Kommentar vom Medikratius

12.08.2026 6:00
red04
© APA/GEORG HOCHMUTH
Stv. Stiftungsratsvorsitzender Gregor Schütze und Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer

Raus aus der Nummer

Mit seinem überraschenden Rücktritt bei der vorgestrigen ORF-Sitzung setzt Gregor Schütze den einzig richtigen Schritt.

Offenkundig kommen auch Stiftungsvorstände irgendwann einmal drauf, dass es jetzt Zeit ist, den richtigen Schritt zu setzen.

Am Schluss der ORF-Sitzung am Dienstag, dem 11. August, ließ Schütze eine Bombe platzen. Für Medikratius kam das freilich nicht überraschend. Denn der stellvertretende Stiftungsvorsitzende war ordentlich unter Beschuss geraten.

Wegen der unappetitlichen Verquickung seiner geschäftlichen Tätigkeit als PR-Berater in seiner Funktion als Stiftungsvorstand. Das wirft man auch dem Vorsitzenden Heinz Lederer vor, der jüngst gar Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wurde.

Die Verquickung und das Netzwerken von Stiftungsvorständen war schon immer gang und gäbe auf den sauren Wiesen des Österreichischen Rundfunks. Ich denke nur zurück an Zeiten, in denen ein sogenannter Künstleragent mit Insiderwissen sein privates Portfolio fütterte. Erst bekam er Informationen, wer beim ORF was werden sollte, wer bei welcher Sendung gefeatured werden würde. Gefüttert wurde er von einem der Unterhaltungsverantwortlichen im ORF, der ihm  die Kandidatenliste etwa für Dancing Stars zusteckte. Dann keilte der Agent die Betreffenden an, vereinnahmte sie als Kunden und kassierte schlussendlich Provisionen dafür.

Übrigens sagte man über den betreffenden Mann, er „nehme“ keine Provision, sondern er „gebe“ eine, weil seine Honorare so geschmalzen waren.

Medikratius kann diese Geschichte nur deshalb schreiben, weil diesbezüglich mehrmals wilde Diskussionen just um diverse Klienten des nachmaligen Stiftungsvorstandes entbrannten und der entsprechende Rumor öffentlich wurde.

Der Betreffende ist heute nicht mehr Stiftungsrat. Auch Siegfried Meryn hat sein Mandat zurückgelegt. Jetzt Gregor Schütze.

Warum?

Nun, das Entgelt für die Stiftungsratssitzungen ist lächerlich. Im Vergleich dazu, was die Herrschaften als PR-Berater abcashen.

Aber als PR-Konsulent kann man – wenn man das ORF-Netzwerk hinter sich weiß und dort eine bedeutende Funktion im Stiftungsgremium vorweisen kann – durchaus profitieren. Und das war die wahre Motivation der Herrschaften.

Diese Motivation fällt schnell weg, wenn entsprechendes Handeln öffentlich wird, angeprangert wird und gar der Staatsanwalt beginnt zu ermitteln.

In so einem Fall gilt eines: sich schleichen, so schnell es geht.

Das würde ich auch anderen Stiftungsvorständen raten.

Medikratius

PS: Auch unserem Verleger widerfuhr diesbezüglich Erstaunliches. Vor knapp zehn Jahren – Mucha befand sich damals auf einer Thailandreise – berichtete eine Tageszeitung in Österreich, dass ihr von einem Minister zugetragen worden sei, dass Mucha als Stiftungsrat ins Gespräch käme.

 

Prompt brachte das entsprechende Medium diese Meldung. Mucha – bei dem in Thailand die Verzweiflung aufkam – dementierte postwendend. Zu spät, denn auch der Standard, der Kurier und die Krone sprangen auf die Falschmeldung auf. Natürlich ohne Mucha zu fragen. Dabei war dies völlig unmöglich, war doch unser Verleger damals noch operativ als Zeitschriftenherausgeber tätig.

Ein klarer Bruch der Vorschriften für Stiftungsräte. Erst als der damalige ORF-Generaldirektor Alex Wrabetz ein Machtwort sprach und den Medien mitteilte, dass dies inkompatibel sei, verabschiedete sich die Fehlmeldung aus den Medien. So geht’s zu mit Rumor, Gerüchten und Falschmeldungen im ORF und den Medien die darüber berichten.

Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren