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Der US-Wahlkampf wird zur KI-Schlacht

Mehr als 220 KI-Werbespots zeigen, wie stark künstliche Inhalte inzwischen den US-Wahlkampf prägen.

red04 11:06 Uhr 2 Min. Lesezeit
Trump zeigte kurz vor der Wahl einen Zusammenschnitt der KI-Videos.
Trump zeigte kurz vor der Wahl einen Zusammenschnitt der KI-Videos. © David Swanson / AFP

Im US-Wahlkampf wird Künstliche Intelligenz zunehmend zum Instrument der politischen Schmutzkampagne. Mit täuschend echten Videos werden demokratische Kandidaten als Extremisten, Religionsfeinde oder Sympathisanten von Terroristen dargestellt. Eine Untersuchung der Wesleyan University zählt bereits mehr als 220 politische Werbespots, die mit KI erzeugt oder bearbeitet wurden. US-Präsident Donald Trump bezeichnet die Technologie als „Superintelligenz“ und zeigt entsprechende Videos bei Wahlkampfauftritten. Besonders hart wird in Texas um einen Senatssitz gekämpft. Dort tritt der Demokrat James Talarico gegen den Republikaner Ken Paxton an. Angesichts schlechter Umfragewerte setzt Paxton auf KI-Videos gegen seinen 26 Jahre jüngeren Konkurrenten.

KI macht aus Gegnern Extremisten

In einem von Paxton verbreiteten Clip erklärt ein künstlich erzeugter Talarico: „Ich sehe mich selbst als Christen, der das Christentum hasst.“ Anschließend beschmiert er eine Bibel mit der Aufschrift „Es sollte sechs Geschlechter geben“. Talarico bezeichnete das Video als Lüge und forderte ein Verbot täuschend echter Deepfakes in politischer Werbung. Trump hingegen denkt nicht an eine Regulierung und zeigte kurz vor der Wahl einen Zusammenschnitt der Videos. Auch Abdul El-Sayed, demokratischer Senatskandidat in Michigan, ist Ziel einer solchen Kampagne. Ein Video der republikanernahen Gruppe Front Line Action zeigt ihn mit Spielkarten, auf denen „Tod für Amerika“ und „Feiert den 11. September“ stehen. Der Clip greift damit Trumps Angriffe auf den Politiker mit ägyptischen Wurzeln auf. Anders als viele vergleichbare Videos ist er als KI-generiert gekennzeichnet.

Großteil der KI-Spots kommt von Republikanern

Die Untersuchung der Wesleyan University identifizierte mindestens 220 politische Werbeanzeigen mit KI-generierten oder bearbeiteten Inhalten. Rund 80 Prozent davon stammen von republikanischen Kandidaten oder ihnen nahestehenden Gruppen, elf Prozent von Demokraten. Die geschätzten Kosten liegen bei 137 Millionen Dollar. Auch in Ohio wird KI gegen politische Konkurrenten eingesetzt. Ein Komitee aus dem Umfeld des Republikaners Jon Husted veröffentlichte ein Video, das seinen demokratischen Herausforderer Sherrod Brown als überholten Politiker darstellt. Der 73-Jährige stochert darin in einer Torte, während eine junge Frau die Reste einer Geburtstagsfeier aufräumt. „Die Party ist vorbei, Sherrod“, lautet die Botschaft.

Echte Bilder werden für Fälschungen gehalten

Forscher warnen vor den Folgen der massenhaften Verbreitung solcher Inhalte. Sarah Kreps von der Cornell University sieht die größte Gefahr nicht darin, dass Wähler jede Fälschung glauben. Vielmehr könne die Menge an KI-Material dazu führen, dass Menschen grundsätzlich an der Echtheit von Bildern und Videos zweifeln. Auch authentische Aufnahmen würden dann schnell als Deepfake abgetan. „Das untergräbt Vertrauen und führt dazu, dass Wähler abschalten“, warnt Kreps.

(APA/red)

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