Die Verteidigung des Mittagsschlafs
Ben Rakidzija verbindet in seinen Werken Naturbeobachtungen, Humor und philosophische Gedanken zu einer besonderen Sicht auf das Leben.

Das gepflegte Publikum im beliebten Kvarner Palace in Crikvenica, Kroatien, darunter Weltautoren wie Ilija Trojanow, Eva und Robert Menasse, Franzobel und Christoph Ransmayr, liebt und wertschätzt das kulturelle Angebot und die literarischen Abende, die eine echte Bereicherung von Urlaubsentspannung sind.
Regelmäßiger Gast ist Ben Rakidzija, der aus seinen beiden Bänden „Verteidigung des Mittagsschlafs“ und „Briefe aus meinem Garten“ in einer Lesung Beispiele seines Könnens gab.
Ben ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Er liebt das Landleben, die Entschleunigung, er ist Yoga-Lehrer und hat sich sein philosophisches Engagement und einen klaren Blick auf die kleinen Nebensächlichkeiten des Lebens bewahrt.
Das merkt man auch in seinen Büchern. Ben beschäftigt sich mit Dingen, an denen man im Alltag oft achtlos vorbeigeht, und entwickelt daraus Gedanken, Geschichten und Betrachtungen, die unterhalten und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Dabei bleibt er nah am Leben und verliert sich nicht in großen Theorien.
In „Verteidigung des Mittagsschlafs“ wird ausgerechnet der Mittagsschlaf zum Gegenstand einer philosophischen Verteidigungsrede. Im fiktiven Land Tasmunien muss sich der Mittagsschlaf vor Gericht gegen den Vorwurf verteidigen, nutzlos und sogar schädlich für den Menschen zu sein. Was zunächst wie eine amüsante und ungewöhnliche Idee klingt, entwickelt sich zu einer durchaus ernsthaften Betrachtung über Ruhe, Zeit und den Umgang mit einer immer hektischer werdenden Gesellschaft. Ben verteidigt den Mittagsschlaf mit viel Humor. Er zeigt ihn als friedliche Gegenbewegung zu einem Alltag, in dem Leistung und ständige Aktivität oft selbstverständlich geworden sind.
Auch die Kunst findet ihren Platz in diesem ungewöhnlichen Plädoyer für die Ruhe. Die schlafenden Menschen auf Gemälden des Impressionismus zeigen, dass der Mittagsschlaf längst auch in der Kunstgeschichte seinen Platz gefunden hat. So verbindet Ben Witz, Philosophie und Kultur zu einer unterhaltsamen Verteidigungsrede für etwas, das eigentlich ganz selbstverständlich sein sollte: die Ruhe.
Ganz anders und doch eng mit dieser Haltung verbunden sind die „Briefe aus meinem Garten“. In zwanzig Erzählungen führt Ben seine Leser nach Istrien und in das Kroatien des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht der Gelegenheitsdichter Ante Antic, der auf seinen Streifzügen durch die Landschaft immer wieder ungewöhnlichen Begegnungen ausgesetzt ist. Da sind Esel und Kameliendamen, Lavendel und sogar sprechende Rosmarinbüsche. Die Grenzen zwischen Realität, Fantasie und literarischer Vorstellungskraft sind dabei angenehm fließend.
Das Buch ist eine literarische Hommage an Alphonse Daudets „Briefe aus meiner Mühle“. Es ist ein Buch des Frühlings, voller kleiner Geschichten, Beobachtungen und Begegnungen. Auch hier geht es nicht um große Ereignisse, sondern um die besonderen Momente am Wegesrand und um eine Welt, in der man sich Zeit nimmt, genauer hinzusehen.
Beide Bücher verbindet damit mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Ob im Garten, auf den Wegen durch Istrien oder beim Mittagsschlaf – Ben richtet den Blick auf das, was im hektischen Alltag leicht verloren geht: Ruhe, Natur, Fantasie und die Freude an scheinbar nebensächlichen Dingen.
Bei der Lesung im Kvarner Palace wurde spürbar, dass Bens Werke nicht nur gelesen, sondern auch erlebt werden können. Er trägt ruhig und angenehm vor und bringt dabei immer wieder ein feines Augenzwinkern ein. Seine Art zu lesen passt damit ganz selbstverständlich zu den Büchern: Ben begegnet seinem Publikum offen und unkompliziert. Er gibt Denkanstöße, ohne belehrend zu wirken, und überlässt jedem selbst, was er aus seinen Geschichten und Beobachtungen mitnimmt.
Die „Verteidigung des Mittagsschlafs“ hat inzwischen auch über den deutschsprachigen Raum hinaus Aufmerksamkeit gefunden. Für 2027 sind Ausgaben auf Kroatisch bei Tim Press in Zagreb und auf Arabisch beim Verlag Al Kotob Khan in Kairo geplant. Weitere Übersetzungen sind in Vorbereitung. Im Frühjahr 2027 erscheint ein neues Buch zum Thema Surrealismus. Ein Thema, das gut zu einem Autor passt, der schon heute gerne die Grenzen zwischen Alltag, Fantasie und philosophischer Betrachtung verschwimmen lässt.
Bens nächste Lesungen sind bereits geplant:
01.10.26 – Turracherhöhe (AU), Hotel Hochschober
24.10.26 – Schillerstadt Marbach (D), Schlosskeller
04.11.26 – Crikvenica (HR), Literaturfest Lit.EU
11.11.26 – Faaker See (AU), Dorf Schönleitn
10.12.26 – Pontresina (CH), Hotel Kronenhof
18.12.26 – Waiblingen (D), Kulturhaus Schwanen
15.01.27 – Lüneburg (D), tba
18.03.27 – Ludwigsburg (D), Lust & Laune
28.04.27 – Waiblingen (D), Stadtbücherei
15.05.27 – Hoheneck (D), Lesescheune
12.07.27 – Marktredwitz (D), Buchhandlung Budow
15.07.27 – Wutöschingen (D), Mediothek
27.08.27 – Bad Gastein (AU), Die Leserei Vielseitig