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Medien

Missbrauchsskandal besiegelt Aus für TV-Hit

Nach schweren Missbrauchsvorwürfen zieht der britische Sender Channel 4 die Reißleine und beendet sein langjähriges Realityformat.

red04 09:54 Uhr 2 Min. Lesezeit
Laut Untersuchung fehlte eine strukturierte, längerfristige Überprüfung der Schutzmaßnahmen.
Laut Untersuchung fehlte eine strukturierte, längerfristige Überprüfung der Schutzmaßnahmen. © Adobe Stock

Der britische Fernsehsender Channel 4 stellt die Realityshow „Married at First Sight UK“ ein. Auslöser sind schwere Vorwürfe sexueller Übergriffe ehemaliger Teilnehmerinnen und eine daraufhin eingeleitete externe Untersuchung. Auch eine bereits produzierte Staffel und ein geplantes Spin-off werden nicht ausgestrahlt.

In einer BBC-„Panorama“-Dokumentation hatten im Mai zwei ehemalige Teilnehmerinnen berichtet, während ihrer Teilnahme von ihren TV-Ehemännern vergewaltigt worden zu sein. Eine dritte Frau erhob den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs. Die drei beschuldigten Männer weisen die Anschuldigungen zurück.

Channel 4 beauftragte daraufhin die Anwaltskanzlei Clyde & Co mit einer unabhängigen Untersuchung. Diese wertete 31.172 Dokumente sowie 20 Stunden ausgestrahltes und unveröffentlichtes Videomaterial aus und führte Gespräche mit Mitarbeitern des Senders, der Produktionsfirma CPL und ehemaligen Teilnehmern. Das Ergebnis: Die bestehenden Schutzmaßnahmen hätten grundsätzlich den Vorgaben des britischen Medienregulators Ofcom entsprochen. Allerdings seien sie in einzelnen Situationen nicht vollständig umgesetzt worden. Zudem fehlte eine strukturierte, längerfristige Überprüfung der Schutzmaßnahmen.

Eine zusätzliche Prüfung durch Lorraine Heggessey, ehemalige Controllerin von BBC One, kam ebenfalls zu dem Schluss, dass die Fürsorge- und Schutzprotokolle umfangreich gewesen seien. Sie empfahl weitere Anpassungen. Ob die konkreten Übergriffsvorwürfe zutreffen, war nicht Gegenstand der Untersuchungen.

Auch fertige Staffel bleibt unveröffentlicht

Channel-4-Chefin Priya Dogra entschied dennoch, das Format nicht fortzuführen. Die Umsetzung sämtlicher Empfehlungen würde so weit in den Ablauf eingreifen, dass sich das ursprüngliche Konzept grundlegend verändern müsste. Nach mehr als zehn Jahren sei außerdem der richtige Zeitpunkt gekommen, Platz für neue Fernsehformate zu schaffen. Das bisher für die Sendung vorgesehene Budget soll künftig in andere Produktionen aus der britischen unabhängigen Produktionslandschaft fließen.

Vom Aus betroffen ist auch die sechste Staffel, die zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits produziert wurde. Sie wird ebenso wenig ausgestrahlt wie das geplante Spin-off „Second Married at First Sight“, das Teilnehmer der britischen und australischen Ausgabe zusammenbringen sollte.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Verantwortung von Fernsehsendern und Produktionsfirmen gegenüber Reality-TV-Teilnehmern auf. Channel 4 kündigte an, die Erkenntnisse aus den Untersuchungen mit anderen Sendern zu teilen und so die Schutzstandards in der Branche weiterzuentwickeln.

(red)

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