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Gastkommentar von Christian Lorenz: ORF neu

ExtraDienst-Leser Christian Lorenz legt einen eigenen Vorschlag für einen verbesserten ORF vor und erklärt, wie dieser künftig aufgestellt sein könnte.

11.09.2026 11:37
red04
© ChatGPT

Es gibt nichts Schöneres, als wenn man Follower hat, die mitdenken. Die kluge, gebildete, logisch denkende, dem Hausverstand vertrauende Menschen sind.

Einer davon ist Christian Lorenz. Er hat mir seine Idee für einen „ORF neu“ übermittelt. Und die präsentieren wir Ihnen hier in Form eines Gastkommentars.

Ich glaube, dass Lorenz’ Vorschlag besser ist, als jene, die Babler mit seinem gesamten Zukunftsforum, einem Sesselkreis in Form einer Wohlfühlveranstaltung für die Regierungsparteien, parat hatte.

Und über Babler fällt mir nur mehr ein einziger Satz ein. Wer ihm zugehört hat, der versteht:

Der Medienminister hat das bemerkenswerte Talent, Minuten zu füllen, ohne dass man dabei von Inhalten abgelenkt wird…

Aber zurück zu Christian Lorenz. Er ist ein politisch interessierter Mensch, der seit einem Schlaganfall im Jahr 2012 kaum noch das Haus verlassen kann und daher viel Zeit hat, sich mit Themen zu beschäftigen, die ihm wichtig sind.

Nach unzähligen Recherchen und dem Durcharbeiten verschiedener Varianten hat er einen gut durchdachten Lösungsvorschlag entwickelt, den er hier freundlicherweise mit den ExtraDienst-Lesern teilt:

ORF neu

Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, wie man den ORF nicht nur reformieren, sondern grundsätzlich neu aufstellen könnte.

Mein Ansatz wäre eine vollständige Umwandlung des ORF in eine privatwirtschaftlich geführte ORF AG. Der Staat scheidet als Eigentümer aus, der verpflichtende ORF-Beitrag entfällt, und der ORF muss sich künftig wie jedes andere Medienunternehmen über Werbung, Streaming, Abonnements, Rechte, Lizenzierungen und Kooperationen finanzieren.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den bestehenden ORF einfach um einige Prozent zu verkleinern. Die Frage lautet vielmehr: Wie würde man mit den vorhandenen Marken, Reichweiten, Archiven und journalistischen Ressourcen heute einen modernen österreichischen Medienkonzern neu aufbauen?

Die Eckpunkte meines Modells:

  • Reduktion von derzeit rund 4.000 auf langfristig etwa 1.900 fixe Mitarbeiter.
  • Zielkosten von ungefähr 450–480 Mio. Euro jährlich statt derzeit rund 1,17 Mrd. Euro.
  • Zielumsatz aus kommerziellen Quellen von etwa 500 Mio. Euro.
  • Kein verpflichtender ORF-Beitrag mehr.
  • Konzentration auf ORF 1 und ORF 2, während ORF III und Sport+ weitgehend in bestehende Programme bzw. ORF ON integriert werden.
  • Ö3 bleibt als starke kommerzielle Marke, Ö1 als fokussiertes Qualitätsangebot, FM4 stärker digital.
  • ORF ON wird zum zentralen digitalen Produkt, ergänzt um ein mögliches werbefreies Premium-Modell.

Ein besonders großer Hebel wären die heutigen Landesstudios.

Statt neun umfangreicher Rundfunkanstalten würden neun kleine professionelle Regionalredaktionen ausreichen. Zusätzlich könnte ein österreichweites Netzwerk aus geschulten freien Mitwirkenden aufgebaut werden. Über Smartphones und eine eigene Plattform könnten Fotos, Videos und Livebilder innerhalb weniger Minuten geliefert werden.

Die redaktionelle Kontrolle bleibt selbstverständlich bei professionellen Journalisten. Das Material wird verifiziert und erst danach veröffentlicht.

Damit könnte regionale Berichterstattung gleichzeitig schneller, dichter und wesentlich billiger werden.

Auch bei Sportrechten sollte die bisherige Logik verändert werden. Die Kooperationen von ORF und ServusTV zeigen bereits, dass gemeinsame Rechte- und Produktionsmodelle funktionieren.

Ich würde dieses Prinzip wesentlich stärker nutzen: ORF AG + ServusTV + PULS-Gruppe + internationale Partner, wo gemeinsame Rechtebeschaffung, Produktionskosten oder Infrastruktur wirtschaftlich sinnvoll sind.

Die Sender bleiben Konkurrenten, müssen aber nicht dreimal dieselben technischen Strukturen und Rechte finanzieren.

Nicht mehr benötigte Landesstudio-Immobilien könnten verkauft oder vermietet werden. Der Küniglberg könnte teilweise zu einem Austrian Media Campus für Produktionsfirmen, Medienunternehmen und digitale Anbieter entwickelt werden.

Ein weiteres bisher unterschätztes Asset ist das riesige ORF-Archiv. Dieses sollte vollständig digital erschlossen und über einen eigenen Bereich ORF Archive & Content Licensing international verwertet werden.

Einen gesellschaftlichen Auftrag würde ich ausdrücklich erhalten und sogar erweitern:

ORF Learning: Eine kostenlose digitale Bildungsplattform für alle österreichischen Schulstufen: Schulstufe → Fach → Lehrplan → Thema → Lernmodul mit Erklärvideos, Übungen, Animationen, Experimenten, historischen Archivaufnahmen, Sprachmaterial und Prüfungsvorbereitung.

Dieser Bildungsauftrag könnte weiterhin öffentlich finanziert werden – allerdings separat, transparent und nur für konkret definierte Leistungen.

Der wesentliche wirtschaftliche Effekt: Heute werden jährlich rund 742 Mio. Euro ORF-Beitrag eingehoben.

Diese Summe wäre nach der Transformation keine staatliche „Budgeteinsparung“, sondern eine jährliche Entlastung österreichischer Haushalte und Unternehmen.

Mein Grundgedanke ist daher: Nicht den bisherigen ORF finanzieren und etwas billiger machen, sondern aus seinen wertvollen Bestandteilen einen modernen, unabhängigen und privatwirtschaftlich funktionierenden österreichischen Medienkonzern bauen.

Christian Lorenz

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