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Umweltbilanz der Digitalisierung

Mails verursachen pro Tag 90.000 Tonnen CO2
© Unsplash

Neben den Treibhausgasemissionen aufgrund des erheblichen Energieverbrauchs von PCs, Rechenzentren und KommunikationsgerĂ€ten mĂŒssen auch der Wasserverbrauch und die Umweltbelastungen durch den Bergbau berĂŒcksichtigt werden

Die Digitalisierung ist besonders aufgrund der Corona-Pandemie stĂ€rker in den Fokus gerĂŒckt. Viele Unternehmen stellten ihren BĂŒroalltag auf Home Office um, hielten Online-Kurse ab oder veranstalteten Videokonferenzen. Ein positiver Beigeschmack: Wer statt zu reisen beispielsweise an Zoom-Meetings teilnimmt, online einkauft oder sogar an Internet-Fitness-Kursen teilnimmt, kann die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren. Doch es gibt auch negative Umweltauswirkungen des digitalen Lebens. Diese sind ĂŒberraschend hoch, wie Jessica McLean von der School of Social Sciences der Macquarie University verrĂ€t.

“Wir denken nicht oft ĂŒber die verschiedenen Infrastrukturen nach, die fĂŒr das Senden einer E-Mail oder das Speichern unserer Fotos erforderlich sind. Denn das geschieht in Rechenzentren, die außer Sichtweite und damit aus dem Sinn sind”, so McLean. Doch digitale AktivitĂ€ten brĂ€chten ĂŒberraschend hohe Umweltbelastungen mit sich.

Neben den Treibhausgasemissionen aufgrund des erheblichen Energieverbrauchs von PCs, Rechenzentren und KommunikationsgerĂ€ten mĂŒssen auch der Wasserverbrauch und die Umweltbelastungen durch den Bergbau berĂŒcksichtigt werden, die aus dem Verbrauch von Materialien fĂŒr den Bau und die Unterhaltung der globalen digitalen Infrastruktur benötigt werden.

Zwölf Liter Wasser fĂŒr einmal Skype

McLean schlĂŒsselt im Einzelnen auf: Eine einstĂŒndige Videokonferenz verursacht die Emission von bis zu einem Kilogramm CO2. Der anteilige Wasserverbrauch etwa fĂŒr die KĂŒhlung in Rechenzentren liege bei zwölf Litern. Mike Berners-Lee, Spezialist fĂŒr Kohlenstoff-FußabdrĂŒcke an der Lancaster University Bailrigg, hat berechnet, dass eine kurze E-Mail, die von Telefon zu Telefon ĂŒber WLAN gesendet wird, 0,3 Gramm CO2 verursacht. Bei einer kurzen E-Mail von Laptop zu Laptop seien es 17 Gramm und bei einer langen E-Mail mit Anhang, die vom Laptop gesendet wird, seien es schon 50 Gramm.

Somit kommen bei tĂ€glich mehr als 300 Milliarden E-Mails weltweit 90.000 Tonnen CO2 zustande, wenn es lauter ganz kurze Botschaften wĂ€ren.DatenĂŒbertragung und Speicherung von Tausenden von Foto-, Audio- und Videodateien, Nachrichten, E-Mails und Dokumenten in einem durchschnittlichen US-Rechenzentrum verursachen jĂ€hrliche Emissionen von rund 0,2 Tonnen CO2 fĂŒr jeweils 100 Gigabyte Speicherplatz.

Eine Stunde HD-Streaming pro Tag summieren sich auf das Jahr gerechnet auf 160 Kilogramm CO2. Das Training eines großen KI-Modells emittiert 315 Mal mehr Kohlenstoff als ein Flug um die Welt, pro Person gerechnet. “Es ist an der Zeit zu hinterfragen, ob es immer die umweltvertrĂ€glichste Lösung ist, digital zu sein”, verdeutlicht McLean.

 

PA/ Red.

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