Zusammenfassung der Stiftungsrats-Sitzung vom 11. August 2026

Der ORF-Stiftungsrat bestellte das von Clemens Pig vorgeschlagene Führungsteam mit deutlicher Mehrheit.

12.08.2026 10:58
red04
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Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig kann ab 2027 mit seinem neuen Führungsteam arbeiten. Der ORF-Stiftungsrat bestellte am Dienstag die 13 von Pig vorgeschlagenen Personen mit deutlicher Mehrheit.

Das Team besteht aus fünf Frauen und acht Männern. Sechs Personen werden wiederbestellt, sieben übernehmen neue Funktionen. Fast alle verfügen über ORF-Erfahrung.

Für die zentralen Direktionen wurden Harald Kräuter, Michael Krön, Silvia Lieb und Angelika Simma-Wallinger bestellt. Kräuter bleibt Technikdirektor. Krön wird Direktor für Programm und Brands. Lieb übernimmt Finanzen und Verwaltung. Simma-Wallinger wird für Audience und Plattformen zuständig sein.

Silvia Lieb kommt als einzige der vier zentralen Direktorinnen und Direktoren von außerhalb des ORF. Sie ist derzeit Vorstandsvorsitzende der Moser Holding.

Auch die neun Landesdirektionen wurden bestellt. Wiederbestellt wurden Edgar Weinzettl in Wien, Alexander Hofer in Niederösterreich, Klaus Obereder in Oberösterreich, Esther Mitterstieler in Tirol und Werner Herics im Burgenland.

Neu besetzt werden die Landesdirektionen in Salzburg, der Steiermark, Kärnten und Vorarlberg. Gerd Schneider, Sigrid Hroch, Martin Weberhofer und Julia Ortner übernehmen dort die Leitung.

Abstimmung mit deutlicher Mehrheit

Das zentrale Direktorium erhielt 30 Stimmen. Zwei Stiftungsräte enthielten sich. Die FPÖ-Stiftungsräte Peter Westenthaler und Christoph Urtz stimmten dagegen.

Für die neun Landesdirektionen gab es 31 Stimmen. Eine Person enthielt sich, zwei stimmten dagegen. Beide Direktorien wurden jeweils als Paket abgestimmt.

Pig zeigte sich nach der Entscheidung zufrieden. Er sprach von einem wichtigen Schritt für den ORF und betonte die Bedeutung eines möglichst unabhängigen Auswahlverfahrens.

Auswahlverfahren

Für das Auswahlverfahren wurden externe Berater hinzugezogen. Damit sollte ein transparentes, objektives und nachvollziehbares Verfahren sichergestellt werden.

Pig verwies dabei auch auf das Europäische Medienfreiheitsgesetz. Der rechtskonforme Ablauf habe aus seiner Sicht zur Absicherung des Verfahrens beigetragen.

Bei den Landesdirektionen ist das frühere Anhörungsrecht der Landeshauptleute inzwischen abgeschafft. Pig begrüßte diese Änderung.

Pig betonte, dass die Mischung aus erfahrenen ORF-Mitarbeitern und externen Personen für die kommenden Aufgaben geeignet sei.

Finanzielle Herausforderungen

Als eine der wichtigsten Aufgaben nannte Pig die finanzielle Situation des ORF. Ab 2027 fällt die jährliche Kompensation für den Entfall des Vorsteuerabzugs in Höhe von 93 Millionen Euro weg.

Pig bezeichnete die Entscheidung als kurzfristig. Welche konkreten Maßnahmen zur Bewältigung der finanziellen Belastung notwendig sein werden, ließ er offen.

Auch Silvia Lieb wollte sich dazu noch nicht konkret äußern. Sie verwies darauf, dass zunächst eine genaue Analyse der finanziellen Situation und der Strukturen notwendig sei.

Schwerpunkte des neuen Direktoriums

Michael Krön will den ORF stärker auf die Bedürfnisse des Publikums ausrichten. Der ORF solle informieren, Diskussionen ermöglichen und unterschiedliche Meinungen abbilden.

Angelika Simma-Wallinger soll gemeinsam mit Krön die Angebote stärker auf das Publikum ausrichten. Dabei gehe es nicht ausschließlich um Reichweiten und Quoten. Ziel sei es, die Relevanz des ORF langfristig zu sichern.

Harald Kräuter will die Effizienz im technischen Bereich erhöhen. Zudem soll der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im ORF weiterentwickelt werden. Dabei sei ein sorgfältiger Umgang mit der Technologie notwendig.

Kritik der FPÖ

Peter Westenthaler kritisierte das Auswahlverfahren. Aus seiner Sicht wurden den Stiftungsräten nicht ausreichend Unterlagen zu den Bewerbungen zur Verfügung gestellt.

Auch Christoph Urtz stellte die rechtliche Grundlage der Bestellung infrage. Er verwies auf die Vorgaben des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes und forderte mehr Transparenz bei der Auswahl.

Westenthaler kündigte an, die Bestellung anfechten zu wollen.

Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer wies die Kritik zurück. Er verwies auf eine frühere Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und erklärte, dass die Auswahl und der Vorschlag der Kandidatinnen und Kandidaten Aufgabe des Generaldirektors seien.

Lederer zeigte sich zuversichtlich, dass die Medienbehörde KommAustria das Verfahren prüfen und bestätigen werde.

Das sieht auch Westenthaler so, der die Causa danach freilich über den Verfassungsgerichtshof und parallel dazu auf europäischer Ebene weiter betreiben wolle.

Zwei Knall-Effekte gab es zum Ende der Sitzung: Zum einen legte der stellvertretende Gregor Schütze überraschend sein Mandat zurück. Zum Anderen berichtete Ingrid Thurnher, dass die Compliance das Schütze-Posting von Armin Wolf als „überschießend“ und nicht zulässig qualifiziert hätte. Wolf sei abgemahnt worden.

APA/Red.

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