Der Vorschlag-Hammer

Jetzt ist sie also heraußen: Die Liste der 13 DirektorInnen, die künftig Clemens Pig als designierten ORF-GD unterstützen sollen.

04.08.2026 17:35
red04
© ORF/Thomas Ramstorfer
Dr. Clemens Pig

Jetzt ist sie also heraußen: Die Liste der 13 DirektorInnen, die künftig Clemens Pig als designierten ORF-GD unterstützen sollen.

Bei der Besetzung der zentralen Direktoren konnte Pig sowohl die Stiftungsräte (die seinem Vorschlag am 11. August noch zustimmen müssen), wohl aber auch zuflüsternde Politiker ebenso wie die heiteren Berufe-Rater im ORF durchaus überraschen.

Hier sind sie nun, die Direktoren:

Finanzen und Verwaltung: Silvia Lieb

Mit Silvia Lieb (zuletzt Vorstandsvorsitzende der Moser Holding/Tiroler Tageszeitung) hat man sich erst kürzlich, wie ExtraDienst zugeflüstert wurde, für die ganz große Überraschung entschieden. Der kommt der Wechsel lieb und recht. Jetzt muss sie sich nicht mit Eugen Russ (Russmedia), der gerade die Tiroler Tageszeitung geschnupft hat, auseinandersetzen.

Silvia Lieb
Silvia Lieb | © Tiroler Tageszeitung

 

Programm und Brands: Michael Krön

Bei Programm und Brands kommt TV-Producer Michael Krön zum Zug. Ein Mann, der als ORF-Chefproducer den Eurovision Song Contest gemanaget hat. Technisch großartig umgesetzt, im wirtschaftlichen Rahmen geblieben – der Mann ist gut, kann mit Zahlen umgehen und verdient diesen Job. Er wird sparen müssen.

Michael Krön | © APA/HELMUT FOHRINGER
Michael Krön | © APA/HELMUT FOHRINGER

 

Audience und Plattformen: Angelika Simma-Wallinger

Überraschend ist auch Angelika Simma-Wallinger als Direktorin für Audience und Plattformen.

Angelika Simma-Wallinger (links) | © APA/BARBARA GINDL
Angelika Simma-Wallinger (links) | © APA/BARBARA GINDL

Technologie und Innovation: Harald Kräuter

Einzig Harald Kräuter, den ich auch schon am 18. Juni auf meiner Liste als Bank hatte, kommt erneut zum Zug.

Harald Kräuter, Vorsitzender des ORF-KI-Boards
Harald Kräuter | © APA/TOBIAS STEINMAURER

 

Lange Gesichter gab es bei Astrid Zöchling, Dodo Roščić, Helga Berger, Kathrin Zierhut-Kunz, Eva Schindlauer, Markus Klement, Romy Seidl, Nadja Bernhard, Elisabeth Pauer-Gerbavsits und Claudia Schubert.

Bei den Landesdirektoren hingegen gab es nur wenige Überraschungen.

Hier die Liste, wer künftig die Geschicke in den Bundesländern leiten soll:

Wien: Edgar Weinzettl

Niederösterreich: Alexander Hofer

Burgenland: Werner Herics

Oberösterreich: Klaus Obereder

Salzburg: Gerd Schneider

Tirol: Esther Mitterstieler

Vorarlberg: Julia Ortner

Steiermark: Sigrid Hroch

Kärnten: Martin Weberhofer

Beim großen Wer-wird-was-Raten am 18. Juni habe ich sechs von 13 richtig getippt. Nicht gerade berauschend. Aber blamiert habe ich mich damit wohl nicht…

Und es wären sieben gewesen, denn für Salzburg sagte ich voraus, dass Gerd Schneider wohl mit 63 zu alt ist. Dies wurde nun so gelöst, dass er nur bis zu seinem Pensionsantritt bestellt wird.

Und mit der Niederösterreich-Entscheidung acht richtige, denn ich hatte Hofer deshalb nicht auf der Liste, weil der damals noch als Programm-Chef gehandelt wurde. Doch seit bekannt ist, dass Hofer sich nur für den Posten als niederösterreichischer Landesdirektor beworben hat, war einigermaßen klar, dass das auch durchgehen wird.

Julia Ortner kommt aus einer legendären Vorarlberger Medien-Familie. Denn die Vorarlberger Nachrichten wurden wirtschaftlich von der Familie Russ, journalistisch von den Ortners dominiert. Allesamt ÖVP-Urgesteine. Dr. Franz Ortner prägte die Zeitung seit den späten 60er-Jahren jahrzehntelang. Sein Sohn Thomas war Chefredakteur von 1987 bis 1989. Und Christian Ortner war zunächst als Assistent von Eugen A. Russ tätig und anschließend von 2002 bis 2012 Chefredakteur der VN, bevor er in die Schweiz wechselte.

Julia Ortner – mit besten Kontakten zur Raiffeisen-Gruppe (sie schrieb mit dem legendären Raiffeisen-Generalsekretär Ferry Maier gemeinsam ein Buch über Integration) – war beim Falter, bei News und ich weiß nicht wo überall, bevor Sie zum ORF zurückkehrte. Gilt als kreativ, tüchtig, kennt das Geschäft, kommt aus dem Haus und ist blendend vernetzt.

Fazit: Wer geglaubt hat, dass der Polit-Sideletter zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS von Pig nibelungentreu umgesetzt wird, der hat – zumindest was die zentralen Direktoren betrifft – die Rechnung ohne den Ex-APA-Chef gemacht.

Womit Pig wohl der Spagat zwischen Erfahrung und Ersitzung brillant gelungen ist.

Dass er sich zudem noch an die eigene Vorgabe, was Frauen und Männer betrifft, weitgehend gehalten hatte (zwei und zwei im Direktorium und immerhin drei Frauen von neun Landesdirektoren), kann detto als Plus gewertet werden.

In den nächsten Tagen, Wochen und Moanten erfahren wir dann, wer eine gute Wahl war. Und wer zu den schlechten Verlierern zählt…

CEMU

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