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Thurnher bis 2026 an ORF-Spitze gewählt

Breite Mehrheit, politische Spannungen und Debatten über Einfluss prägen die Entscheidung.

24.04.2026 8:38
red04
©APA/GEORG HOCHMUTH

Ingrid Thurnher wurde mit 31 von 35 Stimmen zur ORF-Generaldirektorin bis Ende 2026 gewählt. Sie war die einzige Kandidatin im Hearing und hatte den ORF bereits interimistisch geleitet. Die nächste Wahl für die reguläre Funktionsperiode ab 2027 wurde politisch umstritten auf den 11. Juni vorverlegt, um rasch Klarheit über die künftige Ausrichtung zu schaffen.

Thurnher kündigte an, den ORF mit „Transparenz und Konsequenz“ zu führen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Gleichzeitig stellte sie klar, dass nicht alle Maßnahmen auf Zustimmung stoßen würden.

Politisch zeigte sich die Abstimmung nicht völlig geschlossen: Gegenstimmen kamen von Stiftungsräten mit Nähe zur FPÖ sowie einem vom Land Steiermark entsandten Mitglied. Auch die Vorverlegung der nächsten Wahl wurde insbesondere von ÖVP-nahen und FPÖ-nahen Mitgliedern unterstützt.

Die Sitzung selbst war stark von politischen und internen Konflikten geprägt. Ein zentraler Punkt war der Compliance-Bericht zum ehemaligen ORF-Chef Roland Weißmann. Obwohl dieser keine sexuelle Belästigung feststellte, wurde Weißmann gekündigt – mit der Begründung, dass Führungskräfte bereits den Anschein unangemessenen Verhaltens vermeiden müssen. Diese Entscheidung sowie unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls sorgten für politische und mediale Diskussionen.

Zudem forderte eine Mehrheit der Stiftungsräte Einsicht in mehrere brisante Untersuchungsberichte zu Vorwürfen gegen ORF-Führungskräfte. Dabei geht es unter anderem um mögliche Machtmissbräuche, Mobbing und politische Einflussnahme. Die Berichte sollen unter strengen Vertraulichkeitsregeln zugänglich gemacht werden.

Auch innerhalb des Stiftungsrats stehen politische Verflechtungen im Fokus. Mehreren Mitgliedern wurden mögliche Interessenkonflikte vorgeworfen. Besonders ein vom Land Steiermark entsandter Vertreter geriet wegen Berichten über enge Kontakte zur FPÖ und mögliche politische Einflussnahme unter Druck. Der steirische Landeshauptmann kündigte dazu Gespräche an, kann den Vertreter jedoch rechtlich nicht abberufen.

Insgesamt zeigt die Entscheidung für Thurnher zwar eine klare Mehrheit, gleichzeitig aber auch anhaltende politische Spannungen rund um den ORF und seine Führung.

APA/Red.

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