Kinoindustrie wächst trotz rückläufiger Besucherzahlen

Trotz Rekordumsätzen kämpft die US-Kinobranche mit sinkenden Besucherzahlen und einem grundlegenden Wandel des Geschäftsmodells.

17.08.2026 9:29
red04
© Adobe Stock
Das Kino entfernt sich vom klassischen Massenmedium und entwickelt sich immer stärker zu einem teuren Premium-Erlebnis für eine kleinere Zahl von Besuchern.

Die US-Kinoindustrie steuert auf ihr umsatzstärkstes Jahr seit der Corona-Pandemie zu. Angetrieben von Blockbustern wie „Spider-Man: Brand New Day“ und „The Odyssey“ lagen die Einnahmen bis Anfang August bei 6,2 Milliarden Dollar (5,38 Milliarden Euro) – 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Erfolg beruht jedoch weniger auf einer breiten Rückkehr der Zuschauer als auf höheren Ticketpreisen, Premium-Formaten und einigen wenigen besonders erfolgreichen Filmen.

Weniger Besucher, höhere Preise

Die Zahl der Kinobesuche bleibt deutlich hinter dem Niveau vor der Pandemie zurück. In den ersten 30 Wochen des Jahres wurden nach Schätzungen von S&P Global Market Intelligence rund 470,9 Millionen Tickets verkauft. 2019 waren es im gleichen Zeitraum noch 747,3 Millionen. „Das Umsatzwachstum der Kinobetreiber wird schon seit langem hauptsächlich durch die Erhöhung der durchschnittlichen Ticket- und Konzessionspreise angetrieben“, sagte Analyst Wade Holden von S&P. Auch wenn die Besucherzahlen laut Placer.ai um 8,1 Prozent über dem Vorjahr liegen, befinden sie sich weiterhin rund 27 Prozent unter dem Stand von 2019.

Kino wird zum Premium-Erlebnis

Die Betreiber reagieren auf das veränderte Zuschauerverhalten. Viele Besucher gehen heute vor allem wegen großer Event-Filme ins Kino und sehen andere Inhalte über Streamingdienste. Deshalb investieren die Kinoketten in hochwertige Angebote wie IMAX-Vorführungen und verbesserte Ausstattung. Laut EntTelligence kostete ein durchschnittliches Ticket für Erwachsene bis Ende Juli 13,46 Dollar (11,69 Euro), bei Premium-Formaten waren es 18,22 Dollar (15,82 Euro). Die Strategie zahlt sich aus: Die Kinokette AMC verzeichnete zuletzt dank der starken Nachfrage nach Premium-Vorstellungen das umsatzstärkste Wochenende ihrer Geschichte.

Abhängigkeit von wenigen Filmen wächst

Der Erfolg konzentriert sich zunehmend auf wenige große Produktionen. Filme wie „The Odyssey“ oder „The Super Mario Galaxy Movie“ sorgen für hohe Einnahmen, erhöhen aber auch die Abhängigkeit der Branche von einzelnen Blockbustern. Die fünf großen Studios Universal, Walt Disney, Sony, Warner Bros. und Paramount Pictures erzielten in diesem Jahr zusammen 68 Prozent der US-Kinoeinnahmen. Für die Branche bedeutet diese Entwicklung einen grundlegenden Wandel: Das Kino entfernt sich vom klassischen Massenmedium und entwickelt sich immer stärker zu einem teuren Premium-Erlebnis für eine kleinere Zahl von Besuchern.

(APA/red)

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