Überreder Benko
Wie es Thomas Stipsits brillant gelang, René Benkos Überzeugungstalent schauspielerisch herauszuarbeiten.
Die Meinungen über den jüngst ausgestrahlten René Benko Spielfilm „Benko – Size Does Matter“ mit Thomas Stipsits in der Hauptrolle, Heino Ferch als Benkos innere Stimme und Patricia Aulitzky als Nathalie Benko waren durchaus geteilt.
In der Kronen Zeitung gab’s von Norman Schenz Lob. In Österreich einen Verriss.
Ich persönlich fand’s eigentlich ganz spannend.
Wobei ich dazu ganz eigene, persönliche Erlebnisse einbringen kann.
Denn ich bin einer von jenen, der von Benko etwas wollte. Und nicht umgekehrt.
Und habe – zu meiner größten Überraschung, auf Vermittlung seines Schweizer Kommunikationsberaters hin – bei ihm einen Termin erhalten. Vor etlichen Jahren.
Damals war Sebastian Kurz noch am Ruder. Horst Pirker überlegte, mir eventuell News zu verkaufen. Daraus wollte ich ein wertkonservatives Magazin machen. Schlussendlich kam der Deal dann nicht zustande.
Benko hatte einen Anteil an der Kronen Zeitung erworben. Und der Schweizer Berater meinte, er könnte wohl auch an einer Beteiligung an der Wochenzeitung News interessiert sein.
Also gab’s dieses einstündige Treffen. An Benkos Renommieradresse auf der Freyung.
Der Eindruck, den Benkos Büro auf mich machte, war dann schon einmal verheerend. Selten so viel Protz gepaart mit so wenig Geschmack auf einem Fleck gesehen.
Dass Benko mich 20 Minuten warten ließ (damals war noch keine Rede davon, dass sein Imperium zu krachen beginnt und der Typ war der Shooting Star der heimischen Wirtschaftselite), regte mich nicht sonderlich auf.
Unser Gespräch selbst verlief völlig chaotisch.
Drei bis fünf Mitarbeiter wieselten stetig in und aus dem Büro, während ich halbschräg ihm gegenüber saß. Sein Handy läutete alle 45 Sekunden.
Nach ungefähr zehn Minuten, in denen ich gerade einmal vier Sätze formulieren konnte, fasste ich mir ein Herz und bat ihn darum, sich vielleicht doch einmal mir zu widmen. Das Handy läutete weiter.
Schon bald realisierte ich: Mit dem Mann kannst du keine Geschäfte machen.
Wobei „kannst du keine Geschäfte machen“ nicht so wichtig ist. Viel wichtiger war mir: „willst du keine Geschäfte machen“.
Ich habe ihm dann mit einer netten Anekdote (und plötzlich hat er mir zugehört) erläutert, dass er – trotz all seines Reichtums – ein Mensch wie wir alle ist. Und dass er rülpst, furzt und transpiriert wie alle anderen Menschen auf dieser Welt.
Und dass so etwas wie Respekt, Höflichkeit und ein Mindestmaß an Empathie die Grundvoraussetzungen für jedwedes Geschäft sind.
Benko reagierte stinksauer (aber verhalten) und ließ mich von einem seiner Domestiken hinausbegleiten.
Seinen „Charme“ hat er – wie man dem jüngsten ORF-Film entnehmen konnte – nur bei all jenen ausgepackt, von denen er etwas (meist Geld) wollte.
Bei jemandem, der ihm ein Angebot machen wollte, fand er das wohl nicht notwendig.
Also habe ich, der Benkos Gestik, Motorik, Körpersprache, seine fahrigen Bewegungen, seine Kopfhaltung, sein Beinspiel, seine Imponiergehabe-Positionierung im Gespräch ganz genau mit meiner NLP-Erfahrung beobachtet und gespeichert hat, an Stipsits ein Mail geschrieben.
Und ihm vorgeschlagen, ihm davon zu erzählen, bevor er die Benko-Rolle angeht. Damit er den besser trifft. Weil er – soviel ich weiß – den persönlich zuvor nie getroffen hat.
Stipsits antwortete mir – zu meiner großen Freude – mit einem unheimlich netten und freundlichen Mail. Er wäre auf das gerne zurückgekommen. Aber die Dreharbeiten seien schon vorbei.
Den Film habe ich mir dann genau angeschaut.
Benko war so, wie ich ihn erlebt habe, nicht besonders trefflich dargestellt. Auch der Tiroler Dialekt, den er übrigens im Gespräch mit mir überhaupt nicht heraushängen ließ, war eher aufgesetzt und übertrieben.
Trotzdem fand ich den Film sehr spannend. Weil darin die Methoden gezeigt werden, wie Menschenfänger es schaffen, andere dazu zu bringen, das, was sie von ihnen fordern, ihnen schlussendlich auch zu geben. Sogar gerne zu geben.
Die Voraussetzungen dafür habe ich in meinem Buch „Wie man unverschämt reich und berühmt wird“ detailliert beschrieben. Sie lauten:
- Genau über den, von dem man etwas will, recherchieren.
- Seine Schwachstellen finden.
- Seine Neigung verstehen, erkennen und penibel analysieren.
- Sich brillant vorbereiten, bevor man in ein Gespräch geht.
- Die Kurve kratzen vom Geschäftsgespräch zu einem persönlichen Approach.
- Die Schlüsselworte sagen, die alle so gerne hören. In Zeiten der Niedrigzinsen.
- Die Menschen genau dort abholen, wo ihr höchstpersönlicher Bedarf, ihr höchstpersönliches Manko, ihre höchstpersönliche Erfüllung zu finden ist.
Nun wissen jene, die schon mit mir verhandelt haben, dass ich genau dieses Talent in meinen Genen habe (mein Großvater war schon ein brillanter Verhandler) und auf diesem Klavier vierhändig zu spielen vermag. Was sicherlich einer der Gründe für meinen unternehmerischen Erfolg ist.
Nur habe ich meine Überzeugungsgabe niemals für „Linke“ eingesetzt, sondern damit halt unser Geschäft befruchtet.
Und viele, viele Kunden haben mir nachher gestanden, dass sie nicht ganz überzeugt waren von dem Vorschlag, den ich ihnen da ausgebreitet hatte. Aber sie haben es dann doch gemacht.
Die wörtliche Begründung: „Es hat so viel Spaß gemacht, Ihrem Verkaufsgespräch zuzuhören, Herr Mucha. Und man kann so viel an Strategie, Taktik und Formulierkunst daraus lernen, dass es uns das Wert war, den Betrag, den Sie uns angeboten haben, dann auszulegen und Ihr Angebot zu realisieren.“
Es hat den Leuten also Freude bereitet. Und das ist das, was ich beim Benko-Film für sehr gut getroffen halte.
Denn das „Comment“, das „Wie-krieg-ich-den-über-den-Tisch“ verstehen nur die allerwenigsten Menschen.
Und dass Benko dieses Talent hat – bei all seiner kriminellen Energie – ist wohl unbestritten
meint
Ihr
Christian W. Mucha



