ExtraDienst Exklusiv Teil 1: Zum Geleit
Ein Interview? Ein Hintergrundgespräch? Ein Gedankenaustausch? Eine vertrauliche Plauderei?

|
Achtung: Jedwede Wiedergabe, ganze oder teilweise Übernahme dieses Newsletters ist urheberrechtlich an die Zustimmung der MG MedienGruppe und/oder von Christian W. Mucha gebunden.
Jedwede unautorisierte Wiedergabe dieser Inhalte, auch bei Übernahme von allfälligen Dritten ohne die Beifügung
„Wie Christian W. Mucha in seinem Newsletter berichtet“,
wird urheberrechtlich von der MG MedienGruppe bekämpft.
Vielen Dank für Ihr diesbezügliches Verständnis, was Autoren- und Urheberrechte dieser Beiträge betrifft. Denn nur so sehen wir die Möglichkeit, diese exklusiven Inhalte vor dem in der Branche leider nur allzu oft grassierenden Inhaltsdiebstahl zu schützen.
Zum Geleit
Ein Interview? Ein Hintergrundgespräch? Ein Gedankenaustausch? Eine vertrauliche Plauderei?
Roland Weißmann hat – auf dringenden Rat seiner Anwälte – sich bis dato persönlich mit keinem einzigen Beistrich zu der Affäre, die unser Land erschüttert und deren Trigger seine höchstpersönliche „Kommunikation“ mit einer „Freundin“ wurde, geäußert.
Gegenüber mir und dem ExtraDienst beendet er jetzt sein Schweigen. Ob ich das, was wir da in diversen WhatsApp-Nachrichten und zwei persönlichen, ausführlichen Telefonaten besprochen haben, publizieren darf? Ich frage ihn. Ein bisschen was davon, lass mich schreiben. Und er antwortet: Was du willst. Es dürfte nur nicht in „direkter Rede“ sein.
Sohin handelt es sich bei dem, was hier erstmalig veröffentlicht wird, um kein Interview. Kein autorisiertes Gespräch. Sondern um ein Puzzle, zusammengesetzt aus Nachrichten, höchstpersönlichem Austausch, Informationen aus dem direkten, persönlichen Umfeld von Weißmann und einer Vielzahl von Recherchebausteinen, die alles andere als leicht dahergekommen sind.
Aber all dies ergibt ein klares Bild. Weißmann, der als Parademanager dem ORF mit seinem Verhandlungsgeschick mit der Umsetzung der Haushaltsabgabe dessen Finanzierung auf Jahre hinaus gesichert hat, stolperte über eine höchstpersönliche Relation, wobei er expresis verbis betont, dass diese Beziehung schon im Jahr 2020/21 sattgefunden habe. Zu einem Zeitpunkt, wo er noch gar nicht Generaldirektor war. Sondern als Geschäftsführer von ORF Online tätig war. Und niemals der Vorgesetzte von seiner „Freundin“ war. Wer der Vorgesetzte war will er von mir wissen? Die Antwort sei einfach: Pius Strobl.
Weißmann hat mit politischem Geschick und einer cleveren Salami-Verhandlungstaktik sich stets für „seinen ORF“ eingesetzt. „Seinen ORF“, dem er – und darauf legt er größten Wert – auch über alle Erwartungen und Forderungen jener Politiker, von denen er inthronisiert wurde, stets verpflichtet gefüllt hat. Man solle doch einmal in der Information nachfragen. Alle dort würden ihm das allerbeste Zeugnis ausstellen. Denn, so Weißmann, er habe die völlig frei arbeiten lassen.
Und dennoch erlebte er den brutalsten Absturz, den man sich bei einem Spitzenmanager nur ausmalen kann.
Im Disput wirkt er gelassen. Abgeklärter. Sein erster Schock scheint verflogen. Bewältigt. Verarbeitet. Er läuft, boxt, beschäftigt gleich drei Anwälte, wird kämpfen und macht deutlich klar, dass er definitiv keinen Dreck am Stecken habe.
Verbittert – ja wütend – reagiert er, dass er seine Kündigung bis dato nicht schriftlich erhalten habe. Das sei die neue Transparenz der Generaldirektorin. Ihm übers Radio auszurichten, dass er gekündigt wurde.
Sein Arbeitsrechtler (dessen Name er nicht sagen will), sein Strafrechtler (Norbert Wess) und Oliver Scherbaum, sein allgemeiner Anwalt das wüsste er – würden ihn wohl einen Batzen Geld kosten. Aber was solle er dazu sagen? Er habe eh nichts anderes zu tun und das Geld dafür habe er auf der Seite. Ob er die Kosten der Anwälte kenne? Nein, das wüsste er noch nicht.
Wenn es um seine Zukunft geht, dann macht er da erstmalig Andeutungen. Künftig werde er als Berater unterwegs sein. Wenn ich ein Volksbegehren andächte oder seine fachkundige Expertise brauche, dann könne ich ihn ja dann engagieren.
Schon in ein paar Monaten sei er bei so etwas dabei.
Das alles zu schreiben ist für mich eine Gratwanderung.
Weißmann und mich verbindet wechselseitiger Respekt. Wir sind per du. Aber nicht befreundet. Überrascht hat mich, dass Roland sich mit Ekaterina immer wieder über Instagram austauscht.
Beim Sport, beim Laufen, beim Training. Und ja – ich habe ihn, als es um die Generaldirektorenwahl ging, definitiv unterstützt. Mit Tipps, mit Informationen, mit meinem Hintergrundwissen.
Das kriegt man dann irgendwann einmal wieder zurück. Ein TikTok-Video vor Jahr und Tag im Generaldirektorenbüro? Die Chefsekretärin verdreht die Augen, Weißmann grinst und mein Handy huscht über die Aktenberge.
Und schon wird das gepostet. Kaum ein anderer, bei dem so etwas toleriert worden wäre.
Jüngst habe ich ihm eine Nachricht geschrieben, ob ich, wenn ich ein besonders heikles Thema öffentlich zur Diskussion stellen würde und damit durchaus (Über)mächtige, direkt attackiere, damit rechnen müsste, von denen „umgebracht zu werden“. Weißmann antwortete mir darauf: „Du bist unverwundbar“. Und ich repostierte: „hihi – von wegen, bist du unverwundbar?“ Und drauf er: „Nein. Das weiß ich jetzt :).“
Er hat wohl seine Lektion gelernt. Er hat Schläge unter die Gürtellinie bekommen. Nach dem wohl größten Fehler seines Lebens. Nach dieser fatalen Fehlentscheidung, zu glauben, dass er unverwundbar und unantastbar ist. Und dass höchstpersönliches persönlich bleibt, ist er zu Boden gegangen.
Wurde angezählt. Jetzt rappelt er sich wieder auf. Gewinnen wird er diesen Boxkampf nicht mehr. Aber wenigstens die Gage dürfte am Ende, wenn die Punktrichter den Arm der Gegenseite hochheben, stimmen. Man spricht von über drei Millionen. Und neun Monate ist er jetzt noch fix beschäftigt. Mit seiner Abteilungsleiter-Gage. Deutlich geringer als die als ORF-Generaldirektor. Und darauf wendet er ein, es hinge natürlich davon ab, was für ein Hauptabteilungsleiter man sei. Wenn man Pius Strobl hieße, denn der habe die höchste, dann wäre man da viel besser dran. Aber Hand aufs Herz: Die Gage ist dann schlussendlich nur ein schwacher Trost.
Christian W. Mucha
P.S. Nur damit man mich nicht missversteht: Ich schätze Weißmann. Ich respektiere ihn. Ich glaube, er hat sich Fairplay verdient. Aber ich habe kein Mitleid mit ihm. Es gibt Dinge, die gehen in gewissen Positionen gar nicht. Ganz gleich, ob das juristisch relevant oder irrelevant ist. Und wer Fehlhandlungen setzt, der zahlt dafür den Preis.
Wer sich danach weiterhin in den Spiegel schauen will, der muss das zur Kenntnis nehmen. Es abhaken. Bereuen. Verarbeiten. Und schauen, dass er es künftig besser macht. Dort oben, wo Weißmann agierte, ist die Luft ganz dünn. Dort gibt es Regeln. Sie zu brechen – auch wenn es im höchstpersönlichen Bereich passiert – geht gar nicht. Ganz speziell mit einer, die im gleichen Unternehmen tätig ist.

