Aufreger Opernball
Unsere Kritik am diesjährigen Opernball hat eine wahre Flut von Reaktionen ausgelöst.
Unsere Kritik am diesjährigen Opernball hat eine wahre Flut von Reaktionen ausgelöst.
Diverse Glossen, Kommentare sind bei uns ebenso eingelangt wie ungezählte Reaktionen auf Beiträge in den sozialen Netzen.
Hier nun ein Auszug aus den Reaktionen und Reflexionen zum Opernball.
Heinz Sichrovsky übersandte uns die nachfolgende Reflexion:
„Ich war noch nie auf dem Opernball, weil ich noch keinen Sponsor gefunden habe. Dabei müsste mir der nur drei bescheidene Bedingungen erfüllen: Er müsste mich nur 1) bewusstlos schlagen, 2) in der Oper anketten und 3) knebeln, damit ich nach dem Erwachen das Fest nicht störe. Deshalb fehlt es mir an jeglicher Expertise im Zusammenhang mit Opernball-In- oder Externa. Allfällige Meinungsverschiedenheiten in diesem Zusammenhang, die mir unscharf zu Ohren gekommen sind, entziehen sich daher meiner Beurteilung, zumal ich alle Beteiligten schätze und Bernsteins „West Side Story“ für kein Musical, sondern ein bedeutendes Opernwerk halte. Sonst müsste man auch „Porgy and Bess“ gattungsgeschichtlich degradieren, was ich mir resolut verbäte.“
oe24-Kulturchef Thomas Zeidler-Künz zum Thema „Musical beim Opernball“:
„Die Staatsoper für populäre Kultur und auch e-Musik zu öffnen, ist begrüßenswert und hat ja z. B. beim Jazzfest jahrelang hervorragend funktioniert. Unvergessen sind Konzerte von Weltstars wie Liza Minelli, Ray Charles oder R.E.M., die selbst in der ruhmreichen Geschichte der Staatsoper für Ausrufezeichen sorgten. Beim Opernball ist die leichte Muse, selbst wenn sie von einem Giganten wie Leonard Bernstein stammt, jedoch ein falscher Ansatz. Da sollte die Tradition gepflegt und nicht jedem Trend nachgehechelt werden. Sonst endet die Eröffnung des Opernball womöglich noch in den Untiefen des Villacher Faschings.“
Hinter dem Pseudonym Franz Carl Trötzmüller verbirgt sich jemand, der der Staatsoper sehr nahesteht, aber aus Angst vor Repressalien seinen wahren Namen nicht enthüllen will. Er schreibt:
„Der Operettenball 2026
Allerlei Skurrilitäten um das größte Society-Ereignis des Jahres.
Der beinahe literarische Exkurs über den Operettenball fand – halten zu Gnaden – meine Approbation. Ich bin neugierig, wie unser Herr Vizekanzler, Wohn- aber auch Kulturminister, uns nächstens die Eskapaden des Operndirektors erklären wird, der den so gar nicht sozialen Zugang zu Opernball-Logen an bedenkliche Bedingungen knüpft. Etwa 30.000,00 Euro weist Google für den Status eines Donators aus. Und dann kommt noch die Miete dazu! Wie wird uns das im Bundestheater-Bericht von der ab 1. April (!) tätigen Bundestheater-Chefin und ehemaligen Bodenkultur-Universitätsprofessorin dargestellt werden?
Wirklich schade, dass fast alle Karten für die ESC-Veranstaltung schon verkauft sind, sonst hätte sich die Stadthalle einen immensen Betrag erträumen können, der gerne als „Körberlgeld“ herabgetan wird. Und „Offizieller Freundeskreis“ müsste sich derlei schon bezeichnen lassen, sonst klingt’s ja nach nichts – Operndirektor Bogdan Roščić weiß das längst, denn den „Freunden der Wiener Staatsoper“, einem Verein, der jüngst sein 50-Jahr-Jubiläum feierte, ist er abhold und verhält sich inkooperativ.
Sie stellen die Frage nach dem Ausbleiben einer Opernball-Lady und sollten wissen, dass Herrn Roščić das Machtdünkel-Motiv aus der Ring-Tetralogie Richard Wagners nicht unbekannt ist: Zuerst räumt Philippe Jordan das Feld, dann schafft es der Opern-Direktor auch noch, die Arbeiten dieser honorigen Vorgängerinnen zu übernehmen.
Der Direktor bleibt über. Aber auf gut österreichisch ist das halt so ein Problem, wenn man sagt: „Der bleibt über.““
„Das Wichtigste“, so meinte der verwichene Hans Dichand seiner Zeit, „in meiner Kronen Zeitung ist die Leserbrief-Seite. Die betreue ich selber. Die Auswahl der dort von uns ausgewählten Briefe gibt die Meinung der Österreich wieder. Sie ist echt, authentisch und wahrhaftig.“ (Aus einem Interview, das ich mit ihm wenige Monate vor seinem Ableben führen durfte.)
Hier nun der bislang einzige erschienene Leserbrief in der Kronen Zeitung zum Thema Opernball:
„Bei aller Wertschätzung für Leonard Bernstein, er war schließlich einer der bedeutendsten Dirigenten und hat auch als Komponist einen Namen, doch war es notwendig, den Opernball mit ‚West Side Story‘ zu eröffnen? Das hervorragend interpretierte Duett aus der ‚Traviata‘ hat dann zwar einigermaßen entschädigt, war aber insgesamt zu wenig. Nur weil die neue Ballett-Chefin diese Form der Eröffnung vorgeschlagen hat, muss das Direktorat nicht gleich einwilligen und mit einer jahrzehntelangen Tradition brechen. Oper und Musical sind zwei grundverschiedene Metiers, die man nicht vermischen sollte, und bei der Fußball-WM wird auch nicht Handball gespielt.“ (Mag. Martin Behrens)
Kurt Nebelhei schreibt uns:
„Sie berichten in unserem Newsletter davon, dass Sharon Stone sinngemäß eine undankbare Zicke wäre, weil sie nicht zum Lafer-Festmahl erschienen ist, sondern beim Plachutta ihr Schnitzel gegessen hat. Nun, das stimmt: Sechs Personen waren beim Plachutta, bezahlt hat ihr Management mit Kreditkarte. Aber der Herr Guschlbauer war ja noch gut bedient damit, dass sie ihn einzig beim Dîner versetzt hat. Stellen Sie sich vor, die Frau Stone hätte in der Guschlbauer-Loge medienwirksam in eine Schwedenbombe gebissen. Dann hätte der echt ein Problem gehabt.“
Hier noch ein Auszug aus den Kommentaren in den Sozialen Netzwerken:
Ingrid Hadi: „Die Eröffnung war wieder sehr schön, bis auf die furchtbaren Kostüme des Balletts, auch wenn sie von Armani waren. Da werden Legionen von Menschen beschäftigt, und diese Farblosigkeit fällt nicht schon bei der Planung auf? Auch die Musik-Einlage hat mir nicht besonders gefallen, man muss nicht immer Altbewährtes durch etwas Neues ersetzen.“
Thomas Weninger: „Der Opernball ist ein Sinnbild für den Verfall der österreichischen Traditionen geworden. Ich unterstütze den Vorschlag und bin bereit, meinen Denk- und Konzeptionsbeitrag zu leisten (das ist mir aufgrund meiner Erfahrung, meines Ideenreichtums und meines internationalen Netzwerkes möglich), so es wirklich gewollt ist bzw. sein sollte. Wir sind gründlich auf dem Holzweg in vielen Dingen, und Schau-Flächen wie der Opernball oder die Olympischen Spiele bringen es zum Ausdruck. Entweder es gelingt uns und wir sind in vielen Belangen komplett neu zu erfinden, oder wir sind als Nation wie Gesellschaft dem Untergang geweiht.“
Doris F.: „Warum nicht zwei klassische Opernarien und als Draufgabe das Duett aus der West Side Story? Ich fand beide Sänger an diesem Abend extrem farblos. Für einen Auftritt am Opernball braucht es mehr als eine erstklassige Stimme, Leute mit Darstellungskraft und extrovertierter Persönlichkeit. Und wie hier bereits erwähnt, teilweise war es eine Freakshow, unpassende Garderobe hoch drei.“
Berthold Baurek-Karlic: „Der Opernball hätte verdient, wegen seiner Anziehungskraft mit Stars gefüllt zu sein. Persönlich bin ich diesem Treiben bisher ferngeblieben bzw. noch keiner Einladung gefolgt, schlicht weil der Ball zu Hause am Fernseher einfach abgeschaltet werden kann. Mit der richtigen Runde, in einer feinen Loge, kann ich es mir erst vorstellen, teilzunehmen, wenn das Image des Balls wieder besser ist.“
Jo Or: „Ich bin gespannt, wann die ersten Kebab- und Barber-Shops in der Oper Einzug halten werden.“
Gabriela Sasse: „Die Kostüme erinnerten mich an tanzende Kondome!“
Edel Czernin: „Das ist typisch österreichisch. Seit Jahren kennt man dieses Problem und unternimmt nichts dagegen. Das war auch der Grund, warum Sharon Stone so Panik bekommen hat. In Amerika wäre das undenkbar!“
Leopold Schönhofer: „Das, was da heuer abgeht, ist ja Wahnsinn und hat etwas von Trash-TV… vielleicht könnten die einen oder anderen nachdenken und etwas ändern.“
Katharina Rainer: „Ich habe mich auch gewundert, warum ein Kabarettist, den ältere Jahrgänge gar nicht kennen, so in Szene gesetzt wird. Muss man einen Tik-Tok-‘Star’, der sich Dr. Bohl nennt, wirklich 6 bis 7 Mal zeigen, wo es doch so viele interessantere Menschen gab, die sich auf diesem besonderen Ball tummelten? Ja, früher war das noch ein Highlight, auch für die Zuseher zu Hause an den Bildschirmen. (…) Dass ein Glaserl Champagner 40 Euro kostet, während Menschen nicht wissen, wie sie die Münder ihrer Kinder stopfen sollen – auch da bin ich bei dir. Zu diesem Thema gäbe es wirklich viel zu sagen… doch ich bin einfach nur eine vom Volk…“
Heinrich Wicke: „Lieber Christian, dazu kann ich in nur 3 Wörtern antworten: ‚Gut gebrüllt, Löwe!‘“
Melanie Cih: „Eine sehr, sehr schöne Idee wäre das, wenn dies umgesetzt werden würde. Ein Ball der Kunst, Kultur und der hohen Politik des Friedens wäre ein Traum meinerseits. P. S.: Die möchte gern XYZ-Promis können ja trotzdem ihren Besuch zelebrieren und Kasperle spielen.“
Katharina Schrenk: „Es wäre noch schön, wenn die Wiener auch mal die Chance bekommen würden, sich ein normales Ticket zu ergattern. Mein Traum war es, immer schon mal auf den Opernball zu gehen, aber leider nicht erschwinglich für Normalos.“
Michael J. Masata: „Schickimicki-Spektakel, eine peinliche Selbstdarstellungsorgie provinzieller Eitelkeiten. Der Opernball ist nicht länger Bühne gesellschaftlicher Bedeutung, sondern Karikatur seiner selbst…“
Christa Biedermann: „Hat der Opernball nicht nötig, so abzudriften…“
Astrid Makos: „Auch manche Kleider waren ein Schock für mich. Der Opernball hat sehr abgebaut.“
Karl G. Auer-Polaska: „Mucha rockt den Opernball, aber ohne eingekaufte Stars und mit Niveau. Chapeau.“
Gerry Neuhold: „Man müsste sich was einfallen lassen, sonst schaut keiner mehr zu. Die Preise steigen jährlich!“
Helmut Knall: „Der Opernball war der langweiligste. Dschungelcamp-Z-Promis werden sich dort eh lächerlich machen und nie wieder kommen.“
Philipp Ita: „Lugner hat es perfekt verstanden und durch die Einladung – meist – echter Stars die Bilder des Opernballs in die ganze Welt transportiert. Heute ist alles ein billiger Abklatsch davon.“
Andreas Reitmayer: „Ich wähle Mucha zum neuen Opernball-Direktor! Sehr gut beschrieben.“
