Pig ausgefuchst

30.06.2026 10:32
red04
© ORF/Thomas Ramstorfer
Dr. Clemens Pig wurde mit einer Mehrheit von 21 Stimmen zum ORF-Generaldirektor bestellt.

Als Clemens Pig sich entschloss – und das war wohl lange,  bevor er seine Bewerbung als ORF-Generaldirektor bekannt gab – ging er gemeinsam mit einer Reihe von Verbündeten und Beratern das Szenario durch. Natürlich war ihm klar, dass er es ohne die Unterstützung der Politik (vor allem von der ÖVP und vom Kanzler, die laut nicht unterschriebenem Side Letter in der Regierungsvereinbarung das „Anrecht“ – auf die Generaldirektorenbestellung hatten) nicht schaffen würde. Danach gings für ihn an die diversen Sondierungsgespräche. Die er auch gar nicht bestritt.

ÖVP-Generalsekretär Marchetti beschädigte ihn dann mit der ÖVP-Wahlempfehlung schwer. Ein Shitstorm, massive Attacken, Klagsdrohungen – das hätte sich Pig wohl lieber erspart. Doch im Hinterkopf des ausgefuchsten Pig schlummerte da ein Gedanke. Auf den Punkt gebracht hatten ihm diverse Insider zugeflüstert, dass nach seiner Wahl eigentlich alles möglich sei. Er könne es ja so machen, wie der seinerzeitige ORF-Generaldirektor Gerhard Zeiler (heute Warner Brothers-Chef) den Politikern vor seiner Bestellung signalisierte: „Jetzt lasst mich mal ORF-Generaldirektor werden. Und danach sehen wir weiter.“

Denn was sollten die denn tun, wenn er allfällige, politische Zurufe im Vorfeld seiner Wahl nach der Wahl schlicht über Bord wirft und sich sein Team holt. Einzig nach den Kriterien: Qualifikation, Leistung, Effizienz, Untadeligkeit.

Die Politik kann dabei nur händeringend zusehen. Und muss zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass der Mann offensichtlich nicht ausrechenbar, nicht packlfähig und kein Politruk ist. Einziger Nachteil dieser Vorgehensweise: Wer solchermaßen gegenüber den Politikern abgestempelt ist, der verringert seine Chancen auf eine Wiederwahl dramatisch. Es sei denn, seine Performance ist so gut, dass sie nicht anders können, als ihn in vier Jahren erneut zu bestellen. Diese Risiko hat Pig – wie die Medien dieser Tage kolportieren – offensichtlich bewusst in Kauf genommen. Er hat den Termin für die Entscheidung seines Teams verlegt. Setzt damit ein deutliches Signal an qualifizierte Direktorinnen und Landeszampanos, sich bis zum 14. Juli doch noch zu bewerben. Lädt damit Manager ein, die eine Bewerbung  deshalb nicht angegangen wären, weil sie davon ausgehen mussten, dass das sowieso alles ein politisch abgekartetes Spiel ist. Pig ist clever. Wenn er so weitermacht, wird sich beim ORF viel ändern. Insbesondere, was die Personalpolitik betrifft. Und einige im Haus, insbesondere der Stiftungsvorstand werden sich noch wundern, was da alles geht…cemu

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