Weißmann: 3.820 Chats und offene Fragen

Die Causa Roland Weißmann ist um Tausende Chatnachrichten und einen Streit über die Veröffentlichung privater Inhalte reicher.

07.10.2026 14:24
red04
© APA/HELMUT FOHRINGER
Weißmann fordert insgesamt knapp vier Millionen Euro vom ORF.

Die Causa um den ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann beschäftigt weiterhin die Gerichte. Im Mittelpunkt stehen inzwischen auch 3.820 Chatnachrichten, die von den Ermittlern ausgewertet wurden. Sie sollen ein deutlich umfassenderes Bild der Kommunikation zwischen Weißmann und jener ORF-Mitarbeiterin ergeben, die ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. Weißmann bestreitet die Vorwürfe. Nach der Auswertung der sichergestellten Handys soll unter anderem keine Kommunikation erkennbar sein, die auf eine Einschüchterung der Mitarbeiterin durch Weißmann hindeutet. Auch nach früheren Kontaktabbrüchen sei die Kommunikation wieder aufgenommen worden. Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum spricht von einer wechselseitigen Beziehung und sieht darin eine Bestätigung der bisherigen Darstellung seines Mandanten. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Streit um Veröffentlichung

Die Mitarbeiterin und ihr Anwalt bewerten die Vorgänge anders. Sie kritisieren unter anderem, dass die Ermittlungen tief in den privaten Bereich vorgedrungen seien. Ein Teil des sichergestellten Materials betreffe persönliche Notizen und Fotos, die nie verschickt worden seien. Damit rückt auch die Frage in den Vordergrund, welche Teile der Kommunikation öffentlich relevant sind. Die ersten Berichte über die Affäre basierten auf einem deutlich kleineren Ausschnitt des inzwischen vorliegenden Materials. Nun liegt den Ermittlern eine wesentlich umfangreichere Dokumentation vor. Auch Tonaufnahmen spielen in den Ermittlungen eine Rolle. Laut Kronen Zeitung sollen die von der Mitarbeiterin vorgelegten Mitschnitte nicht vollständig gewesen sein. Auf den beschlagnahmten Handys seien längere Versionen der Gespräche gefunden worden.

Neue Prüfung der Vorwürfe

Mehrere ORF-Stiftungsräte plädieren angesichts der neuen Erkenntnisse mittlerweile für eine neuerliche Prüfung der ursprünglichen Vorwürfe. Dabei soll erneut die ORF-Compliance eingebunden werden, gegebenenfalls auch mit externen Experten. Eine Neubewertung könnte auch Auswirkungen auf die laufenden arbeitsgerichtlichen Verfahren zwischen Weißmann und dem ORF haben.

ORF muss sich vor Gericht verantworten

Parallel dazu geht der Rechtsstreit zwischen Weißmann und dem ORF weiter. Weißmann fordert insgesamt knapp vier Millionen Euro. Dabei geht es unter anderem um entgangene Gehalts- und Pensionsleistungen sowie weitere Ansprüche im Zusammenhang mit seinem vorzeitigen Ausscheiden. Am heutigen Mittwoch standen sich Weißmann und der ORF bereits zum dritten Mal vor dem Arbeits- und Sozialgericht gegenüber. Im aktuellen Verfahren geht es um die Haftung für mögliche Schäden durch jene Aussendung vom März 2026, in der die Belästigungsvorwürfe gegen Weißmann öffentlich gemacht wurden. Weißmann fordert in diesem Verfahren rund 30.000 Euro. Die Verhandlung wurde nach einem kurzen Austausch der Schriftsätze vertagt. Weißmanns Anwalt soll nun weitere Unterlagen zur behaupteten Vereinbarung vorlegen, wonach die Gründe für den Rücktritt nicht öffentlich gemacht werden sollten. Der ORF bestreitet, dass eine solche Einigung zustande gekommen sei. Für den öffentlich-rechtlichen Sender bleibt die Angelegenheit damit auch institutionell brisant. Unabhängig vom Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen muss sich der ORF vor Gericht zunehmend damit auseinandersetzen, wie er mit den Vorwürfen gegen seinen damaligen Generaldirektor umgegangen ist.

(red)

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