnötige, überflüssige Zeitverschwendung wäre.

Um das überspitzt zu formulieren: Glauben Sie wirklich, dass sich irgendjemand von Ihren Gästen für Ihre persönliche Befindlichkeit interessiert?

Sie haben gesagt, dass ich von Oper keine Ahnung hätte. Und nie in die Oper gehe. Woher wollen Sie das wissen? Sie wissen nicht, über wen ich meine Opernkarten beziehe. Haben keine Ahnung davon, dass ich aus einer klassikaffinen Familie stamme und die meisten Opern – viele auch in der italienischen Fassung – aus dem Effeff kenne.

Und – natürlich nicht als Experte, aber als höchstinteressierter Aficionado – einen starken Anteil meines musikalischen Herzens der Oper und dem Ballett verschrieben habe. Ebenso wie der klassischen Musik, Jazz und bildender Kunst. Für einen ehemaligen Musiker kein Wunder.

Sie freilich haben Handlungsbedarf. Denn ich bin nicht der einzige Schwan, der ohne Sie über die Bühne fährt.

Dazu kommt noch ein ganz wesentlicher Punkt: Die von mir geäußerte Kritik, dass die Staatsoper der Hort der Oper und des Balletts wäre und nicht von Musical, und dass Sie der Direktor der Staatsoper und nicht des Ronacher oder des Theater an der Wien sind, stammt gar nicht von mir.

Sie kommt, Herr Roščić, aus Ihrem eigenen Haus. Von Menschen, die der Staatsoper verbunden sind. Die in Vereinen, die der Staatsoper nahestehen, seit Jahrzehnten engagiert sind. Und die mich nach Bekanntgabe des Programms kontaktiert haben. Und gebeten haben, deren Kritik öffentlich zu machen.

Und wissen Sie, warum? Weil diese Menschen Angst vor Ihnen haben. Angst davor, im eigenen Namen Kritik zu üben. Angst vor Repressalien. Angst vor Streichungen mühevoll ausverhandelter Kompromisse und Kooperationen mit Ihrem Haus. Angst vor Ihrer allumfassenden Macht, mit der Sie die Oper rigide führen.

In deren Namen habe ich meine konturierte Kritik geäußert. Weil ich – im Gegensatz zu denen – weder Tod noch Teufel fürchte. Und Sie schon gar nicht.

Doch nun zu dem, woran es bei Ihnen krankt. Und darüber sollten Sie nachdenken. Vorausgesetzt, Sie nehmen Ihren Job ernst und haben noch so etwas wie Selbstreflexion in Ihrem Leib. Und den Wunsch, Dinge, die nicht passen, zu verbessern.

Deshalb in aller Kürze die wichtigsten Punkte, die beim Opernball 2026 überhaupt nicht gepasst haben. Und alle haben das mitbekommen:

Red Carpet: Die Situation beim Red Carpet ist – nun im wiederholten Jahr – nur mit dem Wort „chaotisch“ zu bezeichnen. Dort wird gestoßen und gerempelt. Es gibt keine, wie immer geartete, vernünftige Organisation. Die Karten werden direkt vor dem Red Carpet kontrolliert (was natürlich zum Stau führt).

Jeder drängt dort, steigt den Damen auf die Kleider. Es ist ein Tohuwabohu. Eiskalt. Sturm. Und Gäste und Medienvertreter sind verzweifelt.

Vielleicht leisten Sie sich ja einmal ein Ticket zu den Golden Globes? Oder zu den Oscars?

Vielleicht kann man ja in den nächsten Jahren im Vorfeld des Opernballs sich der Mühe unterziehen, jenen, die von den Medien interviewt werden, Pässe auszustellen. Eine Zutritts-Organisation vorzubereiten. Das funktioniert bei jedem Skirennen. Bei jedem Formel 1-Event. Und in die Boxengasse darf halt nur, wer dafür das richtige Badge erhält. Eine einfache Maßnahme. Kundenfreundlich.

Nie darüber nachgedacht? Okay, das ist mit Mühe verbunden. Aber bei Kosten von 60.000 Euro für einen Abend für Ihre Ehrengäste wohl durchaus angemessen. Meinen Sie nicht?

Programmauswahl: Ihre neue Ballett-Chefin Alessandra Ferri ist großartig. Ich durfte sie persönlich kennenlernen. Die Musical-Idee war wohl ihre. Ekaterina meint, dass die Kostüme wie Shrimps ausgesehen hätten. Dem kann ich nur beipflichten.

Und was die Auswahl des Musicals West Side Story betrifft – reflektieren Sie doch einmal den folgenden Text:

„Die Staatsoper für populäre Kultur und auch e-Musik zu öffnen ist begrüßenswert und hat ja z.B. beim Jazzfest jahrelang hervorragend funktioniert. Unvergessen sind Konzerte von Weltstars wie Liza Minelli, Ray Charles oder R.E.M., die selbst in der ruhmreichen Geschichte der Staatsoper für Ausrufezeichen sorgten. Beim Opernball ist die leichte Muse, selbst wenn sie von einem Giganten wie Leonard Bernstein stammt, jedoch ein falscher Ansatz. Da sollte die Tradition gepflegt und nicht jedem Trend nachgehechelt werden. Sonst endet die Eröffnung des Opernball womöglich noch in den Untiefen des Villacher Faschings.“

Das stammt nun freilich nicht von mir. Sondern von einem gewissen Thomas Zeidler-Künz. Und wenn Ihnen der Name nichts sagt: Der ist der Kulturchef einer der größten Tageszeitungen Österreichs. Geht der auch nie in die Oper? Hat der auch keine Ahnung?

Dass die Story in der Tageszeitung Österreich über meine Kritik an Ihnen laut Wolfgang Fellner der meistgelesene Beitrag zum Opernball war, mag Ihnen vielleicht auch zu denken geben.

Es gibt, sehr geehrter Herr Roščić, kleine Indizien, die einem zeigen, ob man richtig oder falsch liegt. Diese Zeichen an der Wand sollte man tunlichst zur Kenntnis nehmen. Und danach handeln. Der Shitstorm, den Sie für die Eröffnung bekommen haben, war, wie eine Tageszeitung geschrieben hat, „auch nicht ohne“.

Und dann war da noch ein Leserbrief in der Kronen Zeitung. Darin heißt es: Bei aller Wertschätzung für Leonard Bernstein, er war schließlich einer der bedeutendsten Dirigenten und hat auch als Komponist einen Namen, doch war es notwendig, den Opernball mit „West Side Story“ zu eröffnen? Das hervorragend interpretierte Duett aus der „Traviata“ hat dann zwar einigermaßen entschädigt, war aber insgesamt zu wenig. Nur weil die neue Ballett-Chefin diese Form der Eröffnung vorgeschlagen hat, muss das Direktorat nicht gleich einwilligen und mit einer jahrzehntelangen Tradition brechen. Oper und Musical sind zwei grundverschiedene Metiers, die man nicht vermischen sollte, und bei der Fußball-WM wird auch nicht Handball gespielt.“ (Mag. Martin Behrens)

Sie wissen, wie wichtig die Leserbrief-Seiten für das Kleinformat sind. Dort wird – subkutan, aber immens aufmerksamkeitsstark – die Volksmeinung transportiert. Und das Volk, das sind doch Ihre Kunden. Oder interessiert Sie nur die Elite? Und die Meinung der Mehrheit ist Ihnen wurscht? Das wäre für einen bekennenden Sozialdemokraten doch eher überraschend…

Ich habe nicht nur kritisiert, sondern auch konkrete Vorschläge gemacht. Wie von diversen Seiten der Verlugnerisierung des Opernballs und dem Absinken auf Dschungelcamp-Niveau entgegengesteuert werden könnte.

Hier nochmals meine wesentlichen Ansätze:

Zum einen wäre die Bundesregierung aufgerufen, wesentliche Proponenten, die international ein hervorragendes Standing haben, zum Opernball einzuladen. Die für Frieden und Demokratie stehen. Und so ein Zeichen zu setzen.

Die Staatsoper wäre eingeladen (ja, es gibt eine Künstlerloge, aber die dort Eingeladenen sind in der Berichterstattung untergegangen), zwei großartige Künstlerlogen aufzulegen, wo internationale Stars aus Oper, Ballett, Gesang, Kunst und Kultur eingeladen werden.

Der Österreichische Rundfunk könnte eine Loge für Weltstars aus dem Sportgeschehen kreieren und darauf verzichten, die hochgepushten, sogenannten „ORF-Stars“, sprich Moderatoren, in Ego-Manier in Szene zu setzen. Und stattdessen wahrhaftige Größen featuren.

Die heimischen Aristokraten (ja, ich weiß, der Adel ist abgeschafft, aber wir verfügen über eine hochkarätige Szene von Familien mit historischem Background) sollten dabei unterstützt werden, Vertreter des internationalen Hochadels – und damit meine ich nicht irgendwelche Nichten – zum Opernball einzuladen.

Und die Medien sind aufgerufen, in ihrer Berichterstattung sorgfältig zwischen Qualität und Trash zu unterscheiden. Keiner braucht fette Berichterstattung über Nacktmodelle, Dschungelstars und Glööcklers. Oder die Töchter der Geissens. Stellen wir uns vor, keiner berichtet über die. Gääähn. Das wäre schön.

Service: Abgesehen von den geschmalzenen Preisen ist das Service in den Logen eine Katastrophe. Viel zu wenig Personal, dem man nachlaufen muss, um frische Gläser zu bekommen. Den Service für unsere Gäste – das Einschenken und das Wegräumen – haben wir größtenteils selbst übernommen.

Diesbezüglich sollten Sie mit Ihrem Lieferanten, der ja ein Vermögen dafür berappt, um dort präsent sein zu dürfen, ein ernstes Wort reden. Die Zahl des Personals gehört wenigstens verdoppelt.

Opernball-Lady: Und vielleicht denken Sie ja einmal darüber nach, wie Ihnen alle Herzen zufliegen könnten: Das Komitee ist brav, fleißig und engagiert, aber jeder weiß, dass es Galionsfiguren wie Christl Gräfin Schönfeldt, Lotte Tobisch-Labotyn, Elisabeth Gürtler-Mauthner oder Desirée Treichl-Stürgkh benötigt, um ein Fest wie dieses zum Strahlen zu bringen.

Die Opernball-Lady abzuschaffen, war wohl Ihre schlechteste Idee.

Und irgendwie habe ich so das Gefühl, dass Sie letztendlich – das zeigt Ihre trotzige Reaktion – von allen geliebt werden möchten. Und alle Herzen würden Ihnen wohl zufliegen, wenn Sie wieder die Tradition der Opernball-Lady aufleben lassen würden. Es gäbe eine ganze Reihe an großartigen Damen hierzulande, die das mit Bravur und Brillanz meistern würden. Was übrigens auch ein toller Dienst am Standing der starken Frauen hierzulande wäre.

Mein Fazit: Ich bin Ihnen nicht böse. Sie sind so, wie Sie sind. Aber manchmal sollten Menschen wie Sie ihren Elfenbeinturm verlassen und sich dem stellen, was zwar schwer verkraftbar, aber die Aufgabe von jedem Manager ist – der Kritik der eigenen Kunden, Sachargumenten und der Realität.

Wenn Sie sich nicht zu gut und zu erhaben in Ihrem Olymp der Alleinherrschaft fühlen, dann stehe ich gerne für eine sachliche Diskussion zu all diesen Themen zur Verfügung,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Sonder-Newsletter zum Opernball

In Sorge um den Opernball 

Als ich in den letzten Tagen – mit Sorgfalt und Bedacht – in den sozialen Medien geäußert habe, dass ich dem überbordenden Lugnerismus am Wiener Opernball nur wenig abgewinnen kann, ist eine wahre Flut von (mehrheitlich zustimmenden) Reaktionen dazu über mich hereingebrochen. Und wer meinte: „Der Mucha meckert schon wieder“, dem sei entgegengehalten, dass ich als zahlender Gast, der seit 15 Jahren einen Riesenbetrag an die Staatsoper leistet, mir das Recht ausbedinge, dann, wenn es angebracht ist, auch (berechtigte) Kritik anzubringen.

Viele, die der Staatsoper als treue Besucher, als jahrelange Opernball-Geher und als Freunde und Förderer nahestehen, haben mich ermutigt, meine Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft des Opernballs akzentuiert zu kommunizieren. Und haben hinter vorgehaltener Hand gemeint, dass sie völlig meiner Meinung sind, aber sich die Finger nicht öffentlich verbrennen wollen.

Ich habe über das Thema lange nachgedacht und in mehreren TV- und Medien-Interviews meine diesbezüglichen kritischen Überlegungen in den letzten Tagen öffentlich gemacht.

Meine Argumente wurden vielfach übernommen. Zustimmung kam von vielen Freunden und Besuchern der Staatsoper, Verlegern, Journalisten und Society-Reportern, die meine Befürchtungen teils wortgetreu übernommen haben. Noch schöner wäre es, wenn der eine oder andere diesbezüglich auch auf die Idee gekommen wäre, den Namen des Urhebers dieser Kritik – sprich meinen Namen – zu nennen und sich nicht meine Argumente ohne Zitat anzueignen. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Der Opernball ist das wichtigste traditionelle Ereignis Österreichs. Mit weitem Abstand.

Er ist die höchste Einnahmequelle der Wiener Staatsoper im Jahr.

Er ist ein immens belebender Faktor für ungezählte Lieferanten und die Gastronomie.

Er ist eine große Austro-Tradition und damit ein ganz wesentlicher Faktor für den heimischen Tourismus und das Standing der Stadt Wien als Weltzentrum der Kunst, Kultur und der Musik.

Wer über solch ein Kleinod verfügt, der hat die Verantwortung, es auch zu pflegen. Der muss es schützen.

Doch leider ist dieses Kleinod in die Hände diverser Publicity-geiler Unternehmer gefallen, die das Vakuum nach dem Abgang von Richard Lugner nutzen wollen, um sich und ihre Unternehmungen in Szene zu setzen.

In Ermangelung von eigener Bekanntheit, Prominenz und Charisma grassiert nun bedauerlicherweise ein Call-Star-Modell, wo von internationalen Filmstars (Guschlbauers Sharon Stone und Lugners Fran Drescher) bis zu Dschungelstar-Prominenz alle möglichen und unmöglichen Figuren zum Opernball geladen werden.

Die Einlader sonnen sich in der Bekanntheit ihrer Bezahlt-Gäste, stopfen ihre Logen (in extremis bevölkern zwei Bühnenlogen da gezählte 18 Personen) mit einer Vielzahl sogenannter Promis voll und denaturieren Österreichs größten Gesellschaftsabend zur „Wer wird Austria’s Next Lugner?“-Reality-Show auf niedrigem Niveau. Im Wettbewerb um die Lugner-Nachfolge.

Doch wer war der Nachfolger von Hans Moser? Wer war der Nachfolger von Peter Alexander? Die Antwort ist einfach: Keiner. Denn für Originale gibt es keine Nachfolger. Und Richard Lugner war wahrhaftig ein Original.

Ach, wo sind die Zeiten geblieben, als noch Weltstars und gekrönte Häupter den Opernball besuchten? Als von Curd Jürgens bis zu Franz Josef Strauß, von Caroline von Monaco bis zur belgischen Königin wahrhaftige Größen unserer Welt den Opernball adelten.

Doch heute bleiben sowohl der Bundespräsident als auch der Bundeskanzler dem Ball fern. Eine traurige Entwicklung.

Und der Vizekanzler lädt in seine (Gratis-)Loge aus kosmetischen Gründen und zur Selbstrechtfertigung Max Minichmayr, einen jungen Mann mit Down-Syndrom, ein. Eine durchaus ansprechende Geste, die freilich Andreas Babler auch nichts helfen wird: Denn man sieht die Absicht und ist verstimmt.

Nun ist es klar, dass kaum ein Staatspräsident, kaum ein Weltpolitiker sich in Zeiten wie diesen, wo Kriege toben, Menschen hungern und Europa am Rande des Abgrunds steht, auf einer Veranstaltung präsentieren möchte, wo ein Glas Champagner 40 Euro und eine Rangloge samt Nebengeräuschen annähernd 60.000 Euro kostet. Denn diese Beträge sind obszön und politisch inkorrekt. Und da draußen sind nur allzu viele Menschen, die keinerlei Verständnis für Großmannssucht unserer Staatsdiener zum Nulltarif in Zeiten wie diesen haben.

Ich glaube, es wäre an der Zeit, diesem Negativ-Trend, der den Opernball sukzessive entwertet, Marketing-Maßnahmen entgegenzusetzen, um diese bedauerliche Entwicklung zu stoppen. Dagegen gäbe es eine ganze Reihe von probaten Mitteln:

Zum einen wäre die Bundesregierung aufgerufen, wesentliche Proponenten, die international ein hervorragendes Standing haben, zum Opernball einzuladen. Die für Frieden und Demokratie stehen. Und so ein Zeichen zu setzen.

Die Staatsoper wäre eingeladen (ja, es gibt eine Künstlerloge, aber die dort Eingeladenen sind in der Berichterstattung untergegangen), zwei großartige Künstlerlogen aufzulegen, wo internationale Stars aus Oper, Ballett, Gesang, Kunst und Kultur eingeladen werden.

Heuer gibt es ja wieder eine Künstlerloge der Staatsoper. Doch ich habe keinen einzigen bekannten Namen gefunden, der dort im Vorfeld kolportiert wurde. Angeblich soll Anna Netrebko kommen. Aber das ist bis dato unbestätigt.

Wenn Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić nach Sympathie heischt, dann könnte er die Tradition der Opernball-Lady wiederbeleben. Seien wir uns ehrlich, die Sache mit dem Komitee hat überhaupt nicht funktioniert. Opernball-Ladies wie Christl Gräfin Schönfeldt, Lotte Tobisch-Labotyn, Elisabeth Gürtler-Mauthner oder Desirée Treichl-Stürgkh waren starke Zeichen. Mit starken Frauen. Eine wundervolle Tradition. Und es gäbe so viele tolle Damen, die dafür höchst qualifiziert wären.

Lieber Herr Roščić, wenn Sie diesen Schritt nächstes Jahr wagen, dann fliegen Ihnen alle Herzen garantiert zu. Denken Sie doch bitte einmal darüber nach…

Der Österreichische Rundfunk könnte eine Loge für Weltstars aus dem Sportgeschehen kreieren und darauf verzichten, die hochgepushten, sogenannten „ORF-Stars“ in Ego-Manier in Szene zu setzen. Und stattdessen wahrhaftige Größen featuren.

Die heimischen Aristokraten (ja, ich weiß, der Adel ist abgeschafft, aber wir verfügen über eine hochkarätige Szene von Familien mit historischem Background) sollten dabei unterstützt werden, Vertreter des internationalen Hochadels – und damit meine ich nicht irgendwelche Nichten – zum Opernball einzuladen.

Und last but not least sind die Medien aufgerufen, in ihrer Berichterstattung sorgfältig zwischen Qualität und Trash zu unterscheiden.

Die sogenannte heimische Society ist eine bunte Mischung von Stars, Sternen und Möchtegern-Adabeis. Dass sich die alle am Opernball tummeln und natürlich gefeatured werden wollen, ist völlig in Ordnung. Dagegen ist nicht das Geringste einzuwenden. Aber seien wir uns ehrlich: Keiner braucht fette Berichterstattung über Nacktmodelle, Dschungelstars und Glööcklers. Oder die Töchter der Geissens.

Stattdessen könnte man sich auf jene konzentrieren, die der stilgerechten Berichterstattung über den Opernball wahrhaftig wert sind. Stellen Sie sich vor, die Geiss-Töchter sind am Opernball, und keine berichtet über die… Gääähn. Das wäre schön.

Es wird Zeit zum Umdenken. Bevor – dank der grassierenden Lugneritis – der Opernball endgültig zum flachen Trash-Event abdriftet

mahnt

Ihr

Christian W. Mucha,

der sich mit seinen Logen-Partnern Mag. Rudolf Brenner (philoro) und Dr. Christoph Urbanek (Urbanek Law und Finance) und unseren Begleitungen auf einen ungetrübten Opernball-Abend freut. Ohne Stress.

Und das ganz ohne Bezahlt-Stargäste. Nur in unserer Freundesrunde. Mein persönlicher Stargast trägt eine Traumrobe, den schönsten Schmuck am Ball, ist Akademikerin, beliebt bei alt und jung und hat sogar mein Frackhemd gebügelt… Und hört auf den Namen Ekaterina.


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 12.2.2026

Loss di net erwischen

Was Melania Trump und Meghan Markle gemeinsam haben: Jeder greift einmal daneben. Blöd nur, wenn das alle mitkriegen. 

Von meinem Großvater habe ich etwas geerbet, was – neben den guten Genen – höchst wertzuschätzen ist: Neben der Fähigkeit, im richtigen Moment den sogenannten „gesunden Menschenverstand“ einzuschalten, einen Ratschlag, der mich schon oft gerettet hat.

Hans-Joachim Kulenkampff, der legendäre Talk-Master, war immens beliebt. Seine TV-Sendung „Einer wird gewinnen“ (EWG) war der Straßen-Feger. Wenn EWG lief, saßen damals alle vor dem TV-Gerät.

Kulenkampffs Erfolgsgeheimnis war einfach. Er war das, was man als „weisen Mann“ bezeichnet, formulierte brillant und vor allem: Er hatte keine Angst davor, zu improvisieren. Seine Sendungen überzog er regelmäßig.

Ich erinnere mich noch an die Einblendung: „Die nächsten Sendungen verzögern sich um ca. 20 Minuten“. Damals ging das noch. Da wurde nicht – wie bei der Romy-Gala – der Ton abgeschaltet, wenn man seine Redezeit überzogen hatte.

Eines Tages lief eine Sendung, wo eine Kandidatin von sechs Fragen in dieser Rateshow fünf richtig beantwortete. Zum Trost gab es kleine Goldmünzen. Kulenkampff tröstete die ausgeschiedene Kandidatin, überreichte ihr die Münzen und – jeder überriss, dass er an dieser Stelle improvisierte – sagte den Satz: „Sie haben von sechs Fragen fünf richtig beantwortet. Und sind dennoch ausgeschieden. Wer von uns kann schon behaupten, dass er von sechs Fragen, die das Leben an ihn stellt, fünf richtig beantwortet?“

Das löste etwas aus in mir. Nach der Sendung dachte ich lange darüber nach.

Wenn man jede Entscheidung nimmt, die man im Leben trifft, und sie objektiv bewerten würde: Soll man den fetten Rindsbraten essen, die eigene Frau zurechtweisen, den unsympathischen Kompagnon deshalb, weil er Geld hat, in die Firma holen oder soll man sein Gold-Depot verkaufen oder behalten?

Ich bin heute – im fortgeschrittenen Alter – zu dem Schluss gekommen, dass jemand, der von zehn Fragen zwei richtig beantwortet (und zwar objektiv richtig), glücklich, reich und berühmt werden wird.

Doch mein Großvater hat mir erklärt, dass es dann, wenn man Fehlentscheidungen trifft oder Dinge nicht richtig hinkriegt, eine ganz, ganz wichtige Falle gibt, in die man besser nicht tappen sollte.

Opa meinte: „Wenn Du einen Flop hinlegst, dann lass Dich um Gottes Willen nicht dabei erwischen. Sorge dafür, dass keiner das mitkriegt.“

Eigentlich ein sehr einfacher Rat. Sollte man meinen. Und jeder PR-Berater sollte dieses Wissen „drauf“ haben. Doch wer sich anschaut, was da weltweit abgeht, der kann nur den Kopf schütteln:

Meghan Markle schließt einen Riesenvertrag mit Netflix ab. Und keiner sagt ihr, dass das Ergebnis kontrollierbar sein wird. Und sie damit gewaltige Risiken eingeht. Und ihre Lifestyle-Serie „With Love, Meghan“, die im März 2025 auf Netflix startete, wird zum Flop und wurde wegen enttäuschender Quoten Anfang 2026 abgesetzt. Eine riesige Faustwatsche, die ihr Image nachhaltig beschädigt hat.

Ein sehr prominenter Freund von mir hat – aus reiner Eitelkeit – eine Autobiografie geschrieben. Der Typ ist charismatisch, klug und berühmt. Nur schreiben kann er nicht. Sein Band floppte. Und die Medien waren voll der Häme, dass er von seinem Œuvre genau 116 Bücher verkauft hatte. Im Buchgeschäft spricht man in solchen Fällen davon, dass die Käufer des Buches alle mit dem Autor persönlich bekannt sind. Eine furchtbare Schmach.

Oder nehmen Sie Melania Trump. Hat die niemand davor gewarnt, mit einem unfähigen Regisseur, der noch dazu dieser Tage mit Epstein durch die Gazetten ging (schlimmer kann’s für niemanden kommen), einen narzisstischen Kinofilm zu produzieren?

Wenn so etwas nicht klappt, dann kann man einpacken. Denn jeder sieht, wie erbärmlich der Kinosaal besetzt ist, und wenn dann grad einmal sieben Zuseher bereit sind, eine Karte zu kaufen, dann wird’s echt peinlich.

Eine US-Komödiantin zeigte in einer Talk-Show den „Melania-Blick“. Sie meinte: „Halten Sie den Kopf leicht schief, richten Sie den Blick in die Ferne, so als würden Sie auf das Kennzeichen eines weit entfernten Autos schauen, das Sie aber nicht entziffern können, und Sie haben ihn: den interessanten Melania-Blick.“ Peinlich.

Was lernen wir daraus? Nun, jedem steht das Recht zu, Fehler zu machen, Fehlentscheidungen zu treffen oder Flops zu produzieren. Das gehört zum Leben. Nur erwischen sollte man sich dabei nicht lassen. Und – die eigene Eitelkeit ist ein Luder. Ihr zu verfallen, gepaart mit dem Fehler, sich selbst zu überschätzen, kann einem teuer zu stehen kommen,

warnt Sie

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 5.2.2026

Der Operettenball 2026

Allerlei Skurrilitäten um das größte Society-Ereignis des Jahres.

Nach meinem – gefühlt – 15. Opernballbesuch darf ich von mir wohl mit Fug und Recht behaupten, diesbezüglich ein „Experte“ zu sein.

Denn immerhin habe ich mir über ein Dutzend Mal den Luxus geleistet, eine Loge zu buchen.

Einmal war es nur eine Bühnenloge. Schwerer Fehler. Man brauchte einen Schuhlöffel, um hineinzukommen. Drinnen herrschte Platzangst. Und die Resopal-Platten verbreiteten den Charme einer etwas gepflegteren Bauhütte. Dafür erspart man sich Geld, was der sparsame Herr Glööckler und zwei umtriebige Modewuzzis (die haben doppelte Bühnenlogen) heuer ebenso wie Bäcker Kurt Mann beweisen.

Wer weiß, mit wie viel sich heuer die Kosten einer echten Opernball-Loge samt Nebengeräuschen zu Buche schlagen, der wird blass. Um eine der begehrten Ranglogen erwerben zu können, ist der Status als Donator des Offiziellen Freundeskreises der Wiener Staatsoper zwingend erforderlich. Er ist die Voraussetzung, dass man überhaupt zu einer gescheiten Loge kommt. Zusammen mit dem Logenpreis von über 25k, läppern sich da ganz schnell rund 60.000 Euro zusammen.

Ein obszöner Betrag. Und eigentlich durch nichts zu rechtfertigen.

Das Ganze funktioniert nur dann, wenn man es wirtschaftlich betrachtet, den Opernball als Netzwerkplattform versteht, intelligente Wege findet, das steuerlich abzuschreiben, Partner und Sponsoren findet.

Und sich die Kosten mit Freunden teilt. Auch dann wundert man sich, wer aller bereit ist, so viel Geld an einem einzigen Abend auszugeben.

Wir haben uns das heuer recht fein aufgeteilt: Rudi Brenner von Philoro steuert ebenso seinen Teil bei wie Rechtsanwalt Dr. Christoph Urbanek, ein Immobilienentwickler.

Das Le Méridien und sein umtriebiger Direktor Hanspeter Soller spendieren ein wunderbares Diner.
Ekaterinas Kleid kommt von Alexis González, der sich wiederum an tollen Artikeln im Kurier und in Österreich erfreuen durfte. Und der Schmuck kommt Von Köck.

Auch da gab es tolle Berichte über Ekaterina in diversen Gazetten.

Sohin sind alle rundweg zufrieden. Und ich muss nicht in den Schuldturm.

Was freilich bewegt Menschen beim Concours der Eitelkeit, zusätzlich zu diesen – schon exorbitant genügend hohen Kosten – noch einen Stargast einzuladen?

Otto Schenk, der leider verwichene, wunderbare Schauspieler und Regisseur, hätte das wohl so formuliert:
Jetzt, wo der Luuugner tot ist, stehen sie alle mit Schauuuum vor dem Mund. Und roooollen mit den Aaaaaugen. Und hecheln: “Ich werd der Lugner-Nachfolger.” Und ein Schauuuumrooollen-Heeersteller holt für 100.000 Euro die Sharon Stone nach Wien. Und wird mit der über Nacht weltberühmt in Österreich.

Ich frage mich ja, wie viele Schaumrollen der Herr Guschlbauer verkaufen muss, um die kolportierten 100k wieder hereinzuspielen. Wir haben es uns ausgerechnet. Bei einer marktüblichen Spanne müssten das ungefähr 170.000 Schaumrollen sein.

Beim Lugner war das anders. Da zahlten seine Pächter mit. Übrigens genau bis zu jenem Zeitpunkt, wo einige Revolution spielten, weil sie die Hollywald-Größen des Herrn Lugner zur Befriedigung von dessen Eitelkeit nicht mehr aus dem Lugner-City-Budget berappen wollten. Lugner hat diesen Aufstand ganz schnell niedergeschlagen.

Angeblich zahlen die Pächter der Lugner City noch heute fleißig mit.

Ist ein Stargast auf dem Opernball eine gute Investition?

Was bringt das den Modewuzzis, wenn sie das, was ich schon vor Jahren gemeint habe, wiederkäuen und meinen: Wir würden niemals für einen Stargast bezahlen.

Was natürlich nicht ganz so stimmt, denn die Topmodels, die sie da in ihre Logen schleppen, haben selbstverständlich tolle Shootings mit ihren Medien gemacht. Auch nicht gerade gratis. Darauf kann man Gift nehmen.

Also ist da schon irgendwas – mit einer gewissen Umwegrentabilität – geflossen.

Aber um auf dem Opernball zu brillieren und als Nachfolger von Lugner gehandelt zu werden, muss man noch etwas haben: Authentizität. Und die Unverwechselbarkeit von Richard Lugner.

Man darf also nicht nur irgendetwas daherplappern. Man muss Hans-Moser’sche Qualitäten haben. Oder Aufreger liefern.

Wer von all denen, die sich da wichtig machen, hat das drauf?

Nun, mir fällt da keiner ein.

Apropos einfallen. Operndirektor Bogdan Roščić hat jüngst wieder das getan, was er am liebsten macht: sich selber reden hören. Aber er spricht gut. Und hat auch etwas zu sagen. Und hat uns eröffnet, dass es diesmal auf dem Opernball neben einem Stück aus La traviata und den üblichen Hymnen auch zwei Songs aus der West Side Story geben wird.

Die Medien haben die Geschichte vornehm geschluckt. Viele Opernball-Stammgäste nicht.

Denn eigentlich gäbe es nur eine einzige Operette, die man in der Staatsoper hören will. Und das ist “Die Fledermaus” von Johann Strauss. Am besten in der legendären Inszenierung des oben erwähnten Otto Schenk. Möglichst zu Silvester.

Ansonsten ist die Staatsoper der Hort der Oper und des Balletts. Und vielleicht hat Herr Roščić ja vergessen, in welchem Haus er da tätig ist. Denn Österreichs größtes Society-Ereignis des Jahres heißt ja nicht Volksopernball, sondern Opernball.

Was fällt dem Roščić dann im nächsten Jahr ein? Müssen wir uns dann auf die Original Oberkrainer einstellen? Oder auf DJ Ötzi? So verkitscht ein Traditionsereignis immer mehr und ich würde mich nicht wundern, wenn der Schaumrollen-King statt der Lugner’schen Stretch-Limousine mit einer Schaumrollen-Kutsche daher kommt, aus der Sharon Stone vorsichtig herausrutscht. Und alle werden hinstarren, aber die basischen Instinkte werden nicht erfüllt werden, weil die Opernballkleider bekanntlich bis zum Boden reichen.

Aber das sind nur kleine Anmerkungen zu etwas, was hierzulande für viel Aufregung sorgt. Die Vorbereitung, die Kleider, die Mühe, die sich alle dafür machen. Und das nur für eine einzige Nacht.
Früher hieß es: tu felix Austria nube, heute eher: Gute Nacht, Österreich.

Also werde ich den letzten Opernball (mit eigener Loge) tunlichst genießen und mich daran erfreuen, dass wir keine Stargäste, sondern Freunde in unserer Loge haben. Beides probiert. Kein Vergleich.

Vor vielen Jahren hatten wir zum Beispiel eine wesentliche Aktionärin von Pepsi-Cola bei uns zu Gast. Eine Freundin. Bezahlt haben wir nichts dafür, dass Diane Shulman unser Gast war.

Und auch einen der bekanntesten amerikanischen Anwälte (Roger Richman), der von Marilyn Monroe bis zu Steve McQueen bis zu Audrey Hepburn und Liz Taylor unzählige Hollywood-Stars unter Vertrag hatte, hatte wir bei uns in der Loge. Dem haben wir nicht einmal die Flüge und das Hotel bezahlt. Er freute sich über die Einladung und wohnte bei uns.

Heute ist das alles anders: Da heißt es “Tue Gutes, brenne wie ein Luster und rede darüber”.

Und vielleicht verkauft die Sharon Stone ja 170.000 Schaumrollen

hofft für den Big Spender

Ihr

Christina W. Mucha

PS: Apropos, was mich auch stört: Warum gibt’s keine Opernball-Lady mehr? Da könnte der Roščić das Rad zurückdrehen. Und dafür würden ihn dann alle lieben.

Der Obige


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 29.1.2026

Liebe Leser
Steuer? I do net

Harte Strafen für Digital-Trickser und Gastro-Kriminelle!
Sie schädigen den Ruf unserer Branche.

Nach dem jüngsten Auffliegen des Registrierkassen-Betrugs, bei dem laut Finanzministerium gegen 20 Gastronomen aus Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und dem Burgenland ermittelt wird, wird jetzt heftig in der Branche spekuliert.

Wer könnten denn die „durchaus bekannten“ Namen sein, die da demnächst auffliegen werden?

Die Gesetzeslage für Medienberichte diesbezüglich ist ziemlich eindeutig: Wer sich nicht die Finger verbrennen will, der nennt keine Namen in dieser Phase. Obwohl uns diverse – darunter einige durchaus bekannte – zugeflüstert wurden.

Eines kann ich verraten: Bei den Delinquenten handelt es sich um Typen, die sich für ihren rigiden Umgang mit Lieferanten gleichwohl wie mit Mitarbeitern bereits einen gewissen „Ruf“ erworben haben.

Für jene, die am eigenen Leib verspürt haben, wie die ticken, wird das Outen von denen dann schlussendlich wohl keine Überraschung sein.

Mir hat mein Vater drei Ratschläge gegeben. Fürs Leben. Er meinte: „Heirate nur eine Österreicherin. Kauf Dir nie einen Rolls-Royce. Und vor allem: zahl Deine Steuern immer pünktlich.“

An einen von diesen drei Punkten habe ich mich gehalten. An die beiden anderen Gott sei Dank nicht, sonst wäre mir Ekaterina, das Glück meines Lebens, niemals beschert gewesen. Und ja, ich bin auch teure Autos gefahren – und es hat mir nicht wirklich geschadet.

Die Steuer freilich habe ich immer pünktlich und regelmäßig bezahlt. Mit einer kleinen Einschränkung: Auf Steuerprüfungen (und derer gab es unzählig in fast fünf Jahrzehnten unseres Bestehens) muss man gut vorbereitet sein.

Und wir hatten weit mehr als unsere Mitbewerber. Was mit der Missgunst, dem Neid auf unseren Erfolg und vor allem damit zu tun hat, dass unsere Widersacher immer wieder versucht haben, uns diesbezüglich anzupatzen.

Freilich völlig ohne irgendeinen Erfolg. Denn ich habe es stets so eingerichtet, dass der Prüfer, wenn er sucht, auch irgendetwas findet. Einen Haifisch kann man nur loswerden, wenn man ihm ein Stück Fleisch anbietet. Dann dreht er meistens ab.

Deswegen empfiehlt es sich, Kleinigkeiten, die natürlich finanzstrafrechtlich irrelevant sein müssen, in den eigenen Büchern auffällig zu platzieren. Kommt dann der Prüfer drauf, dann freut er sich. Du zahlst den Betrag nach (das ist eine vergleichsweise geringe Summe) und hast das von Anfang an einkalkuliert. Und alles ist gut. Zumindest hat mir das unser legendärer Steuerberater Johann Pokorny, der viel zu früh gestorben ist, mit seiner unglaublichen Branchenerfahrung beigebracht.

Abgaben vorsätzlich zu hinterziehen gehört freilich zum Dümmsten, was man anstellen kann. Ganz besonders in der Gastronomie. Denn da gibt’s eine Reihe von Imponderabilien, die sind absolut tödlich. Und die garantieren, dass jeder früher oder später erwischt wird:

Zum Ersten muss man damit rechnen, wenn eine Software-Firma einem ein Package anbietet, mit dem sich vermeintlich der Zugang zum Finanzministerium von der Registrierkasse blockieren lässt, dass das die Mitbewerber des Anbieters mitkriegen. Der wird angezeigt, geht in Untersuchungshaft und um seine Haut zu retten, übergibt er der Finanzbehörde seine Kundenliste.

Zum Zweiten: Wenn viel darüber spekuliert wird, dass da auch Betriebe mit mehreren Restaurants involviert sind: Das ist besonders blöd. Denn da gibt es Mitwisser. Der Restaurantchef, der Oberkellner. Und Mitwisser – das weiß jeder gewiefte Verbrecher (ich übrigens auch) – sind das Allerblödeste, was man bei kriminellen Handlungen braucht.

Und zum Dritten sind Finanzstrafverfahren deshalb ganz besonders deppert, weil die Jahre zurückverfolgt werden. Die verjähren nicht, wie viele andere Vergehen, relativ bald, sondern da wird eine weite Strecke zurück untersucht. Im vorliegenden Fall reichen die Untersuchungen fünf bis zehn Jahre zurück, je nachdem, wie hoch der strafbestimmende Wertbetrag der einzelnen Gastronomen ist. Bei einem Wert von unter 500.000 Euro werden „nur“ die letzten fünf bis sieben Jahre untersucht, ab 500.000 Euro geht es dann schon bis zu zehn Jahre zurück.

Und zum Vierten sind die Strafen empfindlich hoch. Nicht nur, dass man den gesamten Betrag, den man an Abgabe hinterzogen hat, zurückzahlen muss, dazu kommt noch eine fette Geldstrafe, und – und jetzt wird’s echt schlimm – bei hohen Beträgen eine Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren. Dazu der Entzug der Gewerbeberechtigung.

Es kann also sein, dass wir uns vom einen oder anderen prominenten Gastronomen demnächst verabschieden müssen. Dass dem die Strafe das Genick bricht. Und ohne Gewerbeberechtigung tut man sich auch nicht gerade leicht.

Ich verspreche eines: Um den einen oder anderen, der hier unter der Hand gehandelt wird, ist es definitiv nicht schade.

Abschließend noch eine kleine Anmerkung zum Kreis der Betroffenen: Ich glaube, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, ausschließen zu können, dass es sich dabei um international verankerte Betriebe handelt. Die haben ein glasklares Rechnungswesen, haben andere Steuertricks, auf die sie zurückgreifen können, außer „Linke“, und zählen daher nicht zum Kreis der Verdächtigen.

Und wenn – wie im Fall der Brau Union – man sich illegale Preisabsprachen leistet, dann wird’s schlussendlich international unbequem. Und ganz besonders teuer.

Wir halten Sie in der Causa jedenfalls auf dem Laufenden

und ich bin

mit herzlichen Grüßen

Ihr

Christina W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 15.1.2026

Liebe Leser

ich hoffe, Sie sind gut ins neue Jahr gestartet.

Wir haben über die Feiertage eine wunderbare Skiwoche in Obertauern genossen. Und dort hat sich etwas ergeben, was mich ganz besonders gefreut hat: Wieder einmal habe ich den Beweis erhalten, dass auch Lob, das man über die sozialen Medien transportiert, gewaltige Reaktionen auslösen kann. Und digital durch die Decke geht.

In Obertauern waren wir zu Gast im Hotel Rigele Royal. Einem Vier-Sterne-Superior-Betrieb, der von seinem Eigentümer mit viel Verve, Engagement und Courage geführt wird. Der Mann hat eine Eigenschaft, die man in der Gastronomie und Hotellerie leider nur allzu oft vermisst: Er ist großzügig.

Nun befinden wir uns ja in Planung für eine neue digitale Plattform, die wir demnächst launchen werden:

Unsere Online-Seite www.michnervt.at (Achtung – noch nicht online) soll als Zeitventil für die kleinen Ärgernisse des Alltags einerseits dienen. Andererseits wollen wir dort aber auch Platz und Raum für digitales Lob schaffen.

Eine Umfrage unter Prominenten hat ergeben, dass sie alle sofort darauf anspringen.

Zum einen darauf, sich die kleinen Ärgernisse des Alltags von der Seele zu reden – und ja, diese auch öffentlich zu machen. Zum anderen aber dort, wo Lob angebracht ist, dies auch öffentlich zu sagen.

Durch die Vorarbeiten an www.michnervt.at bin ich natürlich einigermaßen sensibilisiert auf die „Schätze des Alltags“. Einem solchen bin ich im Hotel Rigele Royal begegnet:

Wer hat noch nicht Ärger darüber verspürt, wenn man beim Frühstück vor den angebotenen Fruchtsäften steht und daneben sind mikroskopisch kleine Gläser.

Einer dieser Gastro-Tricks, um die Gäste daran zu hindern, zu viel von teurem Fruchtsaft zu konsumieren. Wer geht schon dreimal mit einem Achtel-Liter-Glas vom Buffet zum Frühstückstisch. Andere wiederum argumentieren, das sei eine kluge Maßnahme, weil der Gastronom damit vermeidet, dass nicht getrunkene Säfte entsorgt werden müssen.

Ich gebe ehrlich zu: Ich gehöre zur ersten Gruppe.

Umso erfreulicher war, dass direkt neben dem reichhaltigen Fruchtsaftangebot im Rigele Royal große Viertellitergläser standen.

Und das habe ich auf den sozialen Medien mit einem Video dokumentiert.

Wie sehr die Menschen derartige Kleinigkeiten des Alltags bewegen, hat mich dann aber freilich doch überrascht.

Allein auf TikTok haben bis dato gezählte 131.000 Besucher dieses Video angeschaut. Eine vierstellige Zahl von Likes und ungezählte Kommentare dazu beweisen, wie wichtig Mikro-Erlebnisse für die Gäste und ihre Urlaubslaune sind.

Wenn Sie zum Gelingen von www.michnervt.at mit einem Bericht beitragen wollen, dann bitte ich Sie, mir das an zu senden.

Eine Mikroanekdote, was Ihnen besonders Freude bereitet, Sie überrascht hat oder wovon Sie positiv angetan waren – oder ein kurzes, wahrhaftiges Statement, worüber Sie jüngst genervt waren. Und wie man das abstellen könnte.

Dass im Verlauf des heurigen Jahres für Sie das Positive gegenüber dem Unbill überwiegt, hofft

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 9.12.2025

Liebe Leser

Bei Weltereignissen entstehen Dynamiken, die eine innere Entwicklung auslösen. Und manchmal haben sie auch eine Außenwirkung. Im vorliegenden Fall eine fatale.

Bei all jenen, die Sorgfalt auf ihre Fahnen geschrieben haben und die die historische Verantwortung Österreichs in den Fragen Nationalsozialismus und vor allem Holocaust richtig einschätzen und deuten, ging in den letzten Wochen das Zittern um. Wie fatal wäre es wohl gewesen, wenn Israel beim Eurovision Song Contest nicht hätte teilnehmen können. Just in Wien.

Umso erleichtert waren die historisch verantwortungsvollen Kräfte hierzulande, dass – mit äußerst knappem Entscheid – der israelische Sender Kan (nicht der Staat bekommt die Erlaubnis zur Teilnahme, sondern der jeweils nationale Fernsehsender) nun doch einen Vertreter von Israel am 16. Mai 2026 nach Wien entsenden kann.

Nicht vergessen sollten wir auch, dass Israels Vertreterin im Vorjahr, Yuval Raphael – mitten im Krieg –, Zweite des Bewerbs wurde. Dank Jury- und Publikumsvoting (!!!).

ORF-GD Roland Weißmann war dazu – nach einer lästigen Erkrankung und trotz einer Bindehautentzündung (Damit zu fliegen ist nie eine gute Idee) – nach Israel gepilgert, hatte dort den israelischen Staatspräsidenten Yitzhak Herzog getroffen und sich bei einem Treffen mit Kan-Vorstand Golan Yochpaz vehement für eine Teilnahme eingesetzt.

Postwendend auf den für uns so erleichternden Entscheid – denn welches Signal wäre da wohl von Österreich aus in die Welt geschickt worden, wenn Israel gesperrt wäre – folgte dann der Schock.

Die Sender der Staaten der Niederlande, Spanien, Slowenien und Irland sagten den ESC in Wien ab.

Wer weiß, welchen “Zielgruppen” die nationalen Sender der oben genannten Länder „verpflichtet“ sind (ohne dies näher auszuführen), der beginnt zu ahnen, warum es dazu kam.

Ich für meinen Teil habe kein Problem damit, wenn Menschen für Palästina eintreten, die unmenschlichen Rahmenbedingungen für die Menschen dort aufzeigen und die Hilferufe der Zivilbevölkerung im Gazastreifen, die unendlich leidet, in die Welt hinaustragen. Und für Hilfe und für eine Zukunft dieses geplagten Landes einstehen.

Weniger leicht tue ich mir, wenn Palästina-Demonstranten offen Antisemitismus verbreiten, Journalisten attackieren (wie jüngst einen OE24-Reporter) und ihre Anti-Israel-Gewaltvorstellungen just bei uns in Österreich auf die Straßen tragen.

Denn während die Justiz gegen Antisemitismus und Wiederbetätigung zu Recht mit drastischen Strafen vorgeht (jüngst wurde ein Aula-Chefredakteur zu vier Jahren Haft verurteilt, nicht rechtskräftig), lassen unsere Behörden unter dem Deckmantel von Demonstrationsfreiheit und Meinungsäußerung Wut- und Hassversammlungen zu, wie wir das schon lange nicht mehr gesehen haben.

Die politischen Entwicklungen der letzten Jahre haben Israel-Bashing und Antisemitismus massiv befeuert. Der Antisemitismus ist in einem Maß gestiegen, wie wir das seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben. Es ist eine dieser grauslichen Entwicklungen in der Weltpolitik, wie wir sie auch andernorts in vielen Bereichen mit Entsetzen erleben.

Wenn der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer eine Anerkennung des Staates Palästina lautstark fordert, dann mag das seine persönliche Meinung sein. Ich frage mich nur – so wie viele, denen die politische Situation im von der Hamas kontrollierten Leidensland bewusst ist – wen oder was man dort anerkennen möchte?

Das Wichtigste in der Politik, aber auch das Schändlichste, ist, dass wir allzu schnell vergessen, verdrängen, schubladisieren, wenn es um Kriegsverbrechen und die Vernichtung von Minderheiten geht. Im Fall von Israel und vor allem der Frage des Holocaust muss in Österreich für alle Zeiten gelten: Niemals wieder.

Bitte seien wir uns dieser historischen Verantwortung bewusst und sorgen wir dafür, dass dem Vergessen kein Raum gegeben wird und dass Juden hierzulande das Recht haben, frei und geschützt und friedlich zu leben, ohne befürchten zu müssen, selbst im Alltag zu Schaden zu kommen.

Jüngst war der Chef eines großen Unternehmens bei mir zu Gast. Er trug eine Kappe. Im Verlaufe des von ihm sehr sorgfältig geführten Gesprächs eröffnete er mir, dass er Jude sei. Und nahm seine Kappe ab, darunter trug er seine Kippa sorgfältig versteckt.

Und da verstand ich: Die Angst begleitet auch seinen Alltag.

Und das sollte in Österreich definitiv nicht (mehr) möglich sein

meint nachdenklich

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 4.12.2025

Liebe Leser

Die Mutter aller Medienschlachten.

Im kommenden Jahr steht eine wesentliche Entscheidung ins Haus. Für die ORF-Generaldirektorenwahl am 11. August 2026 bringen sich jetzt alle möglichen Kandidaten in Stellung.

Es ist eine der umfassendsten und kompliziertesten Recherchen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Ich habe sie mit Akribie, Feingefühl, guten Relationen und stets mit der Zusicherung von Vertraulichkeit absolviert. Da sind viele, viele Arbeitsstunden und unzählige Telefonate und Treffen eingeflossen.

Die Namen derer, die gehandelt werden, sind schnell aufgezählt. Natürlich der amtierende Generaldirektor Roland Weißmann. Er hat sich noch nicht geäußert, ob er sich bewerben will, und wartet wohl die Signale, die ihm von der Politik übermittelt werden, ab.

Weißmann gilt weitgehend als Alleingänger. Als einer, der für den ORF brennt. Für ihn spricht, dass er mit dem Durchpeitschen der Haushaltsabgabe die Existenz des ORF mit unglaublich viel Einsatz gesichert hat. Er hat den Bonus des Amtsinhabers. Was ihm zu schaffen machen könnte, verrate ich demnächst.

Eines ist klar: Den ORF-Generaldirektor nominiert die ÖVP. Mit der Erschwernis, dass die SPÖ ihre Position im Entscheidungsgremium deutlich verbessert hat. Und auch die Neos werden ein Wörtchen mitreden. Die FPÖ mit ihren drei Stimmen auch. Wobei einer der FPÖ-Stiftungsräte jüngst ordentlich ins Gerede gekommen ist und unter schweren Beschuss geriet. Doch das ist eine andere Geschichte.

Damit ist klar, dass jemand, der nicht – deutlich und klar erkennbar – auf einem ÖVP-Ticket reitet, keine Chancen haben wird. Was jedoch den einen oder anderen Proponenten womöglich nicht daran hindern wird, es trotzdem zu versuchen. Frei nach dem Motto: Dabei sein ist alles.

Neben Roland Weißmann ist auch ORF-Niederösterreich-Chef Alexander Hofer in Gerede. Während man aus der Branche hört, dass beide die Unterstützung der mächtigsten Frau in der ÖVP, Johanna Mikl-Leitner, für sich beanspruchen, hat sich da durchaus Spannendes recherchieren lassen. Darüber informiere ich Sie im Detail demnächst. Fakt ist: Hofer hat beste Chancen.

Ein weiterer Kandidat ist wohl Philipp König, Kronenhit-Radio-Geschäftsführer. Doch König ist mehr als nur der Radioboss von Christoph Dichand. Ein hervorragender Rechtsexperte, erfahren im ORF – und viel wichtiger für die Dichands, als man das gemeinhin annehmen könnte. Auch dazu künftig mehr.

Überraschend könnte sich womöglich auch APA-Vorstand Clemens Pig dazu durchringen, eine Bewerbung abzugeben. Doch er will dazu vorab – so wie alle anderen – kein Statement abgeben. Hält sich bedeckt. Hätte freilich durchaus gute Chancen. Warum, erläutere ich in Bälde.

Dazu kommt, dass Markus Breitenecker – der auf gutem Fuß mit den Neos steht – gerade frei wäre. Schließlich hat er seinen Job bei der ProSiebenSat.1 PULS 4-Gruppe als Vorstand in Deutschland jüngst verloren. Seine Chancen: minimal.

Wird Alexander Wrabetz noch einmal kandidieren? Nein. Der hat das mir gegenüber bereits deutlich dementiert. Das kommt für ihn nicht mehr in Frage.

Der frühere ORF-Chefredakteur Matthias Schrom könnte Ambitionen haben, die Tiefen Pannoniens zu überwinden und den Küniglberg zu erklimmen.

Lisa Totzauer ist eine weitere Option. 2021 hat sie sich gegen Wrabetz, Weißmann, Prantner und eine ganze Reihe weiterer Kandidaten gestellt. Ihre Bewerbung löste damals Respekt aus.

Auch Richard Grasl wird nicht mehr in den Ring steigen. Er hat seine berufliche Mitte beim Kurier und in der Raiffeisen-Gruppe gefunden. Und sieht dort seine Zukunft.

Wenig Chancen werden dem ausgebremsten ORF-Sportchef Hannes Aigelsreiter eingeräumt. Der hatte via Tiroler Tageszeitung angedeutet, sich bewerben zu wollen. Nachdem er das Match gegen Rainer Pariasek nunmehr schmählich verloren hat, sind seine Chancen nicht gerade berauschend.

Es wird daher ein durchaus spannendes Jahr.

ExtraDienst ist – dank hervorragender Connections zu fast allen Beteiligten – hier in einer herausragenden Berichterstattungsposition.

Demnächst werden wir etwas ganz Erstaunliches bringen: Aufgrund unserer qualitativen Recherchen und vieler Hintergrundinformationen, die wir freilich (noch) nicht publizieren können, präsentieren wir Ihnen einen Stimmungsbarometer in Form von Wettquoten. Wo wir Ihnen verraten – errechnet von einem professionellen Buchmacher – wie viel Sie erhalten, wenn Sie zum Beispiel 100 Euro auf einen Kandidaten setzen. Bei einem den Neos nahestehenden Kandidat würden Sie da glatt 1.420 Euro bekommen. Was nichts anderes bedeutet als: je höher der Auszahlungsbetrag, desto geringer sind die Chancen auf den Posten.

Mehr zum ORF-Generaldirektoren-Thema lesen Sie laufend in meinem Newsletter. Bitte weitersagen. Den zu abonnieren rentiert sich. Meine zumindest ich. Und wenn auch Sie dieser Meinung sind, dann empfehlen Sie uns bitte weiter.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha

Christian W. Mucha’s Newsletter vom 2.12.2025

Liebe Leser

Der wahre Verlust unserer Zeit ist nicht Wissen, Kompetenz oder Modernität. Es ist der Verlust von Toleranz.

Es ging wie ein Ruck durch unsere Gesellschaft. Als Thomas Gottschalk sich via BILD-Zeitung jüngst geoutet hat, dass er schwere Medikamente nimmt, Krebs hat und dass er sich deshalb auf Veranstaltungen verhaspelt und versprochen hat. Und nicht perfekt war.

Dabei hat sich eines herauskristallisiert: Wir leben in einer unglaublich kalten Welt.
In einer Welt, in der wir den Verlust von Toleranz beklagen müssen. Unsere Gesellschaft ist erbarmungslos geworden.

Schon den jungen Menschen wird eingetrichtert: „Du musst schön sein. Du musst perfekt sein.“ Dann machen sie vollkommen sinnlose kosmetische Operationen, nur um dem vorgegaukeltem Ideal der Perfektion zu entsprechen.

Noch schlimmer ist es mit unseren Alten. Von denen verlangt man ebenfalls, perfekt zu sein. Doch im Alter ist man nicht mehr perfekt. Man verspricht sich. Man macht Fehler. Man merkt sich nicht mehr alles.

Meinen Kommentar finden Sie auch hier auf TikTok.

Aber anstatt das tolerant zu akzeptieren, steinigen digitale Trolle betagte Menschen, wenn sie Fehler machen, wenn sie gebrechlich werden.

Andere Kulturen halten das ganz anders. In Japan beispielsweise gibt es den Komon. Das ist ein Senior, der keine operative Verantwortung mehr trägt, aber seine Weisheit, seine Würde und seine Gelassenheit weiterhin den großen Unternehmen zur Verfügung stellt.

Die Komone haben Autorität, sind hoch anerkannt und werden in wichtige Unternehmensentscheidungen eingebunden.

Und bei uns? Hier werden alte Menschen förmlich entsorgt. Kommen in den Müll. Und wenn sie Fehler machen, werden sie gesteinigt. Siehe Gottschalk.
Und wenn sich dann herausstellt, was die wahre Ursache seiner Aussetzer war (Medikamente nach der Krebs-OP), dann rudern alle zurück. Dann erstarrt die Meute. Gottschalk selbst hätte seine Krebserkrankung wohl nie öffentlich gemacht. Er wurde dazu förmlich genötigt. Welch unwürdiges Schauspiel.

Es ist armselig. Lernen wir doch erneut das, was wir immer gekonnt haben: Lernen wir Toleranz. Lernen wir wieder, mit unseren Alten fair, anständig und respektvoll umzugehen

meint

Ihr

Christian W. Mucha 


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 27.11.2025

Liebe Leser

Unser FM-Incoming-Preis, das traditionelle große Fest für jene, die sich um die Touristik ganz besonders verdient gemacht haben, ging im Jahr 2018 an die Vorstände des Wiener Airports, Günther Ofner und Julian Jäger.

Beim großen Fest im Palais Ferstel drehte sich alles um ein einziges Thema: um die Errichtung der dritten Piste. Ein damals für den Flughafen immens wichtiges Projekt. Zukunftsweisend. Doch was jeder, der proaktiv für Touristik eintritt, als kluge, weise, vorausblickende Maßnahme sah, war mit ungezählten Hürden versehen: Umweltauflagen, Prüfungen, die Finanzierung, Anrainerproteste.

Wer sich an so etwas heranwagt, der braucht gute Nerven. Und einen langen Atem. In unserer Titelgeschichte beleuchteten wir damals das Für und Wider und traten nachhaltig für diese wesentliche Erweiterung der Möglichkeiten des Vienna Airports ein.

Der Hintergedanke dabei: Wien muss sich als Drehkreuz gegen internationale Konkurrenz durchsetzen. Ob München, Frankfurt, Budapest oder Bratislava – jeder von denen ist massiv bemüht, von der blendenden Positionierung des Vienna Airports als Drehscheibe ein Stück des Kuchens wegzuschneiden.

Ein Kuchen, der nicht nur, was das Outgoing, sondern natürlich auch, was das Incoming betrifft, immens wichtig für unser Land ist.

Und dann kam der Knick. Der gigantische Knick. Die Pandemie. Danach brauchte es einmal seine Zeit, bis sich die heimische Touristik und auch der Airport von den drastischen Einbrüchen erholte.

Seit Kurzem ist es nun offiziell: Die dritte Piste wird bis auf Weiteres nicht realisiert. Als Gründe dafür geben Jäger und Ofner an, dass neben den auf rund zwei Milliarden Euro massiv gestiegenen prognostizierten Baukosten sich auch die Rahmenbedingungen infolge der überlangen Verfahrensdauer grundlegend geändert hätten.

Die Flughafenchefs verweisen auch auf eine schwierige Refinanzierung des Großprojekts. Ohne höhere Tarife wäre die wirtschaftliche Basis der Investition nicht darstellbar. Im Klartext: Die größten Airline-Kunden am Standort stehen dem Projekt negativ gegenüber.

Deshalb sei man zum Schluss gekommen, dass die Kapazitäten der beiden Pisten vollkommen ausreichen. Zukünftiges Wachstum wird weiterhin ermöglicht. Nun will man in die Qualität des Hubs und der Terminals investieren.

Damit ist eine gute Möglichkeit für den heimischen Tourismus geplatzt. Schade.

Meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 25.11.2025

Liebe Leser

Demnächst stehen einige – wohl nur mit dem Begriff historisch zu bezeichnende – Feierlichkeiten für den österreichischen Rundfunk ins Haus. Die Zeit im Bild hat am Montag mit einer großen Hauptabendsendung ihr 70-Jahr-Jubiläum zelebriert, und in einer Woche findet im Metropol eine Feier – moderiert von Vera Russwurm – statt.

Beim Durchgehen der Moderatoren der ZIB wird man, wenn man so wie ich 50 Jahre lang (im nächsten Jahr feiern wir unser Jubiläum) die Medienbranche begleitet hat, einigermaßen wehmütig. Viele Freunde darunter. Und irgendwie liest man in den Presseaussendungen zwischen den Zeilen, dass dem ORF wohl nicht alle Namen der ZiB-Präsentatoren besonders angenehm sind.

Wenn darunter etwa (ich habe nichts gegen die ehemalige Frau Bezirksvorsteherin) eine gewisse Ursula Stenzel zu finden ist. Aber Geschichte hat es an sich, dass man da niemanden weglassen darf. Obwohl mir hinter vorgehaltener Hand zugeflüstert wurde, dass es dazu Überlegungen gegeben haben soll. Angeblich. Unbestätigt.

Und zum Beweis dieser These kommentierte dies die Kronenzeitung in ihrem Newsletter am 24.11. ähnlich und meinte, es gäbe unter den ZiB-Moderatoren (ohne die Betreffende beim Namen zu nennen) einige, die sich politisch engagiert hätten. Mit durchaus magerem Erfolg. Und irgendwie kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Krone dieselben Moderatoren (Stenzel, Broukal) meint, an die ich auch gedacht habe.

Beim ORF hatte ich natürlich mit einer ganzen Reihe von GD’s tolle persönliche Kontakte.

Legendär das Treffen mit Gerd Bacher – zum großen Interview am Küniglberg. Meinen Leitartikel hatte ich dafür vorbereitet. Im Interview sollte mir Gerd Bacher seine Position vermitteln. Gleichzeitig hatten wir eine Titelgeschichte geplant mit dem für Bacher eher unerfreulichen Titel „Weg mit dem ORF-Monopol“. Ich dachte mir, das wäre ein diplomatischer Ansatz. Vorne Bacher. Und in der Cover-Story alles, was für das Fallen des ORF-Monopols sprach.

Leider machte mir der “Tiger” einen Strich durch die Rechnung. Das Interview hätte Montagnachmittag stattfinden sollen. Mittwoch Druck, Freitag Erscheinen. Die Sekretärin meinte, Bacher hätte dringend nach Luxemburg fliegen müssen. Das Interview wurde genau um eine Woche – auf den nächsten Montag – verschoben.
Pech gehabt. Denn da war meine Titelgeschichte „Weg mit dem ORF-Monopol“ bereits gedruckt und versandt – ohne Bacher-O-Ton.

Als ich beim ORF eintraf, begrüßte mich Gottfried Zmeck (später wurde er DF1-Boss), damals der Adlatus von Bacher. Er legte mir die Hand auf die Schulter und meinte: Er wird jetzt sehr unangenehm werden. Schlechte Optik. Das wird jetzt hart für Sie, Herr Mucha.

Leicht geduckt betrat ich das Zimmer. Wer heute Roland Weißmanns Generaldirektorenbüro betritt, sieht allüberall Akten. Bachers Zimmer war klinisch rein. Sauber. Kein einziges Stück Papier. Nur auf dem Besprechungstisch lag – aufgeschlagen – meine Titelgeschichte „Weg mit dem ORF-Monopol“.

Dann begann der klein gewachsene Bacher auf mich einzuschreien. Er schrie zweieinhalb Minuten lang. Ich fasste mir ein Herz und schrie zurück. Danach waren wir beide schweißgebadet. Zmeck und die Chefsekretärin kamen, um zu sehen, ob wir uns bereits prügelten.

Wir wiesen beide hinaus. Danach blickten wir einander an und grinsten. „Eigentlich sind Sie kein schlechter Formulierer“, lenkte Bacher ein. „Und jetzt machen wir das Interview.“ Es erschien in der nächsten Ausgabe. Beim Weggehen schaute er mich an und sagte:

„Irgendwie kommt mir Ihr Gesicht bekannt vor. Ich habe Sie schon einmal gesehen.“

Jetzt war ich am Grinsen. „Sie sind ja nicht oft zu Hause, Herr Bacher“, meinte ich. „Na ja, habe viel zu tun“, konterte er. „Na ja, dann dürfte Ihnen vielleicht nicht aufgefallen sein, dass ich einige Monate lang mit Ihrer Tochter befreundet war und diverse Male bei Ihnen im Haus ums Eck der Silbergasse zu Besuch war…”

Bacher war sprachlos. Ein seltenes Vergnügen wurde mir da zuteil.

Und bevor ich Ihnen jetzt anfange, noch weitere Geschichten zu erzählen – über Thaddäus Podgorski, mit dem ich um 14.30 Uhr einen Termin haben wollte und der am Telefon schrie: „Schauen Sie beim Fenster heraus, Herr Mucha, was sehen Sie?“ Und ich fragte: „Na ja, strahlende Sonne.“ Und er sagte: „Nein, fantastische Thermik. Ich fahre jetzt zum Segelfliegen.“ Und damit war er der einzige Generaldirektor, der um 13 Uhr den Job vergaß und einige Flugstunden der Arbeit als Generalintendant vorzog.

Deswegen mochten wir ihn alle so. Denn in der Zeit, in der er gearbeitet hat, war er einfach genial – und ein fantastischer Erfinder.

Gerhard Weis, der mir die gesamte Werbung strich, weil ich kritisch über ihn berichtete, werde ich jetzt nicht erwähnen. Gerhard Zeiler sehr wohl. Denn der erwies mir die Ehre, das allererste Interview nach seiner Bestellung zum ORF-Generaldirektor unserem ExtraDienst zu gewähren.

Es war eine schöne Zeit. Fantastisch, erste Reihe fußfrei über den ORF berichten zu dürfen. Und so sehe ich denn die Historie mit sehr viel Wehmut. Weil das auch Teil meines Lebens ist.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 20.11.2025

Liebe Leser

Song Contest – endlich Mitbestimmung. Das tut gut.
Da werden Sie mir wohl zustimmen: Nichts nervt mehr, als wenn Dinge über Ihren Kopf hinweg entschieden werden. Sei es, wenn die Regierung mit hirnrissigen Gesetzesvorschlägen daherkommt. Sei es, wenn der Ehepartner genau dann die Soap sehen will, während das alles entscheidende Fußballmatch läuft. Sei es, wenn Ihr Supermarkt Ihr Lieblingsprodukt aus seinen Regalen verbannt.

Im Großen wie im Kleinen, wir alle wollen mitbestimmen.

Emotional werden wir dort, wo es um die Musikauswahl geht. Vor allem dann, wenn es unser eigenes Wohnzimmer betrifft. Und von jenem Sender kommt, mit dem wir aufgewachsen sind: vom ORF. Der natürlich Teil unserer Familie ist.

Die Entscheidung der Verantwortlichen des ORF, nach zehn Jahren endlich das Publikum mitentscheiden zu lassen, wer beim Song Contest antritt, hat deshalb viel Freude in unserer Redaktion ausgelöst.

Wiewohl die Fachexperten in den letzten Jahren ein gutes Händchen bewiesen haben – ob mit Conchita Wurst oder JJ – und uns zweimal Siege beschert haben. Dem kleinen Österreich.

Eine direkte Wahl durch das TV-Publikum, die nun eine Stimme bei der Vorentscheidung erhalten, ist die bessere Wahl. Und natürlich populärer.

Zumindest fürs Gefühl. Darauf kann man sich verlassen.

Was jedoch die Teilnahme Israels beim Eurovision Song Contest angeht, meine ich, dass es gut ist, wenn die aufgeheizte Volksmeinung da nicht mitredet. Solche Entscheidungen sollte man Profis überlassen. Zum Glück hat der ORF so einen als General: Der aufopfernde Einsatz von Roland Weißmann für den Verbleib des unter internationaler Wut-Kritik stehenden Landes Israel ist beispielhaft.

Anfang November – da hatte er gerade eine schwere Grippe überstanden und zusätzlich eine gefährliche Bindehautentzündung ausgefasst – flog er tapfer nach Israel und traf Staatspräsident Yitzhak Herzog in Jerusalem.

Seine Mission – demnächst erfahren wir, ob sie von Erfolg gekrönt war – hat erste Früchte gebracht.

Auch wenn die Generalversammlung der European Broadcasting Union am 4. und 5. Dezember bei ihrer Sitzung hinter verschlossenen Türen zu einem anderen Entscheid kommen sollte – mit seinem Besuch und seinem Statement hat Weißmann ein Zeichen gesetzt.

Ein Musikwettbewerb ist ein Musikwettbewerb. Keine Bühne für nationalistischen Hass, Antisemitismus oder Israel-Bashing.

Zurück zum Vorentscheid über den Austro-Act beim Song Contest 2026. Mehr als 500 Bewerbungen trudelten beim ORF ein. Ende November treten die 30 stärksten zu internen Live-Castings an. Daraus werden dann die zwölf Final-Acts für die TV-Show gekürt. Und da kann das Publikum – neben der Fachjury – dann mitbestimmen, wer uns in Wien vertritt.

Schön zu wissen, dass es auch Dinge in diesem Land gibt, die sich zum Besseren wenden. In Zeiten wie diesen

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 18.11.2025

Liebe Leser

Nach dem – zwar absehbaren, aber dann doch abrupt erfolgten – Abgang von Austro-Mastermind Markus Breitenecker aus der Geschäftsführung der ProSiebenSat.1 Media SE in München hat man in Österreich offenkundig die Ärmel aufgekrempelt. Denn trotz einer Versicherungsgarantie (hier nachlesen), dass das Austro-Geschäft und die Austro-Tochter und ihre Mitarbeiter nicht um ihre Jobs und vor allem auch nicht um ihre Eigenständigkeit fürchten müssten, will man Dinge vorzeigen.

Man hat in Wien ein ganzes Bündel von neuen Sendungen in den letzten Wochen erarbeitet, die schon demnächst starten. Unbestritten ist, dass es harte Zeiten mit Sparmaßnahmen im Konzern geben wird. Und davon wird auch die – vergleichsweise kleine – Österreich-Tochter nicht verschont bleiben.

Nun liegen die Karten auf dem Tisch. Welche neuen Sendungsformate auf PULS 4, ATV, JOYN demnächst anlaufen werden, lesen Sie hier.

Darunter findet sich auch ein Public-Value-Format, das die Themen Medienkompetenz, Desinformation und digitale Selbstbestimmung behandeln soll und senderübergreifend ausgestrahlt wird. Durchaus passend auch der Titel „Breaking Media“ – ob darin wohl eine kleine Spitze enthalten ist, dass die gebeutelte und vom Auseinanderbrechen bedrohte Medienbranche viel Berichterstattungsraum für Rückgänge, Entlassungen, Einsparungen im nächsten Jahr brauchen wird …

Eines jedenfalls kann man den ProSieben-Puls-4-Sat.1-Machern und ihrem Austro-Team attestieren: Sie sind engagiert und fleißig bemüht, zu zeigen, dass sie etwas draufhaben.

Und das dürfte auch 300 Kunden und Partnern, denen morgen, Mittwoch, der Launch der neuen Formate präsentiert wird, nicht entgehen.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 13.11.2025

Liebe Leser

It’s time to run.

Was hilft es, an verschlossene Türen zu klopfen?

Bei 100 Newslettern im Jahr darf man – bitte vergeben Sie mir das – auch einmal über die eigenen Motive reflektieren.

Zu Allerheiligen gab es einen wunderbaren Artikel in der Kronen Zeitung, der mich sehr berührt hat. Dort wurden Sterbebegleiter interviewt, die Menschen in den letzten Tagen ihres Lebens gefragt haben, was sie bereuen. Und wie ein roter Faden zog es sich durch deren Aussagen: Ach, hätte ich mich nur in den letzten Jahren, die Gott mir geschenkt hat, mehr um meine Frau, meine Familie, meine Hobbys, meine Leidenschaften, das Reisen gekümmert – und nicht so viel Zeit mit der Arbeit vergeudet.

Als ich das mit meinen 71 Lenzen gelesen habe, hat es mich schon einigermaßen gebeutelt. Da liegt man dann länger wach – und fragt sich: Warum kann ich nicht um die Burg loslassen? Dabei läuft es im Moment weit besser, als ich das angenommen hatte.

Freilich nicht für die Medien- und Werbebranche. Wer sich als Branchenkenner bei den maßgeblichen Entscheidungsträgern umhört, erfährt täglich erschütternde Fakten: massive Auftragsrückgänge in allen Werbegattungen, ein überbordendes Abfließen der Spendings zu den digitalen Giganten.

Vor allem in die USA. Jüngst durfte ich darüber hier berichten. So stellt sich denn die Entscheidung, unser Print-Engagement im heurigen Frühjahr zu beenden, als goldrichtig dar.

Bei Kenny Rogers gibt es einen wunderbaren Songtext zum Thema, wie man sich als Pokerspieler richtig verhält. Er lautet: You have to know when to walk away. Know when to run.

Wer am Tisch sitzen bleibt, wenn die eigene Glückssträhne zur Neige geht, der ist selber schuld. Diese Kurve haben wir gerade noch rechtzeitig gekratzt. Mein Mitgefühl gilt all jenen, die Print weiterhin – allen Auguren zum Trotz – mit verbissener Verzweiflung betreiben.

Online-mäßig läuft es freilich (noch) gut bei uns.

Jetzt rechnet sich meine Grundeinstellung: dass ich schon zu alt bin, um mich einzubremsen, wenn es um das Schreiben der Wahrheit geht.

Das beweisen die vielen Kommentare auf meine Beiträge. Es gab wieder immens viel Reaktionen darauf, als ich geschrieben habe, dass die heimischen Werbespendings digital nach Amerika abfließen – und dass man doch österreichische Unternehmen stützen, bevorzugen und werblich auch künftig beauftragen sollte.

Michael Platzer von der Zugkraft gab mir jüngst ein Privatisimum über die heimische Digital-Out-of-Home-Landschaft.

Die Gewista, international besser bekannt als JCDecaux, steht im französischen Eigentum.
Epamedia gehört einem slowakischen Eigentümerkonsortium.
Goldbach Austria wurde 2025 vollständig von der niederländischen Azerion Group N.V. übernommen und firmiert seither als Azerion Austria GmbH.

An dieser Stelle sei bemerkt, dass sich die Zugkraft – ebenso wie eine Reihe anderer DOOH-Unternehmen – in österreichischem Eigentum befindet.

So wie übrigens auch die Screenfleet GmbH.
Das ist ein Unternehmen meiner Frau Ekaterina Mucha und von Dominik Unger. Ich persönlich bin dort nur mehr beratend tätig.

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Mein jüngstes Editorial vom vergangenen Dienstag ist ein weiteres Beispiel dafür, warum unsere Leser nach Wahrheit dürsten. Das Mailpostfach quillt förmlich über. Von Kommentaren, dass endlich einmal jemand darüber schreibt, wie der Niki Lauda in Wahrheit getickt hat.

Einer der hochdekoriertesten Manager im Luftfahrtgeschäft bringt es auf den Punkt. Er schreibt: „Da könnte ich noch einiges ergänzen zur Behandlung der Stewardessen bei der Lauda Air.“ Vom Konkurs der ersten Firma über den Verkauf der Lauda Air um zwei Milliarden Schilling an die Austrian Airlines. Der Niki hat es sich immer gerichtet.

Aber, so resümiert er, an einem “Heiligtum” hat sich seinerzeit keiner getraut zu rütteln. Und genau diese Zustimmung – die positiven Reaktionen von Ihrer Seite zeigen, dass es mir ein großes persönliches Anliegen ist, wahrhaftig zu sein.

Aus Furcht vor Budgetverlust Dinge unter den Tisch zu kehren – so wie so viele in diesem Land – kam für mich nie in Frage.

Dann macht es Spaß, täglich der Erste im Büro zu sein. Und als Letzter heimzugehen.

Schön, dass Ekaterina gleich denkt wie ich.

Bitte bleiben Sie mir gewogen.

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 11.11.2025

Liebe Leser
In diesen Tagen sind gewaltige Diskussionen rund um das Erbe und den Erbrechtsstreit von Niki Laudas Witwe, Birgit Sieberer-Lauda, aufgepoppt.

Im Zuge eines dazu erschienenen Facebook-Postings haben wir eine Reihe höchst interessanter Kommentare erhalten – solche, die sich auf die damalige Geschäftsgebarung von Niki Lauda bezogen.

Die alten Römer hatten einen Spruch: De mortuis nil nisi bonum.
Will heißen: Über die Toten soll man nur Gutes sagen.

Aber irgendwo gibt es da eine Grenze.
Und irgendwo hatten alle seinerzeit Angst vor dem weltberühmten Niki Lauda – dieser Legende, die einst sogar gegenüber dem Bundeskanzler forderte, Austrian Airlines möge seiner Lauda Air die Binnenflugrechte übergeben.

Wir wissen das. Denn wir waren dabei. Und wurden vom damaligen AUA-Vorstandsdirektor DDr. Anton Heschgl eingeladen, diese Forderung mit aller Kraft zu bekämpfen.

Was meine FB-Freundin Vanessa Landmann über ihre Tätigkeit bei der Fly Niki erzählt, ist jedenfalls eine eigene Story wert.
Denn in dieser Dichte und Ehrlichkeit hat bisher noch niemand ausgepackt.

Lesen Sie hier das Interview mit ihr: Wie es mir bei Fly Niki erging.
Und machen Sie sich selbst Ihr Bild.

Niki – ruhe in Frieden.
Er war nicht nur sparsam.
Er war, was seine Mitarbeiter, deren Ausnutzung und „Behandlung“ betraf, auch durchaus „außergewöhnlich“.

Wie außergewöhnlich – entscheiden Sie bitte nach dem Lesen dieses Interviews, wünscht sich

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 6.11.2025

Liebe Leser

Ich glaube, das Geheimnis von gutem Journalismus ist, dass man Wissen über die Branche kompakt, knapp formuliert und gefüllt mit gut recherchiertem Inhalt distribuiert. Wer das bringt, der hat die Leser.

Sohin darf ich mir erlauben, über die wichtigsten Eckpfeiler zum Thema, warum es unserer Werbe- und Medienbranche so schlecht geht, zu reflektieren.

Die meisten von Ihnen – als bestinformierte Insider – werden vieles von dem, was ich jetzt schreibe, natürlich bestens wissen. Einiges freilich mag Sie überraschen. So wie auch mich – nach der entsprechenden detaillierten Recherche.

Das Hauptproblem unserer Branche liegt darin, dass die digitale Werbeindustrie mit immensem Wachstum in den letzten Jahren den Löwenanteil der Gesamtumsätze im Werbegeschäft an sich gezogen hat. 2024 betrug der Gesamtumsatz der großen Tech-Unternehmen wie Alphabet Inc. (Google), Meta Platforms und Amazon Inc. – und wie die alle heißen – den gewaltigen Betrag von 1,04 Billionen US-Dollar. Man bezeichnet eine Billion US-Dollar auch als Trillion. Damit Sie sich diese Zahl besser vorstellen können: Das ist eine Eins mit zwölf Nullen. Oder eine Million Millionen.

Das Wachstum dieses Marktes liegt bei jährlich über 20 Prozent. Der Gesamtwerbeumsatz in Österreich, basierend auf Fokus-Zahlen, sollte sich irgendwo bei 8 Milliarden Euro bewegen. Was natürlich niemals den realen Spendings der Branche entspricht, weil bei den Zählwerken etwa eine Tageszeitungsanzeige mit dem Listenpreis erhoben wird.

Und wie wir alle wissen, erhält keine Tageszeitung mehr den Listenpreis für ihre Anzeigen. Demzufolge dürften die Werbespendings in Wahrheit bei rund 5 Milliarden Euro im Jahr liegen. Jetzt zur mörderischen Zahl dabei: Bereits 2,7 Milliarden davon fließen an die digitalen Hightech-Unternehmen ab. Tendenz steigend.

Das heißt, dass die Medienagenturen den größten Anteil des Werbegeldes aus Österreich hinausschieben. Und die heimischen Unternehmen, ob Online-Plattformen und heimische Tech-Konzerne, ob TV-Sender und Streaming-Anbieter oder auch Out-of-Home-Werber, Printwerber, Radio- und Audio-Plattformen sowie diverse andere Werbekanäle, bereits weniger als die Hälfte der heimischen Werbeerlöse für sich verbuchen können.

Nun habe ich größtes Verständnis dafür, dass das Werbegeld natürlich dorthin fließt, wo die Menschen Aufmerksamkeit verbringen. Und das ist heute vor allem digital. Digitale Werbung auf den Handys, den Computern, den Laptops und den Tablets ist führend.

Auch, weil die Werbung dort gezielt messbar, personalisierbar und skalierbar ist. Jeder von uns weiß das: Wenn Sie heute einen Dünger im Internet suchen, dann haben Sie die nächsten drei Wochen Rasenmäherwerbung, Gartenscheren und Gärtnerhandschuhe, die plötzlich neben Ihren aufgerufenen Seiten aufpoppen.

Vance Packard (1914 – 1996), ein US-amerikanischer Sozialkritiker und Journalist, hatte mit seinen geheimen Verführern recht. Und der berühmte Österreicher und Pionier Ernest Dichter, der den amerikanischen Konzernen als Vater der Motivforschung beigebracht hat, wie man die manipuliert, grinst heute im Grab – wenn er sieht, wie seine Gedanken aus den 50er-Jahren heute instrumentalisiert und perfekt umgesetzt werden.

Nun fragen sich die heimischen Medienvertreter seit Wochen – eigentlich fragen sie ja nicht, sondern schimpfen wie die Rohrspatzen auf Medienminister Babler, die Bundesregierung und die Ministerien –, warum einerseits die Werbespendings der öffentlichen Hand so massiv reduziert wurden – und andererseits werden immer mehr Stimmen laut, dass man diese Tech-Giganten mit ihren 2,7 Milliarden Spendings ja eigentlich nur mit 40 Prozent besteuern müsste. Das Geld fließt dann an die heimischen Medienunternehmen zurück. Und die sind – mit einem Federstrich – für alle Zeiten saniert.

Von wegen.

Denn dazu muss man wissen, dass die digitalen Tech-Unternehmen in der EU bereits mehr Lobbyisten unterwegs haben, als es Abgeordnete im Europäischen Parlament gibt. 890 sind es mittlerweile, laut EU Perspectives. 437 Lobbyisten verfügen über Zugangsausweise. Und diese Herrschaften machen nichts anderes, als sich ununterbrochen dafür stark zu machen – unterstützt von gigantischen Budgets –, dass die EU nur ja keine Regulative, was die Stoppung der künstlichen Intelligenz betrifft, einsetzt, um deren Geschäftsmodell nicht zu gefährden.

Zu allem Überfluss erließ im Februar die Trump-Regierung eine Executive Order. Sie drohte ausländischen Regierungen mit Strafzöllen, falls diese die US-Tech-Konzerne mit Steuern oder Bußgeldern belegen.

Womit alles klar wäre: Babler und seine Mitstreiter können hundertmal den Mund weit aufreißen und Regulative fordern – wenn Trump, seine Administration und seine Finanzmacht mit der Faust auf Österreich draufhauen, weil wir die Tech-Giganten mit einer Steuer belegen, um die eigenen Medien zu sichern, dann sind wir beim lieben Augustin: Alles ist hin.

Soweit ein kurzer Exkurs zu den wahren Hintergründen des heimischen Mediendesasters. Es ist halt ein Spiel, wo es – wie überall – um nichts anderes als um die Kohle geht. Und um die Macht. Und gegen beides gemeinsam haben auch die größten österreichischen Medienhäuser nicht die geringste Chance

resümiert trocken

Ihr

Christian W. Mucha

P. S. Ein besonders übles Spiel spielen bei diesem internationalen Krieg um die Werbespendings und die Medienmacht die Mediaagenturen. Wie die international ticken und wie sie sich bei diesem üblen internationalen Spiel auf dem Rücken der verzweifelten heimischen Medienunternehmer monetär austoben, lesen Sie demnächst. Und zwar nur hier

verspricht der Obige.


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 4.11.2025

Liebe Leser

An dieser Stelle darf ich Ihnen ein großes Geheimnis verraten: Mit herausragenden, hochintelligenten, nachhaltig gebildeten Menschen Interviews zu führen, gehört zu den schwierigsten Übungen überhaupt.

Jemand, der einfach gestrickt ist, seine Statements mit Alltagsplätzen garniert und in kurzen Sätzen spricht, macht es dem Schreiberling leicht, das Gesagte zu Papier zu bringen.

Schwierig wird es dann, wenn man auf eine der drei folgenden Spezies trifft.

„Der ohne Punkt und ohne Komma unbremsbare Redner“. Typisches Beispiel: Wolfgang Fellner. Der Mann hat etwas zu sagen. Keine Frage. Weil sein Erfolg darauf basiert, dass er sein Gegenüber von seinem Standpunkt um jeden Preis überzeugen will (muss), wiederholt er die Inhalte in vier verschiedenen Formulierungen und ist dabei das, womit wir mit Conchita den Song Contest gewonnen haben: Unstoppable.

„Der Fremdwörter-Schleuderer“. Sie oder er sind wahrhaftige Experten auf ihrem Feld. Wenn sie über Trifettsäureglycerinesterhochmolekularer Fettsäuren sprechen oder die Divergenz der nonkonformistischen Relevanz ausloben, dann weißt du: Bei diesem Text wirst du deine Leser verlieren. Und wenn du die Passagen so schreiben willst, dass sie lesbar werden, dann wirst du dir mit dem Eindeutschen und Verständlichmachen unendlich schwer tun.

„Die Thomas-Mann-Kopie“. Ich gebe es ehrlich zu: Ich habe mir bei den Buddenbrooks nicht unbedingt leicht getan. Wohl formuliert Mann natürlich fantastisch. Aber Sätze, die über sechs Zeilen gehen, fordern dich als Leser gewaltig. Leider gibt es auch bei Interviews Gesprächspartner, die sechszeilige Sätze – darin inkludiert 14 Nebensätze, fünfmal eine Klammer und neun Gedankenstriche – integrieren. Sie sind der Albtraum jedes Interviewers.

Diese drei Kategorien sind schwierig genug. Die schlimmste freilich sind die Nichtssager. Gott sei Dank interviewe ich nur ganz selten Politiker. Denn die sind die wahrhaftigen Meister darin. Sie haben ihr Leben auf den wunderbaren Talleyrand-Spruch – Ich lüge nie, aber niemand kann mich zwingen, die Wahrheit zu sagen – aufgebaut, stehlen dir mindestens eine Stunde deiner Zeit, und am Schluss des Ganzen kommst du darauf: Der hat ja überhaupt nichts von Wert, Inhalt und Substanz gesagt. Siehe Bla-Bla-Babler.

Walter Zinggl, IP-Urgestein und ein brillanter Branchenexperte, hat seine eigene Wolke, auf der er lebt. Mit seinem intellektuellen Status und seinen – durchaus fabelhaften, spannenden und erkenntnisreichen – Formulierungen tue ich mir deshalb schwer, weil ich weiß, dass das für rund 75 % unserer Leser zu hoch ist. Und ehrlicherweise auch für mich.

Danke also an Keywan Rezaei aus unserer Chefredaktion, dass er Zinggls Interview dank seiner journalistischen Erfahrung in einem Wordrap umgemünzt hat und es jetzt so daherkommt, dass Sie (und ich) das auch verstehen.

Zinggl hat freilich einen Satz gesagt, den sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und solch einen Satz habe ich noch niemals vom Vorstand eines Medienunternehmens über den Vorstand eines anderen Medienunternehmens gehört. Und immerhin mache ich das schon seit 49 Jahren. Zinggl wörtlich: Man sollte bei Vereinbarungen (mit Markus Breitenecker) darauf achten, dass man sie schriftlich festhält.

Die Schlussfolgerung dieser Äußerung haben schon einige in der Branche am eigenen Leib verspürt. Und ich hüte mich, sie an dieser Stelle auszuformulieren. Weil ja eh jeder von Ihnen verstanden hat, was Zinggl damit meint. Und dazu braucht man keinen IQ von 170,

meint

Ihr

Christian W. Mucha


Christian W. Mucha’s Newsletter vom 30.10.2025

Liebe Leser

Das Match, das ORF-Sportchef Hannes Aigelsreiter und Moderatoren-Urgestein Rainer Pariasek, der sich jüngst massiv mit Entmachtung konfrontiert sah, lieferten, war – um es im Krankl-Jargon zu sagen – legendääär.

Und zu allem Überdruss hatte sich Aigelsreiter auch mit ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz angelegt, was ja vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen wäre. Mit dem jüngsten Affront freilich hat er sich wohl auch gegenüber Generaldirektor Roland Weißmann sein „Gnack“ gebrochen.

Doch jetzt hat das Zittern ein Ende. Das Zittern, dass wir unseren heißgeliebten Pariasek – mit all seinen Versprechern, Hoppalas und seinen sympathischen Attitüden – verlieren würden, ist vorbei.

Und Rainer „Wahnsinn“ wird hoffentlich doch (noch?) nicht dasselbe Schicksal wie Wettermoderatorin Christa Kummer, Robert Kratky oder Elke Rock teilen. Es wäre auch fatal gewesen, künftig auf Pariaseks Pidgin-Englisch verzichten zu müssen. Und wenn uns künftig erspart bleiben würde, während die 27. platzierteste Skirennläuferin (natürlich eine Österreicherin) gerade von ihm interviewt wird, dass im rechten Teil des Bildschirms klein und kaum sichtbar eine neue Bestzeit aufleuchtet und die Regie verzweifelt versucht, Pariasek zu unterbrechen. Und aufzuhalten. Und das wahrhaftig Wichtige ins Bild zu bringen. Aber am Rainer kommt man bekanntlich nicht vorbei. Kainer.

Lieber Rainer, wenn du das liest: Ich bin dein Fan. Ohne irgendwelche Vorbehalte. Deine kleinen Eigenheiten sind genau das, was dich so sympathisch macht. Keiner von uns will einen perfekten Sportmoderator.

Und ja, wir amüsieren uns darüber, wenn deine Kollegen aus der ORF-Sportriege Sätze wie „Die Rennläuferin NN fährt sich vorne hinein“ oder „Da sind wir jetzt bei den Damen vorne drin, die unter den Top Ten gelandet sind“ absondern. Ein Schelm, der dabei Schlechtes denken würde. Nein, ich erfinde diese Sager nicht. Ich kann sie vorspielen. Nur manchmal sollte man halt bei seiner Formulierung ein wenig Vorsicht walten lassen.

Was war also zwischen Aigelsreiter und Pariasek, zwischen Groiss-Horowitz und Weißmann vorgefallen? In einem durchaus bemerkenswerten Interview mit der Tiroler Tageszeitung gab Aigelsreiter vor wenigen Tagen zum Besten, dass er künftig auch Junge zu Wort kommen lassen wolle. Gleichzeitig kündigte er vollmundig an, darüber nachzudenken, sich um den Posten des ORF-Generaldirektors zu bewerben. Was im nächsten Sommer entschieden wird.

Aigelsreiter hatte sich wohl damit ausgerechnet, seine Karten zu verbessern. Eine krasse Fehlentscheidung. Denn – wie ORF-GD Roland Weißmann am ExtraDienst-Telefon trocken bemerkte – hat er damit seinen Vertrag „glatt gebrochen“. Denn Interviews – auch aus der Führungsriege – müssen ausnahmslos über das Büro von Kommunikations-Zampano Martin Biedermann gehen. Darum hatte sich Aigelsreiter null geschert.

Von dem tönte es dem Vernehmen nach, er habe mündlich ein Go erhalten, dieses Interview geben zu dürfen. Wird schwer zu beweisen sein.

Warum bewirbt man sich nun um den ORF-Generaldirektoren-Posten, wenn man keine Chancen hat? Nun, aus strategischen Gründen, siehe Aigelsreiter, wäre es schon eine Option. Er selbst (und das hört man aus seinem Umfeld, mit ExtraDienst hat er natürlich nicht gesprochen – Zwinker – und verweist auf Martin Biedermann) lautet das Argument, dass jeder aus der Führungsriege, der den ORF schätzt, liebt und etwas weiterbringen wolle, wenn er sich das nur zutraut, sich durchaus einer derartigen Herausforderung stellen sollte.

Nun gibt es, wie kluge Menschen wissen, bei Prüfungen immer dieselbe Gruppe von Menschen, die garantiert durchfallen. Das sind jene, die gar nicht erst antreten. Und wenn man sich als Bundespräsident bewirbt, nicht die Unterstützung der Parteien hat und dann dennoch ein achtbares Ergebnis zustandebringt, dann ist das allemal für die eigene Vita durchaus positiv. Und trägt natürlich auch zum eigenen Standing und zur Bekanntheit bei. Siehe Richard Lugner.

Mittlerweile bereiten sich alle auf die Olympiade im Februar in Italien vor. Unter der neuen interimistischen Sportleitung von Veronika Dragon-Berger und Martin Szerencsi. Beide waren bisher Stellvertreter Aigelsreiters.

Viele Locations, kleine Teams. Und ja, eines steht fest – trotz des Matches: Pariasek wird wieder zum Einsatz kommen, wie ExtraDienst erfuhr. Es sei, so tönt man dort, kein Automatismus, dass Pariasek immer die Top-Geschichten mache, und die anderen, die nachrückten, brauchten auch Luft zum Atmen.

Kleine Teams, die in Mailand und Cortina aufmarschieren, sollen Großes leisten. Pariasek – Hurra! – soll aus Cortina berichten, und Alina Zellhofer wird in Borneo zum Zug kommen. Da tröstet es dann, wenn der alte Haudegen in Kitzbühel vielleicht einmal nicht das große Wort führen darf.

Aigelsreiter wurde schon von Bord gedrängt. Dass er einen bereits mehrfach angebotenen Golden Handshake akzeptiert, steht eher nicht zu erwarten. Derartige Auseinandersetzungen enden meist vor Gericht. Und das dauert. Aigelsreiter selbst hat bereits in der Tiroler Tageszeitung angekündigt, dass er gegen seine Absetzung rechtlich vorgehen wird.

Interessant ist auch, was die Verantwortlichen im ORF-Sport über Joyn denken. Das sei, so tönt es von dort, „nicht das Gelbe vom Ei“. Und wenn der ORF die Möglichkeit bekomme, wolle man sich davon schnellstmöglich verabschieden. Durch die Eigentumsänderungen bei der ProSiebenSat.1-Puls4-Gruppe ergeben sich dafür gute Möglichkeiten.

Aus dem Vertrag herauszukommen, den man sich seinerzeit – durch politische Machtstrukturen (in der Kurz-Ära war das oberste Dogma Kooperation der Sender in Österreich untereinander) – aufs Auge drücken lassen musste.

Natürlich macht es nicht besonders viel Spaß, wenn der ORF die Rechte für ein teures Fußballspiel oder für Skiübertragungen kauft und dafür ein Vermögen berappt, wenn Joyn das Ganze einigermaßen dreist vollmundig so darstellt, als wäre es der eigene Content. Da steigen den Verantwortlichen natürlich die Grausbirnen auf.

Da sollen auch bei ServusTV, wie man hört, furzgefüllte Luftballons durch die Gegend fliegen. Auch dort sucht man nach Hebeln, aus Joyn herauszukommen. Das vorhergehende Management habe das verpfuscht. Die neuen wollen es jetzt reparieren. Vertraglich gebe es da ganz gute Möglichkeiten, sich zu verabschieden.

Spannend, was da bei den Austro-Sendern gerade abgeht.

Kommenden Dienstag folgt dann die Abrechnung von IP-Urgestein Walter Zinggl. Der war schon immer ein brillanter Formulierer und exzellenter Kenner der Szene. Er nimmt sich im Interview mit mir kein Blatt vor den Mund. Das sollten Sie keinesfalls versäumen.

Doch für heute können wir Entwarnung geben. Der Pariasek muss Gott sei Dank seine Stöckelschuhe noch nicht ausziehen – wie Christa Kummer vor ihm.

Aber auch sein Tag des letzten TV-Auftritts rückt näher. Ein menschliches – und ganz speziell österreichisches – Schicksal. Besonders beim ORF

meint

Ihr

Christian W. Mucha

 

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