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Medien

Axel Springer macht den Telegraph zur KI-Zeitung

Axel Springer will den britischen Telegraph zu einem internationalen, KI-gestützten Medienunternehmen umbauen. Bis zu 100 Stellen könnten dem neuen Kurs zum Opfer fallen.

red04||14:58 Uhr

Lesezeit: 2 Minuten

Inhaltlich will der Telegraph vor allem seine Berichterstattung über Außenpolitik, Verteidigung und Wirtschaft ausbauen und stärker den US-Markt erschließen.
Inhaltlich will der Telegraph vor allem seine Berichterstattung über Außenpolitik, Verteidigung und Wirtschaft ausbauen und stärker den US-Markt erschließen. © Richard A. Brooks / AFP

Der deutsche Medienkonzern Axel Springer greift tief in die Strukturen des britischen Telegraph ein. Die neue Geschäftsführung plant eine umfassende Neuausrichtung, bei der künstliche Intelligenz, neue digitale Geschäftsfelder und eine internationale Expansion eine zentrale Rolle spielen. Für die Mitarbeiter hat der Kurswechsel bereits konkrete Folgen: Rund 100 Arbeitsplätze stehen auf dem Prüfstand.

Bis zu 100 Stellen betroffen

Ende Oktober informierte die neue Geschäftsführerin der Telegraph Media Group, Carolin Hulshoff Pol, die Mitarbeiter über den Beginn eines formellen Konsultationsverfahrens. Laut britischen Medien könnten rund 100 Stellen wegfallen. Betroffen sind neben anderen Unternehmensbereichen insbesondere die Kultur- und Sportressorts. Auch eine Zusammenlegung von Redaktionsteams ist vorgesehen. Unter anderem sollen die Bereiche Kommentar und Analyse sowie Features und Lifestyle enger zusammengeführt werden. In ihrer Mitteilung formulierte Hulshoff Pol das Ziel, den Telegraph von einer führenden britischen Tageszeitung zu einem „globalen, KI-gestützten Premium-Medien- und Informationsunternehmen“ weiterzuentwickeln. Künstliche Intelligenz, Daten und Technologie sollen künftig stärker eingesetzt werden, um das Nutzererlebnis neu zu gestalten. Gleichzeitig betonte die Geschäftsführerin, dass journalistisches Urteilsvermögen, Originalität und Vertrauen zentrale Bestandteile des Angebots bleiben sollen.

Neue Erlösmodelle und internationale Expansion

Neben dem Einsatz neuer Technologien plant Springer eine breitere Aufstellung des Geschäfts. Zusätzliche Erlöse sollen unter anderem aus Video- und Audioangeboten, Veranstaltungen, Lizenzgeschäften, E-Commerce und Dienstleistungen für Geschäftskunden kommen. Auch die internationale Reichweite soll wachsen. Inhaltlich will der Telegraph vor allem seine Berichterstattung über Außenpolitik, Verteidigung und Wirtschaft ausbauen und stärker den US-Markt erschließen. Axel Springer hatte die Telegraph Media Group im Juni 2026 für 575 Millionen Pfund übernommen. Konzernchef Mathias Döpfner hatte angekündigt, das britische Medium zum führenden bürgerlich-konservativen Nachrichtenangebot im englischsprachigen Raum auszubauen. Der Kauf beendete eine rund dreijährige Phase der Unsicherheit über die Eigentümerschaft des Verlagshauses.

Wachstumspläne treffen auf Stellenabbau

Der nun eingeleitete Stellenabbau steht in einem Spannungsverhältnis zu den zuvor angekündigten Investitions- und Wachstumsplänen. Laut den zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen hatte die Telegraph Media Group einen Umsatz von 273,2 Millionen Pfund erzielt. Unter dem Strich stand ein Verlust von vier Millionen Pfund, während das bereinigte operative Ergebnis vor Steuern bei rund 48 Millionen Pfund lag. Springer setzt damit nicht nur auf eine technologische Neuausrichtung, sondern auch auf eine deutlich schlankere Organisation. Wie stark künstliche Intelligenz künftig tatsächlich in die journalistische Produktion eingreifen wird, bleibt vorerst offen. Die angekündigten Veränderungen zeigen jedoch, dass der Konzern den Telegraph weit über eine klassische Digitalisierung hinaus umbauen will.

(red)

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