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Sparzwang trifft das ORF-Programm

Der ORF muss im kommenden Jahr 93 Millionen Euro einsparen und kürzt dafür auch in der Programmdirektion.

23.09.2026 13:56
red04
© APA/MAX SLOVENCIK
Stefanie Groiss-Horowitz

Der ORF steht im kommenden Programmjahr vor einem schwierigen Spagat: Einerseits muss das öffentlich-rechtliche Medienhaus den von der Bundesregierung vorgegebenen Sparkurs mittragen, andererseits soll weiterhin ein breites Programm für das Publikum angeboten werden. 93 Millionen Euro muss der ORF insgesamt einsparen. Auch die Programmdirektion ist davon betroffen. Zwischen 25 und 30 Millionen Euro weniger als im Vorjahr sollen dort ausgegeben werden. Gespart wird unter anderem bei Quizformaten wie „Smart 10“ und „Q1“ sowie beim werktäglichen „ZiB Magazin“. „Es wäre illusorisch zu glauben, dass das Sparprogramm einfach so am Publikum vorbeizieht“, sagte ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz bei der Programmpräsentation für 2026/27. Bei der Entscheidung zwischen Quizformaten und österreichischer Fiction, Kultur- oder Dokumentarprogrammen habe man Prioritäten setzen müssen. Die „Millionenshow“ bleibt noch bis zur Sommerpause 2027 im Programm. Groiss-Horowitz rechnet allerdings mit Änderungen durch die neue Geschäftsführung. Aus ihrer Sicht könnten die dafür eingesetzten Mittel künftig besser in Angebote für ein junges Publikum und Digitalformate fließen.

Neue Fiction und True Crime

Trotz des Sparkurses setzt der ORF auf neue und bekannte Formate. Die Blackoutserie „Alles finster“ geht nach längerer Pause in eine zweite Staffel, auch „Kommissar Rex“ erhält neue Folgen. Thomas Stipsits spielt im Film „Size does matter“ René Benko. Die Thrillerminiserie „Gnadenlos – Gegen das Gesetz“ zeigt Martina Ebm als Polizistin, die unter Mordverdacht gerät. Mit „Das Vergessen“ kommt ein weiterer Zweiteiler, in dem Julia Koschitz als Polizistin nach der verschwundenen Tochter ihrer Schwester sucht. Gleichzeitig verabschiedet sich das österreichische „Tatort“-Duo Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer. Laurence Rupp und Miriam Fussenegger übernehmen die Ermittlerrollen. Zwei Folgen sind bereits abgedreht. Serien wie „Schnell ermittelt“, „Blind ermittelt“, „Soko Linz“, „Soko Donau“ und „Der Bergdoktor“ bleiben ebenfalls im Programm. Ausgebaut wird zudem der Bereich True Crime. Die vierteilige Reihe „TATsache“ widmet sich unter anderem dem Phänomen „Alpine Divorce“ und dem Fall des „Bierwirts“. Begleitet wird die Reihe von einem Podcast mit Stefan Lenglinger. Dazu kommen aufwendig produzierte Biopics über Falco und Niki Lauda.

Mehr Sport im ORF

An die Stelle des werktäglichen „ZiB Magazins“ rückt mit „Sport 20“ zunächst ein Arbeitstitel für eine zweite tägliche Sportsendung neben „Sport aktuell“. Das neue Format soll stärker auf Breitensport ausgerichtet sein. Auch bei den großen Sportereignissen will der ORF präsent bleiben. Die Formel-1-Rechte wurden gemeinsam mit ServusTV bis 2029 verlängert. Der ORF zeigt künftig elf Rennen, ServusTV 13. Das Heimrennen in Spielberg ist zweimal beim ORF zu sehen. Daneben bleiben der alpine Ski-Weltcup und die Vierschanzentournee wichtige Bestandteile des Sportprogramms. Erstmals überträgt der ORF auch eine eigene Tournee der Frauen. Eine mögliche Teilnahme des österreichischen Frauen-Nationalteams an der Fußball-WM könnte zusätzliche Aufmerksamkeit bringen.

„Dancing Stars“ und „Wetten, dass ..?“

Auch im Showbereich setzt der ORF auf bekannte Marken. „Dancing Stars“ kehrt im Frühjahr mit einer neuen Staffel zurück. Beim Comeback von „Wetten, dass ..?“ mit Bill und Tom Kaulitz ist der ORF am 5. Dezember dabei. „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ erhält ein Weihnachtsspecial und startet ab Juli 2027 in die 31. Staffel. In der Kultur will der ORF unter anderem mit dem Neujahrskonzert, Opernübertragungen und dem Kultursommer präsent bleiben. Geplant ist außerdem ein größerer Beethoven-Schwerpunkt. Mit „Elisabeth!“ wird Ende 2026 zudem eine Theaterproduktion im Hauptabend gezeigt. Für die TV-Fassung des Soloabends mit Stefanie Reinsperger aus dem Burgtheater ist Michael Niavarani beteiligt.

Groiss-Horowitz verlässt den ORF

Die Programmpräsentation war zugleich die letzte von Stefanie Groiss-Horowitz. Sie kündigte an, den ORF mit Jahresende zu verlassen. Für die kommende Geschäftsführungsperiode hatte sie sich erneut beworben. Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig entschied sich jedoch für Michael Krön als künftigen Programmdirektor. Groiss-Horowitz zog bei der Präsentation auch Bilanz ihrer bisherigen Arbeit. Der Marktanteil der ORF-Fernsehsender sei in den vergangenen Jahren um mehrere Prozentpunkte auf zuletzt rund 35 Prozent gestiegen. ORF 1 habe zwischen 2020 und 2026 rund fünf Prozentpunkte auf etwa 13 Prozent zugelegt. Als weiteres Ergebnis nannte sie den Ausbau österreichischer und koproduzierter Fiction. Deren Anteil sei um 78 Prozent gestiegen.

Fokus auf junges Publikum

Auch bei jüngeren Zuschauern sieht Groiss-Horowitz Fortschritte. Mit „School of Champions“, „2Hot2Drive“ und „Pflegeleicht“ habe der ORF mittlerweile ein breiteres Angebot im Bereich „Young Fiction“. Gleichzeitig erreichen ORF-Inhalte zunehmend auch über soziale Netzwerke ein großes Publikum. Die verschiedenen „ZiB“-Formate kommen laut Groiss-Horowitz auf rund fünf Millionen wöchentliche Views auf Facebook, Instagram und TikTok. Formate wie „Navid fragt nach“ und „Sag Mal“ erreichen zusammen weitere 3,95 Millionen Zugriffe. Für die Zukunft brauche es daher auch junge Content-Creator, betonte Groiss-Horowitz. Der ORF wolle die entsprechenden Talente an das Medienhaus binden und damit neben dem linearen Fernsehen auch das digitale und jüngere Publikum

(APA/red)

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