Anzeige

Clemens Pig zum ORF-Generaldirektor gewählt

Nach 15 Stunden Sitzung fiel die Entscheidung im ORF-Stiftungsrat zugunsten von Clemens Pig.

12.06.2026 11:03
red04
© ORF/Thomas Ramstorfer
Dr. Clemens Pig wurde mit einer Mehrheit von 21 Stimmen zum ORF-Generaldirektor bestellt.

Nach einer mehr als 15 Stunden dauernden Sitzung des ORF-Stiftungsrates ist APA-CEO Clemens Pig in der Nacht auf Freitag zum neuen ORF-Generaldirektor ab dem Jahr 2027 bestellt worden. Der 51-jährige Tiroler tritt damit die Nachfolge der derzeitigen ORF-Chefin Ingrid Thurnher an, die auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet hatte. Pig erhielt im 35-köpfigen Stiftungsrat 21 Stimmen und erreichte damit die notwendige absolute Mehrheit.

Pig kündigt Neuausrichtung an

Unmittelbar nach seiner Wahl sprach Pig von einem „neuen Morgen für den ORF“ und erklärte, die Aufgabe mit „Dankbarkeit und Demut“ anzunehmen. Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen wolle er die Zusammenarbeit mit der amtierenden Generaldirektorin Ingrid Thurnher bereits am folgenden Tag aufnehmen. Als zentrales Ziel seiner künftigen Amtsführung nannte Pig die Weiterentwicklung des ORF „vom Rundfunk zur Plattform der Gesellschaft“.

Erste Aufgabe

Zu den ersten Aufgaben des designierten Generaldirektors zählt die Besetzung weiterer Führungspositionen. Pig muss dem Stiftungsrat insgesamt 13 Direktoren zur Bestellung vorschlagen. Dazu gehören neun Landesdirektoren sowie bis zu vier zentrale Direktoren. In seinem vom Stiftungsrat genehmigten Konzept sind eine Finanzdirektion, eine Direktion für Technologie und Innovation, eine Direktion für Programm und Marken sowie eine Direktion für Audience und Plattformen vorgesehen. Für die Besetzung dieser Funktionen kündigte Pig an, auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten zu wollen.

Larcher zweitstärkster Bewerber

Im Rennen um die ORF-Spitze lag Johannes Larcher, ehemaliger HBO-Manager, deutlich hinter Pig und erhielt sechs Stimmen. Der frühere ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker kam auf vier Stimmen. Drei Stimmen entfielen auf die Leiterin der ORF-TV-Magazine, Lisa Totzauer.

75 Bewerbungen für die ORF-Spitze

Für die Position des Generaldirektors waren insgesamt 75 Bewerbungen fristgerecht eingegangen. Nach Angaben der Findungskommission erfüllten jedoch lediglich 13 Kandidaten die ausgeschriebenen Anforderungen. Neun Bewerber wurden schließlich zu einem Hearing vor dem Stiftungsrat eingeladen. Dieses fand unmittelbar vor der Wahl statt.

Lob für Konzept und Wahlverfahren

Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer zeigte sich nach der Entscheidung überzeugt von Pig und dessen Zukunftsplänen. Er habe mit seinem Konzept überzeugt und seine Vorstellungen für die künftige Entwicklung des ORF klar dargestellt, sagte Lederer. Auch der stellvertretende Vorsitzende Gregor Schütze zog eine positive Bilanz des Wahltages. Mit dem umfangreichen und transparenten Verfahren habe der ORF als erster öffentlich-rechtlicher Sender die Vorgaben des erstmals anzuwendenden Europäischen Medienfreiheitsgesetzes umgesetzt. Schütze sprach in diesem Zusammenhang von einer Vorreiterrolle auf europäischer Ebene.

Angekündigte Wahlanfechtung

Kritik an Ablauf und Ergebnis der Wahl kam hingegen von Peter Westenthaler, dem von der FPÖ entsandten Mitglied des Stiftungsrates. Er kündigte an, die Wahl bei der Medienbehörde KommAustria anzufechten. Westenthaler bezeichnete den Vorgang als „Farce von einer Wahl“ und sprach von einer parteipolitisch motivierten Besetzung der Spitzenposition. Er warf den beteiligten Kräften vor, sich auf einen „Regierungsdirektor“ verständigt zu haben.

(APA/red)

Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren