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ED-Exklusiv: Parschalk soll neue OBS-Leiterin sein

Nicht bestätigten, vertraulichen Informationen zufolge ist eine Entscheidung um die künftige Geschäftsführung der ORF-Tochter OBS gefallen.

22.07.2026 11:19
red04
© ORF/Victoria Scheer
Bettina Parschalk

Die Vertriebsfirma für die Eintreibung der Haushaltsabgabe des ORF (vormals GIS Gebühren Info Service GmbH, heute ORF-Beitrags Service GmbH) hat eine Reihe von Höhen und Tiefen miterlebt, die nur wenigen Unternehmen hierzulande beschieden sind.

Eine gewaltige Zahl an Hassreaktionen von Haushalten, die zur Zahlung der Abgabe aufgefordert wurden oder sie bereits entrichten, begleitet das Unternehmen seit Jahren. Beliebt ist die Pflichtabgabe in Österreich nicht – so viel steht fest.

Unruhen im Management, mehrere Geschäftsführerwechsel, interne Streitereien, Personaldebatten und rechtliche Auseinandersetzungen haben das Unternehmen in den vergangenen Jahren zusätzlich geprägt.

Hier die Chronik dolorös der OBS:

Bis 2023: Die GIS Gebühren Info Service GmbH zählt über viele Jahre zu den unbeliebtesten Unternehmen Österreichs. Hausbesuche von Gebührenbeauftragten, Anzeigen wegen mutmaßlicher Schwarzseher und immer wiederkehrende Diskussionen über die Rundfunkgebühr sorgen regelmäßig für Kritik und negative Schlagzeilen. Nach der Gründung 1998 wird die GIS zunächst alleine von Geschäftsführer Jürgen Menedetter geprägt. Später kommt Johann Simon als kaufmännischer Geschäftsführer hinzu und leitet die GIS von 2006 bis 2019. Nach seinem Ausscheiden kommt es zu einem Wechsel. Christian Kerschbaumsteiner übernimmt und leitet die GIS nun gemeinsam mit Harald Kräuter (Menedetters Nachfolger), der in der Funktion bereits seit 2013 tätig ist und Ende 2021 ausscheidet. Auf ihn folgt Alexander Hirschbeck.

2023: Mit der politischen Entscheidung, die GIS-Gebühr abzuschaffen und durch den ORF-Beitrag zu ersetzen, beginnt für das Unternehmen der wohl größte organisatorische Umbruch seiner Geschichte. Aus der GIS wird die ORF-Beitrags Service GmbH (OBS). Die Aufgabe verändert sich grundlegend: Statt Gebühren für Rundfunkempfangsgeräte einzuheben, wird nahezu jeder Haushalt beitragspflichtig. Mit Ende 2023 verabschiedet sich Kerschbaumsteiner aus der Geschäftsführung, womit Hirschbeck die alleinige Führung der neuen OBS bildet.

1. Jänner 2024: Der ORF-Beitrag tritt in Kraft. Gleichzeitig startet für die OBS eine Mammutaufgabe. Hunderttausende Haushalte müssen neu erfasst werden, unzählige Bescheide werden verschickt, die Zahl der Anfragen und Beschwerden steigt sprunghaft an. Hotline und Kundenservice geraten zeitweise an ihre Grenzen.

2024: Rückstände bei der Bearbeitung von Kundenanliegen, lange Wartezeiten und Kritik an der Servicequalität beschäftigen nicht nur Betroffene, sondern auch den ORF-Stiftungsrat. Das Gremium verlangt von der ORF-Führung eine deutlich stärkere Kunden- und Serviceorientierung bei der Beitragstochter.

2024/2025: Auch intern bleibt es unruhig. Immer wieder wird über organisatorische Probleme, Personalfragen und den Umgang mit den Herausforderungen der Systemumstellung diskutiert. Die OBS steht sowohl öffentlich als auch innerhalb des ORF unter erheblichem Druck.

2025: Geschäftsführer Alexander Hirschbeck scheidet aus dem Unternehmen aus. Vorausgegangen waren anhaltende Diskussionen über die Entwicklung der OBS und den Umgang mit den Problemen nach Einführung des ORF-Beitrags. Bettina Parschalk, zuvor Leiterin des ORF-Kundendienstes, übernimmt die Geschäftsführung interimistisch.

2026: Der Rechnungshof kritisiert die Umstellung auf den ORF-Beitrag. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen seien die Verwaltungskosten nicht gesunken. Vielmehr hätten unter anderem fehlerhafte Meldedaten, zusätzlicher Personalaufwand und der enorme Beratungsbedarf zu höheren Kosten geführt.

19. April 2026: Die Geschäftsführung der OBS wird öffentlich ausgeschrieben. Gesucht wird eine „Führungspersönlichkeit“, die laut Ausschreibung die Verantwortung für das gesamte ORF-Beitragsmanagement übernehmen soll. Zum Aufgabenbereich zählen unter anderem die behördlichen Aufgaben der OBS, die finanzielle Steuerung des Unternehmens, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Personalangelegenheiten sowie die Kontrolle laufender Geschäftsprozesse und die Umsetzung von Optimierungsmaßnahmen. Bewerbungen von Frauen seien besonders erwünscht, heißt es in der Ausschreibung.

18. Mai 2026: Die Bewerbungsfrist endet. Nach Insider-Informationen sollen sich rund 60 Personen beworben haben. Ein Ausschuss bewertet die Bewerbungen, erstellt eine Shortlist und lädt ausgewählte Kandidaten zu Hearings ein.

Sommer 2026: Das Hearing soll bereits vor mehreren Wochen stattgefunden haben. Die Entscheidung soll erneut zugunsten der interimistischen Geschäftsführerin Bettina Parschalk gefallen sein. Offiziell kommuniziert wurde die Personalentscheidung bislang allerdings nicht.

Gerade diese ausbleibende Kommunikation wirft Fragen auf. Warum wird die Bestellung nicht bekannt gegeben, wenn das Auswahlverfahren bereits abgeschlossen sein soll? Es wird vermutet, dass mit einer offiziellen Bekanntgabe bis nach der Besetzung der 13 ORF-Direktionen zugewartet werden könnte.

Unklar ist auch, ob die vom ORF-Stiftungsrat eingeforderte stärkere Service- und Kundenorientierung inzwischen tatsächlich erreicht wurde. Der Wunsch nach einer Neuausrichtung war einer der wesentlichen Gründe, weshalb die OBS-Führung vor rund einem Jahr unter Druck geraten war.

Sollten die damaligen Probleme bei der Bearbeitung von Kundenanfragen inzwischen gelöst sein, würde die neuerliche Bestellung der bisherigen Interims-Geschäftsführerin für Kontinuität stehen. Sollten die Schwierigkeiten hingegen weiterhin bestehen, bleibt offen, welche Kriterien letztlich für die Entscheidung ausschlaggebend waren.

Ebenso kommen durch den Zeitpunkt des Verfahrens Fragen auf. Der neue ORF-Generaldirektor (Clemens Pig) steht bereits fest, die Besetzung der 13 Direktionen erfolgt jedoch erst in den kommenden Wochen. Gerade der künftige kaufmännische Direktor wird für die OBS zuständig sein.

Warum die Geschäftsführung der Tochtergesellschaft unmittelbar vor dessen Amtsantritt besetzt wird und nicht gemeinsam mit ihm, bleibt offen. Ein neuer kaufmännischer Direktor muss dadurch künftig mit einer Geschäftsführung zusammenarbeiten, deren Bestellung er selbst nicht mehr mitgestalten konnte.

Nicht nachvollziehbar ist bislang auch der genaue Ablauf des Auswahlverfahrens. Zwar wurde die Position öffentlich ausgeschrieben, über den Ablauf der eigentlichen Auswahl wurde bis dato jedoch nichts bekannt.

Bei der Besetzung einer Managementfunktion dieser Größenordnung wird häufig ein externes Executive-Search-Unternehmen beziehungsweise ein Headhunter beigezogen. Dessen Aufgabe ist es unter anderem, den Auswahlprozess professionell zu begleiten, geeignete Kandidaten aktiv anzusprechen, die Eignung der Bewerber zu beurteilen und ein möglichst objektives Verfahren sicherzustellen.

Ob die OBS ein derartiges Unternehmen eingebunden hat, ist öffentlich nicht bekannt. Sollte das Verfahren ausschließlich intern abgewickelt worden sein, dürfte dies Diskussionen über Transparenz und Professionalität der Besetzung allerdings fördern.

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