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US-Gericht sieht illegales Monopol bei Ticketmaster

In New York wurde dem Online-Anbieter Ticketmaster sowie dem Veranstalter Live Nation wettbewerbswidriges Verhalten im US-Markt für Konzerte attestiert.

16.04.2026 11:16
red04
© Adobe Stock
Nach Auffassung der Jury habe das Verhalten der Unternehmen dem Wettbewerb in der Musik- und Veranstaltungsbranche geschadet.

In einem Kartellverfahren in New York hat ein Geschworenengericht am Mittwoch entschieden, dass Ticketmaster und die Muttergesellschaft Live Nation den US-Markt für Veranstaltungen rechtswidrig monopolisiert haben. Im Mittelpunkt des Prozesses standen die Geschäftspraktiken der Unternehmen im Umgang mit Veranstaltungsorten und Künstlern. Nach Auffassung der Jury habe das Verhalten der Unternehmen dem Wettbewerb in der Musik- und Veranstaltungsbranche geschadet. Zudem sei es dadurch zu überhöhten Ticketpreisen für Konzertbesucher gekommen, so die Einschätzung der Staatsanwaltschaft.

Kritik an Marktstellung und Folgen für Verbraucher

Das Urteil richtet sich gegen den größten US-Ticketverkäufer, der seit Jahren sowohl von Fans als auch von Künstlern kritisiert wird. Zu den prominenten Kritikern zählt unter anderem Taylor Swift, deren Tourneen wiederholt im Zusammenhang mit Problemen beim Ticketverkauf standen. Die Entscheidung wird von der Staatsanwaltschaft als Bestätigung der Vorwürfe gewertet, dass durch das Verhalten der Unternehmen Verbraucher finanziell belastet worden seien.

Mögliche Konsequenzen und weitere Verfahren

Der zuständige Richter Arun Subramanian muss nun über mögliche Schadensersatzzahlungen sowie weitere Maßnahmen entscheiden. Dazu zählt auch die Option einer strukturellen Aufspaltung von Live Nation und Ticketmaster. Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta sprach von einem „historischen Sieg“ für Künstler, Fans und Veranstaltungsorte. Auch die Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, erklärte, die Jury habe bestätigt, dass die Unternehmen gegen das Gesetz verstoßen hätten und Verbraucher dadurch erhebliche finanzielle Nachteile entstanden seien.

Reaktionen an den Finanzmärkten

Nach dem Urteil legten Aktien von Wettbewerbern zu, da Investoren mit mehr Wettbewerb im Ticketmarkt rechnen. Gegen Live Nation sind mehrere weitere Klagen anhängig, die das aktuelle Urteil beeinflussen oder infrage stellen könnten. Das Unternehmen kündigte an, Berufung einzulegen, falls entsprechende Anträge abgelehnt werden. Zudem verweist Live Nation darauf, dass einzelne rechtliche Fragen noch nicht abschließend geklärt seien. Das Unternehmen schätzt die möglichen Schadensersatzzahlungen auf unter 350 Millionen US-Dollar und hat rund 280 Millionen US-Dollar für eine zuvor angestrebte außergerichtliche Einigung zurückgestellt.

Kartellverfahren und politische Initiative

Das Verfahren wurde trotz einer kurz vor Prozessbeginn erzielten außergerichtlichen Einigung zwischen dem Unternehmen und dem US-Justizministerium fortgeführt. Diese Einigung sah unter anderem Entschädigungszahlungen und den Verkauf einzelner Veranstaltungsorte vor. Ein Zusammenschluss mehrerer Bundesstaaten setzte die Kartellklage jedoch fort. Beteiligt sind auch das US-Justizministerium sowie 40 Bundesstaaten, die gemeinsam gegen Live Nation Entertainment vorgehen. Hintergrund der Debatte ist unter anderem die Übernahme von Ticketmaster durch Live Nation im Jahr 2010 sowie die anhaltende Kritik an langen Warteschlangen und Ticketverfügbarkeit bei großen Tourneen.

(APA/red)

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