Sachslehner findet ihren Weg zu Exxpress

Der logische Weg für eine enden wollende ÖVP-Polit-Karriere ist scheinbar der Journalismus.

20.01.2026 17:29
Redaktion
© Krone/Zwefo
Rollenwechsel: 2022 war Laura Sachslehner noch als Politikerin bei "Katia Wagner - Der Talk".

Man kann diesen Schritt als Karriereschwenk lesen. Oder als das, was er ist: eine konsequente Weiterführung politischer Arbeit mit publizistischen Mitteln. Laura Sachslehner, bis Juni 2025 Abgeordnete der Österreichischen Volkspartei, übernimmt gemeinsam mit Eva Schütz die Chefredaktion des Onlineportals Exxpress.

Rechte Arbeitsteilung statt Richtungsstreit

Exxpress hat sich seinen Ruf als rechtes Portal nicht zufällig erarbeitet. Ebenso wenig wie das deutsche Schwesterprojekt Nius. Beide Medien verfolgen seit Jahren eine klare Strategie: Sie bedienen jenes Milieu, das sich rechts der politischen Mitte verortet, sich von klassischen Parteien entfremdet fühlt und medial dort abgeholt werden will, wo Zuspitzung, Empörung und kultureller Abwehrkampf zuhause sind.

Dass dieses Publikum wahlpolitisch häufig bei der Freiheitliche Partei Österreichs oder – im deutschen Fall – bei der Alternative für Deutschland landet, gilt in bürgerlichen Strategiekreisen seit Jahren als Problem. Die mediale Antwort darauf lautet: Man muss rechter sprechen, um rechte Stimmen zurückzuholen. Ein selbstloses Projekt, gewissermaßen.

Sachslehner als Idealbesetzung

In dieses Konzept passt Sachslehner bemerkenswert gut. Nicht, weil sie ihre politischen Positionen nun plötzlich verändert hätte, sondern weil sie diese Rolle bereits als Politikerin perfekt ausgefüllt hat. Sie war nie das liberale Feigenblatt der ÖVP, sondern deren traditionsbewusste Vorfeldkämpferin: hart in der Sprache, klar in der Abgrenzung, anschlussfähig nach rechts.

Dass sie nun ein Medium führt, das genau dieses Milieu adressiert, ist kein Bruch sondern eine Präzisierung. Sachslehner muss ihre Linie nicht anpassen. Exxpress bekommt ein neues (bekanntes) Gesicht, das offen ausspricht, was bisher ohnehin transportiert wurde.

Rechte Medien als Rettungsboot

Der immer wieder bemühte Unterschied zwischen „bürgerlich-konservativ“ und „rechtspopulistisch“ wirkt in diesem Zusammenhang nicht mehr. Exxpress hat sich längst dort positioniert, wo sich ÖVP und FPÖ-Wähler medial zuhause fühlen.

Das einzige, was wirklich aufstößt, ist nicht, dass Exxpress parteinah ist – sondern dass es sich jahrelang nicht als solches deklariert hat. Der Versuch, diese Nähe als strategische Großtat zur Rettung der Demokratie zu verkaufen, darf mit einem milden Lächeln quittiert werden.

Dass man längst selbst Teil des rechten Medienraums geworden ist, gilt weniger als Kollateralschaden oder Opfergang. Im Gegenteil: mit dererlei Positionen steigen die Zustimmungswerte meist rasch.

Die Chameleon-Taktik funktioniert

Insofern kann man Laura Sachslehner nur gratulieren. Sie ist dort angekommen, wo Tonfall, Publikum und Selbstverständnis deckungsgleich sind. Nicht mehr zwischen Abgrenzung und Annäherung, sondern mitten im rechten Medienmilieu.

Der Schritt ist folgerichtig. Die Rolle passt. Und die letzte Behauptung, hier werde noch zwischen Journalismus und politischer Mission unterschieden, darf nun getrost fallengelassen werden.

(red)

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