Während der Journalismus schrumpft, wächst die PR
Der Ausbau staatlicher Öffentlichkeitsarbeit fällt mit einem massiven Rückgang journalistischer Arbeitsplätze zusammen.
Fast 500 Personen sind im Bundeskanzleramt und in den Bundesministerien im weiteren Sinn mit Öffentlichkeitsarbeit befasst. Das geht aus einer am gestrigen Dienstag veröffentlichten Recherche der Tageszeitung „Der Standard“ hervor. Werden Landesregierungen sowie größere Städte mit einbezogen, steigt die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich auf knapp unter 1.000. Die Erhebung erfolgte vor dem Hintergrund eines langfristigen Rückgangs journalistischer Stellen. Laut Einschätzung der Zeitung treffen immer weniger Journalisten auf zunehmend ausgebaute Kommunikationsabteilungen in Politik und Verwaltung.
Rückgang journalistischer Arbeitsplätze
Medienexperte Andy Kaltenbrunner, Geschäftsführer des Medienhaus Wien, verwies auf frühere Gesamterhebungen zur Zahl hauptberuflich tätiger Journalisten in Österreich. Demnach habe sich die Anzahl journalistischer Stellen seit der Jahrtausendwende um rund ein Drittel verringert. Aktuell liege sie bei deutlich unter 5.000 Personen. Viele Journalisten hätten infolge von Kündigungen oder fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten die Branche gewechselt. Ein Teil von ihnen sei in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit gegangen.
Kritik an wachsender PR-Infrastruktur
Kaltenbrunner äußert sich kritisch zur Entwicklung. Der Journalismus müsse mit immer weniger Personal „immer steiler bergauf laufen am Berg der Öffentlichkeitsarbeit von Behörden und Ministerien“. Entscheidend sei, wie der Personalzuwachs in den öffentlichen Kommunikationsstellen genutzt werde. Grundsätzlich könne es sinnvoll sein, wenn Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit mehr direkte Informationen und Serviceleistungen für Bürger bereitstellen. Gleichzeitig habe man jedoch wiederholt beobachtet, dass PR- und Presseabteilungen zur politischen Message Control und zur Beeinflussung unabhängiger Redaktionen eingesetzt würden, so Kaltenbrunner.
Erhebung mit Vorbehalten
Die vorliegenden Zahlen beruhen auf Eigenangaben der befragten Institutionen sowie auf teilweise eigenständigen Zählungen. Kommunikationsleistungen externer Agenturen, Berater oder ausgelagerter Dienstleister wurden nicht berücksichtigt. Zudem erteilten nicht alle angefragten Stellen vollständige oder einheitliche Auskünfte, was die Vergleichbarkeit einschränkt. Die Ergebnisse stellen daher keinen repräsentativen Gesamtüberblick dar, sondern lediglich eine Annäherung an den Umfang öffentlicher PR-Tätigkeit. Aussagen über die tatsächliche Größenordnung oder strukturelle Entwicklungen im gesamten öffentlichen Bereich sind auf dieser Grundlage nur eingeschränkt möglich.
(APA/red)
