Briten erwägen Altersgrenze für Social Media

Die Mehrheit im britischen Oberhaus hat einem Vorstoß zugestimmt, der ein Social‑Media‑Verbot für unter 16-Jährige vorsieht.

23.01.2026 10:33
red04
© House of Lords 2019 / Photography by Roger Harris
Das britische Oberhaus hat einem Änderungsantrag zugestimmt, der ein Social‑Media‑Verbot für unter 16‑Jährige vorsieht.

In Großbritannien wächst die politische Debatte über einen möglichen gesetzlichen Ausschluss von Sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Der Vorstoß folgt einem ähnlichen Schritt, der in Australien bereits umgesetzt wurde.

Entscheidung im Oberhaus

Das britische Oberhaus, die zweite Kammer des Parlaments, hat einem Änderungsantrag zugestimmt, der ein Social‑Media‑Verbot für unter 16‑Jährige vorsieht. Die Mehrheit der Lords unterstützte den Vorschlag mit 261 zu 150 Stimmen. Eingebracht wurde der Änderungsantrag von dem konservativen Abgeordneten John Nash. Nach Ansicht seiner Befürworter setzt die Abstimmung „die Zukunft der Kinder an erste Stelle“ und markiert einen ersten Schritt hin zu strikteren Regeln im digitalen Jugendschutz.

Reaktionen aus Regierung und Parlament

Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer hat den Änderungsantrag bisher nicht offiziell angenommen. Vor der Abstimmung betonte die Regierung, sie wolle zunächst die Ergebnisse einer für den Sommer geplanten öffentlichen Konsultation abwarten. Mehr als 60 Abgeordnete der regierenden Labour‑Partei haben Starmer in den vergangenen Tagen jedoch dazu aufgefordert, das Verbot zu unterstützen. Neben der Konsultation prüft die Regierung weitere Maßnahmen, darunter strengere Altersprüfungen sowie mögliche Änderungen beim digitalen Schutzalter. Diese Gespräche finden vor dem Hintergrund statt, dass Australien vor Kurzem ein umfassendes Social‑Media‑Verbot für unter 16‑Jährige eingeführt hat und dort bereits Millionen von Konten blockiert wurden.

Öffentliche Meinung

Laut einer Umfrage aus dem Dezember unterstützen rund 74 Prozent der britischen Bevölkerung ein Verbot für unter 16‑Jährige. Auch prominente Persönlichkeiten, darunter Schauspieler wie Hugh Grant, haben sich öffentlich für eine Einschränkung ausgesprochen. Gleichzeitig warnen einige Kinderschutzorganisationen davor, dass ein solches Verbot ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln könnte. Kritiker argumentieren, dass strikte Regelungen dazu führen könnten, dass Jugendliche auf weniger regulierte Plattformen ausweichen oder andere Risiken online suchen.

Internationaler Kontext

Der Vorstoß in Großbritannien kommt zu einer Zeit, in der mehrere Länder ihre Online‑Regulierungen für junge Nutzer überdenken. Australien ist bislang das einzige Land mit einem generellen Verbot sozialer Netzwerke für unter 16‑Jährige. Debatten über Altersgrenzen und digitale Schutzmaßnahmen finden jedoch weitgehend statt. Da das Unterhaus des britischen Parlaments über den Änderungsantrag entscheiden muss, bevor er Gesetz werden kann, bleibt unklar, wie das Vorhaben weitergeht. Die anstehende öffentliche Konsultation soll zusätzliche Daten und Meinungen liefern, die in die politische Entscheidung einfließen sollen.

(red)

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