ExtraDienst Exklusiv Teil 3: Kommentar: Quo Vadis, ORF?
Wie höchstpersönliche Nachrichten öffentlich wurden, Österreichs mächtigster Medienmanager ins Bodenlose stürzte und das gesamte ORF-System in der Folge ins Wanken geriet.

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Kommentar: Quo Vadis, ORF?
Wie höchstpersönliche Nachrichten öffentlich wurden, Österreichs mächtigster Medienmanager ins Bodenlose stürzte und das gesamte ORF-System in der Folge ins Wanken geriet.
Es begann alles so, wie ungezählte vergleichbare Skandale auf dieser Welt: mit Momenten naiver Fehleinschätzung, dass Höchstpersönliches im geschützten Bereich sicher sei.
Dass vertrauliche Nachrichten, Aufnahmen, Chatverläufe im verborgenem Bereich der Privatsphäre sicher seien. Wohlverwahrt vor der Öffentlichkeit.
Ein fataler Trugschluss.
Die Ankündigung und nachfolgende Veröffentlichung dieser höchst privaten Inhalte markierte den Wendepunkt.
Der erfolgsverwöhnte Roland Weißmann stürzte, als seine privaten Nachrichten öffentlich wurden, ins Bodenlose. Oder wurde gestürzt, wie er meint. Und in der Folge geriet das ganze System des ORF in nie dagewesener Dimension massiv ins Wanken.
Die – auch nur andeutungsweise – Schilderung der höchstpersönlichen Kommunikation markierte den Wendepunkt. Nicht, weil sie juristisch zwingend relevant war, sondern weil sie ein Bild zeichnete. Ein Bild, das nicht mehr korrigierbar war.
Und lawinös begann intern das, was nach außen wie ein geordneter Prozess wirken sollte. In Wahrheit war es hektische Schadensbegrenzung. Wechselseitige Vorwürfe, Unterstellungen, Druckausübung, Distanzierung, Brüche – Loyalitäten verschoben sich, Lager bildeten sich. Die Politik war involviert und decouvriert wie nie zuvor.
Das gesamte System des österreichischen Rundfunks geriet ins Wanken.
Wenn ein Manager in solch einer prekären Situation zurücktritt, dann ist das selten seine freie Entscheidung. Es ist das logische Ergebnis einer Entwicklung, in der jede Alternative noch mehr Schaden verursachen würde.
Ein solcher Rücktritt ist kein Schlussstrich. Er ist ein Signal – eines, das bindend gesetzt werden muss. Ohne Chance auf Rückkehr.
Doch in diesem Fall blieb die Causa nicht auf Weißmann beschränkt. Sie zog gewaltige Kreise.
Das Unternehmen ORF, seine Sender, seine Institutionen und seine Mitarbeiter – sie alle benötigen Vertrauen. Ist dieses Vertrauen erschüttert, reicht ein personeller Rücktritt nicht mehr. Dann wird aus einem Skandal im höchstpersönlichen Bereich ein strukturelles Problem.
Dazu kommt ein Faktum, das jede derartige Krise massiv verschärft: die Dynamik der digitalen Öffentlichkeit. Was früher unter der Tuchent geblieben wäre, wird heute multipliziert, kommentiert, interpretiert. Private Kommunikation wird zur öffentlichen Währung. Intimität zum Risiko.
Denn die Grenzen zwischen „persönlich“ und „öffentlich“ existieren heute nicht mehr – und darin liegt die eigentliche Sprengkraft.
Die Vorstellung, dass Macht schützt, hat mit dem Fall Weißmann endgültig ihre Gültigkeit eingebüßt. Positionen bieten keine Deckung mehr, Netzwerke keine Garantie, Autorität keine Immunität. Im Gegenteil: Je größer die Fallhöhe, desto stärker die Wucht des Aufpralls.
Der ORF ist der Mehrzahl der Österreicher nicht erst seit der zwingenden Haushaltsabgabe ein Dorn im Auge – sondern schon immer.
Da wird der Slogan „ORF – wie wir“ zum Hohn.
„Wir sind nicht so“, meinte der Bundespräsident seinerzeit.
Beim ORF kann man angesichts der Skandale der letzten Wochen nur mehr ergänzen: Wir sind nicht so – wir sind noch viel schlimmer:
Ein – freilich nicht unterfertigtes – „Packl-Übereinkommen“ der Regierung, in dem der Vorsitzende des Stiftungsrates (rot) und der Generaldirektor (schwarz) sowie die einzelnen Direktorenposten „gedealt“ werden, eine Gehaltspyramide, für die der Begriff „Pfründe“ eine Untertreibung wäre, fette Pensionsverträge, Inzucht der sogenannten ORF-Stars, Machtspiele in den Abteilungen, Nebengeschäfte der Stiftungsräte, immer neue Sexskandale, die dem Vernehmen nach vertraulich gemeldet werden und postwendend durch die Medien gehen…
Die Liste der aufgepoppten Skandale wird täglich länger.
Um es mit Andreas Hofer zu sagen: „Mander, s’isch Zeit!“.
Es ist hoch an der Zeit, dass dieses System zerschlagen wird. Dass die Ruinen des Paradeunternehmens der heimischen Medienbranche endgültig abgetragen werden.
Ersetzt werden durch ein Konstrukt, in dem der ORF frei von politischer Einflussnahme, schlank, befreit von Pfründen und getragen von gegenseitigem Respekt, seinem öffentlichen Auftrag – endlich – gerecht wird. Denn der ORF gehört uns allen.
Es ist Zeit für das SCHLANKFUNKBEGEHREN.
Für ein Volksbegehren, wo der Souverän – sprich wir, das Volk – mit seiner Stimme den Parlamentariern signalisiert, wie breit die Ablehnung des bestehenden Systems bereits gediehen ist.
Es ist hoch an der Zeit, dass sich der Staatsfunk auf seine definierte Kern-Aufgabe konzentriert.
Dazu braucht es keine 4.000 Mitarbeiter. Dazu braucht es keine diversen Kanäle. Dazu braucht es nicht so viele Radiosender. Dazu braucht es keine allumfassende Präsenz digital, online und in den sozialen Medien.
Das geht auch mit 500 Mitarbeitern. Einem TV-Sender. Und zwei Radiosendern.
Ohne „Malcom Mittendrin“, „Dancing Stars“ und überdimensionalen Landestudios und wie die Unnötigkeiten die heißen, die wir alle mit der Haushaltsabgabe finanzieren. Die gehört abgeschafft. Stattdessen – Finanzierung des ORF über das Budget.
Ich habe einen Traum.
Vielleicht wollen Sie mich dabei unterstützen. Dann schreiben Sie mir bitte an . Kennwort Schlankfunkbegehren.
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