Zum Inhalt springen
Medien

Rechnungshof zerlegt Wiener Zeitung

Ein Rechnungshofbericht legt schwere Versäumnisse beim Umbau der Wiener Zeitung offen und warnt vor politischer Einflussnahme.

red04 12:57 Uhr 2 Min. Lesezeit
Gesetzliche Vorkehrungen zum Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit fehlen laut Rechnungshof.
Gesetzliche Vorkehrungen zum Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit fehlen laut Rechnungshof. © APA/ROLAND SCHLAGER

Der Umbau der Wiener Zeitung vom traditionsreichen Printmedium zur digitalen Medienplattform wurde laut einem aktuellen Prüfbericht des Rechnungshofs von erheblichen Versäumnissen begleitet. Dieser kritisiert die fehlende Strategie des Eigentümers, teure externe Aufträge und Mängel in der Personalverwaltung. Besonders heikel: Die redaktionelle Unabhängigkeit sei nicht ausreichend gesetzlich abgesichert. Der RH sieht dadurch ein Risiko staatlicher Einflussnahme.

Als die gedruckte Ausgabe 2023 eingestellt und das digitale Angebot auf junge Zielgruppen und soziale Medien ausgerichtet wurde, fehlte eine Eigentümerstrategie. Auch das notwendige Know-how für Videoproduktionen war nicht vorhanden. Deshalb wurden 2023 und 2024 externe Leistungen um 2,24 Mio. Euro zugekauft. Die fortlaufende Beauftragung desselben Dienstleisters führte laut Rechnungshof zu einer starken Abhängigkeit. Zusätzlich wurden rund 820.000 Euro für Werbung auf Social-Media-Plattformen ausgegeben.

Rechnungshof warnt vor politischem Einfluss

Der Geschäftsführer der Wiener Zeitung GmbH ist gegenüber dem Eigentümer und damit Personen aus der Politiksphäre weisungsgebunden. Gesetzliche Vorkehrungen zum Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit fehlen laut Rechnungshof. Ein Redaktionsstatut allein reiche nicht aus. Auch die bestehende Tochtergesellschaft wird kritisch beurteilt: Sie verursache zusätzlichen Verwaltungsaufwand und weniger Transparenz, ohne einen erkennbaren Mehrwert zu bieten.

Millionen-Nachzahlungen und fragwürdige Prämien

Fehler in der Personalverrechnung führten zu Nachzahlungen von rund 1,1 Mio. Euro. Für deren Aufarbeitung wurden zusätzlich rund 280.000 Euro an einen externen Dienstleister bezahlt. Kritik übte der Rechnungshof auch an Prämien für zwei Prokuristen, deren Leistungen zu ihren regulären Aufgaben gehörten, sowie an Bonuszahlungen für nicht erreichte Ziele.

Wiener Zeitung verweist auf umgesetzte Empfehlungen

Geschäftsführer Simon Kravagna erklärte am heutigen Freitag, dass 20 von 29 Empfehlungen bereits umgesetzt worden seien. Die Verschmelzung mit der Tochtergesellschaft werde für 2027 vorbereitet. Die Führungsstruktur sei gestrafft und die Werbung auf Social-Media-Plattformen mit August 2026 eingestellt worden. Kravagna begrüßte zudem die Forderung nach besseren gesetzlichen Garantien für die redaktionelle Unabhängigkeit.

(APA/red)

Beitrag teilen:

Ohne Maulkorb

Muchas Newsletter

Jeden Donnerstag frisch.
Exklusiv & ehrlich
Kurz. Relevant. Kostenlos.

Jetzt hier lesen