Österreich büßt an Wettbewerbsfähigkeit ein
Österreich verliert im internationalen Wettbewerbsvergleich weiter an Boden und landet im aktuellen IMD-Ranking nur noch auf Platz 29.
Österreich hat im aktuellen World Competitiveness Ranking des International Institute for Management Development (IMD) erneut an Boden verloren. Das Land belegt heuer Rang 29 unter 70 bewerteten Staaten. Im Jahr 2020 lag Österreich noch auf Platz 16, 2007 sogar auf Rang 11. Besonders schwach schneidet die Republik bei der staatlichen Effizienz ab, wo sie nur noch Platz 43 erreicht. Der Handelsverband sieht in dem neuerlichen Rückgang einen Hinweis auf anhaltende strukturelle Probleme des Wirtschaftsstandorts. Aus Sicht der Interessenvertretung seien zahlreiche bekannte Herausforderungen bislang nicht ausreichend angegangen worden.
Kritik an Reformtempo
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, verweist auf die langfristige Entwicklung im internationalen Vergleich. Seit dem Höchststand im Jahr 2007 habe Österreich 18 Plätze verloren, allein seit 2020 sei das Land um 13 Ränge zurückgefallen. Als zentrale Ursachen nennt der Handelsverband hohe Lohnnebenkosten, umfangreiche Bürokratie, langwierige Genehmigungsverfahren sowie eine zunehmende regulatorische Belastung für Unternehmen. Kritik übt die Organisation auch an der geplanten Paketsteuer sowie an budgetpolitischen Maßnahmen, die aus ihrer Sicht zusätzliche Belastungen für die Wirtschaft mit sich bringen.
Staatliche Effizienz als Schlüsselfaktor
Besonders kritisch bewertet der Handelsverband das Abschneiden Österreichs im Bereich der staatlichen Effizienz. Langsame Verwaltungsabläufe und komplexe Verfahren würden Investitionen erschweren und Unternehmen Ressourcen entziehen. Nach Ansicht des Verbands sollten insbesondere Genehmigungsprozesse beschleunigt, die Verwaltung stärker digitalisiert und bürokratische Hürden abgebaut werden. Auch eine Entlastung bei den Arbeitskosten wird gefordert. Will verweist darauf, dass Unternehmen teilweise über längere Zeiträume auf Bau- und Betriebsanlagengenehmigungen oder auf Steuerrückzahlungen warten müssten. Dadurch würden Liquidität gebunden und Investitionen verzögert.
Hoffnung auf schnellere Verwaltungsprozesse
Positiv bewertet der Handelsverband die von der Bundesregierung angekündigten Bemühungen zur Verkürzung von Behördenwegen im Rahmen des sogenannten „Projekt X“. Gleichzeitig wird betont, dass konkrete Verbesserungen rasch spürbar werden müssten. Aus Sicht des Verbands verursachen die verschiedenen Verwaltungsebenen in Österreich einen hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Effizientere Abläufe könnten demnach dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken, ohne zusätzliche öffentliche Mittel zu erfordern.
Forderung nach umfassenden Strukturreformen
Der Handelsverband sieht die Ursachen der Entwicklung nicht allein in einzelnen Maßnahmen, sondern in grundlegenden strukturellen Herausforderungen. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu verbessern, seien umfassende Reformen notwendig. Als zentrale Handlungsfelder nennt die Organisation eine Modernisierung des Föderalismus, den Abbau von Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung sowie Reformen im Bildungssystem. Gleichzeitig verweist der Verband auf die vorhandenen Stärken des Standorts, darunter qualifizierte Fachkräfte, innovative Unternehmen und eine leistungsfähige Infrastruktur.
Standortqualität als Zukunftsfrage
Trotz der aktuellen Entwicklung verfügt Österreich nach Einschätzung des Handelsverbands weiterhin über gute Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend sei jedoch, die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern und Investitionen zu erleichtern. Der Verband warnt davor, notwendige Reformen weiter aufzuschieben. Nur mit einer konsequenten Modernisierung staatlicher Strukturen und einer Entlastung der Wirtschaft könne Österreich im internationalen Wettbewerb wieder aufholen.
(PA/red)
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