ORF blickt auf ein Jahr Trump
Zum Jahrestag von Donald Trumps zweiter Angelobung bündelt der ORF Analyse, Einordnung und Kritik.

Ein Jahr nach der Angelobung von Donald Trump am 20. Jänner 2025 zieht der ORF eine umfassende mediale Bilanz. Unter dem programmatischen Titel „Ein Jahr Trump“ widmet sich der öffentlich-rechtliche Sender am Montagabend auf ORF 2, ORF ON und weiteren Kanälen der Frage, wie sehr Trumps Rückkehr ins Weiße Haus politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gewissheiten erschüttert hat.
Macht, Bewegung, Systembruch
Im Zentrum steht ZIB Wissen mit der Dokumentation „Ein Jahr Trump: Ein Mann verändert die Welt“. Moderiert von Nadja Bernhard und Tarek Leitner, zeichnet die Sendung ein Bild eines Präsidenten, der weniger moderiert als beschleunigt. Trumps zweite Amtszeit wird als Phase beschrieben, in der institutionelle Leitplanken bewusst getestet, mitunter auch ignoriert werden.
Im Fokus stehen die MAGA-Bewegung, die innere Verfassung der Demokraten sowie Trumps Verhältnis zu Justiz, Medien und Verfassung. Anders als 2017 agiert Trump routinierter, personell homogener und strategisch fokussierter. Kritiker sprechen von einer Präsidentschaft, die Loyalität über Expertise stellt und den Staat zunehmend als Machtinstrument begreift. Thematisiert wird auch, wie Trumps familiäres Umfeld und sein wirtschaftliches Netzwerk von politischem Einfluss profitieren – ein Aspekt, der bereits in der ersten Amtszeit virulent war, nun aber systematischer erscheint.
Internationale Einordnungen liefern Schaltungen nach Brüssel, Moskau, Tel Aviv und Peking. Die USA-Expertin Cathryn Clüver Ashbrook warnt vor langfristigen Verschiebungen der globalen Ordnung. Ergänzt wird dies durch die Einschätzung von Barbara Wolschek, die aus Washington eine Präsidentschaft beschreibt, die weniger auf Konsens als auf Konfrontation setzt – nach innen wie nach außen.
Ökonomie, Zölle, Verunsicherung
Direkt anschließend analysiert Eco Spezial den wirtschaftlichen „Trump-Effekt“. Trumps erneuter Fokus auf Zölle, Handelsdruck und bilaterale Deals trifft exportorientierte Volkswirtschaften besonders hart. Auch Österreich gerät dabei in den Sog globaler Blockbildung. Ein Lokalaugenschein im steirischen Kindberg zeigt, wie geopolitische Entscheidungen bis in regionale Arbeitsmärkte durchschlagen. Der Politologe Ivan Krastev warnt davor, Trumps Politik als vorübergehende Abweichung zu betrachten: Die Welt nach Trump werde nicht einfach zur alten Ordnung zurückkehren.
(PA/red)
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