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Die Nachrichten-Lieferanten

Nachrichten-Agenturen wie die APA spielen in der Medienwelt noch immer eine unverzichtbare Rolle.
© APA

Die APA-Zentrale in Wien, nahe dem Naschmarkt

Durchschnittlich 500 Meldungen pro Tag, 180.000 StĂŒck im Jahr. Diese beeindruckende Menge an Nachrichten bildet das RĂŒckgrat der österreichischen News-Medien. Erstellt und versandt werden sie tĂ€glich von der Austria Presse Agentur, kurz APA. Und obwohl die APA mittlerweile eine breitgefĂ€cherte Unternehmensgruppe ist, stellt die Nachrichtenverbreitung noch immer das KerngeschĂ€ft dar.

DafĂŒr, dass die Versorgung der österreichischen Zeitungs-, Fernseh-, Radio- und Online-Redaktionen gesichert ist, sorgen etwa 150 Redakteure. Sie sitzen in guter Lage – am Naschmarkt in Wien – in der APA-Zentrale. HerzstĂŒck des von außen eher unscheinbaren Baus ist der 1.600 mÂČ große APA-Newsroom. Dort sind alle redaktionellen Einheiten der APA auf einer Ebene untergebracht. ErklĂ€rtes Ziel der Redaktion ist es, „unabhĂ€ngig, verlĂ€sslich, schnell und ausgewogen“ zu berichten und den österreichischen Medien die Basis fĂŒr deren tĂ€gliche Berichterstattung zu liefern. Die APA-Redaktion tritt ĂŒblicherweise auch nicht öffentlich in Erscheinung, abgesehen von Zitaten oder Quellenangaben. Sie ist ein unaufdringlicher, zurĂŒckhaltender und neutraler Lieferant von Fakten. Die Wertung und Bewertung ĂŒbernehmen dann die Medien mit ihren jeweiligen Ausrichtungen. Grobe Schnitzer – abgesehen von der einen oder anderen korrigierten Meldung und dem gelegentlichen Rechtschreibfehler – kennt man von der APA nicht.

Durch die Verbindungen und Kooperationen mit internationalen Nachrichtenagenturen werden auch weltweite Nachrichten und Fotos nach Österreich „importiert“. Gleichzeitig speist die APA auch österreichische Nachrichten in das Weltnachrichtennetz ein. Sie beteiligt sich damit am weltweiten „free flow of information“ und sorgt dafĂŒr, dass international ĂŒber Österreich berichtet werden kann. ZusĂ€tzlich zu Text-Meldungen bedient die APA auch sĂ€mtliche visuellen BedĂŒrfnisse der Medien. JĂ€hrlich werden mehr als 280.000 Pressefotos zur VerfĂŒgung gestellt. Dazu werden noch um die 1.800 Grafiken erstellt und tĂ€glich aktuelle Videoclips, Live-Streams und Live-Blogs geboten. Der Nachrichten-Service wird allerdings nicht nur von Medien bezogen. FĂŒr verschiedenste Branchen, MĂ€rkte und EntscheidungstrĂ€ger aus Wirtschaft, Politik und Institutionen spielt die Berichterstattung der APA eine Rolle als Grundlage ihrer Entscheidungen.

Besonderer Stellenwert

Das zentrale Informationstool fĂŒr weite Teile der österreichischen Informationslandschaft ist die Profi-Rechercheplattform  APA-OnlineManager (AOM). Hier findet sich der Real-time-Zugang zur klassischen APA-Berichterstattung sowie zum digitalen Medienarchiv mit Inhalten österreichischer und internationaler Tageszeitungen, Radio- & TV-Sendungen, Magazinen, Fachmedien, Onlinemedien, Bilderdiensten sowie  des Presseinformations-Cannels APA-OTS. Die Applikation gibt es auch als App mit Alarmierungsfunktion, damit die Themen auch unterwegs schnellstmöglich ankommen.

Die „Gruppe 39“

Von weltweit rund 140 Nachrichtenagenturen sind nur etwa 20 von Staat und Regierung unabhĂ€ngig. Zehn von diesen Agenturen sind, aktuell unter österreichischer PrĂ€sidentschaft, in Europa als Gruppe 39 organisiert. Diese Vereinigung, die heuer ihr 80-jĂ€hriges GrĂŒndungsjubilĂ€um feiert, soll durch Zusammenarbeit und Kooperation ein Motor fĂŒr die freie Presse sein. Um die QualitĂ€t im Journalismus zu steigern und im weltweiten Nachrichtenaustausch Standards festzulegen, ist die APA aktiv in mehreren weiteren VerbĂ€nden und Vereinigungen involviert. Unter anderem bei der European Alliance of News Agencies, dem International Press Institute, der IQ-Initiative zur QualitĂ€t im Journalismus oder dem Österreichischen Presserat.

Gut im GeschÀft

Die APA-Gruppe ist als Genossenschaft organisiert. Zwölf österreichische Tageszeitungen und der ORF sind die EigentĂŒmer. Nicht mit an Bord sind die zwei reichweitenstĂ€rksten Tageszeitungen – die Kronen Zeitung und Heute. Die Gruppe hat drei Unternehmensbereiche. Das ist die Nachrichtenagentur mit dem KerngeschĂ€ft, die Informationsagentur (DeFacto, inklusive Picturedesk, OTS) und die Technologieagentur (APA-IT). Mit ungefĂ€hr 520 Mitarbeitern hat die APA 2018 einen Umsatz von 64 Millionen Euro gemacht. Im Vergleich mit den grĂ¶ĂŸten Nachrichtenagenturen unserer NachbarlĂ€nder ist das ein beachtlicher Wert. Die Keystone-SDA-Gruppe, an der die APA mit 30 Prozent beteiligt ist, kam 2018 auf einen Umsatz von knapp 40 Millionen Euro. Die Deutsche Presse Agentur brachte es 2018, in ihrem etwa zehnmal grĂ¶ĂŸeren Markt, auf 140 Millionen Euro Umsatz.

Wirtschaftlich und redaktionell unabhÀngig

Auf der anderen Seite bemĂŒht sich die APA-Gruppe vor allem, andere GeschĂ€ftsfelder abseits der klassischen Nachrichten-Verbreitung zu erschließen. Hier gibt es ein ganzes Spektrum an Angeboten fĂŒr alle Bereiche der Medien- und Kommunikationsbranche. Ziel sei, ein vollwertiges Warenhaus fĂŒr Medien zu sein. Um eine Nachrichtenagentur auf stabile wirtschaftliche Beine zu stellen, reicht das KerngeschĂ€ft der Nachrichtenverbreitung nicht mehr aus.

Die APA verfolgt hier zwei ZugĂ€nge: Auf der einen Seite gibt es die internationalen Beteiligungen. Nachdem die APA bereits an der Schweizer Bildagentur Keystone beteiligt war, wurde sie 2018 mit der Fusion von Keystone und der Schweizerischen Depeschenagentur (sda) mit 30 Prozent zum grĂ¶ĂŸten AktionĂ€r der Keystone-SDA. Mit den Eidgenossen wurde dadurch der Nachrichtenaustausch intensiviert, vor allem aber auch die Zusammenarbeit, was technologische Lösungen betrifft, verstĂ€rkt.

In Deutschland ist die APA an zwei Tochtergesellschaften der Deutschen Presse Agentur (dpa) beteiligt. Bei der auf mobile Publishing-Lösungen spezialisierten dpa-digital-services hÀlt man 50 Prozent. An der dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten-Agentur werden 24,24 Prozent gehalten. Kleinere Beteiligungen gibt es noch an der epa european pressphoto agency (6,91 Prozent) und am internationalen Start-up-Cluster next media accelerator (2,68 Prozent). Im Europa-Vergleich der Nachrichtenagenturen gilt die APA als eine der modernsten und innovativsten.

Warenhaus fĂŒr Medien

Die APA ist eine neutrale Instanz zur Organisation von branchenĂŒbergreifenden Produkten und Services. Der Auftrag zur Förderung der Mitglieder beziehungsweise der EigentĂŒmer ist im Statut der APA verankert. Sie agiert hier wie eine Sharing-Economy-Company oder in ihrer Plattform-Funktion fĂŒr die Medien- und Kommunikationsindustrie als Digital Cooperative. Im Unterschied zu den globalen Tech- oder Dienstleistungsplattformen bleibt die Wertschöpfung entlang des kooperativen Gedankens aber bei den Mitgliedern, EigentĂŒmern und Kunden der Agentur.

Eine Antwort auf die Anforderungen der Digitalisierung gibt die APA mit ihrer News-Tech-Strategie. Diese umfasst die Transformation der APA-Gruppe in ein redaktions- und inhaltebasiertes IT-Warenhaus fĂŒr Medien und Kommunikatoren. Die gesamte Produkt- und Software-Entwicklung erfolgt auf Basis von Designsprints, High-Fidelity-Prototypen und Business-Cases aus dem digitalen Innovationshub APA-medialab. InterdisziplinĂ€re Teams aus Redakteuren, Designern, Business Analysts und Entwicklern erarbeiten gemeinsam mit den Kunden neue Digital-Lösungen fĂŒr den Medienwandel. Diese beinhalten einen umfassenden Rechenzentrumsbetrieb mit Managed Hosting, Redaktionssystemen und Archiven, Mobile Publishing, Streaming und Videodiensten, Digital-Kiosken, Smart Services (Auto-Abstract, SmartTag) sowie Payment-, Login- und Vermarktungslösungen. Die Forschungs- und Innovationsfelder des News-Tech-Programms umfassen AI, Daten, Trusted Information, Paid Content und Automated Content.

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