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Gesichtserkennung zur Alterskontrolle im Netz

Soziale Medien setzen immer häufiger auf automatisierte Alterskontrollen, um Minderjährige zu schützen.

10.03.2026 14:46
red04
© Adobe Stock
Probleme der Gesichtsscans bleiben bei bestimmten Hauttypen, schlechten Fotos oder bei Manipulationen wie Masken, Make-up oder Spielzeugköpfen.

Die zunehmenden Rufe nach Alterssperren für Social-Media-Plattformen, auch in Österreich, sowie die Umsetzung solcher Maßnahmen in Australien, rücken die Online-Altersprüfung in den Fokus. Hinter dieser Entwicklung steckt nicht nur der Jugendschutz, sondern auch ein wirtschaftlicher Aspekt: Bisher waren die Kosten für entsprechende Programme hoch, weshalb sie nur selektiv eingesetzt wurden. Branchenexperte Merrit Maxim vom Analysehaus Forrester beobachtet jedoch einen deutlichen Rückgang des Aufwands in den letzten Jahren.

Widerstand der Internetkonzerne

Viele Internetunternehmen haben sich lange gegen automatisierte Altersprüfungen gesträubt. Argumentiert wurde mit unzureichender Technik, möglichen Einschränkungen für Nutzer oder Sicherheitsrisiken. Hinzu kam die Kostenfrage. Durch die weltweite Debatte über ein Verbot sozialer Medien für Jugendliche steigt nun der Druck. Technische Fortschritte haben sowohl Alters- als auch Identitätsprüfungen deutlich vereinfacht, sodass die Kosten kaum noch ins Gewicht fallen, so Maxim.

Günstige Software ersetzt teure Verfahren

Laut Branchen-Insidern verlangen Anbieter inzwischen weniger als einen Dollar für eine vollautomatische Altersprüfung; für Großkunden sinkt der Preis auf wenige US-Cent. Teurere Verfahren, etwa Videotelefonate zur Identitätsbestätigung, verlieren an Bedeutung. Start-ups wie Yoti setzen auf Gesichtsscans zur Altersbestimmung. Das US-Institut für Standards und Technologie (NIST) bewertet die Programme inzwischen mit einer Genauigkeit von 2,5 Jahren. 2014 lag die Abweichung noch bei über vier Jahren.

Gesichtsscans immer präziser

Die neue Version von Yoti soll bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren eine Genauigkeit von etwa einem Jahr erreichen. Auch Persona gibt eine Abweichung von rund 1,8 Jahren für 13- bis 17-Jährige an. Zu den Kunden zählen unter anderem OpenAI, Reddit, Meta und TikTok. Probleme bleiben bei bestimmten Hauttypen, schlechten Fotos oder bei Manipulationen wie Masken, Make-up oder Spielzeugköpfen. Persona-Chef Rick Song warnt, dass Prüfungen auf Nutzergeräten umgangen werden können. Yoti-Chef Robin Tombs empfiehlt daher, zusätzliche Daten wie Surfverhalten oder Zahlungsinformationen heranzuziehen, um die Fehlerquote zu senken.

Australien setzt Maßstäbe

Auslöser für die verstärkte Altersprüfung war Australien, das Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu TikTok, Instagram und Co. verbietet. Andere Länder wie Spanien, Frankreich oder Großbritannien planen ähnliche Maßnahmen. Der Schutz vor unangemessenen Inhalten und kontroverse Fälle, etwa die „Grok“-Affäre, verstärken den Druck. Eine australische Untersuchung zeigt, dass Gesichtserkennung recht präzise arbeitet, empfiehlt aber zusätzliche Prüfungen für die kritische Altersgruppe um 16 Jahre oder die Einwilligung von Eltern. Die betroffenen Plattformen äußerten sich nicht zur Wirksamkeit ihrer Systeme. Iain Corby, Chef der Age Verification Providers Association, warnt vor zu hohen Erwartungen. Einige Online-Plattformen hätten Anbieter angewiesen, verbesserte Kontrollen abzuschalten, da sie befürchten, dass strikte Altersprüfungen global verpflichtend werden könnten. Ein vollständiger Erfolg der Altersprüfung sei daher derzeit nicht sicher.

(APA/red)

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