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Nachrichtenmüdigkeit nimmt zu

Studien zeigen: Viele Menschen wenden sich bewusst von Nachrichten ab, oft aus mentaler Erschöpfung.

22.04.2026 12:21
red04
© Adobe

Nachrichten sind heute jederzeit verfügbar und erreichen ihr Publikum häufig nebenbei über digitale Geräte. Gleichzeitig nimmt die bewusste Vermeidung von Nachrichten deutlich zu. Studien sprechen in diesem Zusammenhang von sogenannter „News Avoidance“, einem langfristigen Phänomen, das in vielen Ländern beobachtet wird.

„Es ist keine kurzfristige Reaktion auf aktuelle Krisen, sondern eher eine längerfristige Entwicklung“, sagt Anke Gehrmann, Projektmanagerin des Projekts „News Life Balance“ der Hamburg Open Online University. Viele Menschen hätten den Eindruck, dass die Darstellung der Realität in den Medien nicht immer mit ihrer eigenen Wahrnehmung übereinstimme.

Der „Reuters Institute Digital News Report 2025“ zeigt, dass 71 Prozent der Internetnutzer zumindest gelegentlich Nachrichten bewusst meiden. Die häufigsten Gründe sind negative Auswirkungen auf die Stimmung, die Belastung durch Kriegs- und Krisenberichterstattung sowie eine allgemeine Nachrichtenüberflutung.

Medienforscherin Julia Behre betont, dass Nachrichtenvermeidung nicht bedeute, dass Menschen keine Nachrichten mehr nutzen. Vielmehr gehe es um ein selektives Ausblenden bestimmter Themen, Quellen oder Zeitpunkte. Früher seien Nachrichten stärker an feste Zeiten gebunden gewesen, heute herrsche eine permanente Verfügbarkeit rund um die Uhr.

Auch Altersgruppen unterscheiden sich: Ältere Menschen nennen häufiger Kriegsberichterstattung als Grund für Distanz, während jüngere eher von Überforderung und fehlender persönlicher Relevanz sprechen.

Gehrmann beschreibt zudem eine zunehmende Medienentfremdung: Viele Menschen hätten das Gefühl, dass Medienwelt und Lebensrealität auseinanderdriften. Das könne dazu führen, dass Nachrichten als weniger relevant wahrgenommen werden. Gleichzeitig warnt sie vor den Folgen: Wer sich von klassischen Nachrichtenquellen entfernt, sei anfälliger für Desinformation und Filterblasen.

Der Report- Co-Autor Sascha Hölig weist darauf hin, dass Nachrichtenvermeidung nicht mit genereller Nachrichtenabstinenz gleichzusetzen sei. Vielmehr gehe es oft um einen bewussten Umgang zur Schonung der mentalen Gesundheit.

Medien reagieren darauf mit unterschiedlichen Ansätzen. Lokale Initiativen wie der „Tag des Lokaljournalismus“ sollen die Bedeutung regionaler Berichterstattung stärken. Zudem gewinnt sogenannter konstruktiver oder lösungsorientierter Journalismus an Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um Problemdarstellung, sondern auch um die kritische Einordnung möglicher Lösungsansätze.

„Konstruktiver Journalismus ist kein positiver Journalismus“, so Gehrmann. Vielmehr gehe es darum, Entwicklungen vollständig abzubilden – inklusive Lösungen, die jedoch ebenso kritisch geprüft werden wie die Probleme selbst. Ziel sei es, Orientierung zu bieten und das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu stärken.

APA/Red.

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