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Australien will Algorithmen stärker regulieren

Ein neuer Gesetzentwurf soll Plattformen verpflichten, ihren Nutzern eine Alternative zu algorithmisch zusammengestellten Feeds anzubieten.

08.09.2026 13:19
red04
© Adobe Stock
Die geplanten Vorgaben sind Teil eines Gesetzes zur digitalen Sorgfaltspflicht.

Australien will seine Regeln für soziale Medien weiter verschärfen. Nachdem das Land Ende 2025 als erstes weltweit Konten für Nutzer unter 16 Jahren verboten hatte, sollen nun auch ältere Nutzer mehr Einfluss darauf bekommen, welche Inhalte ihnen angezeigt werden. Ein neuer Gesetzentwurf sieht vor, dass Nutzer ab 16 Jahren künftig zwischen algorithmisch zusammengestellten Feeds und einer Ansicht mit Beiträgen von Freunden sowie selbst ausgewählten Content Creators wählen können. Plattformbetreiber sollen diese Möglichkeit verpflichtend anbieten.

Mehr Schutz für junge Nutzer

Die geplanten Vorgaben sind Teil eines Gesetzes zur digitalen Sorgfaltspflicht. Anbieter digitaler Dienste sollen ihre Angebote so gestalten, dass insbesondere Kinder und Jugendliche besser vor schädlichen Inhalten und Funktionen geschützt werden. Die Regelungen sollen neben sozialen Netzwerken auch Online-Spiele, Apps und KI-Chatbots betreffen. Für Nutzer unter 18 Jahren sollen Plattformen unter anderem gegen Inhalte vorgehen, die Essstörungen fördern, Frauenfeindlichkeit verbreiten oder Pornografie, Straftaten und lebensgefährliche Mutproben verherrlichen. Auch Funktionen, die ein suchtähnliches Nutzungsverhalten begünstigen oder das Selbstwertgefühl junger Menschen beeinträchtigen können, sollen stärker berücksichtigt werden.

Hohe Strafen geplant

Bei Verstößen gegen die neue Sorgfaltspflicht sollen empfindliche Geldstrafen möglich sein. Der Gesetzentwurf befindet sich zunächst in einer Beratungsphase mit Plattformbetreibern, Branchenverbänden und Organisationen. Noch im laufenden Jahr soll der Entwurf dem Parlament vorgelegt werden. Premierminister Anthony Albanese erklärte, es gehe darum, den Menschen mehr Kontrolle über die Nutzung digitaler Angebote zu geben.

Ähnliche Vorgaben in der EU

Auch in der Europäischen Union gelten bereits Regeln für große Online-Plattformen. Der Digital Services Act verpflichtet sehr große Dienste wie TikTok, Instagram, YouTube und X dazu, ihren Nutzern mindestens eine Möglichkeit für Empfehlungssysteme anzubieten, die nicht auf Profiling beruhen. Nutzer können damit grundsätzlich auf einen chronologischen Feed wechseln. Kritiker bemängeln allerdings, dass entsprechende Einstellungen bei manchen Plattformen schwer auffindbar sind. Darüber hinaus müssen große Plattformen die Risiken ihrer Empfehlungssysteme untersuchen. Dazu gehören mögliche Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten junger Menschen sowie sogenannte Kaninchenbau-Effekte, bei denen Nutzer zunehmend mit problematischen Inhalten konfrontiert werden. Bei systematischen Verstößen gegen die Vorgaben können in der EU Geldstrafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Anbieters verhängt werden.

(APA/red)

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