Kommentar von Christian W. Mucha
Warum ich skeptisch bin, dass Gerhard Zeiler in der SPÖ das Ruder übernehmen kann.

Die marode SPÖ ringt um ihre Konturen. Wird Gerhard Zeiler es schaffen?
Nun, ich glaube eher nicht. Und das ist schade.
Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:
- Wer sich hierzulande selbst ins Spiel bringt, der wird es meistens nicht. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Viel eleganter und effizienter wäre es gewesen, hätten ein oder besser mehrere mächtige(r) Zeiler nominiert und vorgeschlagen:
Der Wiener Bürgermeister etwa.
Franz Vranitzky.
Gewerkschafter Josef Muchitsch.
Doris Bures.
Oder ÖGB-Präsident Katzian.
Und nicht Ex-Landeshauptleute, die kaum mehr etwas zu sagen haben.
Doch die roten Machthaber zögern. Halten sich weitgehend bedeckt. Dosko gibt gar Kontra.
Das ist Wasser auf Bablers rumpelnde Mühle …
- Dem typischen Funktionär hierzulande geht es vorrangig um seine eigenen Pfründe. Wie es der Partei geht, ist denen weitgehend powidl. Ein Phänomen, das nicht nur in der SPÖ greift.
- Zeiler verkörpert den typischen Klassenfeind. Millionär. Opernball-Besucher. Junge, fesche Frau. Jetset. Mächtig. Kann so einer glaubwürdig die Sozialdemokratie vertreten?
- Zeiler löst mit seiner Lebensart Neid aus.
Tödlich hierzulande. So einer derf nix werden … - Der Satz „Ich nehme keinen Cent“ eröffnet seinen Gegnern ein teuflisches Argument: Wenn es ihm nicht ums Geld geht – dann also um die Macht.
Schwer zu widerlegen.
- Nur zu sagen: Wir sind im Arsch. Let’s restart! reicht einfach nicht.
Ohne konturiertes Programm geht es nicht.
Zeilers Krone-Interview beschäftigte sich zu 90 Prozent mit Larmoyieren.
Doch seine Lösungsansätze entpuppen sich weitgehend als Phrasen.
- Die Wirtschaft „beleben“ heißt automatisch Budget verschieben. Sozialausgaben kürzen. Wer das nicht erkennt und durchschaut, der kann nicht rechnen.
Von solchen Schritten sehen sich die Genossen bedroht.
- Warum sagt er nichts zur Vermögenssteuer? Was wäre er – außer seiner möglichen Gage – bereit, zu opfern?
- Warum ist er so unkonkret? Wirft man jemandem vor, dass er den Bezug zur Realität verloren hat, dann muss man darauf konkret antworten. Mit aktuellen Lebenshaltungskosten, Spritpreisvergleichen, Mietpreisen, der Inflation, der sozialen Fehlverteilung etc.
Das habe ich aber nirgendwo gelesen.
- Zeiler meidet die sozialen Medien. Das will er weder hören noch sehen. Mir schrieb er vorgestern wörtlich: „Gottseidank bewahre ich mich vor all diesen Kommentaren.“
Das halte ich für falsch. Ich schaue mir die Kommentare in den sozialen Medien ganz genau an. Auch die von den Trollen und Hass-Postern. Das hilft, Strömungen zu verstehen, in der Folge die eigenen Argumente zu verändern und die eigene Position zu schärfen und nachzujustieren …
Nur wer seine Feinde versteht, kann in der Politik reüssieren. Wie war nochmals die Steigerung von „Feind“?
Richtig: Parteifreund.
Fazit: Ein naiver, schlecht vorbereiteter Putschversuch. Die Genossen werden mauern. Die SPÖ sinkt weiter ins Bodenlose.
Und das ist schade.
Ich bin kein Sozialdemokrat. Aber ich halte eine starke SPÖ für sehr wichtig für die politische Balance unseres Landes.
Zeiler hätte es drauf.
Aber ich befürchte, dass das nix wird …

