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König-Macher

In der Kurier-Diskussion vom 18. März bringt Philipp König erstmals seine Vorstellungen für die Zukunft des ORF klar in Stellung.

20.03.2026 13:26
red04
© kronehit
Philipp König

Drei Kandidaten werden die größten Chancen für die Wahl des ORF-Generaldirektors eingeräumt. Und als Vierter im Bunde wohl Ingrid Thurnher, vorausgesetzt, sie bewirbt sich nach ihrer Interims-GD-Periode für die nächste Funktionsperiode. Doch die hat sich dazu nicht geäußert.

Die drei lauten: Philipp König (Geschäftsführer von Kronehit), Alexander Hofer (Landesdirektor des ORF Niederösterreich), Clemens Pig (APA-Vorstand). Eher weniger Chancen (weil er der SPÖ bzw. den NEOS zugerechnet wird) hat der jüngst ausgeschiedene ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker.

Erstgenannter hat sich bisher massiv bedeckt gehalten, was Statements zu seiner Vorstellung einer ORF-Kandidatur betrifft.

In einer Kurier-Diskussion am 18. März bringt er sich jetzt in Stellung. Hier eine Zusammenfassung dessen, was er in der Diskussion über die Zukunft des ORF gesagt hat.

Und irgendwo klingt das so, als wäre das sein Programm. Deswegen hat die Branche aufmerksam zugehört. Interessant, dass kein anderes Medium dieses Exzerpt in dieser Form und detailliert gebracht hat.

Hoffnung in der Krise

König betont gleich zu Beginn: Trotz der vergangenen Skandale sei der ORF „absolut zu retten“. Er sehe die Krise nicht nur als Problem, sondern auch als Chance für Reformen – sowohl politisch als auch innerhalb des Hauses. Während Medien und Öffentlichkeit vor allem den Schaden für den ORF wahrnehmen, sieht König vor allem einen „Katalysator“ für Veränderung. Die Politik könne jetzt mutige Schritte zur Reform setzen, und das Haus selbst könne interne Veränderungen initiieren.

Er zieht dabei historische Parallelen, etwa die Rundfunk-Liberalisierung um die Jahrtausendwende, die privaten Anbietern wie seinem derzeitigen Unternehmen den Eintritt in den Markt ermöglicht habe. Auch frühere Rundfunk-Volksbegehren bezeichnet er als seltene Gelegenheiten, in denen tiefgreifende Veränderungen möglich wurden. König sieht die aktuelle Situation als einen solchen Moment.

Öffentlich-rechtlich versus kommerziell

Ein Schwerpunkt von Königs Aussagen liegt auf der Abgrenzung zwischen öffentlich-rechtlichen Aufgaben und kommerziellen Tätigkeiten. Er erklärt, dass er als kommerzieller Anbieter unter denselben Auflagen wie der ORF die Trennungsrechnung zwischen öffentlich-rechtlicher und kommerzieller Tätigkeit nicht freiwillig übernehmen würde. Die Regelungen erfordern, dass öffentlich geförderte Mittel separat gebucht werden und ausschließlich für öffentlich-rechtliche Aufgaben verwendet werden, während kommerzielle Ergebnisse getrennt bilanziert werden müssten. Das sei aufwendig und für ein kommerzielles Geschäftsmodell kaum praktikabel.

König kritisiert nicht die Trennung selbst, sondern macht praktische Differenzierungen deutlich. So sei die öffentlich-rechtliche Finanzierung von Programmen, die kommerziell nicht tragfähig sind – etwa Kinderprogramme – völlig legitim. Private Anbieter könnten solche Inhalte nicht refinanzieren, weil strikte Werbebeschränkungen eine kommerzielle Finanzierung verhindern. Der ORF könne diese Lücke mit öffentlichen Mitteln schließen und das Programmangebot sinnvoll ergänzen.

Problematisch werden laut König hingegen Graubereiche, in denen öffentlich-rechtliche Mittel in direkte Konkurrenz zu kommerziellen Anbietern treten. Ein Beispiel: Ö3 bei Festivals. Hier treten öffentlich finanzierte Aktivitäten gegen private Anbieter an – etwa König selbst mit Kronehit. Diese Bereiche müssten „nachgeschärft“ werden, um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten.

Werbung, Marktstabilität und Ö3

König geht zudem ausführlich auf das Thema „Werbung“ ein – ein Feld, das besonders für die privaten Anbieter entscheidend ist. Er argumentiert, dass Werbung beim ORF sowohl für das Haus als auch für den privaten Markt stabilisierend wirkt. Einschränkungen der Werbemöglichkeiten, wie sie in den letzten Jahren gesetzlich festgelegt wurden, hätten zwar den Werbedruck beim ORF reduziert, seien aber nicht automatisch privaten Medien oder dem heimischen digitalen Markt zugutegekommen, sondern den internationalen Anbietern.

„Ich bin froh, dass der ORF werben darf/muss“, erklärt König. Werbung stabilisiere die Preise, und solange der ORF kommerzielle Produkte wie Ö3 betreibt, entstehe kein verzerrender Wettbewerb. Ein werbefreies Ö3 wäre für ihn eine deutlich größere Bedrohung für private Anbieter.

Stiftungsrat und politische Einflussnahme

Die Frage der ORF-Aufsicht hält König für besonders wichtig. Er fordert eine klare Trennung zwischen politischem Einfluss und gesellschaftlicher Repräsentanz. Politische Vertreter allein dürften nicht die Entscheidungsgewalt dominieren, während gleichzeitig die Perspektive der Gebührenzahler und Zuschauer angemessen berücksichtigt werden müsse.

König verweist auf europäische Modelle, etwa die SRG in der Schweiz, wo Vertreter der Gesellschaft und des Publikums neben politischen Akteuren Einfluss ausüben. Entscheidend sei dabei die Gewichtung der Gruppen: Ein System, in dem parteipolitische Vertreter Entscheidungen allein herbeiführen können, würde das Gleichgewicht im ORF zerstören. Auch die internen Arbeitnehmervertretungen des ORF sieht er als wichtigen Bestandteil des Kontrollsystems.

Wie muss der nächste Generaldirektor sein?

Auf die Frage, welche Fähigkeiten der nächste ORF-Generaldirektor mitbringen müsse, antwortet König pointiert: Zuerst müsse man definieren, welchen ORF man überhaupt haben wolle. Erst darauf basierend könne man das Anforderungsprofil ableiten.

Mit seinem geschickten Schluss lenkt König das Augenmerk somit auf die Frage, welche Erwartungen an den nächsten ORF-Generaldirektor bestehen. Und bringt zugleich seine eigenen Ideen ein.

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