Pig will neue Gehaltspyramide im ORF
Während Clemens Pig ein niedrigeres Fixgehalt anstrebt, muss der ORF angesichts einer drohenden Budgetlücke seine Sparpläne für 2027 konkretisieren.
Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig will weniger verdienen als sein Vorgänger Roland Weißmann und auf erfolgsabhängige Bonuszahlungen verzichten. Angesichts des hohen Sparbedarfs wolle er mit gutem Beispiel vorangehen, sagte Pig gegenüber dem Kurier und Standard. Am heutigen Donnerstag soll der Vergütungsausschuss des ORF-Stiftungsrats erstmals über die Ausgestaltung seines Vertrags beraten.
Fixgehalt statt Bonusmodell
Pig will mit seinem Gehaltsmodell nach eigenen Angaben den „Grundstein für eine neue Gehaltspyramide“ im ORF legen. „Die Menschen in Österreich haben ein Recht darauf, dass wir mit ihren Beiträgen verantwortungsvoll umgehen. Diesen Anspruch stelle ich zuallererst an mich selbst“, wurde er von den beiden Tageszeitungen zitiert. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer begrüßte gegenüber der APA, dass Pig dem Unternehmen in der schwierigen finanziellen Lage entgegenkommen wolle. Zu Gehaltsverhandlungen in der Öffentlichkeit wolle er sich allerdings nicht äußern. Man werde einen vernünftigen Weg finden. Lederer hatte im September angekündigt, bei der Ausgestaltung des Vertrags einen internationalen Personalberater und eine Arbeitsrechtlerin hinzuzuziehen. Zudem wollte er einen größeren Teil der Direktorengehälter an erfolgsabhängige Komponenten knüpfen. Pig spricht sich dagegen aus: „Es braucht keine Bonuszahlungen oder sonstige Gehaltsbestandteile, die draußen niemand versteht.“ Vorgesehen sei ein Fixgehalt, das unter der Gesamtvergütung seines Vorgängers liegen soll. Weißmanns Bruttojahresgehalt wurde im im März veröffentlichten Transparenzbericht mit 427.500 Euro ausgewiesen.
ORF muss Budgetlücke schließen
Parallel zu den Gehaltsverhandlungen steht die finanzielle Planung des ORF auf der Tagesordnung. Heute kommen die Stiftungsräte zu einer Sondersitzung des Finanzausschusses zusammen, um das Budget für 2027 und die Finanzpläne für die Folgejahre festzulegen. Eine zentrale Belastung ist der Wegfall der Kompensation für den Entfall des Vorsteuerabzugs im Zuge der Umstellung auf den ORF-Beitrag. Dadurch fehlen dem Medienunternehmen nach den vorliegenden Angaben jährlich 93 Millionen Euro. Der Standard berichtete zuletzt unter Berufung auf Stiftungsratskreise, dass 2027 ein Minus von knapp 30 Millionen Euro drohen könnte. Lederer wollte keine konkreten Zahlen kommentieren, sagte aber, dass er unter den derzeitigen Bedingungen keinen positiven Abschluss im kommenden Jahr erwarte.
Lederer fordert Einsparungen an der Spitze
Lederer will genau dargelegt bekommen, wie der ORF den Sparbedarf bewältigen soll. Er nehme eine zunehmende Unsicherheit im Unternehmen wahr. Die angekündigten Einschnitte im Personalbereich müssten konkretisiert werden. Dabei pocht der Stiftungsratsvorsitzende darauf, zuerst an der Spitze, im Führungsbereich und bei Topverdienern zu sparen. Zugleich dürfe kein Bereich von einer genauen Analyse ausgenommen werden. Auch die geplante Verfassungsklage gegen die kurzfristigen Einschnitte der Bundesregierung soll Thema sein. ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hatte eine solche Beschwerde bereits vor Monaten angekündigt. Hintergrund ist die Befürchtung, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag unter den finanziellen Bedingungen nicht mehr ausreichend erfüllt werden könnte. Ein Gutachten für die Beschwerde sei im September laut Thurnher so gut wie fertig gewesen.
(APA/red)