Jugendliche leiden unter Social-Media-Druck

Fachleute beobachten bei Kindern und Jugendlichen zunehmend eine problematische Nutzung sozialer Netzwerke.

27.05.2026 14:18
red04
© Adobe Stock
70 Prozent berichten von Schlafproblemen durch nächtliche Social-Media-Nutzung.

Soziale Medien haben laut Fachleuten großen Einfluss auf Kinder und Jugendliche. Das zeigt eine Befragung unter Experten des Projekts „Gesund aus der Krise“. Besonders betroffen seien Zehn- bis 13-Jährige, bei denen bereits rund ein Drittel problematisches Nutzungsverhalten zeige. Insgesamt beobachten 74 Prozent der Befragten einen problematischen Social-Media-Konsum bei jungen Menschen. 82 Prozent berichten zudem, dass viele Jugendliche Schwierigkeiten hätten, die Nutzung zu beenden. Der Psychologe Oliver Scheibenbogen vom Anton Proksch Institut in Wien sieht einen Zusammenhang zwischen frühem Smartphone-Kontakt und späterem Wohlbefinden. Kinder würden wichtige soziale Erfahrungen vor allem im realen Leben sammeln. Intensive Nutzung könne außerdem zu ADHS-ähnlichen Symptomen führen.

Schlafprobleme und Einfluss auf Körperbild

Viele Experten sehen negative Auswirkungen auf Alltag und Gesundheit. 70 Prozent berichten von Schlafproblemen durch nächtliche Social-Media-Nutzung. Zudem würden Hobbys und Freizeitaktivitäten häufig verdrängt. Auch das Körperbild werde stark beeinflusst. Laut Beate Wimmer-Puchinger, Leiterin von „Gesund aus der Krise“, orientieren sich viele Jugendliche an Likes, Followern und Online-Reaktionen. Besonders Mädchen hätten oft Schwierigkeiten, ein positives Körpergefühl zu entwickeln. 74 Prozent der Befragten beobachten außerdem, dass persönliche Gespräche und Begegnungen im Freundes- und Familienkreis abnehmen. Viele Eltern seien mit der digitalen Mediennutzung ihrer Kinder überfordert.

Handy-Verzicht zeigt positive Effekte

Wie sich ein bewusster Verzicht auswirken kann, zeigt das ORF-Projekt „Das große Dok-1-Handyexperiment“. Mehr als 45.000 Schüler nahmen daran teil und verzichteten drei Wochen lang ganz oder teilweise auf ihr Smartphone. Die Ergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen beim psychischen Wohlbefinden. Depressionssymptome gingen zurück, ebenso Schlafprobleme und problematisches Internetnutzungsverhalten. Besonders deutlich waren die Effekte bei Jugendlichen, die komplett auf das Handy verzichteten.

Diskussion über Altersbeschränkungen

Gesundheitsministerin Korinna Schumann sprach sich erneut für strengere Regeln bei Social Media aus. Laut der ORF-Studie befürworten auch viele Jugendliche selbst Altersbeschränkungen für soziale Netzwerke. Das Projekt „Gesund aus der Krise“ wurde 2022 während der Corona-Pandemie gestartet und unterstützt Kinder und Jugendliche mit psychologischer und psychotherapeutischer Hilfe.

(APA/red)

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