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 Die jüngsten Gerüchte

Rund um den Küniglberg kursieren zahlreiche Gerüchte über persönliche und berufliche Verstrickungen, die offenbar zu Weißmanns Rücktritt führten.

10.03.2026 13:22
red04
© Adobe Stock
Weißmann scheint, aufgrund der Rahmenbedingungen dauerhaft so beschädigt zu sein, dass eine Rückkehr in sein Amt oder gar eine neue Kandidatur eher sehr unwahrscheinlich ist.

Es geht rund am Küniglberg. Und Gerüchte, was da wirklich passiert ist, schwirren wie furzgefüllte Luftballons durch die Gegend. Mal sehen, ob sie in den nächsten Tagen explodieren und ihren üblen Gestank über den Küniglberg verbreiten.

Wie bei allem, was mit Politik zu tun hat (und wer weiß, dass es sogar eine – nicht unterschriebene – Regierungsübereinkunft hinsichtlich der Postenbesetzungen beim ORF gibt, der hat die Bestätigung, wie stark die Politik beim größten österreichischen Medienunternehmen mitmischt), poppen nach kürzester Zeit sogenannte „Dolchstoßlegenden“ auf.

Die Dolchstoßlegende der österreichischen Volkspartei, die die Runde macht, geht (vorderhand noch ohne Nennung der handelnden Personen) so: Ein gut bezahlter ORF-Manager hätte verschiedene Begehrlichkeiten hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Zukunft gehabt. Die wurden nicht erfüllt. Der sei ganz besonders gut mit einer Mitarbeiterin des ORF – fesch, blond, musisch talentiert –, die wiederum seinerzeit eine Beziehung zu Roland Weißmann unterhalten habe.

Mit dieser Person sei Weißmann – wie verbreitet wird – in einer einvernehmlichen Beziehung vor einigen Jahren gewesen. Die Sache sei freilich nicht gut ausgegangen und es gebe verschiedenste dokumentierte Unterlagen, die allesamt äußerst prekär für den ORF-Generaldirektor seien. Sowohl was Art und Inhalt dieser Dokumente als auch was Korrespondenz betrifft. Wobei kolportiert wird, dass es da auch um das Thema „Druck ausüben“ gegangen sei.

Nun gehört es zu den Grundprinzipien von Management, dass Beziehungen mit MitarbeiterInnen ein absolutes No-Go darstellen. Wer sich darauf einlässt, riskiert Kopf und Kragen.

Offensichtlich habe Weißmann die Begehrlichkeiten des Managers nicht erfüllt. Und sei in Folge seiner Ablehnung wegen den peinlichen Unterlagen gehörig unter Druck geraten. Da kolportiert wurde (von Oliver Scherbaum, dem Anwalt von Weißmann), dass man sich mit der Person bereits geeinigt hätte, ist bis dato nicht klar, wie eine Einigung stattgefunden haben soll. Monetär? Vertraglich? Oder dadurch, dass Weißmann der Forderung nachgekommen sein soll, seinen Rücktritt anzubieten? All dies ist derzeit noch offen.

Ein Anruf von ExtraDienst bei der kolportierten Person, um die es gehen soll, erweist sich als Volltreffer. Denn wäre die Person, die wir kontaktiert haben, nicht die fragliche Person, dann hätte die Betreffende wohl gefragt, worum es geht.

Das Gespräch verläuft sehr kurz. „Guten Tag, ich bin vom ExtraDienst.“, wird von ihr mit den Worten beantwortet: „Tut mir leid, ich gebe keine Auskünfte.“ Sie legt auf.

Danach wissen wir: Ja, das ist sie. Nur – welches Medium wird es wagen, diesen Namen zu kolportieren, einerseits, und andererseits: Soll man die Betreffende zum Gegenstand einer Hexenjagd machen? Wohl eher nicht. Deswegen hält ExtraDienst diesen Namen bis auf Weiteres unter Verschluss.

Fakt ist, dass Weißmann aufgrund von Art und Inhalt der Dokumente keinen anderen Ausweg mehr gesehen habe, als einen Rücktritt am Sonntag anzubieten. Bei vollen Bezügen.

Als die Meldung am Montag durch die Medien ging, gab es eine OTS-Aussendung von Seiten des Stiftungsvorstandes. Ohne Not. Ohne irgendwelche Ergebnisse oder geprüfte Inhalte seitens der Compliance-Stelle des ORF oder anderer derartiger Instanzen. Ein durchaus erstaunlicher, für viele in der Branche nicht nachvollziehbarer Schritt.

Heute meldete sich auch Weißmann-Anwalt Scherbaum mit den Worten: „Mag. Weißmann ist gerade nicht freiwillig zurückgetreten, sondern hat seinen Rücktritt aus wichtigem Grund, der ihn vertraglich zum Rücktritt berechtigt, erklärt. Dieser wichtige Grund bestand in dem Umstand, dass die befassten Vertreter des Stiftungsrats Mag. Weißmann nach Vorhalt der ungeprüften Vorwürfe einer Mitarbeiterin am Freitagabend unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, dass er von einer Verteidigung seiner Person Abstand nehmen solle und – wie von der Mitarbeiterin gewünscht – seinen Rücktritt erklären solle.“

Am Donnerstag jedenfalls geht es weiter. Da wird Ingrid Thurnher als interimistische Generaldirektorin vorgestellt. Doch die ist wohl gekommen, um nicht zu bleiben. Sie sei, so erzählt ExtraDienst ein Insider, schon mit ihrem derzeitigen Job extrem gefordert – eine langfristige, derartig aufwendige Tätigkeit wie die des ORF-Generaldirektors halten Beobachter wohl eher für unwahrscheinlich. Damit gerät Thurnher in eine quasi Bierlein-Situation. Eine starke Frau übernimmt interimistisch. Und wird danach wohl durch einen Mann ersetzt.

Wenn nicht eine der kolportierten Frauen zum Zug kommt. Angeblich schwebt Andreas Babler Dodo Roščić vor. Entweder für die Generaldirektion oder wenigstens als Direktorin. Den Operndirektor würde es wohl freuen, wenn seine Schwester nach oben fällt. Auch Programmchefin Stefanie Groiss-Horowitz wird kolportiert, ebenso wie Lisa Totzauer und RTL-Programmgeschäftsführerin Inga Leschek.

Der stärkste Scherz, der dieser Tage kolportiert wird, ist, dass mehrere männliche Kandidaten, die sich Chancen ausrechnen, mit einer Geschlechtsumwandlung spekulieren. Das würde deren Chancen entscheidend verbessern.

Jedenfalls scharren Philipp König (Kronenhit-Geschäftsführer), Alexander Hofer (Landesstudio Niederösterreich-Direktor), Clemens Pig (APA-Vorstand) und Markus Breitenecker (soeben geschasster ProSiebenSat.1Puls4-Vorstand) bereits deutlich hörbar mit den Hufen und führen vorbereitende Hintergrundverhandlungen.

Das ORF-Schlamassel kommt zum günstigsten Zeitpunkt. Wenn man die politischen Begehrlichkeiten betrachtet, ist es damit gelungen, mit Weißmann einen der chancenreichsten Kandidaten auszuhebeln.

Und zum schlechtesten Zeitpunkt. Die ganze Welt wird auf den Eurovision Song Contest schauen. Da kommt ein „Ibiza-Skandal“ in der größten Medienorgel alles andere als gut an.

Weißmann scheint, aufgrund der Rahmenbedingungen dauerhaft so beschädigt zu sein, dass eine Rückkehr in sein Amt oder gar eine neue Kandidatur eher sehr unwahrscheinlich ist.

ExtraDienst hält sich diesbezüglich gerne weiter auf dem Laufenden.

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