Washington Post muss Kolumnistin zurückholen
Ein Schlichter hat die Wiedereinstellung der entlassenen Washington-Post-Kolumnistin Karen Attiah angeordnet und ihr die Nachzahlung ausstehender Gehälter zugesprochen.
Die Washington Post muss die Kolumnistin Karen Attiah wieder einstellen. Das hat ein Schlichter entschieden. Die Zeitung muss Attiah zudem die seit ihrer Entlassung ausstehenden Gehälter nachzahlen. Für die Kündigung habe es keine triftigen Gründe gegeben. Attiah war nach Äußerungen über den im vergangenen Jahr erschossenen rechten US-Influencer Charlie Kirk entlassen worden. Die Washington Post hatte ihr schwerwiegendes Fehlverhalten vorgeworfen.
Streit nach der Ermordung von Charlie Kirk
Kirk war am 10. September 2025 bei einer Diskussionsveranstaltung auf einem Universitätscampus im Bundesstaat Utah erschossen worden. Der 31-Jährige gehörte zu den bekanntesten Vertretern der amerikanischen Rechten und war besonders bei jungen Anhängern von US-Präsident Donald Trump einflussreich. Trump bezeichnete Kirk nach dessen Tod mehrfach als Märtyrer. Später verlieh er ihm posthum die Präsidentenmedaille der Freiheit. Kritiker warfen Kirk unter anderem Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Hetze gegen Minderheiten vor. Wenige Tage nach seinem Tod hatte Attiah über private Accounts in Onlinemedien frühere Aussagen Kirks über schwarze Frauen verbreitet. Kirk hatte unter anderem behauptet, schwarzen Frauen fehle es an „kognitiver Verarbeitungskapazität“ und sie seien deshalb auf Programme zur Förderung von Gleichstellung und Inklusion angewiesen. Attiah schrieb zudem, sie werde um Kirk nicht trauern. Die Washington Post wertete ihre Beiträge als schwerwiegendes Fehlverhalten und entließ die Kolumnistin.
Attiah begrüßt Entscheidung
Nach der Entscheidung des Schlichters zeigte sich Attiah auf X erfreut. Die Zeitung habe versucht, sie aus der Redaktion zu drängen, weil sie „die Wahrheit ausgesprochen“ habe. Die Washington Post erklärte, sie werde die Anordnung befolgen. Zu den Einzelheiten des Falls wollte sich die Zeitung darüber hinaus nicht äußern.
Veränderungen im Meinungsressort
Die Entscheidung kommt vor dem Hintergrund eines länger andauernden Kurswechsels bei der Washington Post. Seit Amazon-Gründer Jeff Bezos die Zeitung 2013 übernommen hat, hat sich insbesondere die Ausrichtung des Meinungsressorts verändert. Nach internen Vorgaben soll dort inzwischen stärker auf Themen wie persönliche Freiheit und freie Märkte gesetzt werden. Die Entwicklung hat innerhalb der Zeitung wiederholt für Diskussionen über den journalistischen Kurs gesorgt.
(APA/red)