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Klimakrise: Wissenschaftskommunikation muss Gesellschaft erreichen

Distanz zwischen Wissenschaftskommunikation und Gesellschaft muss abgebaut werden.
©pexels

Statt Horrorszenarien braucht des Visionen.

Die Wissenschaftskommunikation hat die wichtige Aufgabe, mehr Wissen in die Gesellschaft zu bringen. In der Klimakrise kommt dieser eine besondere SchlĂŒsselrolle zu. Möglichkeiten um die Gesellschaft zu erreichen seien Dashboards fĂŒr einen schnellen Überblick, ein Kodex fĂŒr eine klare Berichterstattung oder die mediale Vermittlung von Visionen, wie beispielsweise eine nachhaltige, gerechte Zukunft aussehen könnte. Dies erklĂ€rte eine von der APA-Science veranstaltete Expertenrunde am Donnerstagabend in Wien. 

Umweltpsychologin Isabelle Uhl-HĂ€dicke von der UniversitĂ€t Salzburg meint dazu: „Es ist herausfordernd, nicht negativ zu kommunizieren und Horrorszenarien an die Wand zu malen. Medien versuchen gegenzusteuern, in dem sie positive Bilder aufzeigen, wie klimafreundliche, begrĂŒnte StĂ€dte aussehen können, in denen wieder Platz fĂŒr die Menschen ist. VerĂ€nderung bietet viele Vorteile, wie mehr Bewegung oder bessere Luft“. 

Auf der einen Seite stehe die Psyche der Medienkonsumenten, auf der anderen die Fakten der Wissenschaft. “Österreich wird oft als Umwelt- und Klima-Musterland dargestellt. Allerdings sind die Treibhausgasemissionen hierzulande heute genauso hoch wie im Jahr 1990. Zwei Drittel des Energieverbrauchs stammen aus fossilen EnergietrĂ€gern und im Climate Change Performance Index 2023 liegt Österreich auf Platz 32 von 63“, betonte Klima- und Energieforscher Daniel Huppmann am Internationalen Institut fĂŒr angewandte Systemanalyse (IIASA) in Hinblick auf die aktuelle Situation. 

Auch in Österreich seien die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar: “Im Burgenland ist der Zicksee ausgetrocknet und in Wien sind im heurigen Hitzesommer deutlich mehr TodesfĂ€lle bei Ă€lteren Personen verzeichnet worden“. Die Wissenschaft könne unterschiedliche Szenarien entwickeln und zeigen, um etwas zu verĂ€ndern seien aber politische Verhandlungen notwendig, so Huppmann. Im Wissenschaftsbetrieb fehlten dafĂŒr die Strukturen und die Zeit. 

Auch Uhl-HĂ€dicke ist dieser Meinung. „Es ist im aktuellen Wissenschaftssystem nicht vorgesehen, dass man in die Gesellschaft geht“. Dem schließt sich Johannes Stangl, der am Complexity Science Hub (CSH) Vienna forscht, an. In seiner Ausbildung habe er keinen einzigen Kurs zum Thema Öffentlichkeitsarbeit belegen können. Dabei seien die UniversitĂ€ten „stark gefragt, die Nutzbarmachung von Wissen in den Vordergrund zu stellen.“ Der MitbegrĂŒnder von Fridays for Future in Wien fordert mehr Kooperation zwischen Wissenschaft und Medien. 

FĂŒr Medien sei es ein großer Aufwand an Zeit und Ressourcen, um Einblick in die Wissenschaft zu geben, so Verena Mischitz vom Standard und Sprecherin der medienĂŒbergreifenden Initiative „Netzwerk Klimajournalismus Österreich“. Zuletzt hat die Initiative einen Entwurf fĂŒr einen Klima-Kodex formuliert. Aspekte dessen sind eine akkurate Wortwahl, die Abgrenzung vom Aktivismus und die Unterscheidung von Meinung und wissenschaftlichen Fakten. Zudem ist die Bereitstellung entsprechender Ressourcen und Strukturen in MedienhĂ€usern Teil des Klima-Kodex. 

Klimaschutz mĂŒsse bei jedem Thema und in jedem Ressort mitbedacht werden, weil er alle Bereiche unserer Gesellschaft betreffe, merkt Mischitz an. Noch seien Visionen einer nachhaltigen und gerechten Zukunft kaum sichtbar. Dieses Bild mĂŒsse in der Öffentlichkeit hĂ€ufiger gezeigt werden. Wichtig sei auch, Themen so zu vermitteln, „dass mehr ĂŒberbleibt als Verzweiflung“, erklĂ€rte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (GrĂŒne). Dies dĂŒrfe aber nicht zu einer aktivistischen Berichterstattung fĂŒhren. 

Stangl glaubt: „wenn man ehrlich mit ihnen umgeht“ seien viele Menschen bereit UmwĂ€lzungen mitzutragen. Weil die Politik derzeit von Partikularinteressen getrieben sei, wĂŒrden Apathie und Verzweiflung vorherrschen. Auch die Bedeutung von Macht werde zu wenig thematisiert. “Wenn es um die WĂ€rmewende geht, haben Betreiber von Gasnetzen kein Interesse aus Gas auszusteigen. Wir mĂŒssen einen Schritt zurĂŒck machen und aufzeigen, welche Interessen dahinter verborgen sind. Sonst stehen sich manche Aussagen gleichwertig gegenĂŒber“, meint Stangl. 

APA/Red.

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