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Synchronsprecher warnen vor KI-Nutzung

Deutsche Synchronsprecherinnen und -sprecher sehen ihre Branche zunehmend durch Künstliche Intelligenz gefährdet.

16.03.2026 10:39
red04
© Adobe

Mehrere bekannte deutsche Synchronstimmen von Hollywoodstars haben bei einem Branchentreffen in München ihre Sorgen über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Film- und Serienproduktion geäußert. Besonders kritisiert werden Vertragsklauseln bei Streamingproduktionen, unter anderem beim Anbieter Netflix. Laut dem Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) erlauben diese Regelungen, bereits aufgenommene Sprachaufnahmen für das Training von KI-Systemen zu verwenden.

Viele Sprecherinnen und Sprecher lehnen solche Klauseln ab und verzichten deshalb darauf, entsprechende Verträge zu unterschreiben. Dadurch seien bereits erste Synchronproduktionen ins Stocken geraten. Die Synchronsprecherin Natascha Geisler erklärte etwa, sie sei nicht bereit, das Training einer KI zu unterstützen. Geisler, die unter anderem die deutsche Stimme von Jennifer Lopez spricht, habe deshalb eine geplante Synchronisation abgesagt. In den aktuellen Netflix-Verträgen gebe es keine Möglichkeit, die Nutzung der Stimme für KI-Training auszuschließen.

Kritik gibt es auch daran, dass für eine solche Nutzung keine zusätzliche Vergütung vorgesehen sei. Laut Geisler werde beim Training versucht, möglichst viele Facetten von Stimme, Emotion und Schauspiel zu erfassen, damit KI-Systeme diese später nachbilden können. Sie betonte, sie wolle nicht dazu beitragen, dass ihr eigener Berufsstand langfristig ersetzt werden könnte.

Zu dem Treffen in München wurden unter anderem auch Synchronsprecher erwartet, die die deutschen Stimmen von Hollywoodstars wie Tom Cruise, Renée Zellweger oder Cameron Diaz sprechen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Verband Deutscher Sprecher:innen, der sich seit einiger Zeit für klare gesetzliche Regeln beim Einsatz von KI einsetzt. Ziel sei es, eine unkontrollierte Nutzung von Stimmen zu verhindern und die Qualität menschlicher Synchronarbeit zu schützen.

Netflix erklärte auf Anfrage, dass der Einsatz von KI im Unternehmen im Einklang mit geltendem Recht erfolge. Eine Sprecherin verwies auf Vereinbarungen mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS), die im vergangenen Jahr getroffen wurden. Diese sehen unter anderem vor, dass eine mittels KI erzeugte digitale Nachbildung einer Stimme nur mit ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Sprecherinnen und Sprecher verwendet werden darf.

APA/Red.

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