ED-Exklusiv: Die ORF-Baustellen
Im ORF gibt es derzeit unzählige offene Baustellen in diversen Abteilungen.
Während ab Donnerstag dieser Woche 200 Vertreter auf Geheiß Andreas Bablers über die Zukuft des ORF diskutieren (erfrischenderweise nachdem die Weichen für Generaldirektor und Management bereits zur Gänze entschieden und abgewickelt sind), gibt es im Österreichischen Rundfunk eine ganze Reihe an Baustellen.
Wesentliche Positionen sind dort nur provisorisch besetzt oder werden interimistisch geführt.
Beginnend mit der ORF Enterprise, wo nach dem Abgang von Oliver Böhm, der bei oe24 gelandet ist, interimistisch Matthias Seiringer die Geschäfte führt. Eine absolute Schlüsselposition muss hier neu ausgeschrieben werden, wo’s um das Eingemachte, sprich das Werbegeld des Österreichischen Rundfunks, geht.
Denn immerhin finanziert der ORF neben den Gebühren rund 17 Prozent seiner Einkünfte über die Werbeerlöse. Die im Jahr etwa 189 Millionen Euro ausmachen (2025).
Interimistisch geführt wird auch die Unterhaltungsabteilung. Die noch amtierende Unterhaltungschefin Stefanie Groiss-Horowitz leitet dort die Geschäft bis zum Jahresende.
Neuer Programmdirektor ist Michael Krön. Sohin muss auch dessen vorheriger Job (Programmwirtschaft) neu besetzt werden.
Doch zurück zur Unterhaltungsabteilung. Dort ist der Vertrag des bisherigen Unterhaltungschefs Martin Gastinger am 31. Juli 2026 ausgelaufen. Und wurde – wie erwartet – nicht verlängert. Ein schwerer Schlag für Gastinger, der jetzt vom Chef zum einfachen Redakteur abgestiegen ist.
Natürlich zu einer deutlich geringeren Gage, als die, die er bis zum 31. Juli hatte.
Vakant ist auch die Abteilung ORF Promotion, nachdem Michael Hajek in Pension gegangen ist.
Und auch die Leitung der Rechtsabteilung muss nach dem bisherigen Chef Klaus Kassai neu ausgeschrieben werden.
Unklar ist auch, wie es mit ORF III weitergeht, der bisher von einer Doppel-Geschäftsführung mit Kathrin Zierhut-Kunz und Peter Schöber, der mittlerweile entfernt wurde, geleitet wurde.
Da stellt sich die Frage, ob ORF III als Struktur überhaupt aufgelöst wird, wie es dort weitergeht, ob es dort bei einer Alleinbesetzung mit Zierhut-Kunz bleibt. Oder ob da Clemens Pig den Sparstift ansetzen wird.
Letztendlich steht auch die Position von Pius Strobl (CSR – Corporate Social Responsibility) davor, dass ein Nachfolger für Strobl gefunden wird, der ja jüngst freigestellt wurde. Wohl bis zu seiner Pensionierung im Dezember…
Eva Schindlauer, die kaufmännische Direktorin des ORF, hat – wie ExtraDienst in Erfahrung bringen konnte – interimistisch „Licht ins Dunkel“ von Strobl übernommen.
Und – wie pfiffige Spatzen vom Küniglberg uns zupfeifen, soll Schindlauer größtes Interesse haben, neue Chefin des – durchaus prestigeträchtigen – Formats zu werden.
Dass das nicht in Ingrid Thurnhers Noch-Generaldirektion und künftig in Clemens Pigs Aufgabenbereich gelandet ist, halten Insider für einen schweren strategischen Fehler.
Denn beim – tagtäglich gebeutelten ORF – gibt es ein einziges Feld, wo die Berichterstattung immer nur positiv ausfällt: Und das ist „Licht ins Dunkel“. Wer das führt, der hat gute Presse.
Und die können sowohl Thurnher als auch Pig dringen brauchen.
Die restlichen Aufgabenbereiche Strobls, wie etwa Sicherheit, Bauangelegenheiten etc. werden demnächst auf die technische Direktion und die Generaldirektion verteilt.
Das Fazit aus der Palette an provisorischen oder interimistischen Leitern kann man wie folgt ziehen: Viele stehen bereits in den Startlöchern und hoffen, dass sie bei den vakanten Posten zum Zug kommen.
Aber vielleicht passiert ja gar nichts.
Es soll schon provisorische Besetzungen im ORF gegeben haben, die interimistisch angekündigt waren. Und jahrelang gehalten haben.
Man wird sehen.
CEMU