Was das Brickerl über die Inflation verrät
Die Rückkehr des Eisklassikers um Euro 1,20 lenkt den Blick auf Preisentwicklung und Markenwirkung.
Die Nachricht kam am Montag um 11.36 Uhr: Das „Brickerl“ kehrt in die Tiefkühltruhen zurück. Nach der Einstellung der Produktion im Jahr 2025 – offiziell nach rund 50 Jahren – reagierte Eskimo auf Proteste, mediale Aufmerksamkeit und eine ungewöhnlich emotionale Fanbewegung. Der Klassiker wird wieder produziert, wie Andrea Huber-Schallmeiner, Geschäftsführerin der Magnum Ice Cream Company Austria, erklärte.
Günstigstes Einsteiger-Eis von Eskimo
Ein Blick auf die langfristige Preisentwicklung des Brickerls zeigt ein deutliches Muster. In den ersten Jahrzehnten nach der Einführung 1973 verlief die Teuerung überschaubar und stetig. 1988 kostete das Eis 4 Schilling, 1999 lag der Preis bei 5 Schilling, umgerechnet 0,36 Euro. Auch nach der Euro-Umstellung blieb der Anstieg zunächst moderat: 2002 kostete das Brickerl 0,35 Euro.
Erst danach setzt eine neue Dynamik ein. 2006 stieg der Preis auf 0,50 Euro – ein spürbarer Sprung innerhalb weniger Jahre. In den folgenden anderthalb Jahrzehnten beschleunigte sich diese Entwicklung weiter. 2023 hatte sich der Preis gegenüber 2006 verdoppelt, das Brickerl kostete 1 Euro. Mit der nun angekündigten Rückkehr in die Tiefkühltruhen liegt der empfohlene Verkaufspreis 2026 bei 1,20 Euro.
Damit wird deutlich, was das Brickerl über Inflation erzählt – und was nicht. Über Jahrzehnte hinweg, von den 1970er- über die 1980er- und 1990er-Jahre bis weit in die 2000er hinein, verlief die Preisentwicklung berechenbar. Auch die Euro-Einführung änderte daran zunächst wenig. Preise stiegen, aber sie taten es langsam, nachvollziehbar und in einem Tempo, das mit Einkommen und Alltagserfahrung Schritt hielt. So funktionierte Inflation, wie man sie heute rückblickend als „normal“ bezeichnen würde.
Der Bruch kommt erst mit dem Jahr 2008. Seit der Finanzkrise hat sich das Muster verändert. Preise steigen nicht mehr kontinuierlich, sondern in Sprüngen. Das Brickerl ist dafür ein anschauliches Beispiel: Innerhalb von rund 15 Jahren hat sich sein Preis verdoppelt. Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr mit klassischer Inflation erklären, sondern mit einer Abfolge von Ausnahmezuständen.
Seither reiht sich eine Krise an die nächste – Finanzkrise, Eurokrise, Sparkrise, Klimakrise, Covid-Krise, Energiekrise, Teuerungskrise, Kriege. Jede für sich dient als Erklärung dafür, warum Preise schneller steigen müssen als zuvor. Doch genau hier liegt der Punkt: Kostenfaktoren wie Energie oder Logistik sind bereits Teil der Inflation, nicht ihre zusätzliche Begründung.
Vom Produkt zur Projektionsfläche
Bemerkenswerter als die Preisdebatte ist jedoch die kommunikative Dynamik, die das Ende des Brickerls ausgelöst hat. Nach mehr als fünf Jahrzehnten im Sortiment hatte Eskimo die Produktion eingestellt. Platzmangel in den Tiefkühltruhen, rückläufige Nachfrage – so lautete die Begründung. Für viele Fans klang das wie ein Schlussstrich unter ein Stück Kindheit. Nicht für Theo Kämmerer. Er begann, öffentlich für das Brickerl zu kämpfen.
Kämmerer, Radiomoderator aus Wien, startete eine Petition, mobilisierte Hörer, nutzte soziale Medien – und traf einen Nerv. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus dem Verschwinden eines einzelnen Produkts ein landesweites Thema. Titelseiten, TV-Hauptnachrichten, Kolumnen und emotionale Diskussionen folgten. Das Brickerl war zurück in der Öffentlichkeit, lange bevor es wieder im Handel war.
Mediales Echo beflügelte Rückkehr
Auch bei Eskimo blieb diese Welle nicht unbemerkt. Hinter den Kulissen verfolgte man, wie sich ein vermeintlich abgeschlossenes Kapitel wieder öffnete. Die Resonanz war größer, emotionaler und nachhaltiger, als es jede klassische Marktforschung abgebildet hätte.
Schließlich meldete sich Andrea Huber-Schallmeiner zu Wort. Man sei „überwältigt vom starken medialen Echo und dem unglaublichen Einsatz der Fans“, erklärte sie. In den Monaten nach der Einstellung habe man alles darangesetzt, das Brickerl wieder nach Österreich zu holen. Mit Erfolg.
(PA/red)