“Kronen Zeitung” bekommt neuen Geschäftsführer
Bisheriger McKinsey-Manager und Dichand-Berater Clemens Schwaiger wird Sprecher der Geschäftsführung bei Österreichs größte Zeitungsmarke.
Die Krone, Österreichs größte und von der Politik gefürchtete Zeitungsmarke, bekommt nach inzwischen bestätigten STANDARD-Informationen einen neuen Geschäftsführer. Clemens Schwaiger (47), bisher Manager bei der Unternehmensberatung McKinsey, soll die Geschäftsführung der Kronen Zeitung übernehmen.
Berater, Aufsichtsrat, Geschäftsführer
Clemens Schwaiger kam vor wenigen Monaten als Berater von Herausgeber Christoph Dichand in die Kronen Zeitung, er ist seit wenigen Wochen Mitglied im Aufsichtsrat einer Krone-Verlagsgesellschaft und soll nun die Geschäftsführung übernehmen.
Die bisherigen Geschäftsführer Gerhard Valeskini und Michael Tillian sollen offenbar in diesen Funktionen bleiben, aber sich auf Vermarktung/Marketing und Finanzen konzentrieren. Valeskini und Tillian sind auch Geschäftsführer des Krone-Kurier-Verlags Mediaprint neben Kurier-Geschäftsführer Richard Grasl.
Mit Wirkung zum 1. Juli übernimmt Clemens Schwaiger als Sprecher der Geschäftsführung die Gesamtsteuerung der Krone-Gruppe, verkündete die Krone eine Stunde nach den STANDARD-Anfragen. Schwaiger verantworte “die strategische Weiterentwicklung des Hauses, das Beteiligungsmanagement und den Aufbau neuer Geschäftsfelder”.
Gerhard Valeskini führe auch weiterhin den Leser- und Werbemarkt und vertrete die “Krone” gegenüber Lesern und Werbekunden. Michael Tillian verantworte wie bisher Finanzen, IT, Druck und Logistik. “Beide bündeln ihre Kraft künftig noch stärker auf diese Bereiche”, formuliert das die Krone.
Arthur D. Little bis McKinsey
Schwaiger studierte an der Wiener Wirtschaftsuniversität (MBA in International Business Administration). Er arbeitete laut seinem LinkedIn-Profil als Global Head of Media bei der Beratung Arthur D. Little, gründete ein E-Commerce-Startup, war dann Chief Product Officer im Bundesrechenzentrum. Ab 2021 war Schwaiger Associate Partner bei McKinsey Österreich und dort Leader for Consumer Tech, Media & Sports Industry für Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Schwaiger kommt in eine von schweren Konflikten geprägten Unternehmensgruppe. Wie viele andere Medienunternehmen steht auch der Marktführer unter erheblichem wirtschaftlichem Druck, auch wenn der Verlagskonzern Mediaprint nach rund 25 Millionen Euro Verlust vor drei Jahren nach teils massiven Sanierungsmaßnahmen und Personalabbau wieder deutlich in die Gewinnzone zurückgekehrt ist.
Dichand gegen Dichand
Im Hintergrund streiten die Krone-Eigentümer auch ohne die deutsche Funke-Gruppe weiter, auch alte Fronten im Krone-Kurier-Verlagskonzern Mediaprint werden wieder neu befestigt.
Die Gründerfamilie Dichand hat Ende 2025 die Übernahme von 50 Prozent an der Kronen Zeitung von der deutschen Funke-Mediengruppe formell abgeschlossen. Allerdings dürfte der Deal noch nicht ganz erledigt sein, denn Christoph Dichands Schwester Johanna Dichand beeinspruchte im letzten Moment eine innerfamiliäre Vereinbarung über die Anteile. Johanna Dichand soll einen höheren Preis beziehungsweise bessere Konditionen verlangen. Sie hält derzeit 12,5 Prozent der Anteile.
Der innerfamiliäre Streit dürfte von einem Schiedsgericht geklärt werden, wie das in der Krone üblich ist – gegen den bisherigen Mitgesellschafter Funke-Gruppe gab es mehr als ein Dutzend solcher Verfahren.
Ihre Mutter Helga Dichand starb Mitte 2024, sie hielt ebenfalls 12,5 Prozent an der Kronen Zeitung. Auch diese Verlassenschaft dürfte noch nicht final geregelt sein, die Anteile an der Kronen Zeitung sollen Christoph Dichand zugesagt sein.
Im April starb überraschend Michael Dichand, Johannas und Christophs älterer Bruder. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder, aber nach STANDARD-Informationen aus mehreren Quellen kein Testament. Die Kinder dürften, ebenfalls laut mehreren Quellen, einen Vormund/rechtlichen Vertreter bekommen. Michael Dichand hielt 12,5 Prozent der Anteile.
Zusammen mit seinem Bruder Christoph Dichand übernahm Michael Dichand die Anteile der deutschen Funke-Gruppe. Rund 8,6 weitere Prozent dürften an Michael gegangen sein, die übrigen 41,4 Prozent an Christoph Dichand.
“Krone” gegen “Kurier”
Kronen Zeitung und Kurier halten je 50 Prozent der Gesellschaftsanteile am gemeinsamen Verlagskozern Mediaprint. Die Gewinne werden im Verhältnis der Kommanditanteile 70:30 ausbezahlt. Die Krone-Eigentümerfamilie Dichand verlangt seit Jahrzehnten höhere Gewinne aus der Mediaprint und erklärt das mit dem deutlichen gewichtigeren Part in der Partnerschaft.
Die Dichands stellen immer wieder die Mediaprint und ihre Verträge in Frage, Kurier-Mehrheitseigentümer Raiffeisen verweist regelmäßig auf deren Gültigkeit und dürfte in dem Match recht gute Karten haben.
Raiffeisen ist gerade dabei, die übrigen Anteile am Kurier von der deutschen Funke-Gruppe zu übernehmen, die Verhandlungen sollen weit gediehen sein.
(berichtete der STANDARD am 29. Juni 2026, 10:41)
