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Wer die Luxuswelt verbarrikadiert

Nach den Ausschreitungen in Frankreich schützen Spezialfirmen Luxusgeschäfte vor Plünderungen und Verwüstungen.

red04 11:05 Uhr 4 Min. Lesezeit
Schutzgitter sollen Geschäfte vor Angriffen schützen, bei denen Fahrzeuge gezielt gegen Eingänge oder Schaufenster gesteuert werden, um sich Zugang zu verschaffen.
Schutzgitter sollen Geschäfte vor Angriffen schützen, bei denen Fahrzeuge gezielt gegen Eingänge oder Schaufenster gesteuert werden, um sich Zugang zu verschaffen. © JOEL SAGET / AFP

Wer ist eigentlich dafür zuständig, wenn Luxusgeschäfte plötzlich hinter Holzplatten und Metallgittern verschwinden? Nach den Ausschreitungen in Frankreich mussten zahlreiche Boutiquen von Dior, Louis Vuitton und Bvlgari ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken. ExtraDienst hat recherchiert, welche Unternehmen die Schutzmaßnahmen liefern, wer die Montage übernimmt und welche Spezialisten hinter den verbarrikadierten Geschäftsfronten stehen.

Dahinter steckt eine spezialisierte Branche, die von temporären Fassadenverkleidungen bis zu dauerhaft installierten Sicherheitssystemen ein breites Angebot abdeckt. Die Aufträge kommen von Luxusmarken ebenso wie von Juwelieren, Modeketten und anderen Händlern. Gerade bei großen Filialnetzen müssen Schutzmaßnahmen häufig innerhalb kurzer Zeit an mehreren Standorten umgesetzt werden. Einige Anbieter haben sich auf solche kurzfristigen Einsätze spezialisiert. Andere entwickeln dauerhafte Schutzsysteme für besonders gefährdete Geschäftsfronten.

Valentino und Ferragamo hinter Holzplatten

Der Anbieter Impulsa hat Anfang November über Schutzmaßnahmen in Frankreich und Belgien berichtet und dabei eine Reihe internationaler Marken genannt, für deren Geschäfte temporäre Holzverkleidungen montiert wurden. Dazu zählen Valentino, Ferragamo, Zimmermann, C.P. Company, Geox, KIKO Milano, Levi’s und Mango.

Die Arbeiten fanden unter anderem in Brüssel, Lüttich, Lyon, Straßburg, Marseille, Cannes und Nizza statt. Die Schutzkonstruktionen werden individuell an die jeweiligen Geschäftsfronten angepasst. Sie decken Schaufenster und Eingänge ab, teilweise werden auch Türen integriert, damit Mitarbeiter weiterhin Zugang zu den Filialen haben. Nach Ende der Gefahrenlage können die Verkleidungen wieder entfernt werden.

Für die Montage müssen die Fassaden zunächst ausgemessen und die Platten entsprechend vorbereitet werden. Hinzu kommen Transport, Befestigung und spätere Demontage. Gerade bei größeren Handelsketten ist die Koordination mehrerer Standorte ein wesentlicher Teil des Auftrags. Impulsa berichtet von Einsätzen in mehreren Ländern und einer entsprechend abgestimmten Umsetzung.

Sicherheitslösungen für die teuersten Einkaufsadressen

Nicht alle Anbieter konzentrieren sich auf temporäre Holzverkleidungen. Das Unternehmen Stackdoor hat sich auf verstärkte Schutzgitter und sogenannte Anti-Ram-Systeme spezialisiert. Diese sollen Geschäfte vor Angriffen schützen, bei denen Fahrzeuge gezielt gegen Eingänge oder Schaufenster gesteuert werden, um sich Zugang zu verschaffen.

Zwei entsprechende Anlagen wurden in Paris bei einem nicht namentlich genannten Luxusretailer installiert. Die Standorte befinden sich in der Avenue Montaigne und der Rue François 1er. Die Systeme wurden an die Architektur der jeweiligen Geschäfte angepasst und farblich auf die Fassaden abgestimmt. Im geöffneten Zustand lassen sie sich platzsparend oberhalb des Eingangs verstauen.

Gerade für Luxusmarken ist die optische Integration ein wichtiger Aspekt. Dauerhaft sichtbare Schutzgitter passen nur bedingt zum Erscheinungsbild einer exklusiven Boutique. Die technischen Lösungen müssen daher auch architektonischen Ansprüchen genügen. Stackdoor beschreibt seine Pariser Installationen als Sicherheitslösungen, die möglichst unauffällig in die Geschäftsfassade integriert werden.

Steigende Nachfrage vor Demonstrationen

Auch französische Anbieter haben sich auf die kurzfristige Absicherung von Geschäftsfronten spezialisiert. ManifProtect bietet unter anderem Schutzplatten für Schaufenster und Eingänge an und vermittelt zusätzlich Sicherheitskräfte. Nach den Ausschreitungen vom 17. Oktober berichtete das Unternehmen laut einem französischen Branchenbericht von einem deutlichen Anstieg der Anfragen für die folgenden Veranstaltungen.

Ein ähnliches Angebot hat Protec Manif. Das Unternehmen übernimmt die Vermessung der Geschäftsfronten, die Vorbereitung der Schutzplatten sowie deren Montage und Demontage. Die Einsätze werden üblicherweise rund um angekündigte Demonstrationen organisiert. Auch mehrere Filialen einer Handelskette können koordiniert werden.

Neben den temporären Verkleidungen gehören dauerhaft installierte Sicherheitsrollläden, Metallgitter und verstärkte Verglasungen zum Markt. Die jeweiligen Lösungen hängen von der Lage des Geschäfts, der Beschaffenheit der Fassade und dem erwarteten Risiko ab. Für besonders gefährdete Standorte können bauliche Schutzmaßnahmen durch Sicherheitsdienste ergänzt werden.

Der französische Sicherheitsdienstleister Union Access Security berichtete im Oktober von Anfragen verschiedener Apothekenketten und Juweliere. Auch Luxusgeschäfte verstärkten ihre Sicherheitsvorkehrungen. Bei den eingesetzten Kräften wurde teilweise auf unbewaffnete Mitarbeiter gesetzt, deren Präsenz abschreckend wirken soll, ohne die Situation zusätzlich anzuheizen.

Für die Händler geht es neben dem Schutz der Waren auch um die Vermeidung längerer Geschäftsschließungen. Beschädigte Schaufenster, Reparaturarbeiten und Ausfälle im Verkauf verursachen zusätzliche Kosten. Bei großen Luxusfilialen kommen hohe Warenwerte und exponierte Standorte hinzu. Die Absicherung ist damit auch eine wirtschaftliche Entscheidung.

Die jüngsten Ereignisse in Frankreich machen die Arbeit jener Unternehmen sichtbar, die normalerweise im Hintergrund bleiben. Ihre Aufträge reichen von kurzfristig montierten Holzplatten bis zu technisch aufwendigen Schutzgittern. Für internationale Luxusmarken ist die Sicherung ihrer Geschäfte längst nicht mehr nur eine Frage von Alarmanlagen und Wachpersonal. Auch die Fassade selbst wird Teil des Sicherheitskonzepts.

(red)

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