ORF zeigt Werbung während WM-Trinkpausen
Bei der WM testet der ORF ein neues Format, bei dem Werbespots mitten im Spiel während Spielpausen eingeblendet werden.

Die Übertragung großer Fußballturniere im öffentlich-rechtlichen Fernsehen könnte sich verändern. Der ORF wird bei WM-Spielen laut dem Standard erstmals Werbung während laufenden Partien zeigen – konkret in kurzen Unterbrechungen wie Trinkpausen. Auch in Deutschland denken ARD und ZDF über ähnliche Modelle nach.
ORF nutzt Unterbrechungen im Spiel
Hauptsächlich geht es um sogenannte Trinkpausen, die bisher werbefrei blieben. Der Welt-Fußballverband FIFA hatte bereits im vergangenen Dezember angekündigt, dass es bei der WM in der Mitte jeder Halbzeit eine dreiminütige Trinkpause geben wird – unabhängig von den Wetterbedingungen. Der ORF nutzt diese Unterbrechungen nun, um Werbespots zu zeigen. Damit betritt der Sender Neuland. Denn klassisch ist Werbung im Fußball klar getrennt: vor dem Spiel, in der Halbzeit oder danach. Werbung mitten im Spiel war im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bislang unüblich. Die entscheidende Frage ist, ob solche Trinkpausen als „natürliche Unterbrechung“ gelten. Sollte das so interpretiert werden, wäre Werbung rechtlich möglich. Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Diskussion an.
ARD und ZDF prüfen ähnliche Schritte
Auch in Deutschland wird das Thema beobachtet. Berichten zufolge überlegen ARD und ZDF, ob sich ein ähnliches Modell umsetzen lässt. Allerdings sind die Hürden dort höher. Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist strenger reguliert und muss klar vom Programm getrennt sein. Ob kurze Spielunterbrechungen wie Trinkpausen dafür ausreichen, ist noch offen. Fest steht: Eine direkte Übernahme des Modells wäre nicht ohne Weiteres möglich, sondern müsste rechtlich genau geprüft werden.
Zwischen Einnahmen und Zuschauererlebnis
Hinter der Entwicklung steht ein bekanntes Spannungsfeld. Sportrechte – vor allem für Weltmeisterschaften – sind teuer. Gleichzeitig stehen öffentlich-rechtliche Sender unter Druck, wirtschaftlich zu arbeiten. Werbung während zusätzlicher Unterbrechungen könnte hier neue Einnahmen bringen. Gleichzeitig besteht das Risiko, das Zuschauererlebnis zu verschlechtern. Fußball lebt vom Spielfluss – und viele Fans reagieren sensibel auf Unterbrechungen durch Werbung.
(red)

