Breitenecker bewirbt sich für ORF-Spitze

Der frühere ProSiebenSat.1Puls4-Chef Markus Breitenecker bewirbt sich als ORF-Generaldirektor und präsentierte dafür bereits ein Konzept.

22.05.2026 10:20
red04
© Julia Dragosits
Markus Breitenecker

Markus Breitenecker, langjähriger Medienmanager der Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4, kandidiert für das Amt des ORF-Generaldirektors. Das gab er am heutigen Freitag öffentlich bekannt. Der 1968 in Wien geborene Jurist zählt seit Jahren zu den bekanntesten Persönlichkeiten der heimischen Medienbranche. Breitenecker galt lange als engagierter Vertreter der Interessen privater Medienunternehmen. In früheren Jahren lieferte er sich bei öffentlichen Diskussionen wiederholt Wortgefechte mit dem damaligen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. In den vergangenen Jahren rückte für ihn jedoch zunehmend die Konkurrenz durch internationale Streaming- und Social-Media-Plattformen in den Mittelpunkt.

Kooperation im Medienbereich

Während seiner Tätigkeit bei ProSiebenSat.1Puls4 setzte Breitenecker verstärkt auf Kooperationen innerhalb des österreichischen Medienmarktes. Dazu zählte unter anderem der Aufbau der Streamingplattform Joyn, auf der inzwischen auch Inhalte von ORF und ServusTV vertreten sind. Auch das Festival „4Gamechangers“ wurde unter seiner Mitwirkung zu einer Plattform, an der sich der ORF beteiligte. Das Projekt stand unter dem Motto „The Power of Cooperation“. Breitenecker betonte wiederholt die Herausforderungen für klassische Medien durch internationale Plattformen. 2024 erklärte er, soziale Netzwerke würden sich vielfach nicht an bestehende Regeln halten. Die fehlende Regulierung sei problematisch und könne Auswirkungen auf die liberale Demokratie haben. Das bisherige duale Mediensystem müsse aus seiner Sicht stärker in Richtung eines „kooperativen Mediensystems“ weiterentwickelt werden.

Vom Privatfernsehen bis zum Konzernvorstand

Seine Laufbahn begann Breitenecker nach dem Studium der Rechtswissenschaften in den 1990er-Jahren im Fernsehbereich. Erste Erfahrungen sammelte er beim Wetterkanal von Rudi Klausnitzer. 1997 wechselte er in die Geschäftsleitung von Kabel 1. In weiterer Folge arbeitete er am Aufbau österreichischer Werbe- und Programmfenster für ProSieben mit. Mit der Gründung von ProSieben Austria im Jahr 1998 übernahm er dort die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung wurden mehrere österreichische Sender Teil der Gruppe, darunter Puls 4, ATV, ATV2 und Puls 24. 2017 gründete Breitenecker die Streamingplattform Zappn, die später in Joyn überführt wurde. Das Angebot umfasst mittlerweile zahlreiche Live-Sender und Mediatheken. 2024 wechselte Breitenecker nach Deutschland in den Vorstand der ProSiebenSat.1 Media SE. Dort war er als Chief Operating Officer für den Entertainmentbereich zuständig. Nach der Übernahme des Konzerns durch den italienischen Medienkonzern MFE der Familie Berlusconi schied er 2025 wieder aus dem Unternehmen aus. Sein Abschied erfolgte laut damaliger Mitteilung im „besten gegenseitigen Einvernehmen“.

Bewerbung nach längerem Überlegen

Über mögliche Ambitionen auf die ORF-Spitze war in der Branche bereits länger spekuliert worden. Breitenecker hatte entsprechende Gerüchte zuvor mehrfach zurückgewiesen. Erst zuletzt deutete er bei einem Mediengipfel in Seefeld an, eine Kandidatur doch in Betracht zu ziehen. Seine Bewerbung veröffentlichte er schließlich in Form eines rund dreiminütigen Videos auf LinkedIn. Das Konzept für seine Kandidatur trägt den Titel „Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zum Marktmotor“. Darin kündigte Breitenecker an, seine Erfahrungen und sein Wissen in den Dienst des ORF stellen zu wollen.

(APA/red)

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