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Viel Gespräch, wenig Zukunft beim ORF

Unter Spott und Häme der Branche ging der erste Tag des ORF-Zukunftsforums über die Bühne.

11.09.2026 12:45
red04
© APA/ROLAND SCHLAGER
Andreas Babler, Ingrid Thurnher und Clemens Pig

Was als großer Austausch über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angekündigt wurde, hat am ersten Tag vor allem eines gezeigt: Über die Zukunft des ORF lässt sich viel reden. Konkreter wird es dadurch allerdings noch nicht.

Medienminister Andreas Babler stellte das Zukunftsforum zum Auftakt als offenen Prozess dar. Gemeinsam solle darüber gesprochen werden, wie der ORF künftig aussehen und welche Rolle er in einer zunehmend digitalen Medienwelt spielen soll. In seiner Eröffnungsrede ging es entsprechend um Demokratie, Medienvielfalt und die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Vieles davon klang allerdings eher nach Grundsatzrede als nach konkreten Vorstellungen für die nächsten Jahre.

Ausgerechnet die Finanzierung des ORF blieb dabei weitgehend außen vor. Am bestehenden Modell will Babler derzeit nichts ändern. Gerade bei einer der zentralen Fragen für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wäre etwas mehr Konkretes wohl nicht zu viel verlangt gewesen.

Dass die Medienbranche mit dem Auftakt nicht sonderlich viel anfangen kann, überrascht deshalb wenig. Der Eindruck, dass rund um das Zukunftsforum zwar viel organisiert und diskutiert wird, die entscheidenden Fragen aber zunächst ausgespart bleiben, zieht sich auch durch die Berichterstattung. Die Presse brachte es mit der Überschrift „Fünf Themen am Tisch, eins wird ausgespart“ recht treffend auf den Punkt.

Dazu kommt die Frage, wer eigentlich über die Zukunft des ORF sprechen soll. Unter den rund 200 Teilnehmern finden sich Politiker und Vertreter aus der Medienbranche, aber eben auch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick, Kabarettistin Malarina oder Kletterer Jakob Schubert. Dass auch andere Perspektiven Platz haben sollen, ist grundsätzlich schwer zu kritisieren. Bei einer Veranstaltung, die sich mit der Zukunft des größten Medienunternehmen des Landes beschäftigt, darf man sich trotzdem fragen, nach welchen Kriterien die Runde zusammengestellt wurde. Der Standard nannte das Format passenderweise schon vor Beginn einen „Sesselkreis“.

Noch weniger freundlich fiel die Reaktion von Wolfgang Fellner aus. Er sprach vom „Bla-Bla-Bla-Bla-Zukunftsforum“ und bemängelte unter anderem, dass private Medien nicht direkt eingeladen worden seien.

Auch Philipp König, Geschäftsführer von Kronehit, zog nach dem ersten Tag eine ernüchternde Bilanz. In einem LinkedIn-Beitrag bezeichnete er das Forum als „medienpolitische Farce“ und kritisierte vor allem die Zusammensetzung der Teilnehmer. Private Marktteilnehmer seien durch die Einladungspolitik gezielt in der Minderheit gehalten worden, schrieb König. Unter diesen Voraussetzungen sei eine weitere konstruktive Teilnahme für ihn nicht tragbar.

Dabei beließ es König nicht bei der Kritik an der Veranstaltung. Er formulierte auch konkrete Vorstellungen für die künftige Rolle des ORF. Einer Weiterentwicklung im Online-Bereich verschließe er sich nicht, solange klar sei, dass es sich um tatsächlich öffentlich-rechtliche Inhalte handle. Für rein kommerzielle Unterhaltung brauche es dagegen keine Gebührengelder, argumentierte König. Diese Angebote würden bereits von zahlreichen privaten Anbietern abgedeckt.

Auch bei den Spielregeln fordert König eine klare Abgrenzung. Gebührenfinanzierte Angebote sollten dort ansetzen, wo der Markt keine eigenen Lösungen hervorbringe. Der ORF dürfe nicht mit Beitragsgeldern Bereiche besetzen, die zur Existenzgrundlage privater Medien gehören. Zugleich könne sich der ORF stärker als öffentlich-rechtlicher Infrastruktur-Dienstleister verstehen und seine Ressourcen etwa für den Aufbau einer gemeinsamen europäischen Plattform bündeln.

Damit landet König bei einem Punkt, der auch in der Kritik von Klaus Herrmann, Chefredakteur der Kronen Zeitung, eine Rolle spielt. Herrmann fordert für den ORF ebenfalls eine stärkere Konzentration auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag. Der ORF müsse „weniger machen – und das besser“, lautet seine Forderung. Zugleich betont er, der ORF gehöre nicht der Politik, sondern der Allgemeinheit.

Herrmann verweist zudem auf den aus seiner Sicht wenig überzeugenden zeitlichen Ablauf der Debatte. Genau diesen Punkt griff König in seinem Beitrag auf: Die Diskussion über die Zukunft des ORF komme zu einem Zeitpunkt, an dem wesentliche Fragen längst seit Jahren bekannt seien. Ein echtes und ergebnisoffenes Gespräch müsse deshalb mehr sein als ein Forum, in dem bekannte Positionen noch einmal ausgetauscht werden.

Womit der springende Punkt erreicht wäre: Der ORF steht nicht irgendwo außerhalb des österreichischen Medienmarktes. Private Medien konkurrieren mit ihm um Publikum, Reichweite und Werbegeld und sind damit unmittelbar davon betroffen, wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig aufstellt. Dass diese Seite bei einem Forum über genau diese Zukunft nur begrenzt vertreten ist, sorgt entsprechend für Verwunderung.

König verweist deshalb auf ein grundsätzliches Prinzip: Ein funktionierender Medienstandort brauche ein starkes duales System aus öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern. Beide stünden über verschiedene Gattungen hinweg in Wechselwirkung und könnten nicht sinnvoll getrennt voneinander betrachtet werden.

Nach dem ersten Tag bleibt damit ein etwas widersprüchlicher Eindruck. Babler spricht von einem „schlankeren“ und „bürgernäheren“ ORF und will einen offenen Prozess anstoßen. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen, allen voran jene der Finanzierung, vorerst unangetastet. Und während über die Zusammensetzung der rund 200 Teilnehmer diskutiert wird, fehlen ausgerechnet jene privaten Medienhäuser, die im Alltag mit dem ORF um Zuschauer, Leser und Werbekunden konkurrieren.

Der Spott über das Zukunftsforum kommt deshalb nicht völlig überraschend. Das Problem ist weniger, dass am ersten Tag noch keine fertige Reform auf dem Tisch liegt. Ein Zukunftsprozess braucht Zeit. Nur sollte nach einem Tag mit viel Programm und viel Gespräch zumindest langsam erkennbar werden, wohin die Reise gehen soll. Und wozu das Zukunftsforum eigentlich diesen soll.

(red)

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