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Breiter Konsens über Reformbedarf beim ORF

Bei einer Podiumsdiskussion, veranstaltet vom „Kurier“ wurde breite Einigkeit über notwendige Reformen beim ORF deutlich.

19.03.2026 9:36
red04
© ORF/Milenko Badzic
In der Frage nach der künftigen Leitung des ORF gingen die Meinungen auseinander.

Bei einer Podiumsdiskussion in Wien, veranstaltet vom „Kurier“ in Kooperation mit „Presse“ und „Kleine Zeitung“, herrschte unter den Teilnehmern weitgehend Einigkeit darüber, dass der ORF reformiert werden müsse. Trotz der aktuellen Turbulenzen wurde jedoch betont, dass der öffentlich-rechtliche Sender grundsätzlich erhaltenswert sei. Als zentrale Ansatzpunkte für Veränderungen wurden insbesondere eine präzisere Definition des öffentlich-rechtlichen Auftrags sowie Anpassungen bei der Zusammensetzung des ORF-Stiftungsrats genannt.

Rücktritt von Roland Weißmann

Auslöser der Diskussion war der Rücktritt des ORF-Generaldirektors Roland Weißmann. Hintergrund sind Vorwürfe einer ORF-Mitarbeiterin, wonach er sie zu einer über eine freundschaftliche Beziehung hinausgehenden Verbindung gedrängt haben soll, unter anderem durch explizite Nachrichten. Weißmann weist die Anschuldigungen zurück. Über seinen Anwalt ließ er erklären, dass es sich um eine einvernehmliche Beziehung gehandelt habe, in der kein Druck ausgeübt worden sei.

Forderungen nach strukturellen Veränderungen

Mehrere Diskussionsteilnehmer betonten die Notwendigkeit grundlegender Reformen. Medienmanager Hans Mahr sprach sich für einen effizienteren und stärker auf Inhalte fokussierten ORF aus. Zugleich warnte er vor einer Entwicklung wie in den USA, wo seiner Ansicht nach wenige wirtschaftlich mächtige Akteure großen Einfluss auf die Medienlandschaft hätten. Einsparungen sollten seiner Meinung nach eher strukturell erfolgen, etwa durch Anpassungen im Senderangebot, nicht jedoch primär über Gehaltskürzungen. Auch der Geschäftsführer des Privatradiosenders Kronehit, Philipp König, bezeichnete den ORF als reformfähig. Die aktuelle Situation eröffne seiner Ansicht nach die Möglichkeit für politische Entscheidungsträger, weitreichende Veränderungen umzusetzen.

Werbung und Marktumfeld

Im Hinblick auf Werbebeschränkungen äußerte sich König zurückhaltend. Frühere Einschränkungen hätten nicht zu einer Stärkung österreichischer Privatmedien geführt, sondern vor allem internationalen Konzernen genutzt. Der ORF spiele eine stabilisierende Rolle im Werbemarkt, so König, weshalb er sich für den Fortbestand von Werbemöglichkeiten – auch bei populären Formaten wie Ö3 – aussprach.

Kritik am Stiftungsrat

Die NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter forderte einen umfassend reformierten ORF. Ein zentrales Ziel sei eine größere Unabhängigkeit von politischem Einfluss. Besonders der ORF-Stiftungsrat stand in der Kritik: Dieser sei zu groß und nicht durchgehend mit ausreichend qualifizierten Personen besetzt. Brandstötter plädierte zudem für stärkere Kooperationen zwischen dem ORF und privaten Medienanbietern. Auch „profil“-Chefredakteurin Anna Thalhammer sprach sich für strukturelle Veränderungen aus. Sie kritisierte insbesondere die Präsenz von PR-Beratern im ORF-Stiftungsrat, die ihrer Ansicht nach dort keinen Platz haben sollten.

Anforderungen an künftige Führung

In der Frage nach der künftigen Leitung des ORF gingen die Meinungen auseinander. Diskutiert wurden sowohl inhaltliche als auch strukturelle Anforderungen. Genannt wurden unter anderem die Fähigkeit zur digitalen Transformation sowie Offenheit für Kooperationen. Interimistisch mit der Leitung betraut wurde Ingrid Thurnher, die von mehreren Diskutierenden als mögliche langfristige Lösung ins Spiel gebracht wurde. Insgesamt zeigte die Diskussion, dass der ORF trotz aktueller Krise von vielen als unverzichtbarer Bestandteil der österreichischen Medienlandschaft betrachtet wird – verbunden mit der Erwartung tiefgreifender Reformen.

(APA/red)

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