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ExtraDienst Exklusiv Teil 2: Die Rutsch-Partie

Schuld & Sühne auf dem glatten ORF-Parkett

13.04.2026 15:12
red04
© Privat
Tiefe Kluft: Weißmann und Vorgänger Wrabetz. Im Zentrum der Kritik: Pius Strobl.
In drei Segmenten finden Sie brisanten Stoff zur laufenden ORF-Affäre. Eine Zusammenfassung von Recherchen, Gesprächen, Telefonaten, Nachrichten und diversen Interviews, die als Puzzle erstmals die authentische Position von Roland Weißmann persönlich wiedergeben.Ohne den Filter von Anwälten, Hörensagen, Gerüchten oder Zuschreibungen.

Alle hier veröffentlichten Inhalte sind dokumentiert, protokolliert und nachweislich authentisch.

Wie diese Puzzleteile zusammengefügt wurden finden Sie in

Teil 1 „Zum Geleit: Hintergrundgespräche und Recherchen“.

In Teil 2 „Die Rutsch-Partie: Schuld & Sühne auf dem glatten ORF-Parkett“ erkennen Sie das ganze Bild aus den genannten Einzelrecherchen.

Und in Teil 3: „Kommentar: Quo Vadis, ORF?“ reflektiere ich, wie es nach dem Desaster auf dem Küniglberg weitergehen könnte.

Die Recherchen, Zusammenstellungen und das Verfassen dieser Beiträge erfolgte aus Aktualitätsgründen unter größtem Zeitdruck. Mein Team und ich haben uns bemüht, all dies nach bestem Wissen und Gewissen wahrhaftig zusammenzutragen und zu kommunizieren.

Für allfällige Fehler oder Unschärfen bitten wir schon jetzt um Pardon zugunsten der Aktualität.

Viel Spaß beim Lesen von Teil 2

wünscht

Ihr

Christian W. Mucha

Achtung: Jedwede Wiedergabe, ganze oder teilweise Übernahme dieses Newsletters ist urheberrechtlich an die Zustimmung der MG MedienGruppe und/oder von Christian W. Mucha gebunden.

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Jedwede unautorisierte Wiedergabe dieser Inhalte, auch bei Übernahme von allfälligen Dritten ohne die Beifügung 

„Wie Christian W. Mucha in seinem Newsletter berichtet“,

wird urheberrechtlich von der MG MedienGruppe bekämpft.

Vielen Dank für Ihr diesbezügliches Verständnis, was Autoren- und Urheberrechte dieser Beiträge betrifft. Denn nur so sehen wir die Möglichkeit, diese exklusiven Inhalte vor dem in der Branche leider nur allzu oft grassierenden Inhaltsdiebstahl zu schützen.

 

Die Rutsch-Partie

Schuld & Sühne auf dem glatten ORF-Parkett

Mittwoch, 8. April, 15:39 Uhr. Donnerstag, 9. April, 10:01 Uhr.

Roland Weißmann ist am Telefon. Wir führen zwei längere informelle Gespräche. Zwei Telefonate, die wir gemeinschaftlich als Hintergrundgespräche klassifizieren. Ausdrücklich kein autorisiertes Interview.

Der Trigger: Nach einer Nachricht, wo ich ihm am Mittwoch Infos über ein angedachtes ORF-Volksbegehren übermittelt habe, will er Genaueres wissen. Ob das ein Plan des Zeitungsherausgeberverbandes sei, von dem er gehört habe.

Nein, antworte ich ihm darauf. Ich selber hätte länger darüber nachgedacht. Und mittlerweile ein ziemlich präzises Konzept für ein „ORF-Schlankfunkbegehren“ im Kopf. Die 100.000 Stimmen, die es dafür braucht, um die Sache ins Parlament zu bringen, sollte man – angesichts der derzeitigen Stimmungslage in der Bevölkerung und der Wut über all die Missstände am Küniglberg (siehe Kommentar) – wohl relativ schnell beisammen haben. Unterstützer dafür würden sich wohl aus allen Lagern finden.

Es ginge dabei nicht darum, den ORF aufzulösen oder zu privatisieren, sondern ihn auf das Wesentliche zu reduzieren. Weißmann grinst. Er sei dann künftig als Berater unterwegs. Und wenn es fachkundige Expertise brauche, dann könne ich ihn ja engagieren.

Ich führe aus, dass die in der Politik ja eigentlich völlig schief gewickelt sind. Wenn sie glauben, damit, dass sie den ORF kontrollieren, ihre Position zu verbessern. Denn selbst die massiven Eingriffe in den Staatsfunk würden nach aktueller Demoskopie der Regierungskoalition aus der Bevölkerung nur mehr rund 40 % Zustimmung bringen. Das sei für mich das Perverse an der Situation.

Warum könne man also nicht dafür sorgen, dass die künftig die Finger aus dem ORF lassen? Weißmann entgegnet, dass das eine gute Frage sei. Wenn ich (wir) ihn bräuchte(n), dann wäre er in ein paar Monaten dabei.

Warum erst in ein paar Monaten? Nun, Weißmann habe ja neun Monate Kündigungsfrist. Bis dahin sei er also noch ORF-Mitarbeiter und dem Unternehmen gegenüber loyal.

Darauf ich: „Aber nicht mit deiner Generaldirektoren-Gage, sondern…“ Und er ergänzt: Als Hauptabteilungsleiter. Wie hoch denn die Bezüge dort sein und welcher Gehaltsstufe sie entsprechen, will ich wissen. Weißmann zögert. Das wisse er nicht. Das sei schon lange her. Er habe das vergessen.

Ich repostiere: „Aber es ist deutlich weniger als die Gage des Generaldirektors?“ Was er mit einem „Natürlich“ quittiert. Ob das jetzt zwei Drittel seines derzeitigen Salärs von 427.500 Euro sei? Weißmann: Nun, es käme immer darauf an. Es gäbe ja auch Hauptabteilungsleiter, die mehr verdienen als der Generaldirektor. Pius Strobl etwa. Es komme sohin immer darauf an, welcher Hauptabteilungsleiter man sei.

Wenn’s um Strobl geht, kennt Weißmann kein Pardon. Als ich anmerke, dass der mir gegenüber Stein und Bein geschworen hätte, dass er mit Weißmanns ehemaliger Freundin, die in den Tagen vor Weißmanns überraschendem Rücktritt am 8. März mit der Veröffentlichung von Nachrichten und Material (sollte er ihre Forderungen nicht erfüllen) gedroht hatte, lediglich ein freundschaftliches Verhältnis habe, wird Weißmann konkret:

Die beiden (Strobl und sie) hätten 2024 und 2025 den ganzen Sommer gemeinsam am Wörthersee verbracht. Seien immer miteinander Booterl gefahren und so weiter. Aber vielleicht hätten sie ja nichts miteinander gehabt. Das könne schon sein.

Ich erzähle, dass Strobl mit einem Burnout-Syndrom im Krankenstand sei. Mit 70 werde er am Jahresende ausscheiden. Und da ende dann seine ORF-Geschichte. Und man wisse ja gar nicht, ob er bis dahin noch zurückkehren werde.

Da ist sich Weißmann einigermaßen sicher: Natürlich nicht. Er habe Strobl geschrieben, er solle seinen Urlaub verbrauchen. Er habe damals noch 204 Urlaubstage ausständig gehabt. Das sei ja fast eine Jahresgage. Und er habe ihm gesagt, er müsse seinen Urlaub abbauen. Woraufhin Strobl krank geworden sei.

Und außerdem: Er, Weißmann, habe immer geschaut, dass der ORF spare. Habe dem ORF die Pension von Strobl erspart. Und hätte – das werde er beizeiten auch bekannt machen – sich erfolgreich gewehrt, als ORF-Stiftungsrat-Vorsitzender Heinz Lederer versucht habe, zu intervenieren, dass gewisse Produktionsfirmen zum Zug kämen. Was der aber nie geschafft habe und was Weißmann verhindert hätte.

Wo Lederer Weißmann dann gesagt haben soll, dann werde er eben künftig nicht mehr Generaldirektor sein. Was auch wichtig sein werde für das Verfahren. Blöderweise habe das nämlich ein Mitarbeiter von Weißmann mitgehört. Dazu gäbe es eine Aktnotiz. Und das habe Weißmann alles.

Mir bleibt die Luft weg. An dieser Stelle flüstere ich nur mehr: „Wahnsinn.“ Ob es denn nicht schade sei um den ORF und um diese Schlammschlacht? Weißmann kontert, es sei schade um ihn.

Und was er zu den Machtspielen der Mächtigen in der Redaktion sage? Da kommt von Weißmann nur ein „Nix“. Aber das seien doch, kontere ich, die Mächtigsten im ORF. Weißmann sieht das naturgemäß anders. Der Mächtigste im ORF sei er gewesen. Alles andere sei ja lächerlich. Die müsse man sich halt herrichten.

Ich solle doch einmal mit der Information reden. Die sängen ein Loblied auf ihn, weil er die arbeiten habe lassen. Ich solle einmal in der Chefredaktion nachfassen und dort, wo er als Chef tätig gewesen sei.

Jetzt fasse ich nach. Ob die neue Generaldirektorin das packe oder ob ihr das nicht eine Nummer zu groß sei. Eine?, kommt von der anderen Seite. Ob ich wüsste, wer sie denn zur Hörfunk-Direktorin vorgeschlagen habe. Das wäre er, Weißmann gewesen. Und sie habe mit ihm seit seinem Rücktritt nie ein Wort geredet.

Nachdem unser Gespräch flüssig und locker verläuft, wage ich mich aus der Deckung. Wie denn das jetzt genau gelaufen sei mit den Nachrichten und den Fotos. Und seiner Beziehung. All das sei vor seiner Zeit als Generaldirektor gelaufen. Ob ich das berücksichtigt hätte, denn das wäre ja 2020 und 2021 gewesen.

„Und da warst Du noch gar nicht Generaldirektor?“, fasse ich nach. Weißmann darauf: Nein. „Aber Du warst doch schon im ORF in leitender Funktion.“ Nein, korrigiert er, er wäre nie ihr direkter Vorgesetzter gewesen. Ob ich übrigens wisse, wer ihr Vorgesetzter gewesen sei? Und ergänzt fugenlos, das sei Pius Strobl gewesen. Seit 2018.

Wie denn jetzt dieses brisante Material aussehe? Weißmann wird ganz ruhig. Viel hätte es nicht gegeben. Jeweils einzelne, kontert er. Ich fasse nach. Es hätte nur ein  Foto gegeben? In der Branche kursiert doch, dass es sich um duzende Nachrichten mit Penisfotos handeln würde.

Nein, kontert Weißmann, das sei ja nicht wahr. Wer komme darauf? „Aber wenn das in der ganzen Branche umgeht, entschuldige“, rechtfertige ich mich. Ja, aber vielleicht sei das ja nicht richtig.

Womit wir wieder bei Strobl landen. Weißmann informiert, dass die besagte Person seit 2018 im ORF sei. Sie sei schon immer Mitarbeiterin von Pius Strobl gewesen. Ich möge doch einmal recherchieren, warum sie 2021 eine unbefristete Anstellung bekommen hätte. Und wie.

Ich frage nach. Und Weißmann kontert, es wäre eine andere verdrängt worden, der Strobl gesagt habe, sie hätte drei Wochen Zeit, er brauche deren Platz. Und dann hätte besagte Person 2021 eine unbefristete Anstellung im ORF unter Generaldirektor Wrabetz erhalten. Die andere wurde rausgehaut und ins Funkhaus abgeschoben. Wer habe sie rausgehaut, will ich wissen. Strobl oder Wrabetz? Die Antwort kommt schnell: Strobl.

Ich versuche nach all den brisanten Inhalten das Gespräch zu kalmieren und frage, was Weißmann denn jetzt täglich so mache. Sich um seine Agenden kümmern und laufen? Genau so sei es.

Wie das genau funktioniere, will ich wissen. Er sei im 22. Bezirk in einem Boxclub, mache dort Sparring mit Kopfschutz. Ob das sein Aggressions- oder Frustabbau sei, will ich wissen. Nein, kontert Weißmann. Er boxe schon seit 20 Jahren. Und Laufen? Das habe sich halt in den letzten Jahren verändert. Er sei aber schon acht Marathons gelaufen mit einer Bestzeit von 3 Stunden und 58 Minuten. Jetzt ginge er fast jeden Tag laufen. Dafür über kürzere Distanzen. Früher sei er nicht so oft gelaufen, dafür länger.

Ob er sehr frustriert war, will ich wissen. Natürlich sei er das gewesen. Und was er dagegen unternommen hätte? Nun, da gäbe es keine Kategorie. Aufstehen, Krone richten, weiterkämpfen.

Ich hake nach, ob er jetzt eine Partnerin habe. Ja, die habe er. Und ob ihn die tröste? Nun, manchmal…

Ich interpretiere das so, dass man den eigenen Partner, wenn es einem dreckig geht, ja nicht als tagtägliche, stündliche, minütliche Klagemauer missbrauchen darf. Das tut einer Beziehung niemals gut. Weißmann kontert, dass viele Menschen zu ihm stünden. Und ihn unterstützen würden. Und dafür sei er sehr dankbar.

Warum er sich denn nicht endlich persönlich zu der ganzen Causa in einem autorisierten Interview äußern wolle? Abgestimmt und im O-Ton darüber sprechen? Derweil mit niemandem, kommt es von der anderen Seite. Auf Anraten seiner Anwälte.

So sind denn bis dato die einzigen Zitate, die von Weißmann offiziell verbürgt sind, einzig über Rechtsanwalt Oliver Scherbaum geflossen. Der reagiert scharf auf die ausgesprochene Kündigung des ORF: „Dass der ORF diese Vorverurteilung nun faktisch fortsetzt, obwohl die Vorwürfe widerlegt sind und in diesem Zusammenhang sogar Strafanzeige eingebracht werden musste, ist inakzeptabel. Mag. Weißmann wird dieses Vorgehen nicht hinnehmen. Sämtliche rechtlichen Ansprüche – sowohl im Hinblick auf den abgenötigten Rücktritt, die Beendigung des Dienstverhältnisses als auch auf die fortgesetzte rufschädigende Darstellung – werden nunmehr konsequent verfolgt.“

Was denn in seiner Kündigung stünde, will ich erfahren. Jetzt reagiert der Ex-Generaldirektor emotional. Einigermaßen verbittert. Er habe das aus dem Radio erfahren. Er habe das gar nicht schriftlich bekommen. Das sei die neue Transparenz der neuen ORF-Generaldirektorin. Die richte es übers Radio aus, dass er gekündigt werde. Im Ö1-Mittagsjournal.

Und er habe nichts schriftlich erhalten? Nein, Stand heute Vormittag (beinahe 24 Stunden, nachdem die Kündigung öffentlich wurde), hätte er immer noch keine schriftliche Kündigung vorliegen.

Aber wenn es schon kein rechtliches Fehlverhalten ist, was sei das dann? Ob er das klagen werde? Nun, schauen wir mal. Ob er es so empfinde, dass er mit seinen Handlungen Dreck am Stecken habe? Weißmann verneint das vehement. Er habe keinen Dreck am Stecken. Es gebe keine sexuelle Belästigung. Daher sei dies der höchstpersönliche Lebensbereich zwischen zwei Menschen. Wechselseitig und einvernehmlich.

Was er vom ORF fordere? Es ginge Weißmann nur um eine finanzielle Lösung. Die fair sei. Und die ihm zustünde. Und sonst um nichts.

Wie er denn zu seinem Recht kommen wolle? Ihm stünden drei Anwälte zur Seite. Oliver Scherbaum, sein allgemeiner Anwalt, der Strafrechtler Norbert Wess und ein Arbeitsrechtler, dessen Namen er nicht nennen wolle. Aber das koste ihn ja ein Vermögen? Sicher koste es ihm ein Vermögen, kontert Weißmann. Aber was solle er mir sagen, er habe eh nichts anderes zu tun.

Das Thema kommt erneut zu Pius Strobl. Wie er denn dazu stehe, dass die Pensionsvereinbarung nicht am letzten Arbeitstag von Alexander Wrabetz, sondern bereits 2010 genehmigt wurde.

Jetzt geht er ins Detail. Weißmann erinnert daran, dass 2010 die Abhöraktion im ORF für einen gewaltigen Skandal sorgte. Damals war Pius Strobl Kommunikationschef des ORF und der engste Vertraute von Wrabetz.

Strobl hatte damals, so erinnere ich mich, den Auftrag erteilt, Tonaufnahmen zu machen. Er wollte einen Stimmungsbericht bzw. die interne Einstellung einschätzen. Es ging damals um keinen klassischen Geheimdienstskandal, sondern um einen internen Macht- und Vertrauenskonflikt im ORF.

Am 11. November 2010 in einer Sitzung des ORF-Stiftungsrates ging es um Personalentscheidungen, unter anderem die Abwahl von Info-Chef Elmar Oberhauser. Vor dem Sitzungssaal kam es damals zu informellen Gesprächen zwischen ORF-Direktoren, Journalisten, Stiftungsräten. Und genau diese Gespräche wurden heimlich aufgenommen.

Dies geschah ohne Wissen der Betroffenen. Eine ORF-Mitarbeiterin zeichnete die Gespräche mit einem Aufnahmegerät auf. Und die Aktion flog auf, als die versuchte, sogar Direktoren mitzuschneiden – ein Direktor nahm ihr damals das Gerät ab. Damit war der Skandal öffentlich.

Strobl trat damals als Kommunikationschef zurück. Darauf spielt Weißmann an, wenn er meint, 2010 sei der Pensionsvertrag quasi eine Abgeltung der Leistungen Strobls seitens des Generaldirektors gewesen. Und auch damals hätte man das nicht in einen Pensionsvertrag gießen können, weil derartige Verträge bereits Anfang der 2000er offiziell abgeschafft wurden.

Und ergänzt, wenn einer rausgehaut werde wegen einer Abhöraffäre und dann viel Geld bekommt, dann passe das nicht. Denn normalerweise bekäme der weniger Geld, wenn er eine Abhöraffäre macht.

Unser – informelles – Gespräch endet.

In einer langen Nacht und einem Tag danach werde ich all das Gesagte, Diskutierte analysieren und verarbeiten. Und dann bekommen unsere ExtraDienst-Leser bzw. unsere Newsletter-Abonnenten wieder einmal etwas vorgelegt, was man als Exklusiv-Scoop bezeichnen kann.

Der Wahrheit verpflichtet,

Ihr

Christian W. Mucha

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