Ungesunde Lebensmittel dominierten WM-Werbung
In den zentral produzierten WM-Livebildern wurden mehr als 93.400 Werbelogos für ungesunde Lebensmittel, Alkohol, Glücksspiel und weitere Produkte erfasst.
In den Live-Bildern der Fußball-WM 2026 sind Zuschauer einer Analyse zufolge mit Werbung für potenziell gesundheitsschädliche oder finanziell riskante Produkte konfrontiert worden. Mehr als 93.400 entsprechende Logos wurden bei den 104 WM-Spielen erfasst. Im Durchschnitt tauchten damit gut neun solcher Logos pro Minute auf – rechnerisch etwa eines alle 6,7 Sekunden. Untersucht wurden ausschließlich Werbelogos, die in die zentral produzierten Live-Bilder der FIFA eingebettet waren. Zusätzliche Werbespots der einzelnen Fernsehsender wurden nicht berücksichtigt. Die erfassten Logos wurden den Kategorien ungesunde Lebensmittel und Getränke, Alkohol, Glücksspiel, Prognosemärkte und Kryptowährungen zugeordnet.
Ungesunde Lebensmittel am häufigsten
Die Analyse basiert auf einem KI-gestützten Verfahren. Demnach war während 23 Prozent der Spielübertragungszeit Werbung für problematische Produkte zu sehen. Mit rund 70 Prozent entfiel der größte Teil der erfassten Werbeeinblendungen auf ungesunde Lebensmittel und Getränke. Raffaello Rossi von der University of Bristol, der das Forschungsteam leitete, verwies auf die hohe Präsenz der Marken in den Übertragungen. Da die Logos direkt Bestandteil der Spielbilder waren, konnten Zuschauer ihnen nicht ausweichen, ohne gleichzeitig Teile des Spiels zu verpassen.
Werbung über Ländergrenzen hinweg
Die Autoren kritisieren zudem, dass die zentral produzierten Bilder auch in Länder übertragen wurden, in denen bestimmte beworbene Produkte oder Anbieter nicht zugelassen sind oder deren Werbung eingeschränkt ist. Als Beispiel wird ein Tippmarkt-Anbieter genannt, dessen Zugang in Deutschland nach einem Einschreiten der Glücksspielaufsicht blockiert wurde. Auch Alkoholwerbung sei in Länder gelangt, in denen sie verboten oder stark eingeschränkt ist. Nach Ansicht der Forscher hätte die FIFA die Möglichkeit gehabt, Werbung regional zu ersetzen. Die UEFA setzte ein solches Verfahren bereits bei der Europameisterschaft 2024 ein.
(APA/red)